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1971 empfing Dieter Meier die Besucher seiner Performance im New York Cultural Center mit gezückter Pistole. Yello, das Trio und spätere Duo, mit dem Meier seine Heimatstadt Zürich auf der internationalen Landkarte des Pop verorten sollte, gab es da noch nicht. Mit der Geburtsstunde dieser Formation befasst sich unter anderem das nun erschienene Buch des Schweizer Journalisten Daniel Ryser.
Wer sich gut vier Jahrzehnte nach der Meier-Aktion "This Man Doesn't Shoot" einen Eindruck der Performer-Qualitäten dieses Daniel Rysers und der Talker-Qualitäten der Herren Meier und Blank verschaffen möchte, den empfängt im Treppenhaus des Roten Salons der Berliner Volksbühne erstmal der Geruch von nassem Hund. Oben im Salon aber wartet dann doch der Wahnsinn des Meier-Universums. Während jener selbst - in einem formidabel sitzenden Anzug, gestreiftem Hemd und eng geknüpftem Seidenschal - zwischen Bar und Publikumsreihen parliert, kriecht sein jüngeres Alter Ego vorne auf der Leinwand mit Partner Boris Blank im Piratendress durch eine Schatzinsel-Requisite. Auftritt Daniel Ryser. Er sieht sehr jung aus, und dass das nicht einfach nur ein Eindruck ist, der täuscht, bestätigt er gleich mit den ersten Sätzen aus seinem Buch, die erzählen, dass er bei alledem, worum es unter anderem gehen soll, nicht dabei gewesen ist, weil eben noch nicht geboren oder im Säuglingsalter: Geburtsstunde von Yello, Gründung der Roten Fabrik in Zürich etc.
Ryser knallt die Sätze mit Schweizer Akzent in einem Maschinenpistolen-Stakkato heraus, das im Publikum erst für Kichern, dann kichernde "Luftholen"-Zwischenrufe und schließlich anerkennenden Applaus sorgt, als allen klar geworden ist, wie phänomenal die Sätze, die da herausgeschleudert werden, doch sind. Ryser erzählt vom heute, von Meier auf dem Hometrainer und an der Rudermaschine, von Blanks ergonomischem Stuhl und seinem bezinsparenden Auto, springt dann zurück zum 18. September 1978, dem allerersten Auftritt von Yello bei einer Zürcher Modenschau, wo Blank sich im Orchestergraben versteckte und sie dann doch 3.000 Zuschauer begeisterten. Als Ryser dann irgendwann wirklich endlich Luft holt, ist klar, dass dieses Buch gelesen werden muss.
Damit das auch der letzte im übervollen Salon verstanden hat, sagt Max Dax, der den Abend moderiert, es noch einmal explizit, dann bittet er Meier und Blank auf die Bühne, und was weiter geschieht, lässt sich am besten mit Daniel Rysers Antwort auf die Frage abkürzen, wie es denn so war, für dieses Buch zu recherchieren: Man könne Dieter fragen, warum er Dieter heißt und als Antwort bekäme man eine dreistündige Geschichte. Eine wahnsinnig unterhaltsame, sei hier ergänzt, damit kein Missverständnis entsteht.
Am Ende des Abends werden wir wissen, warum es keine Live-Auftritte von Yello gibt - Blank: Von mir würde man hinter den Synthesizern allenfalls die Frisur wippen sehen. Das würde sehr ab der Stange kommen. Ich würde aussehen wie ein Jumbo-Pilot -, wie es Yello gelungen ist, das BBC-Rundfunkorchester in den Wahnsinn zu treiben - Meier: Blanks "Umbata-a-dumbata" konnten die einfach nicht mit dem Cello imitieren - und wer von beiden in dieser symbiotischen Beziehung der Pilz ist und wer der Baum - Beide: das wechselt durchaus. Und wir werden Dieter Meier auf Boris Blanks Handy beim Rasenmähen zusehen und verstehen, warum Blank nur dieses Video sehen muss um immer gute Laune zu haben. Die nimmt denn auch das Publikum mit in die Nacht.
"Yello" von Daniel Ryser ist im Schweizer Echtzeit-Verlag erschienen.
Ryser, Meier und Blank sind heute Abend im Golden Pudel in Hamburg zu Gast, die Moderation obliegt Rocko Schamoni.
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Klingt ja toll, aber warum geht es denn da? So um 1968 tauchte in Berlin einer auf, der holte einmal tief Luft, redete eine Stunde und atmete mit befriedigtem Lächeln aus. Das Volk (HfBK-Studenten) raste, hatte es doch mitbekommen, dass es irgendwie um Kunst und Ästhetik ging. Aber warum, das blieb im Dunkeln. Es war halt eine tolle Zirkusnummer und in der Schlüterklause konnte man den Abend ausklingen lassen. Und schon der Name: Bazon Brock. Toll. Man sieht sich an eine berühmte Novelle auch aus Zürich erinnert: Da nennt sich einer um, aus Kabbes (Kohlkopf) wird Kabyse, um sein Glück zu machen, das er aber knapp verfehlt.
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Dazu muss man Bazon Brooks kennen :-)
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Ich hab keinen Lautsprecher und daher weiß ich nicht was er sagt (vielleicht auch nicht so wichtig für mich) nur eins kann ich sagen, der ist ja richtig ruhig und altersmilde geworden. Oder kommt das Viedeo bei mir zu langsam an? Meine Mutter (schwäbische Pietistin) sagte immer, wer zu viel gestikuliert, will was verkaufen, was ich nicht brauche. Und Schopenhauer sagte: Es gibt zu viele, die denken, soll sich doch das Publikum einen Reim daraus machen, was ich da so sage bzw. aus mir hervorquillt.
Danke für das Video. |
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Ohne Lautsprecher machts keinen Sinn :-)
Hab hier noch ein paar herumliegen :-) |
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BB ansehen (als sie noch jung war, immer!) aber BB anhören? Nur einmal und das war vor 40 Jahren.
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Die BB? :-)
Gut, dass Sie sie nicht hören können, die einstige blonde Gazelle der heutigen front natianal. Heute allerdings ziemlich aufgeschwemmt. |
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Sie werden lachen, ich habe sie live erlebt. Und zwar 1963 als wir - drei glückssuchende Schwaben - in St. Tropez waren und - nachdem das Geld ausgegangen war - ich beaufragt wurde als Tellerwäscher welches reinzuholen.
Wie das heute da ist weiß ich nicht, aber damals war es so, auf der Mitte des als Boule-Platz genutzten zentralen Platzes befand sich eine Brasserie, die nach vorne normal (Theke, Tischfußball) war, dann kam eine Tür, dahinter eine Küche und dahinter eine Küche und dahinter ein Innenhof. Die Küchwe war mein Arbeitsplatz. Und im Innenhof speiste so jeden Abend eine Bande von Damen und Herren, die mit zwei Enten angefahren kamen. BB war nicht unter ihnen sondern die andern waren bei ihr. Und auch ich, durch das Fenster zum Innenhof. Ob sie je einen begehrenden Blick auf mich geworfen hat? Ich weiß es nicht umgekehrt weiß ich es: la femme extraordinaire - die Philosophen würden sagen die platonische Idee - aber die sind auch nur Menschen. |
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Den Platz, auf dem man boule oder petanque spielen konnte, gibt es leider längst nicht mehr :-)
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Lt. F. Pessoa gehört Glück zu den idealen Begriffen, d.h. sie bezeichnen etwas wonach man strebt aber nie erreicht. Somit fühlt man immer den Abstand zwischen dem wo man ist und wo man hinwollte - bitterly - und ist demnach unglücklich. Nun sagen Sie halt noch wie der Titel Ihres Beitrags zu verstehen ist oder war es ein Zitat aus der Vorstellung?
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Kleiner Hinweis: "Happiness Is a Warm Gun" ist ein Klassiker von den Beatles.
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Danke, da muss ich nachsehen und -hören. While my guitar gently weeps ist für mich immer das Hörerlebnis per se aber auch die japanische Nationalhymne und "sans toi" von .... sowie pensées mortelles von F. Sanson.
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Würde es ja reinstellen, aber ohne Lautsprecher? :-)
Lennon wurde übrigens bei dem Song von Charles M. Schulz und den Peanuts inspiriert. |
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Tatsächlich?
Nun, werter Lach-Grote, ich hätte ja jetzt gedacht, dass Peter Jackson insbesondere Ihnen als ehemaliger 48-Sunden-Nonstop-Splatter-Schauer dann doch absichtlich haarscharf an Oberkante Oberschopf vorbeigemäht hat. Würde zumindest oberflächlich Ihre Frisur erklären. So einen richtigen „Braindead“ will ja niemand provozieren, gell? Wie schrieb ed2murrow so schön? Fettfassmaß is voll bis Oberkante Unterlippe, aber man kann sich ja immer weiter (hinein-) steigern. Diese Art von (narzisstischer) „Wund-Ästhetik“ wird auch in der Kleist-Forschung rauf- und runtergehechelt, gell? |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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