Empfehlung der Woche

Frieden – Wie geht das?

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Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

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Meine Frau weint

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Angela Schanelec

Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
ab dem 11. Juni im Kino!

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Allmählich begann sich der Ton meiner Schwestern zu ändern, die zweite Phase der Ursachenforschung war angesagt. Die defekte Psyche eines Mannes, der zu einem solch ebenso herzlosen wie unvernünftigen Entschluss fähig gewesen war, musste in langen, erschöpfenden Redeexzessen in all ihren Facetten ausgeleuchtet werden; die tiefere Logik eines Unglücks, das ihm selber am meisten schaden musste, wollte ergründet sein.

Was brachte einen Mann dazu, seinen eigenen Ruin zu wollen?!

Lag es an der Mutter, an der Kindheit überhaupt, der früheren Partnerin? Was war falsch gelaufen in seinem Leben, in der Beziehung? Hätte man selber das Unglück voraussehen und verhindern müssen? Gut, wir erinnern uns plötzlich: Gab es nicht immer jene Anwandlungen von Kühle, die Ernüchterung brachten?

Elisabeth lag krank im Bett, und Gerry fand keine Zeit in die Apotheke zu gehen. Und wie Pierre es immer verstanden hatte, die eigenen Vorzüge in den Mittelpunkt zu stellen: Er habe seiner Maus mal eben ein Sektfrühstück spendiert und den tollen Wochenendausflug organisiert und das neue Programm auf den Computer aufgespielt. Vor den Augen der Welt präsentierte Helmut sich stets als wunderbarer Ehemann, von Christines Vorzügen war da wenig die Rede gewesen. Mit seiner früheren Partnerin sei er völlig im Reinen über die Trennung auseinander gegangen, hatte Tubal am Anfang ihrer Bekanntschaft beteuert, Kathinkas eigenwilliger Charakter mache eine dauerhafte Bindung unmöglich, lautete die Botschaft. Damals glaubte Renate ihm und behandelte ihre Vorgängerin immer sehr freundlich, aber heute? Es war einfach nicht mehr normal, wie Leo manchmal die Dinge verdrehte und zu seinen Gunsten auslegte, selbst jetzt kam Adam noch ständig vorbei und wollte Franziska von seinem neuen Leben berichten.

Sie hatten sich damit abgefunden, hatten auf Vorwürfe verzichtet, hatten jene Großzügigkeit an den Tag gelegt, die der andere nie besaß.

Oder lag es vielleicht gar nicht an der Mutter, der Kindheit, der früheren Partnerin?!

War es vielleicht das Gegenteil von alledem?

Konnte es sein, dass die wohlbekannte Seele mit all ihren vertrauten Irrtümern einen heimlichen Pfuhl an Schlechtigkeit, an infamer Niedertracht verbarg?

War der geliebte Mann am Ende immer schon ein kalter Fisch gewesen?!

Nein, das konnte nicht sein ... Oder doch?

Nächster Schritt: Betriebsrat, Gewerkschaft, Klage. Ich habe alle Mühe, mir im Chor der aufgewühlten Stimmen Gehör zu verschaffen, eine fremdelnde Angestellte, die im Unternehmen hängen geblieben ist, eine Teilzeitfrau, die den Zuverdienst braucht. Von Anrufen und persönlichen Rücksprachen bitten wir möglichst Abstand zu nehmen, mahnt unser Rechtspfleger, was jetzt kommt, ist Routine. Und die gibt sich moderat: Unserem überschäumenden, flammenden, sich aufbäumenden Zorn bietet sie kaum ein Forum; an unserem Rachedurst wird die Firma nicht zugrunde gehen. Ich ziehe meine letzte Trumpfkarte: Aber ich, ich bin doch nicht irgendwer. Ich bin die kleine Gestalt in der Menge, auf die der Lichtkegel gerichtet ist: Hey, see me. Ich habe dieses Zeugnis und jenes Zertifikat, ich bin Bachelor und Master. Man zeige mir doch den Betrieb, in dem ein gut ausgebildeter Mann jahrelang als Hofkehrer tätig sein darf, ohne dass es auffällt.

Bei Frauen ist das alles anders. Bei Frauen ist das völlig normal. Was sollte denn daran auffallen? - Wir erfahren, es wird die untere Personalebene abgebaut, mehr Klasse statt Masse soll entstehen. Ich frage nach, woran sieht man, dass der ehemalige Friseur und der ehemalige Kellner und der Studienabbrecher Klasse sind und wir, die treuen, fleißigen Frauen nur die überflüssige Masse? Weil es weitergehen muss, wird mir gesagt. Man sieht es daran, wer als Kind mit der Puppe und wer mit der Lokomotive gespielt hat. Wir müssen gehen, weil wir immer die schlechteren Jobs hatten, und sie dürfen bleiben, weil sie die Ernährer sind.

Die Katze hört gar nicht mehr auf sich in den Schwanz zu beißen.

Ich errege Unmut, für feministische Fragestellungen gibt es keinen Bedarf, Geschlechterkampf ist mega out. Wir sind heute schön und klug und selbstbewusst und wir kommen alle in den Himmel. Und mal ehrlich: Wissen wir nicht längst, dass Frauen ganz gern ein kleines bisschen ungleich ticken?! Weil uns nämlich ein einziger markanter Männerblick auf Ausschnitt und Gesäß soviel mehr Gutes für die Zukunft verheißt als ein Hunderter Gehaltserhöhung oder gar das Recht, auch mal selber am Rad drehen zu dürfen.

In Teil 3 geht’s weiter

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