Ich dachte, es gäbe kein solches Buch. Ich habe schon einen kleinen, wenig aussagen Text geschrieben, der mit den Worten enden sollte: „Punktum, es gibt kein solches Buch.“
Doch als ich diesen Satz gerade tippte, viel mir eines ein, das wenigstens ein kleines bisschen passen würde, acuh wenn es von den Begriffen Liebe und Hass weit entfernt ist. Es enthält keine Lyrik oder Prosa. Es ist ein Band mit Fotografien. Er heißt „Münchner Elegien“ und enthält Fotografien von Christopher Thomas.
Die Bilder faszinieren mich, auch heute noch. Es sind Schwarzweißfotos von München, auf denen keine Menschen zu sehen sind, nur Orte. Aufgenommen mit einer Großformatkamera und langen Belichtungszeiten, so dass sich bewegende Personen oder Gegenstände auf dem Negativ nicht mehr wahrnehmbar sind.
Die Bilder habe ich mir auch einmal in einer Ausstellung angesehen. Sie wirken, wie aus einer anderen Zeit. Das ist es, was die Faszination daran ausmacht.
Erst ein Forenbeitrag im Internet über seinen zweiten Bildband „New York Sleeps“, der nach demselben Muster fotografiert ist, hat mich angestoßen, noch näher über die Bilder nachzudenken, und mich nicht auf meine Faszination zu verlassen. Was genau in diesem Beitrag stand, weiß ich nicht mehr. Aber er kritisierte, glaube ich, das Rückwärtsgewandte, das in diesen Bildern steckt. Sie rufen eine Art Melancholie und Sehnsucht nach der angeblich nicht so schnelllebigen Vergangenheit in mir hervor. Und das finde ich fragwürdig.
Ich bleibe aber gespalten. Denn muss eine meiner Meinung nach definitiv in den Bildern zu findenden Kritik an der Schnelllebigkeit unserer Zeit auch gleich rückwärtsgewandt sein?
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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