Als ich letzte Nacht über die Frage nachgedacht habe, ob es denn überhaupt ein Buch gibt, das ich immer und immer wieder lesen will – alleine dass ich darüber nachdenken musste, beantwortet die Frage eigentlich schon –, fiel mir nur ein Film ein. Es ist der einzige Film, den ich wirklich immer wieder gesehen habe und auch noch sehen werde. Das liegt wohl daran, dass John Cameron Mitchells Shortbus in mir ein seltsames Gefühl der Geborgenheit hervorruft – spätestens wenn beim Song In the End die Hungry March Band einmarschiert – und die Sehnsucht danach, dieses Gefühl nie wieder gehen lassen zu müssen.
Ich glaube, ein Buch, das ich immer wieder lesen wollen würde, müsste dieses Gefühl von Heimat in mir hervorrufen können, das für mich, wenn ich so darüber nachdenke, auch die Grundlage für Liebe ist, die über das Verliebtsein hinausgeht, – oder was man so nennt. Ich müsste also in gewisser Weise auch eine Beziehung zu diesem Buch aufbauen.
Die beiden Romane, die ich hier als meine Lieblingsbücher vorgestellt habe – Autobiografie einer Pflaume von Gilles Paris und Das Haus an der Moschee von Kader Abdolah – gehen ein bisschen in diese Richtung, ersteres vielleicht noch etwas mehr als das andere. Und ich könnte mir tatsächlich vorstellen, eines der Bücher wieder zu lesen. Aber es immer und immer wieder lesen? Das könnte ich wohl erst sagen, wenn ich sie ein zweites Mal gelesen habe. Und dazu stehen noch viel zu viele ungelesene Bücher in meinen Regalen, die genau dieses Gefühl mit einer neuen Geschichte, einem neuen Stil und einem neuen Blick auf die Welt in mir hervorrufen könnten.
Es gibt aber Bücher, die keine Romane sind, in die ich tatsächlich manchmal wieder hineinblättere. An erster Stelle wohl Gedichtbände, die ich aber dann nicht ganz lese. Ich schlage einfach ein Gedicht auf und lese es. Manchmal suche ich auch eines, an das ich mich erinnern kann. Aber es ist trotzdem selten, dass ich einen Gedichtband aus dem Regale hole.
Und dann wären da noch Bände mit Geschichten und Erzählungen. Bücher mit Erzählungen lese ich aber praktisch nie bis zum Ende. Ich bleibe immer irgendwo hängen und gewähre dann doch einem Roman den Vorrang. Eines davon ist das Buch, das ich an Tag 26 vorstellen werde. Den Titel möchte ich noch nicht nennen. Ich habe es glaube ich noch nie ganz gelesen, aber zwei Mal gekauft – weil ich mich beim zweiten Mal nicht daran erinnern konnte, dass ich es schon gekauft hatte. Ich weiß nicht, ob ich schon einmal wieder darin geblättert habe. Aber ich weiß, dass ich es wieder tun werde. Denn es sind Geschichten, die mich berühren.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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