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Blog von coblogger

01.04.2009 | 16:57

Wie 50 Blogger das Momentum der Krise nutzen - G20 Blogging

(Ole/London)

50 Blogger von allen nur denkbaren Plätzen der Welt haben sich heute versammelt: In der Methodist Conference Hall, gleich neben Westminster Abbey in London.Während draußen die Touris den "Big Ben" bewundern, werden hier 50 Reporter der "digitalen Generation" auf den bevorstehenden Gipfel vorbereitet - alles unter dem Namen: G20 Voice.

Ich: Mittendrin. Wenige Minuten nach 10 geht es auch schon los. Zum Auftakt eine Rede des Oxfam Campaigns Direktors Thomas Schultz-Jargow, wenig später eine eindrucksvolle Präsentation von Duncan Green, Autor des Buches "From Poverty to Power". Mit wenigen Bildern fasst er in knapp 5 Minuten den Inhalt seines Buches zusammen und bringt die Key Facts auf den Punkt:

  • Armut bedeutet mehr als unter einem Betrag von 1,24 Dollar am Tag leben zu müssen.
  • Armut verschwindet nicht nur, weil man durch Entwicklungshilfe plötzlich 1,26 Dollar am Tag hat.
  • Denn: Armut findet auf verschiedenen Dimensionen statt, wovon das Einkommen nur eine ist. Dazu zählen: Ungleichheit, Angst und Unterdrückung.

Das alles belegt eine Studie der Weltbank, die 64.000 Menschen in Entwicklungsländern zu ihrer individuellen Armuts-Wahrnehmung befragt hat.

Es ist also nicht zwingend das niedrige Einkommen, dass das Gefühl von Armut bei den Betroffenen auslöst, sondern vielmehr die damit einhergehenden Nebeneffekte, die der finanziellen Armut vorausgehen oder folgen können.

In der Menge der Zuhörer macht sich einhellige Aufbruchs-Stimmung breit. Mit einem entscheidenen Unterschied: Aufbruch bezieht sich hier nicht auf das Verlassen des Raumes, sondern vielmehr auf das hektische Aufklappen des Laptops. Jeder will zeitnah seinen Lesern mitteilen, was sich hier tut.

Unterbrochen wird das Online-Intermezzo jedoch jäh durch eine weitere Vorstellungsrunde: Jeder Blogger gibt sich drei "Tags", sagt, woher er kommt, worüber er bloggt und unter welchem Twitternamen man ihn findet.

Einer von Ihnen: Sam aus Boston, Chef-Blogger der Obama-Kampagne. Er ist 27 und hat die bislang bedeutenste Web 2.0-Kampagne bereits hinter sich. Seine Firma Blue State Digital hat gemeinsam mit den NGOs Oxfam, ONE.org und Save the Children dieses Event und den Zugang der Blogger ermöglicht - querfinanziert durch das britische Entwicklungshilfeministerium DFID.

Ob mich das "irgendwie beeinflusst", fragt mich ein Mitglied der Filmcrew für ein kurzes Video-Interview. Nein, sage ich, denn ich schreibe ja für Euch, nicht für DFID oder Obamas Kampagnen-Team.

Dennoch: Ein seltsamer Nachgeschmack bleibt bei dem Gedanken an bezahlte Transparenz. Bezahlt von jenen, die morgen nachmittag ein Communiqué veröffentlichen werden, das den Aussagen der Blogger vor Ort folgend kaum angemessen die Schwere der anliegenden Probleme berücksichtigen wird.

Jedoch: Was erwarten wir eigentlich? Was wollen wir, als bloggende Repräsentanten der Zivilgesellschaft, als virtuelle Sprachrohre?

Es knistert in der Menge der geladenen Teilnehmer. Man spürt auch hier die Differenzen. Alle ziehen zwar an einem übergeordneten Strang: Den G20, die große Politik von unten nach oben beeinflussen und die bisherigen Grenzen sprengen. Und doch: Es ist bei weitem nicht klar, WIE wir das erreichen und WELCHE Botschaft wir senden wollen.

Erste Diskussions-Beiträge von den Blogger-Kollegen aus Nigeria und Kenia machen deutlich: Wir sind eine exklusive, kleine Gruppe. Eine Gruppe von 50 Bloggern aus verschiedenen Regionen - immerhin. Aber auch wir überwinden nicht den Graben, den wir dem G20-Gipfel vorwerfen, wenngleich es in unserem Fall ein digitaler ist.

"Machen wir uns nichts vor", so Daudi aus Kenia, "wir sind online, aber wie viele Afrikaner sind das schon? Wie viele meiner Leute in Kenia lesen meinen Blog? Wie viele Menschen aus Entwicklungsregionen können wirklich selbst Beiträge und Kommentare verfassen?".

Daudi hat recht - und doch: Wir machen einen Anfang. Wir diskutieren auf einer anderen Ebene, auf anderen Kanälen als bislang. Wir folgen einander auf Twitter und verbreiten die Botschaften aus London in unsere Netzwerke. Nicht nur schneller, sondern vor allem persönlicher als bisher... wohin das führen wird, wissen wir noch nicht.

Aber die Hoffnung schwebt ebenso in diesem Raum. Die Hoffnung, dass wir einen Einfluss haben können, selbst dann, wenn die morgen verlautbarten Entscheidungen vermutlich schon lange vor der eigentlichen Konferenz gefällt sein worden dürften.

Es geht um Euch da draußen. Um unsere Meinungsbildung  und unser Handeln. Nicht nur um die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer, nicht nur um den Chef der Weltbank.

Soweit sind wir uns einig. Auch hier. Weiter geht's jetzt mit Vortrag zur Obama-Kampagne. Mal sehen, was Sam uns zu erzählen hat.

Einen Livestream von dem Blogger-Briefing Event gibt es übrigens hier:

http://www.switchnewmedia.com/clients/G20Voice/live.htm

Und meinen eigenen Twitter-Livestream findet Ihr hier:

www.twitter.com/socialbloggerde

@dkomm: Was denken die "Young Professionals" in Köln über die Partizipation von unten?

@annalena: Wie sieht es in Berlin aus? Any more comments over there on Obama and participation/transparency beyond the campaign-phase?

 
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Kommentare
Streifzug schrieb am 01.04.2009 um 17:09
Gute Infos, haltet uns weiter auf dem Laufenden.
EtienneRheindahlen schrieb am 01.04.2009 um 17:36
Kompliment. Informativer Bericht. Danke für die Links. Und: das Warten auf "Report from London" hat sich gelohnt...

siehe auch: www.freitag.de/community/blogs/etiennerheindahlen/edited-schweigende-berichterblogger-
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