(Ole/London)
Wir warten...und warten...auf konkrete Ergebnisse. Immerhin: Duncan Green, ein echter Experte in Sachen Entwicklungspolitik und Blogger für Oxfam GB, klärt uns auf: So, liebe Blogger, so funktioniert die Politik.

Gut so, denn zugegeben: Wir sind zwar möglicherweise versierte Kommunikatoren, als Blogger aber auch eher authentische und direkte Nachrichten gewohnt. Da beim G20-Gipfel allerdings neben ein paar netten Zitaten von Obama & Co keine unverblümte Sprache, sondern eher diplomatischer Satz-Salat im Stile einer UN-Resolution zu erwarten ist, unterrichtet uns Duncan, wie wir diesen zu entziffern haben.
Hier ein kleiner Abriss (wohlgemerkt nicht direkt übersetzt, sondern gewürzt mit meiner eigenen Meinung) für alle, die selbst lesen und verstehen wollen, denn dafür sind wir Blogger ja da: Wir wollen Euch einbinden und beteiligen, nicht alles vorkauen.
1. Alles lesen: Schon bei der UNO Generalversammlung fiel mir seinerzeit auf, wie laissez-faire viele Journalisten und NGOs und gar UN-Delegierte selbst die verabschiedeten Resolutionen überfliegen. Dabei muss man beachten: Resolutionen und Kommuniqués sind wie Arbeitszeugnisse und gestresste Lebensabschnittspartner: Sie sagen selten das, was sie eigentlich meinen. Deshalb: Auch zwischen den Zeilen und vor allem den Anhang lesen.
2. Worum geht es Euch: Was wollt Ihr rausfinden, was beurteilen? Wenn Ihr das Kommuniqué lest, solltet Ihr vorher über Euren Schwerpunkt nachdenken. Während Politik-Experten möglicherweise die Details gegeneinander abwägen, wird der betroffene Bürger und interessierte Student wohl eher fragen: Was bringt es uns? Was passiert jetzt konkret in Sachen Klimawandel. Dieser Tipp gilt natürlich vor allem für jene, die über das Kommuniqué selbst schreiben und wissen müssen, was es zu kommunzieren und texten gilt. Für Euch selbst werdet Ihr ja vermutlich wissen, was Euch interessiert.
3. Für Schreiberlinge gilt auch: Trefft den richtigen Ton, findet die Balance. Kritik ist wichtig und willkommen, aber auch Lob und positive Beurteilungen gehören dazu, vorausgesetzt, sie sind angebracht. Es bringt uns alle kaum weiter, wenn wir pauschal "Hang the Bankers" und "Bankers are Wankers" schreien. Das mag zwar in der einen oder anderen Situation stimmen und die Lehmans will wohl keiner mehr als Brüder haben. Dennoch: Nur konstruktive Kritik, die nach dem Protest auch Wege zu Lösungen eröffnet, hilft - wenngleich diese verschiedenen Phasen des Änderungsprozesses durchaus auf verschiedene Rollen und Parteien verteilt sein dürfen.
4. Lücken finden: Kritik am Vorhandenen zu üben ist seinerseits eine leichte Übung. Worauf es jedoch oft noch mehr ankommt: Was wurde weggelassen? Welche Teile der Erwartungen unserer Weltbevölkerung wurden schlichtweg ignoriert, welche Versprechen vielleicht nicht gebrochen, aber gar allzu galant umschifft? Auch hier wieder - danke Duncan - ist der Rückbezug zur UNO ein ganz entscheidender, denn wenn wir nach einem globalen Regulierungssystem suchen, sollten wir uns wohl zu allererst einmal mit dem auseinandersetzen, was wir bereits haben und leider allzu oft stiefmütterlich behandeln.
Allen voran wird hier Obama eine entscheidende Rolle spielen, denn wer einmal an die Entscheidung der USA zurückdenkt, den Sicherheitsrat in Sachen Irakkrieg zu übergehen, der weiß: Hier gibt es noch jede Menge Demokratisierungspotential für den vermeintlichen "World Body".
5. Dekodiere den Diplomaten-Sprech: Kommuniqués und Resolutionen sind oft weicher und indirekter formuliert als das, was wir landläufig zu hören und lesen gewohnt sind. Jedes Wort, jedes Detail des "Wordings" kann entscheiden. So gibt es beispielsweise zwischen "shall" und "should" einen kleinen, aber weitreichenden Unterschied.
Und genau dieser Unterschied ist es auch, der uns Blogger und andere so oft auf die Palme bringt - und den letzten Schritt von der demonstrativen Enttäuschung zur eher passiven Resignation aus uns herauskitzelt.
Denn was hilft es uns, was ändert es, wenn Staatschefs sich in weicher "Man-Müsste-Mal-Manier" mit weichgespülten Lippenbekenntnissen überbieten, die dann auch noch trotz ihrer bereits dehnbaren Zielformulierungen nicht erreicht werden?!
Bestes Beispiel: Die Millenium-Entwicklungs-Ziele (MDGs = Millenium Development Goals) und die einhellig erklärte Absicht, 0.7% des BIP der reichen Nationen in Official Development Aid (Entwicklungshilfe, ODA) zu investieren. Bislang hält sich niemand daran und die so schön und kohärent formulierten MDGs werden bis 2015 aller Voraussicht nach nicht erreicht, sondern sang- und klanglos verfehlt werden.
Also. Kurzum: Lest auch selbst, was heute nachmittag im Kommuniqué herauskommen wird! Bildet Euch Eure Meinung, macht Euch Eure Gedanken und teilt sie gerne hier oder auch andernorts mit anderen Menschen, die gleichermaßen wie Ihr von diesen Worten & Entscheidungen betroffen sein werden, ob wir es wollen oder nicht.
Euer Ole @socialbloggerde
Das Original von Duncan findet Ihr übrigens hier:
http://www.oxfam.org.uk/applications/blogs/pressoffice/?p=4087&newsblog
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24.05.2012
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