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17.11.2011 | 10:44

Fetter Frauenwitz, ewige Einwirkzeit, kein Ende

Fetter Frauenwitz, ewige Einwirkzeit, kein Ende

Fay Weldons Erstlingsroman „The Fat Woman´s Joke“ von 1967, könnte heute geschrieben sein, und er beschreibt die individuellen und privaten Dilemmata unserer Zeit so exakt, so ironisch, als stammten die Beobachtungen der Autorin aus der Gegenwart im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts.

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Der Nebel und der Smog haben mittlerweile schwer nachgelassen, die oberflächliche Gesundheit und das Leben im Wohlstand verlängerte sich dramatisch. Dafür existiert nun eine global gesundheitsschädliche Finanz-City, und global steht es auch um die Ökologie und das Klima, entgegen allen Geredes, -“Ich spür´ doch nichts."-, nicht gut.

Die intimeren Verhältnisse der Geschlechter haben nichts an gegenseitigem Kränkungspotential verloren, sich sogar wieder mehr vernebelt und hässlich aufgeladen. Der Umgang ist rauh, im Kern ziemlich brutal. Geglaubt wird, beäugt man den Sachbuchmarkt und den Alltag, von beiden Geschlechtern praktisch alles, nur nichts verbindendes. Von verquasten hirnphysiologischen Ableitungen, die den freien Willen und die individuelle Entscheidung hinweg erklären möchten, über den Beziehungsmenschen als Tier, bis hin zur heilenden Spiritualität des Hypersex, alles kann, alles darf, aber müsste nicht sein. Jeder Blödsinn der zwischen Buchdeckel und auf Webseiten passt, wird angenommen. Oft mit der billigen Ausrede: „Ich bin eben so, mir tut das aber gut.“ - Nur tue ich so anderen was Gutes?

Es soll wohl so bleiben, verfolgt man die tägtäglichen Rosenkriege und Wertungsschlachten in den digitalen Foren und die Hauptbeschaftigung der Alltags-, Society- und Leben- Redaktionen der Republik, die darin nur Beispiele für globale Trends der Mittelschicht liefern, die sich an die Werbebranche angeschlossen hat. Erschreckend, dass alles schon vor 40 und 50 Jahren genau so war. Erschreckend, dass die gleichen Muster aber auch schon in der Nachfreud- und Weimar- Zeit, liest man die Kolportage- und Angestelltenromane der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, schon genau so gelebt wurden.

 

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London in den späten 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. In einem Halbkellerloch sitzt „The fat woman“, Esther. Sie liest Science fiction, schaut TV, frisst und erbricht sich krank und kippt sich so manchen Drink hinter die Binde. Sie hat ihren ebenfalls lebensunglücklichen Ehemann Alan und ihren nur fast erwachsenen Sohn Peter verlassen und rächt sich nun an sich selbst und damit an den anderen. - Regelmäßig kommt Phyllis, ihre letzte Freundin, vorbei. Sie hat kein Kind, sie ist dafür schlank und glaubt mit ihrem Ehemann Gerry eine reine Liebe aus lauterem Sex leben zu können.

Sie ist einzig darum besorgt, ihre Figur nicht einzubüßen, um ihrem Mann weiter zu gefallen. Aus jedem Wort spricht die Bewunderung für ihre starke Freundin, der das alles scheißegal zu sein scheint und zugleich fürchtet sie die eratische Dicke. Denn Esther lebt vor ihr destruktiv und redet, was sie sich nie trauen würde. Esther macht auch vor ihrer besten Freundin nicht halt. So erklärt sich Phyllis Wunsch, die Freundin wieder auf den rechten Pfad der Tugend zurück zu bringen, heim zu Alan, heim zu Peter. - Das ist die ältere Frauengeneration.

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In einem anderen Stadtteil sitzen die jungen Frauen Susan und Brenda zusammen. Twiggy-Typ Susan, -sie könnte auch das Model Veruschka von Lehndorf aus Blow-Up sein-, arbeitet gelegentlich als Sekretärin, ansonsten malt sie. Brenda kommt diesem Figurtyp nur knapp nahe. Ihre Oberschenkel sind zu dick. Susan sagt es ihr direkt ins Gesicht. Brenda bewundert die selbsternannte Künstlerin und noch mehr, deren promiskes Sexleben. Susan hat eine Affäre mit Alan, Esthers Ehemann. Später noch eine, mit Peter, Esthers Sohn, so wie davor ungezählte Affären, mit leichtem Hang zu Schriftstellern und Künstlern.

Beide Frauen, Esther und Susan, jeweils bewundert von ihren Freundinnen, ergehen sich darin, selbst in eigener auswegloser Lage die treuen und anhänglichsten Seelen an ihrer Seite zu erniedrigen. Dafür sind die Freundinnen ja da. Susan zu Brenda: „Du weißt nichts über Sex, Kunst oder irgend etwas anderes. (…) Du bist manchmal ziemlich blöd.“

Trotzdem halten Brenda und Phyllis zu ihren, je auf eine andere Art, moderneren Busenfreundinnen. Phyllis zu Esther, die klug ist, alles kontrolliert und lenkt, bis auf sich selbst, Brenda zu der fast gleich alten, hübscheren Susan, die sich ein Vergnügen daraus macht, verheiratete Männer am Arbeitsplatz abzuschleppen oder in Pubs wildfremde Typen aufzugabeln, um mit ihnen ins Bett zu steigen. - Eigene Fantasien werden eingespeist und am Modell der mutigeren Freundinnen abgearbeitet.

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Musik zum Thema: Rosy Tin Teacaddy, ein langjährig zusammenlebendes und musizierendes Paar, eine Offenbarung. Ihr Lied: Checkmates 

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Den Höhepunkt des ersten Teils des Romans, bildet ein gemeinsames Abendessen der beiden Paare Esther und Alan, Phyllis und Gerry, bei dem die eloquente Esther das notorische Fremdgehen ihres Mannes ebenso aufdeckt, wie seinen Hang, sich selbst einen Ausgleich als Schriftsteller zu seiner elenden Tätigkeit als Werbemensch zu schaffen. Sie hält nichts von ihm, ebenso nichts vom männlichen, aber dummen Gerry und noch weniger vom Geist ihrer Freundin, so wie sie von ihrem eigenen Körper in keiner Beziehung etwas hält. Trotz allem, werden Alan und Esther von ihren befreundeten Gästen angehimmelt. Gerry macht Esther an und Phyllis macht Alan schöne Augen. Beide werden dafür später Spielmaterial des Paares, das seinen Frust über die öffentliche Beschimpfung des je anderen in einer darauf folgenden, 14- Tage-Diät abarbeitet, die bei Esther in einer Phase von Bulimie endet. Esther schläft mit Gerry, Alan fügt Phylls seiner Eroberungsliste ein.

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Schier unendlich drehen sich die die dialogischen Szenen dieser Paarbeziehungen. Es wird gestänkert und gelästert, dass sich die Balken biegen und kein cooler Witz zu Paaren und Passanten bleibt unausgesprochen. Reichlich bieten sich den Frustierten, aber in ihrem Frust weiter drehenden Protagonisten, Gelegenheiten, Selbstzerstörungsakte einzuplanen, sich die Kante zu geben, die eigenen Pläne und Ziele, ach was, auch die der anderen, in Grund und Boden zu reden und zu saufen. Ein paar Dialogfetzen klären das Atmosphärische:

Pub: „All´ diese riechenden Leute, so abgefüllt, dass sie nicht mehr wissen was sie tun. Wie kannst du in einem Pub überhaupt mit jemandem reden?“

Ehe: „Die Ehe ist für mich eine viel zu starke Institution.(...) zu bedeutungsschwer und mächtig.“

Küche: „Die Küche der Sussmans war vollgestopft mit Gewürzen, Geschmacksverstärkern, Bioware und Mörsern, Zwiebel- und Knoblauchketten, und Tontöpfchen mit Olivenaufstrich und Ausschnitten aus Mrs. Beetons* Kochbüchern. Da war kaum noch Platz für menschliche Wesen,....“

Diät; Essstörung: „Eine meiner Freundinnen ging auf Diät und verlor allen Appetit fürs Essen. Sie brachten sie in die Klinik, aber es war zu spät, sie starb. Ihr Magen war auf die Größe einer getrockneten Bohne geschrumpft. Oder war es eine Walnuss?“

Links sein und Erinnerungen: „ Ihr seid einst zu Protestmärschen aufgebrochen, oder nicht? Und zu linken Treffen. Ihr habt Spruchbänder zusammen mit anderen getragen. Ihr habt geholfen die Welt zu retten. Die Welt ist die gleiche die sie war, aber was ist mit euch passiert, als ihr den Versuch aufgabt, sie zu retten?“

Beziehungsende: „...Er wollte, ich sollte anders sein, als ich war und das erschien mir als die größte und zerstörischste Verletzung.“

Beruf: „Verbring´ einen nützlichen Tag damit, deine Beziehungen zum Rest des Teams zu verbessern. Schreibe Memos, um deine Vorgesetzten daran zu erinnern, dass du existierst-....Geh´ auf eine Inspektionsreise, es muss etwas geben, was zu überprüfen ist. Frag´deine Mitarbeiter ob sie glücklich sind.“

Sekretärinnen: >>„Wirklicher Mut“, sagte er, besteht darin Leiharbeitssekretärinnen mit wunderschönen Beinen und eigenwilligen Gedanken einzustellen.“<<

Kommunikationskrieg: „Und ich versuchte ihn jeden Tag zu enttäuschen. Ich verbrachte mein Leben damit gegen Alan Krieg zu führen,...“ (...)

Das Ehe/Beziehungsbett: „An diesem Abend lagen Alan und Esther in dem Doppelbett, das sie seit 18 Jahren teilten.(...) Früher nahmen sie glücklich die zwei Fuß in der Mitte in Beschlag. Nun nutzten sie die Ränder.“

Das Verdikt, und mustergültig endgültig:

>>„...Ich hasse Männer.“„Ah, das ist es also.“ „Ich hasse nicht dich persönlich, nur deine Rasse.“ „Mach´ dir um mich keine Sorgen, ich werde es überleben. Und du, du bist natürlich frei, deine eigenen Wege zu gehen.“(...) „Danke vielmals. Du sagst die süßesten Sachen.“ Oh, lass´ uns schlafen.“ „Morgen gibt es Kochfisch“ (immer noch auf Diät, m.Einf.) „Einfach verehrungswürdig“, sagte sie, „Das Leben ist so voller Herausforderungen.<<

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Das Ende kommt rasch und unerwartet in Teil drei. Esther verlässt ihr Kellerloch und kehrt zu Alan zurück. Phyllis, die den abgemagerten Alan einmal zu Brutalo-Sex im Bett hatte, bleibt bei Gerry. Susan, die Sexbombe, heult sich, nachdem sie Alan als Spielmaterial entlarvt hat, bei dessen Sohn Peter aus. In Gedanken sucht sie immer noch nach dem Lebenskünstler an ihrer Seite, der ihr den Ausbruch ermöglicht. Brenda hält derweil Händchen mit einem wildfremden Mann, so als wollte sie die Unterrichtsstunde bei Susan noch einmal vertiefen.

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>>„Wives always win in the end“, said Phyllis hopefully; she had moved into profile against the light , so that her new and improved breasts stood out to advantage. It was for Alan´s benefit but he took no notice. „All they have to do is hold out long enough.“ „You silly prissy samarmy common bitch,“said Esther. (...)“But it´s true,“, Phyllis persisted, with a note of hysteria in her voice. „Wives win.“ „And what a victory, over what.“ „Please will you both calm down,“ said Alan. „There is no point in you staying here wasting money.(...)“<<

Ende

Christoph Leusch

(auch für die schlichte Übersetzung)

 
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Kommentare
anna T. schrieb am 17.11.2011 um 11:36
ein "highlight",Danke dafür ,lieber Christoph Leusch
Columbus schrieb am 17.11.2011 um 13:21
Liebe Anna T.,

Danke für die Blumen. Standzeit dieses Beitrags, um überhaupt gelesen zu werden, 10:44 Uhr-irgendwas um 13:05, an diesem Donnerstag.

Aber, ich sage einmal deutlich und auch zum letzten Mal hier, da bleibt das unter uns. Der Aufwand lohnt nicht und ich muss und werde Konsequenzen daraus ziehen müssen.

Liebe Grüße
Christoph Leusch
anna T. schrieb am 17.11.2011 um 15:09
Lieber Christoph Leusch,

das wäre sehr schade,es wären die so traurig -typischen Verläufe unserer heutigen Zeit.Das gute Handwerk gibt auf,weil Qualität keine Beachtung mehr findet....?Nein bitte nicht!

Liebe Grüße,
Anna
Columbus schrieb am 17.11.2011 um 15:22
Ich schreibe ja erst einmal für mich, um zu Sachverhalten, Gelesenem, zum Medienangebot und Themen überhaupt eine klare Haltung zu entwickeln.

Aber immer am Bedarf und Wunsch vorbei zu produzieren, zu viel zu produzieren, das muss ich mir doch ausschließlich selbst anrechnen und ändern. - Wenn es da entspanntere Möglichkeiten gibt, die sich in max. einer halben Stunde erledigen lassen, dann muss ich die wählen, oder eben aufhören.

Copy and Paste ist nicht mein Ding, obwohl es andere im Forum gibt, die das sehr gut können. Nur Bild, widerstrebt mir ebenfalls, auch da gibt es genug die das gut können, auch wenn ich Katzen und Hunde mag. Fremdmaterial 1:1 mit ´ner Überschrift und einem knackigen Thesensatz, das unterfordert mich. Agenturmeldungen übertragen, ist auch nicht mein Ding. Über die eigene Welt zu schreiben, langweilt mich, die kenn´ich ja.

Ich denke im Moment intensiv nach. Leider hat mich die "Community"-Diskussion derzeit nicht gerade aufgebaut. - Das gehört aber direkt in die dafür vorgesehenen Bahnen.

Nochmals, Danke
Christoph Leusch
indyjane schrieb am 18.11.2011 um 11:42
"der aufwand lohnt nicht" - ja, das wäre sehr schade, als "passive" Nutzerin befürchte ich oft, dass die mir so wichtigen Blogger irgendwann mangels Balance von geben-nehmen aufgeben...
mehr als danke zu sagen für momente von nachdenken ist mir oft nicht möglich...
Magda schrieb am 07.12.2011 um 10:39
Sie haben in mehreren Kommentaren, die mich persönlich kränken sollen, auf diese Buchbesprechung verwiesen.

www.freitag.de/community/blogs/michael-jaeger/individuum-und-community-fuer-columbus#comment-342398

Ich verlinke nur auf den letzten Kommentar davon. (Und hoffe, dass es dank freundlicher Anleitung nun auch klappt)

Ich wurde neugierig und sah nach. Die Kränkungsabsicht nehme ich hin, weil Sie mir zu deutlich und kindlich ins Auge fällt.
Man wird umso "großmütiger" in solchen Sachen, je weiter entfernt die Lehmbrocken niederklatschen, mit denen man beworfen werden soll. Es "trifft" halt einfach nicht. Ich kann damit wenig anfangen.

Woher Sie zu der Annahme kommen, ich als Person taugte in irgendeiner Weise als passende Figur aus diesem Roman in die Community, ist mir schleierhaft.

Mein Leben ist völlig anders, meine Erfahrungen habe ich nicht auf irgendeinem Sofa gemacht.
Ich habe - alle Jahre meines Lebens - für mich allein gesorgt und als ich geheiratet habe, war das nicht anders.

Wenn Sie ein Feindbild brauchen - ich bin keine vollgefressene Mittelschichtsfrau aus dem England der 60er Jahre. Ich bin auch keine Männerhasserin, im Gegenteil.
Ich bin auch deshalb erstaunt, weil es von mir ja ziemlich viel Biographisches gibt und meine Herkunft auch immer mal wieder erwähnt wird in meinen Texten.

Zu DDR-Zeiten habe ich mich mit dem Verhältnis zwischen den Geschlechtern eher im Sinne von Christa Wolf beschäftigt, also ohne Gift und Groll, sondern die Geschichte befragend. Ich bin der Meinung, dass es zwischen den Geschlechtern im Osten zwar nicht eitel Freude und Sonnenschein gab, aber so einen Geschlechterkrampf gab es - das stimmt - nicht.

Verstärkt hat sich mein Interesse an Geschlechterpolitik, als ich mich mit allen Arten von Männern-West auseinandersetzen musste. Und das kann einen in der Tat manchmal erschrecken, so unterschiedlich sie sind. Die "verkannten Genies" gibts zwar auch in alle Himmelsrichtungen, aber die Ausgabe-West ist schon reichlich problematisch.

Sie scheinen mit allem, was sie sagen oder schreiben - irgendwas einzufordern: Respekt, Anerkennung, Wahrnehmung usw. Sie suchen nichts, Sie wollen nur andauernd...
Wenn eine Frau das tut, dann kriegt sie was auf die Mütze oder wird - wie bei Ihnen - persönlich angegangen.

Nebenher: Ich bin nicht übergewichtig. Jetzt aber weiß ich, wie "leichtgewichtig" Sie in Ihren Anwürfen werden können.
Columbus schrieb am 07.12.2011 um 13:43
Sie irren Magda, und zwar in einem ganz wesentlichen Punkt.

Sie und noch einige andere in den beiden Threads, -Michael Jägers Widmung hat das wohl noch verstärkt, bzw. passte Ihnen ganz besonders nicht. -, nutzten die Gelegenheit (eigentlich war ja alles zu meinem "dFC-Urlaub" schon gesagt), mir von Arroganz über "Puschelhund" bis zu Schmeichel- und Aufmerksamkeitssucht, so ziemlich alle Nettigkeiten anzudichten, für die es ein Wörtchen zu finden gibt. - Immer voll ins Fett!

Dabei ist schlicht, um bei den realen Fakten und Tatsachen zu bleiben, weder der Vorwurf ich wollte was, nämlich mehr an Aufmerksamkeit für mich, noch der Vorwurf, ich täte für die dFC nichts konstruktiv, mit irgend einem Fitzelchen belegbar!

Sogar unter meinem persönlichen Blog erdreisteten sich einige Leute ganz persönlich zu schreiben, nun reiche es ihnen.

Schriebe das jemand unter einen ihrer Beiträge, ihr Sturm bräche sofort los. - Der Punkt ist, es gibt Leute, die halten nur ihre eigene Ästhetik und Lebensweise für formvollendet und passend und sind daher geneigt, an den unpassendsten Orten über zu viel, zu wenig oder überhaupt der anderen, bräsige und eben nicht sachlich belegbare Urteile zu fällen. -Ich finde, da gehört dann auch einmal ein grober Klotz drauf.

Was Sie aber nicht erkennen wollen, liebe Magda, das ist die Wurstigkeit, mit der Sie, mit Lehm zu werfen belieben.

Ob Sie Übergewicht haben oder nicht, das interessiert mich nicht und natürlich entschuldige ich mich für die ganz leichtgewichtigen Anwürfe, denn tatsächlich will ich sie weder in ihrer Person kränken, noch herab setzen.

Aber, ob Sie mir beständig Eigennutz, Selbstsucht und "Geniegehabe" unterstellen, zudem in Blogs, in denen es um eine persönliche Auskunft (Ihr letztes Blog zur Bevormundung an der Kantinentheke, -"Was, du willst immer noch was rein stopfen, zähle die Kalorien!"-, war doch nichts anderes) geht, das kratzt mich schon.

Nachdem ich nun in meinem letzten persönlichen Blogbeitrag recht gelassen die Anwürfe abwetterte, mochte ich das, -als Beiwerk zu Michael Jägers Blog-, nun wirklich nicht mehr stehen lassen.

Weshalb machen Sie nun daraus eine Frauen-Männer- Angelegenheit, eine Ost-West Geschichte, eine Sache, bei der es letztlich um einen wirklich uralte Bärte geht?

Genau dazu können Sie bei Fay Weldon lesen, wie uralt das schon 1967 war. >>...."„Wives win.“ „And what a victory, over what.“ „Please will you both calm down,“ said Alan. „There is no point in you staying here wasting money.(...)“<<

Ich brauche keine Feindbilder und erzeuge auch keine.
Aber von einer oberflächlichen und personalisierten Geschmackswächterei halte ich absolut nichts und wollte das, weil Sie (ein paar andere auch) doch ganz persönlich wurden, auch nicht mehr hinter dem Berg halten.

Mahlzeit
Christoph Leusch
Ehemaliger Nutzer schrieb am 08.12.2011 um 21:36
@ Columbus
Sie schreiben:
„Die intimeren Verhältnisse der Geschlechter haben nichts an gegenseitigem Kränkungspotential verloren, sich sogar wieder mehr vernebelt und hässlich aufgeladen. Der Umgang ist rauh, im Kern ziemlich brutal. Geglaubt wird, beäugt man den Sachbuchmarkt und den Alltag, von beiden Geschlechtern praktisch alles, nur nichts verbindendes. Von verquasten hirnphysiologischen Ableitungen, die den freien Willen und die individuelle Entscheidung hinweg erklären möchten, über den Beziehungsmenschen als Tier, bis hin zur heilenden Spiritualität des Hypersex, alles kann, alles darf, aber müsste nicht sein. Jeder Blödsinn der zwischen Buchdeckel und auf Webseiten passt, wird angenommen. Oft mit der billigen Ausrede: „Ich bin eben so, mir tut das aber gut.“ - Nur tue ich so anderen was Gutes?“

Sie mögen sogar recht haben in Ihrer Lagebeschreibung. Aber ich stehe in gewisserweise ratlos davor. Denn es trifft so gar nicht auf mein Leben zu. Ohne ins Private, allzu Persönliche gehen zu wollen, ohne leugnen zu können, dass das Zusammenleben mit einem Menschen auf Dauer betrachtet ja nur möglich ist, wenn die gegenseitige Liebe zum gemeinsamen Lebensthema wird, wogegen vieles spricht, habe ich mir Frühjahr einmal ein paar Gedanken gemacht, warum es für viele Menschen; Paare so ist, wie Sie es bilanzieren.
Ausgangspunkt war für mich dieser Matussek-Hype. Matussek behauptet hat der Zölibat sei ein Markenzeichen des Katholizismus, was nebenbei gesagt Bullshit ist, aber es hat mich herausgefordert einmal ein paar Gedanken über die Ehe und ihre zeitgenössischen Ableger anzustellen. Ich habe das, wie immer nicht als Blog kundgetan, die meisten meiner Gedanken landen sowieso auf einer Festplatte.
Nehmen Sie das Folgende als kleine Wiedergutmachung. Ich habe es nicht noch einmal aufbereitet. Es kommt also sehr akademisch daher. Dieser Duktus war zu diesem Zeitpunkt für mich noch sehr wichtig, da er mir nach einem großen, tragischen Verlust, Halt gegeben hat. Das müssen Sie mir nachsehen. Auch habe ich die Passage aus dem Kontext gerissen, so dass es Ihnen etwas unvermittelt daher kommen mag, aber es ist nicht so, dass Sie es nicht nachvollziehen könnten.

Naheliegend war für mich, bei Niklas Luhmann anzusetzen. Er hat die Liebe und ihre Institutionalisierung so untersucht, dass es gut zu Ihren Gedanken passt, quasi den soziologischen Überbau für Ihr Fazit liefert. Magdas Analyse zur Geschlechterbeziehung "Ost-West" halte ich für naiv , trivial gesprochen, schon wegen der vielen Scheidungen auch im Osten.

Luhmann hat nicht umsonst die Ehe ins Visier genommen, denn an ihr spiegeln sich die Veränderungen von Liebeskonzepten am deutlichsten und nicht vice versa! Der Rechtsrahmen der Ehe, wie er zwar heute noch gelte, das ist die alte Luhmannsche These (Niklas Luhmanns. Liebe als Passion, 1982, Kap. 15) könne, nicht über ihre Trivialisierung im kulturellen Normenkontext hinwegtäuschen. Die Autonomisierung von Intimbeziehungen, wie Luhmann nüchtern feststellte, weg von der institutionellen Ehe hin zur Ehe als Eigengründung der Liebenden und schließlich zur Ehe ohne Trauschein, hat „das Symbol, mit dem die Gesellschaft „erlaubte und geschützte Exklusivität“ bereit hält, zur quasi-freien Verfügung preisgegeben. Das mögen die Religionen beklagen, sogar bekämpfen. Bedroht jedenfalls ist die autonome Ehe/Beziehung in einer Zivilgesellschaft nicht mehr durch Druck von außen, auch deshalb sind Menschen mit Fug und Recht empört über den Anachronismus von Zwangsehen, auch deshalb lassen Menschen sich von Religion, egal welcher Provenienz, nicht mehr in ihre Intimbeziehungen hineinreden.

In autonomisierten Liebesverhältnissen schaffen sich die Paare ihr eigenes Drama. „Hohe zwischenmenschliche Interpenetration“ ist für Luhmann das Zauberwort: Um diese zu erzeugen, seien Menschen in der Beziehung zueinander bereit ihre „Relevanzschwelle“ so anzupassen, dass alles, was für die eine Person wichtig sei, auch für die andere wichtig sein müsse. Alles, was der eine fühle, soll der andere gleich miterleben – Bagatellen ausgeschlossen. Die Differenz an der sich eine solche Bedeutung von Intimität nun abarbeite ist „die Differenz von persönlichen und unpersönlichen Beziehungen und nicht mehr die Differenz von religiöser (auf Gott bezogene) und weltlicher Liebe“ und schon gar nicht mehr die Differenz von Ehe versus Einsamkeit, wie sie im romantischen Modell erscheine. (Herrlich aus der Zeit gefallen, seltsam-komisch klang es dann auch, als der katholische Tiroler Bischof Manfred Scheuer am Karfreitag 2011 der „Tiroler Tageszeitung“ in bester Absicht erklärte, der Zölibat sei für ihn zwar nicht mehr sakrosant. Vielmehr sehe er darin ein solidarisches Potenzial in einer Gesellschaft, „in der viele Menschen unfreiwillig ohne Beziehung“ lebten. Mit dem Zölibat zeige man „Solidarität mit Vereinsamten“.)

Die Aufladung der persönlichen Beziehung entwickelt sich nicht mehr in kulturell hochgetriebenen Formen, Ansprüche oder Sprachformen, sondern sie hangelt sich entlang des Aufbaus eines Selbst, „das sich selbst gegenüber anders und dem anders Anderen (unpersönlichen Beziehungen) gegenüber anders sein muss“. Solch ein selbstreferentielles Modell von Intimbeziehung führe zu einem Anspruch an „interne Kommunikationsdichte“, zu einem Anspruch auf Verstehen und Verstanden werden, der dauerhaft schwer einlösbar ist. Es bedarf deshalb im hohen Maße der Einbeziehung von Umwelt und Umweltbeziehungen, aber eben nur in einem niedrigschwelligen Sinne, nämlich in dem Grade wie das eigene Anderssein – die Enklave - bestätigt wird: Es bedarf auch einer Unmenge an Information und Informationsverarbeitung - eine Ratgeber- und Beratungsindustrie, Therapeuten“ -, um den Faden der Verständigung aufrechtzuerhalten. Hier liegt dann auch die Crux, denn Verstehen bleibt letztendlich eine Quasi-Unmöglichkeit, Vergeblichkeit, wie Luhmann zu recht feststellt: Aufs Extrem - ich meine vor allem auf Strecke - gesehen, ist Verstehen so unwahrscheinlich wie „Wiedergeburt im Anderen, (…) wie Dauerexzeß“. Hier zeigt sich freilich, dass es weniger Autonomisierungsprozesse sind als Selbstverständigungsweisen, die auf Holzwege führen. Doch der Luhmannsche Ansatz lässt noch ein paar Pointen zu, die ich mir nicht entgehen lassen möchte.

Luhmanns Defizit ist, dass er ohne Instrumentarium der politischen und ökonomischen Analyse auskommen will. Die Bredouille, in der sich dann die autonomisierte Intimbeziehung/der Mensch befindet, kann so als Kosten für einen von Luhmann konstatierten „sozialen Regress“ von überbordenden unpersönlichen Außenbeziehungen (Staat, Religion, die Gesellschaft etc.) verrechnet werden, um die Lasten dann einseitig den Betroffenen aufzubürden.

Salut
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Ehemaliger Nutzer schrieb am 08.12.2011 um 21:49
hat behauptet
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