Columbus

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06.01.2012 | 06:45

Künftig nur ein Krieg und eine Krise, jedoch unfähig zum Recht

Fähig nur zu einem Krieg und einer kriegerischen Krise, unfähig zum Recht

Die Vereinigten Staaten entdecken den ökonomischen Pazifismus. Ihr Präsident erklärt zwei Kriege für zu teuer. Zukünftig wolle man sich nur noch die Schlagfähigkeit für einen veritablen Krieg und einen halben, eher eine robuste Krise, erlauben. Eineinhalb zu zweieinhalb. Da ist ein Krieg, zumindest ökonomisch, eingespart. Hurra, wenn es denn, über die Laufzeiten und Wechselfälle  der wankelmütigen außenpolitischen Geschäfte dieses Landes, mit durchschnittlich achtjährigem Wechsel der Spieler, wirklich so kommt.

Aber bitte, liebe Medien, auch wenn ihr, wie der große Spiegel am Montag, über fast allmächtige Manpower im  Journalismus verfügt, titelt und teasert doch sorgfältiger, denn sonst kommt diese, durch die normative Kraft des faktisch gähnenden Defizits herbei geführte Reduktion der militärischen Möglichkeiten der USA allzu pazifistisch daher (www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,807451,00.html ).

Angelsächsische und amerikanische Journalisten sind in der Regel Bellizisten, denn Kriege und Konflikte ermöglichen lange Bild- und Textstrecken die auch bezahlt werden, embedded oder free lance. Dafür sind sie aber auch nüchterner in der Betrachtung!

>>Pentagon officials made it clear that the department’s priorities in coming years would be financing for defense and offense in cyberspace, for Special Operations forces and for the broad area of intelligence, surveillance and reconnaissance.<<
( www.nytimes.com/2012/01/06/us/obama-at-pentagon-to-outline-cuts-and-strategic-shifts.html?_r=1&;;;;ref=global-home )!

I Cyberwar statt Cybersex. Oh, Madonna!

Es wird umstrukturiert, weg von teuren Tötungsarbeitern mit wenig Hirn, oder besser, wenig schulischer Ausbildung aber durchweg guten athletischen Werten, hin zu Spezialisten, die mit Fernsteuerungen und High Tech-Flugzeugen  geschickter umgehen, die Drohnen und Satelliten kreiseln lassen, die zukünftig Stealth-Zerstörer und kleinere Flugzeugträger und sonstiges, stark automatisiertes Gefechtsgerät sicher bedienen. Nette neue Techno-Spielzeuge, wir erinnern uns an Supersonic-Prototypen, die experimentell schon einmal durch den weltraumnahen Luftraum kurvten, wollen auch bezahlt werden.

Die Einkäufe der US-Armee und der Marine, -ihre Zukunft liegt bald  im und um das gelbe Meer,  sowie an den eingebildeten und tatsächlichen Engen zu Ölquellen und anderen seltenen, aber notwendigen Produkten-, fördern dann auch den Ankauf der befreundeten, und devisenstarken Partnerländer aus den Krisenregionen dieser Welt, deren Eliten sich  in Zukunft lieber mit wenigem unzerstörbarem, nicht auffindbarem Equipment,und vor allem mit weniger unzuverlässigem Bodentruppen-Personal geschützt sehen möchten, als durch den Aufmarsch ungeliebter Fremdtruppen aus den USA.

Was zukünftig noch viel unsicherer wäre, das sind die  unterwanderungsgefährdeten und schlecht entlohnen, eigenen Truppenmassen, die putschen oder zur widersetzlichen Volksmehrheit überlaufen könnten.

So ist also die US-Militärreform auch ein Wink, z.B. an die Golfstaaten. Überlegt euch, welche Vorteile eine individuelle, ein  regionale, eine technologische (S)DI gegenüber zu vielen GIs hat, bevor ihr euren nächsten Dschihad von oben, für eure Prinzen und Könige ausruft. Je mehr stinknormale Truppe ihr braucht, um so gefährdeter seid ihr persönlich (  www.thenation.com/article/165463/arms-dealer-obama-will-win-default ) !  

II Militärs können und dürfen zukünftig mehr

Das US-Militär blutet an Köpfen und auch an Kosten. Dafür aber, bekommt in einem Land, das sowieso schon dem militärischen Sektor sehr viele Sonderkonditionen einräumte, diese Blüte des Gemeinwesens noch mehr Unabhängigkeit in Fragen der Terrorbekämpfung und der Spionagetätigkeit. Im Land selbst und auf dem weiten Globus. - Im Prinzip ist es heute schon so, dass amerikanische Dienste und noch eine Hand voll anderer, global operiender, klandestiner Behörden, an jedem Ort der Welt mithören, mitsehen und handeln können, wenn sie es denn wollen. Die Restwelt, ohne diese Fähigkeiten, hat sich daran gewöhnt, Völkerrecht hin, UN -Charten und Absichten her.

III Kommunisten von Rechts, statt von Links und über die Polkappe

Der Bürgerrechtspräsident muss vor seiner Wiederwahl den Bürgern rechts entgegen kommen. Er und seine Berater glauben, die Bürger in den mittleren Schichten und Weiten des  Landes, dort wo die wirklich Freien und Tapferen leben, verkrafteten es nicht, wenn auf dem letzten Gebiet, auf dem Amerika unangefochten die restlichen Mächte der Erde zusammengefasst in den Schatten stellt, schmerzliche materielle Eingriffe nötig würden. Die Kompensation lautet: Unsere Jungs und Mädel im Tarnanzug und in Paradeunifom mit den vielen Ordensspangen, dem Lametta auf der Brust,  welches nicht von Weihnachtsbäumen abgepult und kräftig besungen wurde, dürfen dafür mehr Tun, selbständiger Handeln und juristisch unbeobachteter dabei  zu Werke gehen, in unserem Interesse und auf Anordnung des obersten Befehlshabers.

Auch nach der umfassenden Militärreform bleiben die Vereinigten Staaten unangreifbar. - Allerdings gibt es auf dieser runden Welt niemanden, der noch laut riefe, wir werden bei Zeiten über den Atlantik oder den Pazifik schippern, um endlich einmal auszuprobieren, wie sich eine Invasion Nordamerikas anfühlt. Trotzdem, die „Great scare“ vor infektiösen Biowaffen, vor Superterroristen, vor den unberechenbaren Chinesen, deren Militärbudget und deren tatsächlicher Rüstungsstand so übertrieben beurteilt wird, -gerade haben die einen alten Sowjet-Flugzeugkreuzer umgebaut-, wie einst die Panzerstärke der Roten Armee, die schon beim Aufmarsch vor dem Fulda gap ein großes Melee und Maleur erlebt hätte, ist unausrottbar und tief verwurzelt als rhetorisches Gebrauchsmuster im Wahlkampf und sie dient als ewige Rechtfertigung für das Militär und seine Bedürfnisse.

IV Die militärisch-industrielle Ehe braucht Geschenke zur goldenen Hochzeit

(In memoriam General Dwight D. Eisenhower,  34. Präsident der Vereinigten Staaten)
 
Irgendwie geht es gar nicht mehr um das „Milidär“ im alten Schweijkschen Sinne, sondern um  Milliarden Dollars, die nicht in Personalkosten und Pensionen, sondern in neue Technik und da vor allem in verkaufbare Gerätschaften, fließen sollen. Anders als bei uns, wo erst einmal, heimlich, still und leise, die Weise-Kommissionsbeschlüsse von einer übergroßen Koalition umgesetzt werden müssen, bevor es mit dem militärisch-industriellen Liebes- und Partnerschaftkomplex was Richtiges werden kann, existieren da drüben kein Skrupel und eine fünfzigjährige Tradition. Jede kleine Rüstungsklitsche hat da schon die Ehemaligen an Bord. Die Zukunft der Offiziere und Stäbler im sehr frühen Rentenalter, sie ist fast nahtlos in der Industrie gesichert.

V Söldner und Privatarmeen

Für die Ressourcensicherung in Zwerg- und „Fehlerstaaten“ wird man in Zukunft kleine, feine und private Truppen brauchen. Totschießen und das Lassen, sowie die ganzen Nebentätigkeiten werden teurer, zum Titan und CACI nochmal! ( www.amnestyusa.org/our-work/issues/business-and-human-rights/private-military-and-security-companies/lack-of-accountability-for-detainee-abuse ;;;; )Dafür muss aber auch Geld vorhanden sein und vor allem gut ausgebildetes Personal. Schon ist es wieder schick, am schlechten Image des Söldners verbessernd herum zu schreiben, sind das doch die universellen Krieger von heute und übermorgen, so praktisch, so effizient und mit geringeren ökonomischen und militärischen Verlusten handelnd (www.rp-online.de/panorama/ausland/soeldnern-sollen-schiffe-am-horn-von-afrika-schuetzen-1.1590327 , www.un.org/News/Press/docs/2011/gashc4023.doc.htm ).

VI The legal limbo - Das Schattenreich des demokratischen Rechtsstaats

Was ist eigentlich mit den Rechtsprinzip, dass ein gefasster Beschuldigter bald einen Richter  zu Gesicht bekommt und möglichst nicht schon vor dem Prozess so gegrillt wird, dass Richter und  Geschworene nur noch die Personalien festzustellen haben, um dann ein Strafmaß zu verkünden? - Seltsam schwankend ist da derzeit alles, was aus dem Lande der großen Bürgerfreiheiten und der urzeitlich einmal überzeugten Anhänger des Habeas Corpus zu uns dringt.

In Zukunft kann sich niemand auf dieser Erde sicher sein, dass die Vereinigten Staaten nicht jemanden schicken, der ihr vermeintliches Recht an ihm vollstreckt, ihn in andere Länder, zum Zwecke der polizeilichen „Bearbeitung“, bringen lässt, oder ihn auf das Hoheitsgebiet des US-Militärs verschleppt, wo dann, immer noch nach US-Gesetzen und präsidialen Anordnungen, gemacht wird was man da für nötig hält.- Bush junior, Rumsfeld, Cheney und der seltsame Jura- Professor, John Choon Yoo, perfektionierten diese Prinzipien, einschließlich der rechten Rechtsgutachten, und die Obama-Administration poliert derzeit dazu die alten Türklinken und die Abteilungsleiterschilder im Justizministerium neu auf.

>>But in another way, Guantánamo is a deeper problem today than it ever was. No longer a temporary exception, it has become a permanent fixture in our national firmament. And although at one time we could blame President George W. Bush’s unilateral assertions of unchecked executive power for the abuses there, the continuing problem that is Guantánamo today is shared by all three government branches, and ultimately by all Americans. With President Obama’s signing of the National Defense Authorization Act (NDAA) on New Year’s Eve, the prison is sure to be with us—and its prisoners sure to continue in their legal limbo—for the indefinite future. <<, schreibt David Cole in „The Nation“ (www.thenation.com/article/165443/guantanamo-ten-years-and-counting ).

Christoph Leusch

PS: Ich bin ein glühender Verehrer der Verenigten Staaten und weiß, es sieht z.B. in russischen oder chinesischen Staatsgefängnissen, in den Händen einiger Staaten Afrikas und des Nahen und Mittleren Ostens, vor deren parteiischen Gerichten und in deren Folterverliesen nicht unbedingt besser, sondern eher viel schlechter aus, für die deklarierten globalen Feinde und die dort unschuldig hinein geratenen Menschen. Aber von meiner geliebten Supermacht hätte ich mehr Stil und Vorbildlichkeit in ganz banalen und basalen Rechtsfragen erwartet, und auch gedacht, der Mann im Weißen Haus hätte, angesichts solch´ idiotischer, republikanischer Gegenkandidaten, weniger Angst. - Das Abstandsgebot in der politischen und rechtlichen  Praxis, zu all´ den Limbo-Staaten dieser Erde, es war schon einmal größer und mehr als nur eine narrow margin.  

 
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Kommentare
Alien59 schrieb am 06.01.2012 um 09:45
Viel Notwendiges, das gesagt werden muss - immer und immer wieder, da ich in der Presselandschaft zunehmend weiße Flecken entdecke.
In den USA scheint langsam vieles auseinander zu klaffen: der Anspruch, ein freiheitlicher Rechtsstaat zu sein, mit der tatsächlichen Rechtslage und ihrer Handhabung, die Armut und der Reichtum, die Billionen, die in Krieg und Kriegsgerät gesteckt werden gegenüber den Streichungen im Sozialbereich und bei den Ärmsten.

Eine meiner Twitterfreundinnen stellt das gerne gegenüber, wieviel Militärhilfe die USA zahlt - und wieviele Kinder in den USA gleichzeitig ohne Gesundheitsversorgung dastehen.

Die Frage, die sich mir stellt, ist: wie lange hält das Land, das Volk, diese Zerreißprobe aus? Die Occupy-Bewegung und deren Zusammenknüppeln scheinen mir ein Vorbote dessen zu sein, was unausweichlich kommen muss.

Ich stimme auch ihrem PS zu - aber gerade, weil in anderen Staaten es zwar größere Mißstände gibt, widersprechen diese doch nicht dem Anspruch dort in gleichem Maße und können Veränderungen anders angegangen werden.
born2bmild schrieb am 06.01.2012 um 10:12
Columbus schrieb am 06.01.2012 um 14:17
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Alien59 schrieb am 06.01.2012 um 09:45
Ja, ein ganz gespaltenes und furchtsames Land und diese sozialen und gesellschaftlichen Widersprüche, immer gleich mit wahnsinnigen Konsequenzen. Einerseits Helfer in der Not und die war groß, in Libyen und immer nochj das Land der Freiheiten zur Selbstverwirklichung, wo keiner genau nachfragt, was man denn jenseits der Appalachen mache, welcher Religio man angehöre, usw., andererseits diese Rechtsbeugungen und fast fröhliche Akzeptanz der sozialen Ungleichgewichte. Oscar-Nächte und Armenküchen, bildhaft gesprochen, nur ein paar Blocks voneinander entfernt.

Grüße und gutes Neues
Christoph Leusch

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born2bmild schrieb am 06.01.2012 um 10:12

Gefängnisindustrie, auch ein Komplex.
Über Glans penis, "glandestin", musste ich herzhaft lachen, es dann aber doch sofort verbessern. Thanks.

Weiter, weiter
Christoph Leusch
abghoul schrieb am 06.01.2012 um 19:15
Ich weiß immer noch nicht was ich scheußlicher finde.
Diese bitteren Neuigkeiten aus dem Westen
oder
das Desinteresse das diesen entgegenkommt...
Auf jeden Fall Danke Christoph, auch wenns bitter schmeckt.
tlacuache schrieb am 07.01.2012 um 05:27
Hab' da noch einen :-)
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Dagegen haben die Knastmöbelkleber noch die Aureolen auf dem Ei mit dem Brett vornedran.
Obama ist ganz gewaltig im Lobbysumpf am absaufen, der Okefenokee-Sumpf im US-Bundesstaat Georgia erscheint im Vergleich dazu geradezu als 100% iges Süsswasserquellchen...

Kennt ihr Operation Fast and Furious?

en.wikipedia.org/wiki/Operation_Fast_and_Furious

www.washingtonpost.com/politics/darrell-issa-not-joining-calls-for-eric-holder-to-quit-over-fast-and-furious/2011/12/02/gIQAHsSSMO_story.html

articles.latimes.com/2011/nov/09/nation/la-na-fast-furious-holder-20111109

Wachstum Wachstum Wachstum, Arbeitsplätze Arbeitsplätze Arbeitsplätze, weiter weiter Herr Präsident

P.S.
born2bmild & Columbus: Weiter weiter ;-)
Columbus schrieb am 07.01.2012 um 18:48
OT, lieber Tlacuache. Ich hatte im ersten oder zweiten Blog des Herrn K., der, hoffentlich bleibt es kein kurzes Geschehen, so erfrischend bloggte, schon einen guten Gruß senden wollen. Dann war das Blog weg.

Also hier nun ein gutes Neues
Christoph Leusch

Zum Thema: Kein Bereich neigt so zum Filz und zur Vernetzung schier für unmöglich gehaltener Personen und Insitutionen, wie der der Rüstung und Sicherheit.

a) Die vermeintlich billige Lösung, die Privatisierung der Sicherheit. Interessant ist, dass dieses Thema in der belletristischen Krimiliteratur Nordeuropas ein großes Thema ist. Sogar der reflektiertere Teil Hollywoods nahm sich des Themas schon an. Da geht es um die Gefahr, die aus solchen Nicht-Staatlichen Organisationen erwächst, die bald nicht nur als Wachmannschaften auf Schiffen fahren oder Flüge begleiten, sondern operativ für Firmen in der Ressourcenerschließung arbeiten und dann auch Angebote unterbreiten, die keiner mehr ablehnen kann.

b) "Eurosports", das ist aber einmal ein euphemistischer und pragmatischer Tarnname. / Ich muss gestehen, dass meine Betrachtungen oben, leicht so wirken könnten, als seien es immer nur die "bösen Amis".

Aber als ich das Impressum des Boards zur Weise-Kommission, also unseres halbgeheimen, weil gar nicht breit öffentlich diskutierten Umbauplanes der Streitkräfte zur Einsatztruppe weltweit und zur ewigen Liäson der Truppe mit der Industrie, studierte, fiel mir der Name Klaus Naumann auf, Das ist ein ehemaliger höchster BW und NATO-General, der nun bei "Thales", auch ein Tarnname, firmiert. - Er wirkte maßgeblich mit und war auch ausreichend begabt, seine Theorie von der entfesselten Welt und den sicherheitspolitischen Aufgaben der Zukunft dort einzubingen.

c) Der ehemalige Präsident Mexikos hat schon eine Forderung gestellt, die sich auch auf "The fast and the furious" bezog. Stoppt den Kampf und produziert das Zeug für eure besten Kunden in den USA legal und staatlich kontrolliert. Tatsächlich mischen die USA an exterritorialer Stelle im "War on drugs" nicht nur kräftig mit, sondern sie betreiben ihn. Das kostet viele Leben.

d) Wachstum an der falschen Stelle, aber mit gewaltigem Drive.

Bis bald
Christoph Leusch
weinsztein schrieb am 07.01.2012 um 07:32
Lieber Columbus,
lieber Herr Leusch,

Sie sprechen mit Ihren Einschätzungen vielen Menschen aus der Seele, auch mir. Einerseits.

Allerdings Ihr PS irritiert und ärgert mich.
Nicht, weil Sie ein glühender Verehrer der Vereinigten Staaten sind, die auch ich bewunderte, diesen so enorm kreativen Schmelztiegel, bis alles erstarrte im diesem Tiegel. Meine Verehrung der USA, das sind kindliche Erinnerungen, damals, als ich gern Trapper geworden wäre. Das dauerte lange an, bis zum Vietnamkrieg, da war ich schon kein Kind mehr.
Dann später die Herausbildung zur heutigen Weltpolizei USA, die den Rest so lange Mores lehrt, bis er endlich kapiert, wie von Ihnen beschrieben.

In chinesischen oder russischen "Staatsgefängnissen", in Folterverliesen im Nahen und Mittleren Osten wird es grausam zugehen, das liest man überall. Vielleicht noch schlimmer als in Guantanamo oder in Abu Ghraib. Wir wissen es nicht.
Ließ die CIA nicht Menschen in den Mittleren und Nahen Osten, auch in manche Staaten unserer EU-Nachbarn ausfliegen, damit nach dort erlaubten und in den USA verbotenen Methoden verhört werde?
Das waren nicht nur Republikaner, die so was veranlassten.

Sie werden Ihr PS ironisch gemeint haben.
Columbus schrieb am 07.01.2012 um 19:17
Ja, lieber Weinsztein, "Bürgerrechtspräsident", das ist z.B. nur noch Ironie. Es gibt gerade noch ein Feld, das der gesetzlichen KV, dem man an seiner Politik Bürgerechtsqualität zusprechen kann. Jedoch, auch hier arbeiten die Abrissbagger der mehrheitlich rechten US-Politik (zw.Reps und Dems gibt es in vielen Fragen gar keine großen Unterschiede.

Ich verüble dem Mann im Weißen Haus, dass er mit dem Anspruch antrat, er wolle "aufräumen", mit den Polizeispielen, mit dem ständigen Rechtsbruch, international und at home. Er ist überall angetreten mit der guten Botschaft, sein Land kehre zu den guten, den verfassten Prinzipien zurück. Amerika hat da eine lange Tradition.

So lange es z.B. noch "The Nation" und diese ganz trockene, aber wirkungsvolle Reporterpresse, z.B. der NYT oder Wash.Post gibt, so lange das andere Prinzip, das in den Staaten auch gilt, wir organisieren einen öffentlichen und meist privaten Widerstand über das Web, über ganz viele kleine Gruppen und auf der Straße, so lange gibt es auch Hoffnung.

Derzeit ist die Machtbalance so sehr in diese rechte Ecke gerutscht und die finanzielle und wirtschaftliche Entwicklung liefert dafür einen starken Motor. - Das vergessen Linke ja häufig, dass nämlich wirtschaftliche Drohungen, so lange der Laden nicht völlig abgeschmiert ist, regelmäßig mit rechten politischen Stimmungen der Wählerbürger beantwortet werden.
"Ordnung und Sicherheit" wird dann auf die Flaggen genäht.

Ein großes Glück für den Präsidenten, dass er intellektuell und vom Auftritt her, die Rep.-Kandidaten locker schlägt. Trotzdem wird es eng.

Demokratien, ganz ohne das Attribut westlich, auch die Türkei ist doch auf einem nicht unproblematischen, aber guten Weg und sie ist nicht nur klassisch westlich, leben von diesem Abstand, nämlich niemanden der staatlichen oder privaten Willkür auszuliefern.

Das schafft eigentlich die Sicherheit und eben nicht Haft ohne Prozess, ewig lange Ermittlung und Anklage, Staatsverbrechen, Polizei und Gewalt auf fremden Territorien, Folter, usw. Die Türkei muss doch auch an ihren Gefängnis- und Polizeistukturen arbeiten, damit sie in die EU kann.

Die "Methoden", das wollte ich hier nur andeuten, weil es ja um dieses Militärgesetz und das Budget geht:

"In Zukunft kann sich niemand auf dieser Erde sicher sein, dass die Vereinigten Staaten nicht jemanden schicken, der ihr vermeintliches Recht an ihm vollstreckt, ihn in andere Länder, zum Zwecke der polizeilichen „Bearbeitung“, bringen lässt,...."

Liebe Grüße
Christoph Leusch
cuchulainn schrieb am 07.01.2012 um 19:51
"Ich verüble dem Mann im Weißen Haus, dass er mit dem Anspruch antrat"

präzise nachgefragt: ist für sie der rügenswerte makel nun der, dass der mann im weissen haus überhaupt mit einem anspruch angetreten ist, wo er doch schon absehen konnte und musste, dass er ihn nicht würde einhalten können, oder der, dass er diesen anspruch bislang nur nicht eingehalten hat, wiewohl er es hätte können?
Columbus schrieb am 07.01.2012 um 21:37
Na, über das Gebaren des Vorgängers ist alles gesagt.

Die Chance für Obama bestand tatsächlich nur sofort nach Amtsantritt und mit diesem Nimbus des Erneuerers. Da hätte er seine Mehrheiten konsequent nutzen können und genau das hatte er im Wahlkampf versprochen.

Nun ist es, wenn auch auf niedrigerem, weniger ansprüchlichem Niveau, wieder so. Der Präsident unterzeichnet ein Militärgesetz, welches er persönlich nicht wollte, das aber z.B. von einigen Demokraten genau so gewollt wird.

Ich mache mir nicht allzu viele Illusionen bezüglich einer konservativen Grundhaltung in den Staaten, auch einer großen Unwissenheit um Rechtsfragen, Völkerrecht und Verträge.

Aber es ist schon so, dass meine Enttäuschung sowohl das überzogene Versprechen, als auch die verspielten Chancen betrifft. - Obama ist für mich immer noch ein Glückfall, bezogen auf die Alternativen, aber viel mehr wäre möglich gewesen.

Jetzt dreht das neue Gesetz, die zeitlich befristeten Regeln und Einrichtungen der Bush-Ära in Richtung Dauerhaftigkeit (Cole, "or the indefinite future"). Das ist besonders bitter.

Grüße und guten Abend
Christoph Leusch
cuchulainn schrieb am 07.01.2012 um 23:00
"Obama ist für mich immer noch ein Glückfall, bezogen auf die Alternativen, aber viel mehr wäre möglich gewesen."

da haben sie die - persönliche - tragik des herrn präsidenten ziemlich genau auf den punkt gebracht.

es ist schon so, wie sie schreiben - und wenn man hier und da zwischen den offiziell verlautbarten zeilen liest, dann kann man nachspüren, dass es ihm selbst wohl noch vor uns, die wir nur beobachten können, zu schaffen macht.

davon können wir uns nix kaufen, ich weiss, und kein gesetz, das er unterzeichnet, wird dadurch besser, dass ihm die unterzeichnung sichtlich schwer fiel. aber es macht für grundsätzlich wohlgesonnene menschen den einen entscheidenden unterschied aus, den nach meinem eindruck übrigens auch nicht wenige republikaner unten an der basis insgeheim, wenn keine kamera draufhält, teilen - weil sie wissen, wenn sie grad mal nicht aus ihrem herzen eine mördergrube machen, dass sie den mann unterstützen müssten, weil er, der demokrat, im grunde nichts anderes tun will als das, was die ur-ur-uralten republikaner sich früher mal auf die fahnen geschrieben hatten.

im rückblick muss man auch bekennen, dass nach lage der dinge der nobelpreis für obama eine allzu sehr vergiftete blume aus europa gewesen ist, die man besser nicht als bukett über den teich geschickt hätte.

ihnen auch einen guten abend, columbus!
d353rt schrieb am 07.01.2012 um 17:02
Top Beitrag. Danke. Werde ich weiter empfelen.
Columbus schrieb am 07.01.2012 um 19:31
Danke für die Blumen. Leser wünsche ich mir, der dFC und dem dF, aus vollem Herzen.

dF ist noch viel zu klein und viel zu unbekannt, um wirklich zu nutzen, was bei einem solchen Telemedienorgan möglich ist und möglich wäre, hackte man nicht gar so viel aufeinander herum, sondern brächte ernstgemeint (In dem Sinne, ich will was schreiben, was auch Bestand und Richtigkeit hat) und nüchtern, hier was auf die Webseiten und dann, nach Auswahl der Red., ins Print-Blatt.

Ich hoffe es gelingt mir ab und zu einmal, so was zu schreiben, und hoffe noch viel mehr, auf ganz viele neue Schreiber, die sich hier trauen.

Liebe Grüße
Christoph Leusch
Ehemaliger Nutzer schrieb am 07.01.2012 um 19:54
Lieber Columbus,
wieder ein brillanter Beitrag! Ich könnte zu diesem Thema nur Plattitüden hinzufügen, frage Sie deshalb, weil ich es in Ihren Einlassungen vermisse, welche Konsequenzen dies für die Alliierten der USA haben wird, haben Sie dazu auch eine Idee? Es würde mich interessieren. Sie sichten ja in der Hinsicht die internationale Presse. Wie ist der Stand der Dinge, kommt da etwas auf uns zu, wenn ja, was?
Ich bin eine Kritikerin der USA, räume aber ein, dass das Militär auch eine Menge „Drecksarbeit“ erledigt hat, hinter der andere ihre Volkswirtschaften gut entwickeln konnten, ohne groß Abbitte leisten zu müssen. Ist das zu einfach gedacht?

Salut
HN
Columbus schrieb am 07.01.2012 um 21:22
Wie gesagt, da wären einmal kritische Journalisten-Fragen an den nüchternen und wohl auch befragbaren Verteidigungsminister und seine Kanzlerin nötig.

Ihnen müsste man die entsprechenden Stellen aus dem Weise-Reformbericht, aus dem letzten BW-Bericht, vorhalten und sie bitten, dazu Stellung zu nehmen.

Denn in den Vorschlägen der Weise Kommission steckt viel von dem, was in den USA schon lange Praxis ist und Eisenhower in seiner Abschiedsrede einst beklagte.

Weise, das heißt z.B., Offiziere und Rüstungsleute werden auf weiten Stecken gemeinsam ausgebildet, die Unternehmen und die Militärhierarchien tauschen, leihen und verknüpfen ihr Spezialistenpotential.

Das sind Ideen und da komme ich an den Kern, die Sozialdemokraten, CDU/CSU und FDP nicht unbedingt missfallen und für andere Staatsbereiche und Ministerien auch schon von Rosarot/SPD und Grün-Koalition ausprobiert wurden. - Am Ende arbeiten Kanzleien und Unternehmensmanager die wesentlichen Eckpunkte aus.

Bei den Waffenverkäufen bahnen sich derzeit Änderungen an. Hier gibt es zudem einen tragischen "Vorteil" der EU, nämlich das Geschäft über mehrere Ecken laufen zu lassen. Was Deutschland nicht direkt besorgen und liefern kann, das können dann, gegen Provision und Beteiligung, Franzosen, Briten, Tschechen oder Polen bringen.

Was das Recht angeht, so führt die ewige Hinnahme der Gitmo-Praxis zu einer stillschweigenden Akzeptanz und zu einer Schwächung aller Positionen der UN und des Völkerrechts, die mit diesen Dingen zusammen hängen.

Die Folgen sind klar. Wer nicht gänzlich ins Hintertreffen geraten will, macht es wie die Führungsmacht. Die Briten stecken schon tief im Sumpf, die Franzosen hätten das Zeug dazu, und andere Staaten, ganz abgesehen von den Limbo-Nationen, die ähnliche Praktiken lange kennen, können sich nun sogar heraus reden.

Liebe Grüße
Christoph Leusch
Ehemaliger Nutzer schrieb am 07.01.2012 um 22:03
@ Lieber Columbus

Vielen Dank!

Ich kann das aber alles kaum glauben bzw. es entsetzt mich:
"Am Ende arbeiten Kanzleien und Unternehmensmanager die wesentlichen Eckpunkte aus."

Was heißt Gitmo-Praxis und Limbo-Nationen, sorry. Ich steh' da auf dem Schlauch!

Schönen Abend und liebe Grüße zurück
HN
Columbus schrieb am 09.01.2012 um 20:43
Guantanamo Bay Naval Base (also called Gitmo or GTMO) (Wiki-en).

Limbo, das ist der Rand der Hölle, der Ort der Herzen der Finsternis, der Raum ohne höchstes Gesetz und Menschenrecht, mit einem Wort, das Ende aller Chancen, je wieder Mensch unter
Menschen zu sein. Ca. 80 der noch verbliebenen über 170 Insassen auf Guantanamo, sind nach einem Kommissionsbericht für den jetzigen Präsidenten, völlig ungefährlich. Trotzdem sollen und müssen sie dort sein, sehr wahrscheinlich bis zum Tode. Das ist ein Schandmal auf dem Schild der mächstigsten Demokratie und beschädigt auch uns, weil wir nicht entschieden dagegen was sagen. Wir meint natürlich vor allem auch die Politiker, die beim Besuch immer die Pressefotos mit einem Lächeln bereichern, das man doch schon xxxxfach gesehen hat. Wir meint aber auch Presseleute, die sich nicht trauen, da eine knallharte Sprache zu sprechen.

Bisher wurden, ich hab´jetzt nicht noch einmal genau nachgeschaut, erst 6 der Gefangenen überhaupt einem Prozess zugeführt.

Schande, Schande, Schande.

Bis bald
Christoph Leusch
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2012 um 22:16
@ Columbus

Danke Herr Leusch!

Dennoch wie schlimm, wie scheußlich:
"Wir meint natürlich vor allem auch die Politiker, die beim Besuch immer die Pressefotos mit einem Lächeln bereichern, das man doch schon xxxxfach gesehen hat. Wir meint aber auch Presseleute, die sich nicht trauen, da eine knallharte Sprache zu sprechen."

Salut
Ihre
HN
Zeitleser schrieb am 07.01.2012 um 22:34
Niederlagen, die viel Geld kosten, disziplinieren ungemein. Beide Niederlagen hat nicht der jetzige Präsident in Gang gesetzt. Wie jeder Politiker muss er sich nicht mit philosophischen sondern mit realen Mächten auseinandersetzen. Reden Sie ihn nicht schlecht. Er hat die Prager Rede über die Abschaffung der Atomwaffen gehalten, als erster überhaupt, vergessen Sie das nicht. Das ist der O. der das Unheil an der Wurzel ergreifen wollte. In seinen 2 letzten Jahren seiner 2. Amtszeit wird er darauf zurückkommen.
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