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Neun Tage Intensivmedizin für 425.000 Euro, schöne Zukunft weltweit?
I Ein Sportunfall
Vor vier Tagen (19.01.2012) verstarb die kanadische Freestyle Schiartistin, Sarah Burke, an den Folgen ihres schweren Trainingssturzes in der Halfpipe der Wintersportstadt Park City/Utah. Beim unkontrollierten Aufschlag der Athletin war eine ihrer Rückratarterien eingerissen. In der Folge trat, über die massive Blutung, den dabei entstehenden Gewebedruck und die Sauerstoff-Unterversorung, ein Atem- und Herzstillstand ein. - Die Vertebralarterien (Rückratarterien) versorgen, entgegen ihrer Bezeichnung, vor allem die hinteren und tiefer gelegenen, rückenmarksnahen Strukturen des Gehirns mit Blut. Dort liegen lebenswichtige Kontrollzentren für Atmung und Kreislauf. - Die sofortige erste Hilfe, eine anschließende Operation und viel Intensivmedizin retteten die 29jährige Ausnahmesportlerin nicht.
II „Erlauben wir uns, in Rechnung zu stellen“
Neun Tage in der Universitätsklinik Utahs, sollen nun die Angehörigen 550.000 Dollar kosten!
Für die USA war Frau Burke nicht ausreichend versichert, zumal der Sturz nicht bei einem offiziellen internationalen Wettkampf eintrat, sondern während der Vorbereitungen für einen gesponserten Schaukampf. Ihre Hinterbliebenen rufen, angesichts der exorbitanten Forderung, zu Spenden auf ( www.cbc.ca/sports/skiing/story/2012/01/19/sp-sarah-burke-obit.html?cmp=rss ), und im Falle dieses prominenten Unfallopfers dürfte das Geld bald zusammen kommen. - In Kanada wäre die junge Frau aus Vancouver wohl kostenlos behandelt worden.
Wann ist es auch bei uns so weit? Schließlich muss doch ein betriebswirtschaftlich geführtes Krankenhaus und das letztlich unbezahlbare Therapeuten-Team an der Bettkante ausreichend verdienen! Preisbildungen und Klinikstrukturen der weitgehend privat organisierten Medizin der Vereinigten Staaten setzen dazu die neuen internationalen Trends. In Brasilien wäre es Frau Burke oder ihrer Familie nicht anders ergangen, als nun im Musterland der Medizin, vorausgesetzt, man hätte überhaupt ein geeignetes Hospital für die Schwerverletzte gefunden.
Nein, diese Art Abrechnung ist nicht schön! Aber sie verweist auf eine böse globale Entwicklung, bei der es medizinische Leistungen nur noch für wirklich zahlungskräftige Kunden geben kann und geben wird. Weniger bekannte Unfallopfer hätten es aus Park City nicht einmal bis ins Uni-Hospital geschafft.
Die Höhe der Forderungen schlägt dem Fass endgültig den Boden aus. Stimmt, was auf der Familienseite der Burkes steht und so auch mehrere Medien berichten, dann arbeitete die Uniklinik im Mormonenstaat mit einem Tagessatz von ca. 47.000 Euro. Das ist selbst für High Tech-Medizin ein schwer begründbares Entgelt.
Christoph Leusch
PS: Mittlerweile (22.01.) gehen die Medien von einer geringeren Summe aus, die bereits durch die Spenden abgedeckt sei. Die verläßlichen Quellen berichten nun, die Kosten die die Universitätsklinik berechnen könne, lägen bei 200.000 Dollar. Das sind dann noch stolze 17.000 Euro je Behandlungstag (www.ottawacitizen.com/opinion/columnists/Sarah+Burke+medical+bills+nearly+covered+through+donations/6027020/story.html ).
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Der Begriff "Profit" sollte halt komplett aus dem Gesundheitsbereich verschwinden.
Sicher eine Wunschvorstellung und praktisch nicht durchfürbar, in einem sehr "profitorientiertem" Metier wie der Gesundheitsindustrie. Jedoch, wie ich finde eine sinnvolle ethische Forderung. |
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Ohne Ihnen prinzipiell widersprechen zu wollen, kann ich mir denken, dass ein Teil dieser Kosten für enorm hohe Prämien bei Haftpflichtversicherungen benötigt wird.
Medizynikus schreibt gerade dazu: Haben Patienten Rechte? Um hier auch ein wenig Zynismus hineinzubringen, müsste die Familie nur einen Behandlungsfehler nachweisen und könnte sich das Geld wieder holen. |
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Tja, den Zynismus wird man wirklich brauchen, Merdeister, denn für gute anwaltliche Vertretung bräuchte es dann, zumindest in den USA, eine gut gefüllte Vorkasse und einen Vertrag mit der Kanzlei.
Zwei Optionen: Tagessatz oder Erfolgshonorar. Das letztere wird bei den ganz guten Juristen bevorzugt, weil das Risiko des Scheiterns, nach der Prüfung, ob man für den Mandanten überhaupt tätig werden möchte, als Aufschlag in die Anwaltsentschädigung einfließt. Nach Gebührenordnung geht in den Staaten kaum noch was. Hierzulande wurden erst jüngst die einschlägigen Vorschriften so geändert, dass nun Anwälte auch Erfolgshonorare vereinbaren können. Wenn ich den jüngeren Artikel (PS) zum Fall Burke richtig interpretiere, will sich jetzt sogar die staatliche kanadische Gesundheitskasse an den Kosten beteiligen, zumindest soll daszu verhandelt werden, obwohl sie nicht leisten müsste. Das mit den Haftpflichtprämien ist sicher ein Grund. Allerdings kommen einige andere Gründe aus dem Marktsystem der Versorgung selbst. Das beschreibt eine populäre Seite auf MSN, "How to survive your hospital bills" (Wie überlebt man seine Krankenhausrechnung), die Liz Pulliam Weston, eine Wirtschafts- und Finanzjournalistin anbietet. Sie schreibt mit viel trockenem Humor (articles.moneycentral.msn.com/Commentary/Experts/Weston/LizPulliamWeston.aspx ). Eine Menge Arbeit erwartet den Kranken in den USA, will er nachher mit den Kosten klar kommen, denn zusätzlich zu den Ausführungen Frau Pulliams, hat sich eine Praxis eingebürgert, gerade Unterversicherten sehr hohe Rechnungen zu stellen. Es gibt auch keine Referenzlisten für Preise und Leistungen, und Ärzte können Zahlungen von Krankenversicherungen, die Pauschalen für Leistungen zahlen, einfach ablehnen! Wie gesagt, das ist die Zukunft auch bei uns, sofern kein Bewusstsein dafür erzeugt wird und keine politische Gegenwehr erfolgt. Grüße Christoph Leusch |
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Der Link stimmte nicht:
Hier Versuch No.2: articles.moneycentral.msn.com/SavingandDebt/ManageDebt/HowToSurviveYourHospitalBills.aspx C.Leusch |
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Jetzt funzt der Link :)
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Also nachdem ich mir den Artikel von Frau Westen durchgelesen habe, stell ich mir mal kurz vor was in den USA mit Leuten die sich damit nicht auskennen so passieren mag und schaudere so vor mich hin.
Irgendwie ist auch tatsächlich absehbar das derartiges hier auch bald zum alltag gehören wird. Der Zugang zu Regierungs-Hilfe oder sonstwelcher Unterstützung ist wahrscheinlich auch recht steinig. In kurz, gruselig... |
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schrieb am
23.01.2012 um 10:19
wo wir schonmal beim zynismus sind:
wie zum teufel ist es möglich, dass DIE ELTERN für die behandlungskosten ihrer volljährigen tochter haften sollen, wo die doch schon verstorben ist? sollen die doch die forderung aufm friedhof eintreiben! |
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@ cuchulainn schrieb am 23.01.2012 um 10:19
In "Die hellen Haufen" (erschienen 2011, Suhrkamp) formuliert Volker Braun "Die Mansfelder Artikel". Der letzte Punkt: "12. Der Tod ist umsonst, d.h. der hinterbliebene Staat zahlt." Der 8. Punkt lautet: "Grundeigentum bleibt Volkseigentum. Das eigene Leben muss angeeignet werden." Wer 12. will muss 8. sagen. |
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Kleine Ergänzung noch zur Arzthaftpflicht in Deutschland, einschließlich des Tatbestandes der groben Fahrlässigkeit und der Abdeckung von Risiken aus ärztlicher Handlung außerhalb der Dienstzeiten, z.B. in Vertretung, als Selbstständiger.
Tarife für Assistenten und Fachärzte, z.B. Chirurgie, Deckungssumme 7,5 Millionen Euro, ca. 1200-1800 Euro/Jahr. Für Oberärzte, ca. 2500-3500 Euro/Jahr, für Chefs, ca. 10.000 Euro/Jahr. Es gibt auch Tarife mit niedrigeren Deckungssummen und Verträge ohne die Zusätze für nebenberufliche und nicht-dienstliche Tätigkeit, die dann deutlich günstiger sind. Liebe Grüße Christoph Leusch |
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schrieb am
23.01.2012 um 13:29
@Rapanui
ist ja heute auch schon so, wenn auch nur bedingt: wenn du soldat bist und fürs vater- oder mutter-land ins gras beisst, wird das grab bezahlt, weil es ein öffentlich-rechtliches ist - genau wie der körper, der unten liegt. so einfach ist das alles nicht. dazu - zu diesem "nicht so einfach", fällt mir noch was ein: als in den USA im zuge des new deal eine einheitliche, "allgemeine" gesundheitsversorgung versucht wurde in gang zu bringen (ganz hat das ja nie geklappt, wie man weiss), gab es nicht nur von den einschlägigen hochmögenden kreisen widerstand. grund: allgemeine standards im gesundheitswesen sind zwar auf den ersten blick eine feine sache, auf den zweiten blick aber nicht für zB schwarze im süden, denen ihre eigenen arztpraxen von der gesundheitsbehörde dicht gemacht wurden, weil die nämlich die gesetzlichen vorschriften nicht erfüllen konnten. dafür durften die schwarzen dann aber zu den weissen ärzten gehen, was bis dahin nur beschränkt möglich war. das tat nur keiner - weil deren honorare sich nur die weisse mittelschicht leisten konnte. wie ich schonmal schrieb: zwei schneiden haben solche ratschlüsse. |
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@ cuchulainn schrieb am 23.01.2012 um 13:29
>>>ist ja heute auch schon so, wenn auch nur bedingt: wenn du soldat bist<<< Nun, Ihre so nebenbei geäußerte Bedingung ist der wesentliche Unterschied. Der Soldat hat für den Staat gearbeitet. Volker Braun meint, dass der "Staat" in jedem Falle zahlt: Voraussetzungslos, ohne dass der Tote eine Leistung für "den Staat" erbracht hat. Punkt 10 der Mansfelder Artikel: "Verfügungsgewalt über gesellschaftliche Grundentscheidungen" stellt zudem die Funktion des Staates in ein gänzlich anderes Licht, als es das Licht des Staates jenes Staates wirft, der vom Soldaten den Heldentot abforderte. |
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Ganz einfach, das wird in den ersten Stunden nach der Aufnahme per Vertrag abverlangt. Wer nicht selbst unterschreiben kann, für den müssen Angehörige eintreten. Vorkasse in Teilbeträgen, ist ebenfalls ein häufiges Vorgehen.
Wer niemanden hat oder bei wem sich niemand blicken lässt, der kann unter Umständen ins Sozialprogramm der Klinik rutschen. Dazu entscheidet dann ein Krankenhaus Board. Ganz grundsätzlich wird, wie hierzulande für alle Medikation die Off-label, ohne festgelegte Indikation verordnet wird, nur auf Antrag und Verfahren KV-Beihilfe gewährt. Christoph Leusch |
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@merdeister,
was ist das denn |
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@merdeister,
was ist das denn für eine Logik. Ja wie klauen uns das Geld Gegenseitig....na toll. Dann verdienen wenigstens auch die Anwälte gleich mit. Im Kapitalismus gehts nur um Profit. Der Mensch bleibt da aussen vor! |
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Deswegen schrieb ich "Zynismus" und nicht "Logik".
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Die Fragestellung im Beitrag ist - verständlicherweise - sehr eng. merdeister hat sie zu Recht etwas über die Profitgier hinaus erweitert. Ich möchte die Frage der Verantwortung anfügen, präziser: die Frage nach der Selbstverantwortung für die Risiken, die wir eingehen. Die ungeheure Technisierung der Medizin wäre demnach nicht nur eine willkommene Basis für Gewinnstreben, sondern auch eine Einladung, sich immer weniger Gedanken über die Risiken zu machen, die man selbst eingeht - in der Hoffnung, die Medizin werde es am Ende schon richten. Auch das trägt dazu bei, notwendige Behandlungen/ Versicherungen für viele Menschen unbezahlbar zu machen.
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schrieb am
23.01.2012 um 18:45
Bingo!
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Im Großen und Ganzen stimme ich abghoul zu. Andererseits frage ich mich auch warum ein Extremsportler keine Versicherung abgeschlossen hat, die etwaige Vorfälle absichert? Das Unfallrisiko ist wohl höher als bei einem 08/15 Skilangläufer im kanadischen Inland.
Disclaimer: Habe mich nicht weiter mit dem Fall beschäftigt. |
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@Columbus
Ziemlich spannender und interessanter Text. Hatte den Unfall von der Freestylerin auch mitbekommen. Tragisch. Diese Rechnung hat es aber in sich und als Laie kann ich die Einschätzung, dass solche Kosten selbst in der High-Tech-Medizin kaum begründbar sind nur hinnehmen. Es stimmt nachdenklich, dass die "Ahhhs" und "Bohhhs " über die gewagten Kunstsprünge auch so ein Ende nehmen können. |
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Die kühle markt- und betriebswirtschaftliche Rechnung ist, alle Krankheits- und Unfallrisiken aufzulisten und für die Risiken entsprechende Versicherungstaxen zu nehmen.
Dazu kommt dann noch die Grundsatz-Entscheidung Pflichtversicherung oder freiwillige Versicherung. Es sei daran erinnert, dass in Deutschland ärztliche Leistungen, die nicht nach dem GKV -Satz bezahlt werden mit Steigersätzen bis 3,5x versehen werden können. Rein theoretisch ist bei uns auch eine freie Honorarabrechnung und eine freie Tagessatzabrechnung für Hospitäler bei den Selbstzahlern möglich. Bei einem Marktmodell kann sich ein Mensch nur solche Risiken leisten, die er auch versichern kann. Bei Beihilfe oder Gesetzesmodellen, bei denen möglichst alle Teilnehmer an der Versicherung sind, wird das Risiko sozialisiert. Ein großes Risiko der Marktmodelle, sofern nicht strenge Vorgaben des Staates existieren, stellt gerade die freie Vertragsausgestaltung dar. In den USA führt das zu hundertausenden Rechtsverfahren, bei denen es nur um die geforderten Honorare, Tagessätze und Kosten geht, die ja für den Durchschnittspatienten nicht transparent sind und zudem stark von der jeweiligen Mentalität des Leistungsanbieters abhängig. Paradoxie: Ein U.S.-Bürger versichert sich in der PKV und erhält gewisse Optionen auf die staatliche Basisversorgung, aber seine Privatkasse hat eigene Regelsätze für ärztliche und sonstige medizinische Leistungen, die die Forderungen der aufgesuchten Einrichtungen nicht decken und vom jeweiligen Arzt oder Hospital abgelehnt werden. Es kommt zu Verhandlungen, die wiederum Rechtshilfe und Beratung nötig machen. An deutschen Kliniken wird für die GKV nach Fallpauschalen abgerechnet. Ein Intensivmedizinbett kostet zwischen 1300 und 2000 Euro/Tag, es kommen noch die OP-Leistungen hinzu, also z.B. in diesem Falle, für eine SHT-Versorgung mit Beseitigung einer Einblutung und Gefäß-Op. an der Vertebralis, ca. 10.000, bei Komplikationen, vielleicht bis max. 20.000 Euro. Im Erfolgsfall steht die in diesem Falle längerfristige Rehabehandlung an, die nochmals ca. 50.000-70.000 Euro kostet. LG Christoph Leusch |
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Ich habe kein Mitleid mit der Frau und auch nur begrenzt mit den Familienangehörigen. Die Familie, hier die Mutter oder Vater, hätten die Tochter auf ein abschliessen einer Versicherung drängen müssen! Ich würde dafür nicht spenden. Auch wenn das jetzt sehr zynisch klingt.
Generell bin ich dafür, Extremsportarten privat zu versichern! Dazu zähle ich z.Bsp. Gleitschirmfliegen, Abfahrt beim Alpinen Skisport, Klettern, Fallschirmspringen usw. Das Gesundheitssystem sollte meiner Meinung nach nur noch eine Solidarversicherung für den Krankheitsfall sein, den man nicht selber verschuldet hat. Dazu zähle ich u.a. Berufskrankheit, Allergien, allg. Erkrankungen generell (Krebs), Unfall usw. Wenn ich mich, wie in diesem Fall dargestellt, als Extremsportler betätige, weiß ich im Vorfeld worauf ich mich einlasse! Selbst wenn ich rauche, weiß ich um die Gefahren, die durch das Rauchen entstehen können. Wobei Rauchen ja auch eine Sucht ist. Die es eigentlich auch zu bekämpfen gilt. Das darf nicht falsch verstanden werden. Jeder soll nach seiner Fassong leben und glücklich werden. Muß aber auch dafür Eigenverantwortung übernehmen! Mit der Eigenverantwortung ist das nämlich heutzutage auch so eine Sache. Alles auf die Solidargemeinschaft abzuwälzen ist einfach und nur bequem. Verursacht unendlich viele Kosten! Die durch die Zunahme der prekären, sprich wenig verdienenden Menschen, so nicht mehr ewig zu tragen sein wird. Die Zeit der gutverdienenden läuft nämlich ab. Und Menschen, die sich Skiausrüstung, Gleitschirme ect. leisten können, können sich auch Versicherungen leisten! Unser Gesundheitssystem bedarf schon lange einer gerechteren Umgestaltung. Was uns jetzt bevorsteht ist eine 2 Klassenmedizin. Wo selbst chronisch Kranke und unverschuldete Krankheiten für viele zu einem Desaster führen werden. Weil es schlichtweg am Geld mangeln wird. Amerika lässt grüßen! Ich wünsche keinem chronisch krank zu sein. Auch muß die Politik mehr für Vorbeugung und Prävention tun. Erst gestern hatte ich bei Odysso einen Bericht über Rückenschmerzen / Wirbelsäulen- Operationen gesehen. Dort kam ein Professor zur Sprache, der ein viel zu schnelles und auch oft falsches operieren anprangerte. Denn bei vielen Ärzten geht es ja auch nur ums Geld! Dieser Beitrag war sehr aufschlussreich und interessant. Zeigte Alternativen auf, die viel weniger kosten. Wo aber auch jeder selber gefragt ist und mitmachen muß. Wenn ich heutzutage sehe, wie Menschen mit Medikamenten und OP`s "zugeschüttet" werden, ziehts mir die Schuhe aus. Damit schafft die Pharmaindustrie ein schönes Abhängigkeitsverhältnis. Und auch junge Menschen, die einfach aus purer Lust und dem Spaß, dem dazu gehören, sich dem alpinen Skisport hingeben, müssen wieder Eigenverantwortung lernen! Es kann nicht angehen, dass junge Leute Abfahrten machen, ohne dies vorher gelernt zu haben. Da ich mal selber zu einer Physiotherapie gehen mußte, mir auffiel das so viele junge Menschen dort waren, wurde ich von der Therapeutin aufgeklärt. Sie hatte sich sehr darüber beklagt, wie viele junge Menschen heute nur alleine aufgrund des Alpinsports lange mit körperlichen Problemen zu kämpfen haben. Und für die eigentlichen, krankheitsbedingten Patienten oft viel zu wenig ZEIT VERBLEIBT. Eine Therapie bei gebrochenen Armen bzw. Beinen auch sehr langwierig und teuer sein kann. Dafür hab ich kein Verständnis und bin als Zahler der Solidargemeinschaft, der wohlüberlegt handelt, sich 3 mal überlegt, ob ich mich einer Gefahr aussetze oder nicht, empört. |
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Ja, Karin L., Sie sind mutig und reagieren mit ihrem Beitrag, so wie ich es mir erhofft hatte.
Diese Debatte, sie wird geführt, aber völlig ohne Beteiligng der möglichen Patienten. Die Politik führt sie, mit Teilen der Versicherungswirtschaft und mit den Vertretern der Leistungsanbieter, wie das heute so heißt. Die Richtung der Diskussion wird dann von den Interessenvertretern bestimmt. Sie lautet, den Gesundheitsbereich als Markt zu denken und zu entwickeln. Solche extremen Sportunfälle, auch jene weniger tödlichen, die sich hundertausendfach überall ereignen, sind natürlich nicht der Haupt Kostenfaktor, sondern die Hauptlast kommt aus den, ebenfalls wieder stark von der Lebensweise (Rauchen, Bewegungsmangel, Stress, Ernährungsfehler) mitbestimmten, modernen "Volkskrankheiten". "Ich habe Rücken", das wird bei uns, so sagen es mittlerweile einige große Untersuchungen, in ca. 50% der Fälle, ohne wirklich stichhaltige medizinische Diagnose, mit einem chirurgischen Eingriff beantwortet. Wie sollte nun die verantwortete Antwort der Versicherten, aussehen? Hauptsächlich privat oder gesetzlich geregelt? Wer kontrolliert den Markt, wenn zukünftig nach Marktkriterien Medizinleistungen an diejenigen gehen, die es sich leisten? Ab wann sind Sie und ich, ab wann sind wir ein Risiko? Wer schätzt es ein und welche Folgen sollte, müsste das haben? Zuletzt. Welche Folgen hätte das für die Gesellschaft, trüge in einer voll entwickelten Marktmedizin jeder sein persönliches Risiko? Und wer verhindert, -Sie denken über Risiken, die Sie bei anderen als selbst- oder mitverschuldet ansehen, ich tue das auch, Sie wünschen sich daher, von den Solidarkosten entlastet zu werden und/oder eine Verteilung der Gelder aus das "Notwendige"- , dass sich, wie bei Fernsehkonsum, oder beim Musikgeschmack, oder beim Freizeitverhalten, dann eine mehr oder weniger strenge Unifomität der Ansichten durchsetzt? In den Vereinigten Staaten sind sie weiter damit, die Risiken für Leistungen zu privatisieren und sie "produzieren" damit eine, nein, mindestens drei neue Industrien, die sich ja hierzulande auch ein paar kleine Parteien wünschen: Anbieterindustrien die medzinische Leistungen an jene abgeben, die bezahlen. Versicherungsindustrien, die zehntausende, kaum vergleichbare Policen anbieten, einen juristischen Sektor, der von Beratung und Einforderung, vom Streit um Policen und um das ärzliche Handeln lebt. Es sind Milliardenmärkte. - Nur eine Seite, nämlich der nicht-zahlungskräftige Patient, der chronisch kranke Patient, ist dort deutlich unterrepräsentiert. Was den Anteil der Gesundheitskosten am Bruttosozialprodukt angeht, so legen die Amerikaner noch einmal 3-4%, im Vergleich zu europ. Staaten, drauf. Marktwirtschaftlich gedacht, ein Grund zum Jubel, bezogen auf die Versicherungsleistung und Versorgungssicherheit, mit einer Menge "stiller", individueller Katastrophen im Gepäck. Liebe Grüße Christoph Leusch |
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Lieber Herr Leusch,
mir gehts es nur um die Extremsportarten und nicht um die Volkskrankheiten, die im übrigen fast nur aus dem BERUF heraus entstehen. Laut Stiftung Warentest entstehen die meißten KRANKHEITEN berufsbedingt und nicht auf Grund von Unfällen. Wobei ich schon finde, dass jeder etwas zu seiner Gesundheit beitragen sollte. Es ist bequem sich schnell für jedes Zipperlein eine Pille zu holen, sich operieren zu lassen ohne auf Alternativen zurück zu greifen. Und da genau liegt auch das Übel...Alternativen werden nämlich nicht zugelassen, da die Lobby der Ärzte so groß ist. Im übrigen fängt vieles für mich im Kopf an! Wenn der Mensch nicht mit Geist und Seele übereinstimmt, wird er krank. Und bei der stressigen Arbeitswelt bleibt das eben nicht aus. Zumal der Mensch heute auch nur noch ökonomisch betrachtet wird und nicht als Mensch. Das sagte schon Erich Fromm 1959 voraus. Ein Mensch kann nunmal nicht immer einwandfrei funktionieren. Das aber verlangt die Wirtschaft von uns. Die Folge davon sind Krankheiten. Liebe Grüße Karin |
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Ich finde es wichtig, diese Positionen mehr heraus zu stellen. Die Arbeit, sofern man eine nicht entfremdende Tätigkeit ausübt, kann auch gesund machen und das spüren die meisten Menschen, die sich nach Sinn und Befriedigung in einer Tätigkeit sehnen, dafür aber, z.B. an ihren persönlichen Beziehungen zu Grunde gehen (körperlich und seelisch). - Also aus praktischer Sicht, möchte ich das dann nicht stehen lassen, Krankheit komme meist von Arbeit und Arbeitsbedingungen.
Die Lobby der Ärzte, ja, die gibt es als Vertreterlobby, aber mit ärztlichem Wissen und auch Können wird unser Gesundheitssystem schon lange nicht mehr gesteuert. Die wirklich entscheidenden Strukturzusammenhänge bestimmen Industrielle, betriebswirtschaftlich und händlerisch denkende Leute und natürlich die Politik, die die Rahmen setzt. In Kliniken und bei der Pharmaindustrie, bei der Struktur des Gesundheitsmarktes, spielen mittlerweile Berufe und Spezialitäten eine Rolle, die mit ärztlicher Tätigkeit nichts am Hut haben. Zum letzten Satz ihres Statements: Das ist wohl wahr, in dem Sinne, dass Standards die Lebenswelten bestimmen und Abweichungen zunehmend weniger toleriert werden (sogar für ihre Urlaube und Freizeiten lassen sich die Bürger standardisieren), obwohl der Glaube herrscht, es entfalte sich ein großer und wunderbarer Individualismus, in dem jeder seines Glückes Schmied sei. - Das ist zwar Kappes und war schon immer Unsinn, aber die Vorstellung davon ist weiterhin wirkmächtig, auch wenn sie Schritt um Schritt das soziale Kapital, Solidarität und Subsidiarität, in der Gesellschaft abbaut. LG Christoph Leusch |
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Noch ein kleiner Nachtrag zum Thema, Gesundheitssystem USA und Anwaltsindustrie:
Die Mesothelioma Lawyers warten auf Ihren Anruf: Eine Überblickseite: www.mesothelioma-lawyer-usa.com/mesothelioma-asbestos-attorneys.htm Ein Beispiel, die Kanzlei Weitz&Luxenberg, mit einem sehr interessanten Insert, das aufblinkt, wenn man addons zugelassen hat: www.weitzlux.com/Mesothelioma_1962540.html www.weitzlux.com/ Grüße Christoph Leusch |
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schrieb am
24.01.2012 um 21:33
na, da haben sie ja was ausgegraben - "talk to us, free and confidential". ich hab auf "no thanks, i'm fine" geklickt. sicher ist sicher, wobei man das bei den regenmachern nie sagen kann.
a propos und auch noch zum thema milch (sie wissen schon, von nebenan, bei frau zinkant): eine europäische entwicklungshilfeorganisation hatte sich in den 70ern mal vorgenommen, den notorischen "milchsee" humanitär abzubauen und die milch nach ich glaube eritrea zu verschenken. gut gemeint wars ja - nur dummerweise ist eritrea ein gebiet, in dem die prävalenz von laktoseintoleranz ziemlich weit oben auf der skala liegt. vermutlich können sie sich denken, wer am nächsten tag mit einer schadenersatzforderung in nicht unerheblicher höhe bei der zentrale durchklingelte ... |
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Ja, das fand ich besonders bemerkenswert. Die Welt besteht für diese Law firms nur noch aus Klienten und die Gesunden müssen die Maske wegklicken. Das ist marketingtechnisch äußerst geschickt und schnell ist auch der Fragebogen ausgefüllt.
LG Chrsitoph Leusch |
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schrieb am
25.01.2012 um 08:58
jawohl, so ist es.
das könnte auch den oft seltsamen gleichklang der interessen von ärzten und anwälten erklären: für die einen besteht die welt nur aus klienten und die, die noch keine sind, wurden noch nicht abgefragt. für die andern, die mediziner, besteht die welt nur aus patienten und die, die noch keine sind, sind bisher nur unterdiagnostiziert. wohlgemerkt: für mich ist das nicht der "fehler" von ärzten oder anwälten, sondern das sind die gesetzten bedingungen im kapitalismus, ist die "optik", unter der menschen ins auge gefasst werden. prinzipiell finde ich es zunächst einmal nicht schlecht, dass man sich mithilfe von anwälten gegen zumutungen zur wehr setzen kann. s gibt nämlich auch andere beispiele in anderen rechtsordnungen - denken sie nur mal an die contergan-opfer, die man entweder direkt abbügelte oder mit ein paar briefmarken abspeiste, aber auch an die malocher vom bau, die jahrelang mit eternit hantierten, nachher mit lungenkrebs im krankenhaus lagen und zu hören bekamen: tja, pech gehabt - berufsrisiko. |
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Ja. Contergan/Thalidomid, das war, weil man Warnungen von Ärzten missachtete und unterdrückte ein Skanda.
Dann vor allem wegen der zu niedrigen Entschädigung für die betroffenen Familien und Kinder, die mit den Schäden, Fehlbildungen aus den ersten drei Monaten der Schwangeschaft, die Frauen hatten das Medikament zur Linderung von Schwangerschaftsbeschwerden (Brechreiz, innere Unruhe und Übelkeit) eingenommen, zurecht kommen müssen. Heute ist das Medikament aber wieder ein Hoffnungsbringer. Denn seine Fähigkeit, das Wachstum neuer Blutgefäße zu hemmen, hilft bei den Plasmazelltumoren (Myelomen), bei schmerzhaften Zuständen der Lepra-Erkrankung, bei anderen Autoimmunerkrankungen. Ich kenne aus der Praxis nur ein, ebenfalls verschrienes "Wundermittel", das Clozapin/Leponex(R). Es macht, ohne gute Kontrolle, in wenigen Fällen eine schwere Blutbildstörung, die bis zum Tode führen kann. Aber oft ist es, nach Fehlschlägen mit anderen Meds., ein bemerkenswert gut wirksames Mittel bei schweren Psychosen. Wer das einmal miterlebt hat, der vergisst es nie mehr. Völlig richtig ist, mit der Diagnostik nicht nach dem Prinzip zu verfahren, ist der Patient einmal da, dann suche so lange, bis du was findest. Abspecken bei den Diagnosen, das ist ein schweres und verlustreiches Geschäft (Klinik und Praxis) und wenn es einmal schief geht, dann hängt man auch wieder an der Haftpflicht, dem möglichen Regress, weil man nicht alles Mögliche untersucht hat. LG Christoph Leusch |
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schrieb am
25.01.2012 um 23:32
zum letzten absatz ihres kommentars:
genau sowas meinte ich mit "vom system gesetzte bedingungen": der riesige berg an oft unnötigen, aber abrechnungsrelevanten überdiagnosen: fachlich meist nicht angezeigt, aber würde man sie weglassen, wäre das irrationales verhalten in dieser unserer spinnerten welt. wobei ich nun andererseits genau darüber auch nicht schimpfen soll und darf, denn ein naher verwandter von mir verdankt sein leben genau so einem systemkalkül - er geriet wegen einer an und für sich lächerlichen lappalie an einen sehr eifrigen, diagnosefreudigen arzt und siehe da: präkanzerosen, die sonst kein mensch jemals entdeckt hätte! deshalb wurde der krebs gewissermassen "erledigt" noch bevor er ausbrach und soweit ich als völliger laie das sehen kann liegt es ja grade beim krebs am richtigen (sprich frühen) diagnosezeitpunkt. ich hab die worte des arztes noch im ohr: "sehen sie, sehen sie, wie ich immer sage: gute diagnose ist die halbe therapie". und so richtig widersprechen will ich ihm seitdem nicht mehr. grüsse & gut nacht! |
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Leider habe ich gerade nicht genug Zeit mich mehr zu beteiligen. Aber auf diese Dokumentation möchte ich noch verweisen:
www.moneydrivenmedicine.org/ |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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