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15.03.2011 | 13:14

Tragödie mit Ansage und Absage. Keine Kontrolle nur Krisenreaktion

Tragödie mit Ansagen und Absagen. Nur die Dimension steht noch nicht fest (15.03.2011,12:30 Uhr)

 

Es bleiben nur noch Hoffnungen. Die heißen, es komme bitte zu keiner weiteren schweren Explosion, die Unmengen radioaktives Material aus einer der zusammenschmelzenden Brennelementmassen (Uran und Uran/Plutonium=MOX) freisetzt, und der Wind möge möglichst bald wieder ablandig, aufs das Meer zu, drehen.

Gemessene Strahlung und deren Gefährdungspotential

Zumindest an einem Reaktor in Fukushima I (Block 2) ist die Hülle um die Brennstäbe, oder das, was von ihnen noch übrig ist, nach der dritten Explosion aufgebrochen. Der größte anzunehmende Unfall ist also mittlerweile eingetreten.

In der Umgebung des Reaktors wurden Strahlenwerte von über 8000 mSv/Stunde gemessen. Am nicht betriebenen Reaktorblock 4 der Anlage ist ein Abklingbecken mit abgebrannten Brennstäben in Brand geraten! Das ist von besonderem Übel, weil die verbrauchten Brennstäbe, -Welche sind es zudem, Uran oder gar MOX- mit Plutonium-Anteil?-, viel mehr gefährdendes Spaltmaterial das ausgetragen werden könnte und von biologischen Organismen aufgenommen werden kann, enthalten. Den Brand hat man löschen können, jedoch wurde dabei Radioaktivität unbekannter Menge frei.

Strahlenäquvalenzdosis

(Milli-)Sievert, das ist die Äquivalentdosis, mit der die effektive Strahlendosis die auf einen Menschen einwirkt, abgeschätzt werden kann, weil für die unterschiedlichen Strahlenarten und für die Art der Exposition Gewichtungsfaktoren aus der Empirie (Aller Fakten, die man zur biologischen, bzw. medizinischen Wirkung der Strahlung bisher sammeln konnte fließen ein) eingerechnet werden.

1 Sievert entspricht 1 Joule/kg Körpermasse Energiemenge. 1 Joule ist die Menge Energie, die nötig ist, um 1 Gramm Wasser bei 15°C um 0,239 Kelvin aufzuheizen.

Das Sievert entspricht in der physikalischen Größe dem Gray, der Einheit für die physikalische Strahlendosis, die jedoch keinen Gewichtungsfaktor enthält. 1 Gray ist also auch 1 J/kg Energiedosis. 1 Sievert jedoch, die Strahlungsenergie, die gewichtet, tatsächlich auf einen Menschen oder andere Organismen einwirken kann.

 

Rückzug derer, die nicht mehr ausreichend geschützt werden können

Die gemessene Dosis von über 8000 Millisievert (mSv)/Stunde liegt deutlich über der absolut tödlichen Menge von 5000-6000 mSv als Einmaldosis. Daher zog die japanische Betreiberfirma Tepco ihre Experten und Arbeiter ab und brachte sie schleunigst in Sicherheit.

Die durchschnittliche Belastung in der Umgebung des Kraftwerks und nun in der Abwindrichtung auf Tokyo zu, dürfte nach den letzten Mitteilungen irgendwo zwischen 400- und 2000 mSv/Stunde pendeln. Das ist selbst für die bemerkenswert stoischen Japaner, laut dem letzten Statement des Ministerpräsidenten, endlich als eine gesundheitsschädlich hohe Strahlungsmenge anerkannt.

 

Zum Vergleich der Werte

Ein Transatlantikflug, eine Strecke, belastet durchschnittlich mit 0,05mSv. Nicht mit ionisierenden Strahlen hantierende Personen dürfen maximal pro Jahr einer zusätzlichen Äquivalentdosis von 1 mSv (1mSv/Jahr) ausgesetzt werden! Die Hintergrundbelastung in Deutschland liegt bei 2,3- 3,5 mSv/Jahr. Beruflich Strahlenexponierte ohne besondere Schutzkleidung, dürfen sich maximal 20 mSv /Jahr Effektivdosis zumuten (in den USA liegt dieser Wert bei 50 mSv/Jahr) und sollen nicht mehr als 400 mSv, ein ganzes Berufsleben lang, auf sich nehmen müssen. - Ungefährlich ist also schon der stundenweise Aufenthalt in und um Fukushima I keinesfalls.

Ca. 50 Arbeiter mit entsprechendem Schutzgerät mussten derzeit bei den havarierten Reaktoren bleiben, um sie weiter zu kühlen. Es sollen auch Strahlenschutzexperten der amerikanischen Armee dort mithelfen, die sicher entsprechende Schutzausrüstung mitgebracht haben. - Wer sie dereinst wohl rettet und wie das wohl geschehen wird? - Sie versuchen weiterhin, die Reaktorkerne mit Meerwasser, von innen und von außen (!), zu kühlen, sowie entstehende Brände zu löschen, so lange noch eine Pumpe dort funktioniert, und sie müssen den entstehenden Gas(Dampf-)druck regelmäßig ablassen, damit nicht weitere Explosionen die noch intakten Hüllen aufsprengen können und die angeschlagene Hülle von Block 2 keine weiteren Schäden nimmt. Dabei wird selbstverständlich weitere Radioaktivität frei, weil es keine Filter mehr gibt und sich radioaktive Spaltprodukte weiter bilden, sowie zudem Teile der festen Brennstäbe (Uran und Plutonium) sich zersetzen.

Christoph Leusch

 

 
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