Columbus

Händler&Helden mbH

11.06.2011 | 20:28

Zukünftig freitags, der Berliner Autosalon

Zukünftig freitags, der Berliner Autosalon

 

gaga, Berlin, Stolper Loch

Der nicht unbekannte Verleger Jakob Augstein, reagierte am vergangenen Donnerstag mit einer durchgreifenden und spektakulären Entscheidung auf die beständigen publizistischen Angriffe aus der Mainstream-Presse. Insbesondere Auto-Bild Deutschland hatte zuletzt, in einer wochenlangen Kampagne, immer wieder massive Vorwürfe gegen das linksalternative Blatt des Verlegers erhoben.

Mobilität, Sport und Motoren interessierten dort anscheinend nicht. Stattdessen ginge es immer nur ums Gärtnern, das Essen und den Sex. Augstein bilde in jenen wesentlichen Wissens- und Kulturfeldern des deutschen Mannes, mit seinem Lead-Award ausgezeichneten Blatt, selbst viele linke Meinungen nicht adäquat ab. Er verspiele so die Chance, diesen Teil der Deutschen enger an die eigentliche Volksseele zu binden und damit ein Abgleiten dieser Schichten in die Radikalität zu verhindern. 

Kühler,kocht,cool,normal

Neues der Freitag Ressort?

Wie aus sicherer Quelle zu erfahren war, beschloss der Verleger nun, im Einverständnis mit der Chefredaktion und der Geschäftsführung, dem Freitag allwöchentlich eine Auto-, Motor-, Sport-Seite anzufügen.

Das bisher bestehende, krasse Mißverhältnis in diesen Sparten zur so erfolgreichen und auflagenstarken Konkurrenz, so sein letztes Kurzstatement bei Zwack, dem Medienmagazin aus der Anstalt, koste einfach zu viele potentielle und potente Leser, und verschließe dem „irgendwie und im Zweifel, immer linken Blatt“ ungebührlich den Zugang zu einem der größten Werbe- und Marketing-Felder Deutschlands. „Das kann sich auf Dauer kein Print-Medium leisten.“, ließ der Mann für den Freitag in vertrautem Kreise wissen.

Bisher ist man allerdings noch nicht zu einer Entscheidung im Haus am Hegelplatz gelangt, wer denn die journalistisch aufwändig gestaltete Seite künftig verantworten soll. In einer ersten Bewerberrunde, so wurde uns anvertraut, hätten sich Redakteure, Chefredakteure und Kolumnisten der größten Zeitungen des Landes, um diese sehr attraktiv ausgestattete Position heftige Konkurrenz gemacht.

 

Wer wirds?

Trotzdem habe sich die, im Findungsprozess hinzugezogene, Expertenrunde aus der einschlägigen Industriebranche, dem Neu- und Gebrauchtwagenhandel, vom Verbraucherschutz der organisierten Autofahrer Deutschlands, kurz ADAC, des deutschen Verkehrsrichtertages und aus der mittleren Abteilungsleiterebene des Bundesverkehrsministeriums, mit der heftig diskutierenden Redaktion nicht auf einen Kandidaten, bzw., die bedauerlicherweise einzige Bewerberin, einigen können.

Gründe seien unter anderem, die zu bescheiden ausfallenden Forderungen der Aspiranten aus den führenden Zeitungshäusern des Landes gewesen, die in die Arbeitsverträge nur unwesentliche Nebenbedingungen aufzunehmen wünschten. Dies wurde ausnahmslos allen Bewerbern als Mangel an Kreativität, Meinungs- und Durchsetzungsstärke ausgelegt, was mit einer so hervorgehobenen Position nun einmal nicht verbunden sein könne.

 

Zu bescheidenes Kreativpotential der Bewerber

Erstens, sollte der zukünftige Ressortleiter und gleichzeitig dann 10. stellvertretende Chefredakteur , niemals in den Motorraum der Fahrzeuge oder unter das Chassis blicken müssen. Auch Auspuffprüfungen und Spiele an der Lichtanlage, sowie die Bedienung des Navigationssystems sollten ihn nicht bekümmern. Es ginge doch ums Große, ums Ganze, um den Blick nach Oben.

Zweitens, wünschten sich die Aspiranten und ihre charmante, weibliche Konkurrentin, zum Studium der Betriebsanleitungen und zur Praxis der Recherche am Material, je einen männlichen Prüfingenieur oder, ersatzweise, einen erfahrenen Kraftfahrzeugmeister an ihrer Seite.

Für das ganz Andere des Automobils jedoch, sei auf eine Innenraumausstatterin im niedrigen Twenty- bis Thirty-Something-Alter keinesfalls zu verzichten.

Vertraglich sollte dem zukünftigen leitenden Redakteur zugesichert sein, monatlich einmal an einer mindestens dreitägigen Fortbildung der Fahrzeugsteller beteiligt zu werden, ohne dafür selbst aufkommen zu müssen! Fester Wunsch sei es,- offensichtlich ein bisher schon gepflegter Brauch in der Branche um Kilowatt, PS, Bewegung und La macchina -, zweimal im Jahr ins ewigen Eis reisen zu dürfen, dreimal in Extremklimate zwischen dem Wendekreis des Steinbocks und dem des Krebses. Bei Geländefahrzeugen müsse man auch auf patagonischen Teststrecken zu Hause sein, um überhaupt ein gesichertes Werturteil abgeben zu können.

Die getesteten, besprochenen und zur Verfügung gestellten Fahrzeuge, dürften keinesfalls der Unterklasse zugehörig sein. Das senke zu sehr das Niveau. Ebenso müssten aus diesem Grunde, alle Fahrzeuge mit einem gemittelten CO-2 Ausstoß unter 130 Gramm pro Kilometer glatt abgelehnt werden. Es sei denn, diese Produkte kämen zur Präsentation in der Kinder-, Jugendlichen- und Studenten-Spalte des neuen Ressorts in Frage.

 

Redet die Regierung mit?

Auch ein verlesenes Grußwort des Verkehrsministers, der es im Interesse eines nationalen Paktes von ganz Rechts bis ganz Links, von Schwarz bis Grün, und gar bis Dunkelrot, in Analogie zur glücklich gefundenen Ausstiegsgemeinschaft in Sachen Atom, für besonders wichtig empfand, dass auch die irgendwie Linke ein entspanntes Verhältnis zur Automobilität entwickle, nutzte bisher nichts.

Wie die vertrauliche Quelle weiterhin mitteilte, hat Herr Minister Ramsauer für die nächste Entscheiderrunde sein persönliches Erscheinen angesagt, um die festgefahrene Bewerberauswahl zu beschleunigen. Er wurde dazu mit den Worten zitiert, nun „für eine starke Linke in der Automobilfrage“ eintreten zu wollen, die dringlich einen personalen Identitäts- und Identifikationskern für diese nationalen Angelegenheiten brauche.

Möglichst solle dies „mit einem medial satisfaktionsfähigen Kopf“ an der Spitze des Zeitungsressorts verwirklicht werden. Der dürfe daher auch ruhig ein Linker sein. Nötigenfalls müsse man sich, ganz gegen verlegerische und redaktionelle Gepflogenheiten, ganz gegen die Gewohnheit der Pressefreiheit, auch eines Moderators bedienen, um bald zu einer tragfähigen Personalentscheidung zu kommen, oder aber, man müsse eine Urwahl durch linke Automobilisten endlich zulassen.

Christoph Leusch

 

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
paulart schrieb am 11.06.2011 um 21:46
Danke, dass hier mal jemand ( = Christoph Leusch) kräftig auf das Ei des Columbus draufgehauen hat. Es wurde Zeit! Zerschlagt den alten Freitag! Überhaupt Freitag. Ich würde noch radikaler vorgehen und das Blatt in "Blauer Montag" umtaufen! Populär muss die Zeitung werden!

Die Leitung der Buches "auto/nom/en/est/omen" soll der ehemalige Personalchef Peter Hartz Vier-Takter übernehmen. Er wäre ideal für diese Position, da er genau wisse, wie man innerhalb kürzester Zeit Bekanntheit generieren und als Marke verkaufen könne.

Mann, was könnte das für ein Blatt werden! Ganz helles Himmelblau als Papierfarbe, damit das Farb-Alleinstellungsmerkmal der FTD endlich relativiert würde. Auf jeder Seite mindestens 130 "PS'". Und dann geht's mit voller Drehzahl gegen das absurde Bahnprojekt "Stuttgart 21". Dafür wird sich im Blatt für das neue Sightseeing-Werk "porsche9/24" stark gemacht. Hartz hatte diese Idee schon lange, konnte sie aber unter seinem Freund Gazhard Schrödin nie wirklich umsetzen: Die Angestellten, die neun Monate täglich 24 Stunden arbeiten würden, könnten mit 69 Jahren ohne Abzüge in die Rente gehen. Vorausgesetzt, sie hätten dann 55 Jahre Erwerbstätigkeit vorzuweisen.

Augstein, die Papierrollen würden laufen, rollen, sich drehen. Es spielte fast keine Rolle mehr, was auf den Offsetbögen stände. Statt Content-Management wird einfach Gas gegeben! Die nächste Auto-Show könnte in einem stillgelegten Atomkraftwerk stattfinden. "Hier, meine Damen und Herren, stellen wir Ihnen den neuen auti_atomic 2021 vor! Mit Schleudersitz und einem Mini-Plutonium-Verbrauch! Kommen und staunen Sie!"

Ach, Christoph Leusch, das ist endlich mal wieder eine News, abseits der Bankenkrise, fern von Griechenland! Ohne jeden Kachelmann-Bezug! Ich bin begeistert, fast wäre ich geneigt zu sagen, dann müsste ich ja doch noch den Führerschein machen. Aber den braucht's ja gar nicht mehr. Wer mit 570 km/h aus der Kurve fliegt, wird im Wendtland endgelagert.

Herrliche Zeiten!

PS:
Dass aber niemand hier auf die Idee kommt und für den Freitag ein Fahrverbot fordert!
claudia schrieb am 12.06.2011 um 04:09
ich kenne keine parteien mehr
ich kenne nur noch autos!
Columbus schrieb am 13.06.2011 um 12:29
Ach, Paulart, diese Seiten bei der Süddeutschen, diese regelmäßigen Versuche bei der ZEIT, diese FAZ ud FAS Pseudosachlichkeit in dieser Sache, fast ist die Auto-BILD schon geschlagen, nur das Publikum, der Leser ist meist ein wenig anders situiert. Im Geiste herrscht aber große Einheit.

"Wir bewegten das Auto, zugegeben, etwas schneller, kämen aber, bei einer Entlastung des Gaspedals, leicht in die Nähe des angegeben Normverbrauchs (guter Witz)". "Der neue 2,4 Liter CXdfsi stand in der Tiefgarage", wo auch sonst, "schon beim Einsteigen, hatte ich Spaß", z.B. mit dem "Limousinenschreck" (www.sueddeutsche.de/auto/koda-fabia-rs-limousinenschreck-1.1105573 ).

Genau aus diesem Grunde fährt man ja auf Autobahnen und Landstraßen, zum Schrecken der Limousine. Hoffentlich kackt die Kuh nicht und der Acker kommt dann plötzlich näher. Böse Kühe. Die andere Limousine überhole man vorsichtig, denn sonst droht das Ende in einer Energievernichtung durch Verformung und man verschreckt die Pferde zu sehr.

Ich muss zu oft über die A3, wenn bei Dämmerung plötzlich die Motoren, wie von etwas Stickstoffoxydul zu mehr Leistung gebracht, besonders röhren. Hirschfänger vorn, die Hirschen am Steuer, von Steuern sogar entlastet und den Wagen dienstlich abgeschrieben.

Liebe Grüße
Christoph Leusch

ad Calvani schrieb am 12.06.2011 um 20:24:

Ich wusste gar nicht, dass die Innenraumausstatterin noch unbesetzt war!

Da stellt sich nur noch die Frage, sollen wir es cool, boil(ing) oder doch für ganz normal halten. "Hot and steaming, the engine", das wäre doch eine Leader-Award verdächtige Ressort- Seite?

Herzlichst
Christoph Leusch

Für Sie und Lisaschwert:

Kleine schwarze Projektionsfläche, daher keine Störung, sondern Raum für Meditationen, mit der anderen, der aktuellen Version. Marianne Faithful, Ballad of Lucy Jordan, ins Web eingestellt von "Kirkkindysolospock", dem damit auch gedankt sei.

www.youtube.com/watch?v=Zt1e9tqBiO0

Bis bald
paulart schrieb am 13.06.2011 um 16:18
:-)
Etwa Mitglied der Autonomen?
Calvani schrieb am 13.06.2011 um 19:31
Tja, lieber Christoph, wie ich das finden soll, das weiß ich auch noch nicht.
Die Stelle der Innenraumausstatterin war schon besetzt, ich werde den extra für mich eingerichteten Posten der repräsentativen Außenausstatterin des neuen Ressorts bekleiden...ja, da bin ich sehr stolz drauf! Übrigens haben Nikolaus und Jakob sehr gefroren bei den Außenaufnahmen...
Calvani schrieb am 12.06.2011 um 20:24
Da habe ich aber Augen gemacht, als an einem regnerischen Donnerstag mein Telefon klingelte und der nicht unbekannte Verleger Jakob Augstein sich bei mir meldete. Der Freitag plane eine Ausweitung des Kulturressorts auf den typisch männlichen Automobilsektor und suche einen für die weibliche Leserschaft repräsentativen Hoppel-Poppel-Hasen, der sich für die erste Geschichte im Rahmen der neuen Sparte auf der Motorhaube einer exklusiven Droschke präsentiert. Als ich erfuhr, dass sich zu PR-Zwecken auch der Verleger selbst und sein Springer-Freund Nikolaus Blome - nackt! - auf der Karosse räkeln würden, verzichtete ich natürlich sofort auf meine sonst übliche sechsstellige Gage, aber Augstein widersprach, der Freitag sei ein höchst potentes und finanzkräftiges Unternehmen und so stimmte ich schweren Herzens der Vergütung doch noch zu.

...Fortsetzung folgt...
Ehemaliger Nutzer schrieb am 14.06.2011 um 12:30
Werbung im Ballyhoo-Stil, hmm, zum BILD-Blome würde das passen, denen ist alles zuzutrauen, aber den Linken, dem Freitag, UnsAllerAugstein, ick weeß nich. :-)
Calvani schrieb am 14.06.2011 um 20:49
Langsam scheint mir "im Netz der Interessen" alles möglich, diskutieren wir ja gerade im Thread nebenan...
Der Freitag könnte ein linke Variante der Bild Zeitung werden und auf Seite drei, gibt's dann einen nackten Mann - das wäre zwar nicht emanzipatorisch, aber immerhin feministisch!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.06.2011 um 21:27
@Calvani:
So hat eben jede(r) eine Achillesferse.
Robert Redford 30 Jahre jünger als Pilot in Tsavo, ja, für den würde ich auch werben, für den Film.
Calvani schrieb am 12.06.2011 um 21:37
Robert Redford? Aha. Was gefällt dir denn an dem?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.06.2011 um 21:45
Puuuh, ich glaube es ist die Mischung von Intelligenz, Tiefe, Geheimnis und Weltmännigkeit, die er vor 30 Jahren hatte. :-)
Calvani schrieb am 12.06.2011 um 22:00
...mhm...klingt toll, allerdings solange es keine Zeitmaschine gibt, ist dein Ansinnen...eine...eine Anleitung zum Unglücklichsein oder nur eine Träumerei. Aber, ach, wie schrecklich wäre das Leben ohne Träume!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.06.2011 um 08:54
Hab ich schon mal irgendwo gelesen...

Das mit uns beiden hätte auch so nicht geklappt, Zeitmaschine hin oder her, ich Jungfrau er Löwe, geht gar nicht.
Columbus
Versuchen Sie, nur einmal für fünf Minuten, alles durchgehen zu lassen. Diese Freiheit!
Mitglied seit:
3 Jahre 12 Wochen
Zuletzt aktiv:
22.05.2012
Status:
Publizist
Aktivität:
Beiträge: 137
Kommentare: 2558
Logbuch
05:41
Fro hat gerade einen Kommentar geschrieben.
05:33
Fro hat gerade einen Kommentar geschrieben.
05:22
zebraistik hat gerade einen Kommentar geschrieben.
04:51
Fro hat gerade einen Kommentar geschrieben.
04:49
mcmac hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG