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Depression ist eine Erkrankung. Zur Volkskrankheit jedoch wurde sie gemacht. Ein Buch hinterfragt unser aller Seelengeschichte
Fast ein jeder erinnert sich an Randall Patrick McMurphy, diesen gewitzten
Heute erinnern die psychiatrischen Stationen in den Krankenhäusern nicht mehr im Entfernten an jene bizarren Filmkulissen vor 35 Jahren. Auch der soziale Umgang mit seelischen Erkrankungen hat sich geändert. Das hat zweifelsohne sein Gutes, denkt man an die Tatsache, dass jemand, der sich wegen einer psychischen Erkrankung in ärztliche Behandlung begibt, von Freunden und Arbeitskollegen meistens nicht von vornherein mit dem Kainsmal des „Verrückten“ versehen wird.
Allerdings: Erkrankungen der Seele scheinen auf dem Vormarsch zu sein. Das mag an der neuen Offenheit im Umgang mit ihnen zu tun haben. Nur woher kommt das? Sind wir liberaler geworden, sind wir den Irrungen und Wirrungen unseres Ichs heute stärker ausgeliefert als unsere Eltern und Großeltern?
Eine – seine – Antwort auf diese Frage gibt Konstantin Ingenkamp in seinem im Februar dieses Jahres erscheinenden Buch „Depression und Gesellschaft. Zur Erfindung einer Volkskrankheit“. Seine These: Die so genannte Volkskrankheit Depression ist das Ergebnis einer großen therapeutischen Erzählung. Ihre Anfänge liegen in der protestantischen Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts, den entscheidenden Beitrag aber lieferten Gesundheitsideologen seit Mitte der 1960er Jahre.
Konstantin Ingenkamp (46) arbeitet als Sozialarbeiter und promovierter Soziologe seit elf Jahren in einer Selbsthilfekontaktstelle im Friedrichshain. Anstoß für sein Buch gab die Beobachtung, dass sich im Jahr 2000 zehn Selbsthilfegruppen in Berliner Kontaktstellen unter dem Thema „Depression“ zusammenfanden, es 2011 aber 114 waren. Die allgemein gängige Definition – Depression ist die Summe ihrer Symptome – mag entscheidend für diesen Ansturm sein. Damit, so Ingenkamp, ist ein sich aus weitender Depressionsbegriff vorprogrammiert. In diesem Umfeld ist es sicher kein Zufall, polemisiert er weiter, dass seither die Antidepressiva in vielerlei Facetten ihren endgültigen Siegeszug in Apotheken und Psychiatrien angetreten haben.
Konstantin Ingenkamp hat keinen küchenpsychologischen Ratgeber vorgelegt sondern ein Fachbuch. Das sollte man wissen, wenn man zu seinem 370 Seiten starken Buch greift. Wer aber an nach-und hinterfragender Argumentation zum Thema seelischer Erkrankungen interessiert ist kommt auf seine Kosten. Nicht zuletzt die überraschenden, sehr ausführlichen Abhandlungen zur Historie der Depressionen und ihrer Protagonisten machen das Buch lesenswert.
Nach der Lektüre bleibt der Gedanke, dass eine echte, klinische Depression, bei der man mit steinverhärteter Seele morgens nicht mal mehr den Kühlschrank aufbekommt, um sich eine Scheibe Käse zu nehmen, und es daher beim trockenen Toast belässt, doch etwas anderes, ganz anderes ist als der Spruch: Ich glaube, ich habe Depressionen.
Ab Februar im Buchhandel
Konstantin Ingenkamp: Depression und Gesellschaft – Zur Erfindung einer Volkskrankheit. Transcript Verlag Bielefeld 2012. 370 Seiten. 29,80 Euro.
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Dazu kommt sicher auch noch das es mittlerweile viele Medikamente gibt, die Depressionen als Nebenwirkung verursachen, und wo teilweise im vorraus schon Antidepressiva verabreicht werden, die dann natürlich als Entzugserscheineung, na,.. dreimal raten was, verursachen.
Irgendwovon muss die Pharmaindustrie halt auch leben... |
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Ich gestehe so meine Probleme mit Soziologen zu haben, die im Bereich Psychologie rumwühlen. Man sollte sich beim Lesen darüber im klaren, dass es sich hier um ein soziologisches Buch handelt, das vermutlich gesellschaftliche Prozesse darstellt und nicht im Sinne eines psychologischen Fachwerks Ursachen und chemische Prozesse beleuchtet.
Ich will es trotzdem nicht schlecht reden! Vermutlich hat der Autor recht damit hier auch ökonomische und gesellschaftliche Aspekte zu betrachten. Vielleicht lese ich es mal! |
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@Constantin Rhon
Böse Zungen behaupten ja, seit dem mit Hilfe des Göttinger Instituts für Medizinsoziologie unter Leitung des leider zu früh verstorbenen Professors Michael Lukas- Moeller, in den späten Siebziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts (s. Gesundheitstag 1981 in Hamburg) bundesweit die Idee der Selbsthilfegruppen im studentischen Milieu konzipiert, nicht nur per Flyer kommuniziert wurde, verhält sich die Zahl der Selbsthilfegruppen zu freien Therapieplätzen in Ambulanzen, Kliniken wie eine frei floatierend kommunizierende Röhre? Weil das der Pharma- Industrie gar nicht gefallen kann, weil es in diesen Selbsthilfegruppen zu einer unabsehbaren Zahl von medikamentenfernen Spontanheilung kommen kann, haben die Pharma Konzerne jetzt flächendeckend eigene betreute Selbshilfe Gruppen sponsernd vom Stapel gelassen, um Ihre potentiellen Medikamenten Bestseller per "Muster ohne Wert" an die Klienten/innen als Versuchskaninchen für den Pharma Markt zu bringen? |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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