Keine Ahnung, wer die Leser des Freitag, wer die verbliebenen
und wer die neuen sind. Einige kenne ich durch die Community, aber sonst? Wie aus „gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen“ verlautet, überstieg nach dem
„Relaunch“ die Zahl der Abbestellungen ...>> mehr
Auch wer in Biologie nicht aufgepasst hat, weiß dass der
Mensch neben vielen anderen Dingen vor allem zwei Lebensmittel benötigt: Luft
und Wasser. In Istanbul ist gerade der Weltwassergipfel zu Ende gegangen. Trinkwasser
ist auf der Erde sehr ungleichmäß...>> mehr
Natürlich beschäftigt es die Beschäftigten bei Opel, ob sie
künftig noch bei Opel beschäftigt sein werden. In einer Zeit, in der kein
Systemwechsel ansteht und auch nicht diskutabel ist (siehe den an der
Staatsgrenze stehenden Jakob Augstein im aktuellen...>> mehr
Auch Michael Jäger träumt im Freitag vom 19. Februar
2009 den Traum vom bedingungslosen Grundeinkommen. Wie er feststellt, handelt es sich bei der derzeitigen Wirtschaftskrise um eine
„Grundsatzkrise“ – besser und genauer müsste man wohl von einer Syste...>> mehr
Ja, über das Wetter reden alle. Und auf Regen folgt Sonnenschein,
wissen nicht nur die Meteorologen, sondern auch alle Seelentröster.
Und auch alle Investmentbanker und Fondsmanager.
So auch die von Pioneer Investments.
Als hervo...>> mehr
"Es bleibt trotz allem ein ungutes Gefühl zurück. Denn wer aus dem Berliner Pro Reli-Streit den Eindruck gewänne, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Ethik für ein hohes Gut gilt, läge ganz falsch." Wohl wahr, aber das käme ja auch der Verwechselung eines Schulfaches, das den Namen Ethik trägt, mit der Sache selbst gleich. Ethik und Moral können nur Handlungsbegründungen in den gesellschaftlichen Zusammenhängen liefern, denen sie zugehörig sind - da ist es in dieser Gesellschaft auch nur "gerecht", wenn "militärische Menschenrechtsinterventionen" "ethisch" begründet werden. Die Auschwitz-Lüge des Joseph Fischer zur Begründung der Teilnahme deutschen Militärs am Aggressionskrieg gegen Jugoslawien zeigt nur, dass man misstrauisch werden muss, wenn "ethisch" argumentiert wird. Das Schulfach Ethik liefert Jugendlichen vor allem die Einsicht, dass wir hier in der besten aller möglichen Geselschaften leben und man sich im 1.-Klasse-Abteil des Krisenexpresses auch anständig benehmen muss. Zumindest, wenn man da vorn sitzen bleiben will. Vorn krachts beim Crash zwar besonders kräftig, aber bis dahin fährt sichs ganz angenehm. Darum freilich ging es beim Pro-Reli-Volksentscheid nicht . Mir ist auch kein ethisch gutes Gewissen geblieben - Michael Jäger ja auch nicht - mir ist nur der Ärger geblieben, dass der "Wahlbürger" die sogenannte "direkte Demokratie" nur praktizieren darf, wenn es um abgehalfterte Flughäfen und das Begehren der Kirchen geht, ihren schwindenden Einfluss mit Staatshilfe und mit noch mehr Staatsknete vor allem in dern Schulen wieder zu stabilisieren ("Lasset die Kindlein zu mir kommen"). Und geblieben ist das Wissen, dass an Ethik und Moral immer appelliert wird, wenn das System wackelt. Insofern kam der "Kulturkampf" grad zur rechten Zeit.
Liebe Annett Gröschner, danke für den Artikel - obwohl es der Ausstellung wohl nicht bedurft hätte, um die soziale und kulturelle Zerstörung, die durch "behutsame Stadterneuerung" am Kollwitzplatz verursacht wurde, zu verdeutlichen. Man muss der "Bier-Boheme" nicht nachtrauern, um zu sehen, dass der Kollwitzplatz und viele andere Ecken in der alten Ost-Berliner Mitte längst zu Raumschiffen einer Schicki-Micki-Gesellschaft und zur Touristenattraktion verkommen sind. Im Friedrichshain wandert die "Szene" - immer vor den Sanieren her. Egal, ob behutsam saniert wird oder nicht, die Miete ist anschließend deutlich höher. Die Realitätsverweigerung der "Kollwitzer" brachte ein affektives Beharren ("Wir bleiben alle") hervor, das dem Zwang der "neuen Verhältnisse" nicht stand halten konnte. Die Trauer der Ureinwohner (die in ihrer Mehrheit ja auch "Zugereiste" sind) über den Verlust "ihres" Berlins ist das unreflektierte Unbehagen an der zeitlich nachlaufenden kulturellen Plattmache, die der Kapitalisierung und In-Wert-Setzung von Lebenswelten folgen muss.
Lieber Copland, vielleicht habe ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt. Was ich sagen wollte, ist, daß das mit dem Wachstum von jemandem in meinen Text hineingeschrieben worden ist und ich es erst ...
Lieber Michael Jäger, da verstehe ich Ihr Erschrecken, wenn ein anderer in Ihrem Text "herumschreibt". Bitte keine Entschuldigung für Polemik als solche, die gibt doch oft die eigentliche Würze und manchmal auch erst die Klarheit - nur deswegen will ich hier jetzt mal nachhaken, damit wir beide nicht in einem Missverständnis, das dann offensichtlich mindestens häftig auf meine Rechnung geht, erliegen. Ich folge Ihnen völlig, dass man den Kapitalismus mit Ideen konfrontieren muss, die ihn in die Enge treiben. Das Problem - oder vielleicht auch unser Dissens - liegt nicht in dieser Fragestellung, sondern in der Beschaffenheit der Ideen. Ideen, die den Kapitalismus in die Enge treiben, sind - nach meinem Dafürhalten - Ideen, die ihn in seinen Grundkategorien (Warenproduktion, abstrakte Arbeit, Wert und Geld als dessen Erscheinungsform) kritisieren und in Frage stellen. Umverteilungsideen jeglicher Art laufen letztendlich nur auf eine Teilhabe am Mehrwertkuchen hinaus und setzen damit stillschweigend das Funktionieren des Systems voraus. Folgerichtig ist die Linke derzeit ja auch mehr mit Reparaturvorschlägen als mit transzendierenden Ideen befasst. Freilich: "Er stützt sich nämlich nicht primär auf Waffengewalt, sondern auf den Glauben einer großen Zahl von Menschen in den Metropolen, es gäbe zu ihm keine Alternative." Aber die Sache ist noch verzwickter. Der Kapitalismus (oder die Wertvergesellschaftung) funktioniert vor allem als ein gesellschaftliches Fetischverhältnis: der Wert bestimmt alle Bewusstseinsformen - d.h. der Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse ist immer schon in Wertkategorien vorgeprägt - was der eigentliche Grund dafür ist, dass eine große "Zahl von Menschen in den Metropolen (glaubt), es gäbe zu ihm (dem Kapitalismus) keine Alternative". Hier ist kein Platz, das auszuführen - ich empfehle Ihnen, ohne Sie auch nur irgendwie "belehren" zu wollen einen Text von Robert Kurz, der zwar auch schon vor einigen Jahren geschrieben wurde, aber dieses Kernproblem auf den Punkt bringt und auch unseren Dissenz, oder unseren unterschiedlichen Blickwinkel, erklärt: www.exit-online.org/suchenlink.php?tab=schwerpunkte&kat=Der%20doppelte%20Marx%20-%20Kritik%20des%20Traditionsmarxismus&ktext=Subjektlose%20Herrschaft&suchtext=Subjektlose%20Herrschaft Nö, meine Oppositionsrolle muss ich nicht verteidigen. Oppsoition verweist auf politische Formen, und Politik gehört in den kategorialen Zusammenhang der Wertvergesellschaftung, ist also systemimmanent und nicht in der Lage, das herrschende Fetischverhältnis zu durchbrechen. Da bedarf es schon anderer Formen, die noch nicht gefunden wurden. Der Kapitalismus muss nur bestehen bleiben für die "Kritiker" und "Oppositionellen", deren Ideen letztendlich nur auf eine systemimmanente Widerspruchsbearbeiten hinauslaufen... Entschuldigen Sie die kleine Polemik :)
Lieber Copland, ich hoffe, dieser Kommentar erreicht Sie noch. Ich bin gestern ganz zufällig auf Ihre Seite geraten, im Dschungel dieser Community findet man sich ja nicht zurecht. Und ich traute dann...
Lieber Michael Jäger, na klar erreicht mich Ihr Kommentar. Wieso "noch"? Ein Dschungel ist die Community wirklich - da haben es die Autoren in der Print-Ausgabe einfacher :) "In vorkapitalistischen Zeiten verfügten alle arbeitenden Gesellschaftsmitglieder über ihre eigenen Produktionsmittel. Heute sind diese bei den Unternehmen konzentriert. Das ist eine Spezialisierung, die der ganzen Gesellschaft nützt, weil sie zu Wachstum führt." Das stammt nun wörtlich und ohne Auslassungen aus Ihrem Artikel, sicherheitshalber paste and copy. Und das ist aus meinem Text, auch paste and copy: "Die Vormoderne („vorkapitalistische Zeiten“ M.J.) charakterisiert er als eine Gesellschaft, in der „alle arbeitenden Gesellschaftsmitglieder über ihre eigenen Produktionsmittel (verfügten)“. Soweit, so gut. Und setzt fort: „Heute sind diese bei den Unternehmen konzentriert. Das ist eine Spezialisierung, die der ganzen Gesellschaft nützt, weil sie zu Wachstum führt.“ Da kann ich nun keine Felinterpretation fest stellen. Ich hoffe, das können Sie mir zugestehen. Warum Sie einen Bogen um die andere Gesellschaft machen, die sie da in der Tat beschreiben, weiß ich auch nicht. Die fehlende Wahrheit ist die: Im Kapitalismus sind Ihre guten Ideen nicht umsetzbar. Und das darf man auch einmal aussprechen. Es freut mich ja, wenn wir uns ansonsten einig sind - und ich hoffe, ich finde auch noch spannende Ansatzpunkte in Ihrem Theorie-Blog. Beste Grüße copland
Ich gönne jedem sein BGE, wenn es denn käme. Und ich würde es ohne Rücksicht auf den "Sozialneid" anderer in Anspruch nehmen, wenn ich darauf angewiesen wäre. Aber aus zwei Gesichtspunkten heraus halte ich diese "feine Idee", wie Stoppok singen würde, nicht für gut: 1. setzt das BGE (ganz gleich in welchen Konstruktionen) immer voraus, dass es nur von einer Minderheit in Anspruch genommen wird - kämen Mehrheiten oder fast alle auf die Idee, bei einem entsprechend bemessenen BGE (das nicht nur das nackte Überleben, sondern gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht) lieber in materieller Beschränkung, aber dafür selbstbestimmt leben zu wollen, bräche doch das ganze System zusammen. Die Befürworter des BGE gehen also mit ihrer Idee davon aus, dass sich große Mehrheiten aus rein materiellem Interesse (lieber BMW statt Fahrrad) dauerhaft den Zwängen der Verwertung (genannt Lohnarbeit oder Job) unterwerfen. Da scheint die "morlaische Überlegenheit" der BGE-Befüworter doch durch alle Knopflöcher. Und 2. setzt das BGE (ganz gleich in welchen Konstruktionen) immer voraus, dass es mit dem Kapitalismus immer schön weiter geht - sonst wäre das BGE schlichtweg nicht finanzierbar. Der BGE-Befürworter muss also schon von der Sache her die bestehenden Verhältnisse aufrecht erhalten. Emanzipation von den Verhältnissen? Transformation der Verhältnisse? Fehlanzeige. So Recht Du hast, Twister, dass der Fetisch Arbeit wie auch das ganze Fetischverhältnis der Wertvergesellschaftung durchbrochen und aufgehoben werden muss - das BGE ist dazu nicht geeignet, denn es "verurteilt" die "Anderen" dazu, so weiter zu wursteln wie bisher und alle, am Bestehenden festzuhalten.