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Der französische Zeichner Jean Marc Reiser wäre dieses Jahr im April siebzig Jahre alt geworden. Das Museum Caricatura in Frankfurt widmet ihm diesbezüglich noch bis zum 26. Juni eine Sonderausstellung: VIVE Reiser
Über Jahrzehnte hinweg fielen seine Werke in Deutschland einer gewissen Zensur zum Opfer.
Viele Verlage sträubten sich, seine zum Teil bitter bös wirkenden Karikaturen, die mit involvierten Texten förmlich eine Provokation beim Betrachten auslösen können, zu veröffentlichten. Kein Zensurwunder denken vermutlich all jene Menschen, die seinen Karikaturstil kennen. Seine Arbeiten spiegeln überwiegend eine sehr deutliche bzw. derbe Sprache wieder, die durch diverse Zeichnungen an Pornografie erinnern.
Reiser, der 1983 starb, sah zu Lebzeiten dem Volk mitten ins Gesicht, zeichnete die menschlichen Schwächen per Hand detailgetreu in Form von kleinen Alltagsgeschichten. Sein Kernmotiv richtete stets den Blick auf das Verhältnis zwischen Frau und Mann. Er ließ keine Themen aus, so fasste er z.B. auch Gewaltfantasien in Form von überspitzten Karikaturen mit großem Fingerspitzengefühl an und verherrlichte diese absolut nicht. Pornografie und Kunst, ob ihm dieser Balanceakt gelungen ist, wird wohl immer wieder aufs Neue von Frauen oder Männern beim Wahrnehmen seiner Arbeiten individuell aufgefasst werden. Genial diverse Szenen im Leben dargestellt oder doch nur primitiv auf den Punkt gebracht?
„Männer sind Schweine – Frauen haben nichts zu sagen!“, so die Karikaturenwelt von Jean Marc Reiser, die nun mit 240 Originalarbeiten in Frankfurt zu sehen ist. Wer schwarzen Humor liebt, wird sich in der Sonderausstellung durchaus zu Hause fühlen. Die französischen Texte wurden übersetzt, so dass auch Menschen, die der französischen Sprache nicht mächtig sind, die bittersüßen Pointen verstehen können.
Während meines Ausstellungsbesuchs hörte man immer wieder stellenweise schallendes Gelächter und diese Geräusche kamen überwiegend von Frauen. Alice Schwarzer, das deutsche Aushängeschild für Frauenrechtlerinnen kommt förmlich ins überschwängliche Schwärmen, wenn sie zu Reisers Zeichnungen befragt wird.
„Wenigstens sterbe ich nicht als alter Sack!“ Diese Worte soll Jean Marc Reiser kurz vor seinem Tod geäußert haben.
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Hi corina,
vielen Dank für die Info. Ich kannte Reiser noch nicht. Hab aber bisschen recherchiert... Reiser-Spruch: "Wer nicht raucht, kriegt Arschkrebs" :) Da hab ich mir doch gleich eine angezündet, damit ich nur ja keinen Arschkrebs kriege. Aber bekanntlich kommt es ja sowieso anders als man denkt. Zitat: "Doch Reiser, der große Reiser, hat sich im Lauf der Jahre vom Meteoriten zu Monolithen entwickelt. In seinem Band "Der Schweinepriester" ist die Hauptfigur ein unrasierter, stinkender Bursche, der den ganzen Tag mit nichts anderem als einer schlabberigen weißen Unterhose bekleidet herumläuft. Mit ihm hatte sich Reiser einen denkbar schwierigen Helden ausgesucht: Faul, das ginge ja noch - ist irgendwie auch eine Art Weigerung, das Spiel, das sich Kapitalismus nennt, mitzumachen. Aber der Schweinepriester ist auch dauergeil, distanzlos, unverschämt. Die Sau, ganz ohne Maske. Erinnert ein bisschen an Mario Barth. Doch hätte der Schweinepriester niemals für ein Elektrokaufhaus werben können. Anders als Barth ist Reisers Figur keine Glorifizierung der Ignoranz, sondern ihre Überzeichnung. Dass Reiser seinem Schweinepriester gleichwohl zu gelegentlich aufblitzendem Charme, Witz und einer höchst lebendigen Mimik verholfen hat, zeigt ihn als großen Humanisten." Der Skandal-Cartoonist Jean-Marc Reiser war sicherlich kein Kind von Traurigkeit. LG |
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Lieber bamublie,
vielen Dank für Deine Recherchen. Bei den vielen Zeichnungen des Satirikers gefiel mir z.B. bei der Sonderausstellung die Zeichnung mit dem Titel Erstkommunion. Herrlich bös gezeichnet… ;-) Muss man gesehen haben, will nicht schriftlich erklären... :-) Reiser würde ich nicht unbedingt mit Barth vergleichen wollen und dies hat für mich einen simplen Grund. Wenn ich ihn verrate, gibt es vielleicht eine Zensur durch Barths Anwälte. ;-) Gute Nacht Corina |
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Ich finde den Vergleich mit Mario Barth auch unpassend, um nicht zu sagen völlig daneben.
Mario kommt zwar hin und wieder auch ziemlich ordinär rüber, aber gerade das gefällt ja den Massen, weil sich viele in ihm auf eine gewisse Art und Weise wiedererkennen. LG |
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Hallo Bambulie,
Barth öffnet manchmal die unterste Schublade und darüber lacht dann die Allgemeinheit. Reisers Kunstwerke, deren Dialoge wie bereits beschrieben, oftmals sehr derb sind, wie auch die Zeichnungen – spiegeln einen Großteil unserer Gesellschaft wieder. Etliche Moralapostel des täglichen Lebens agieren hinter verschlossenen Türen oftmals tabu- bzw. hemmungslos und bedienen sich durchaus auch der Fäkaliensprache. „Nach außen hin... hui und innen... pfui!“ Im Moment gibt es prominente Beispiele, die uns medienwirksam genau diese Situation zeigen. Wer in die Ausstellung geht, muss vielleicht für eine kurze Zeit den erzogenen Anstand an der Garderobe abgeben, damit man dann nicht nur dezent schmunzeln, sondern auch lachen darf. ;-) Liebe Grüße Corina |
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Jean-Marc Reiser war ein reisender in Sachen "Cartoon & Schwarzer Humor". Womit ich hier keineswegs die große Vorkämpferin 'Schwarzer' meine, obwohl ausgerechnet sie diesen Zeichner ja wohl sehr schätzt.
Nein, Reiser und Barth haben kaum etwas gemein. Der erste überzeichnete das Leben, der letztere überspitzte den Flachsinn. Nein, Reiser kann man eventuell mit Wolinski, Siné, Topor und Tomi Ungerer vergleichen. Alle waren oder sind sie als Zeichner, Illustratoren und Cartoonisten aber einmalig. Ein Besuch im 'Caricatura' in Frankfurt lohnt immer! - Danke für den interessanten Artikel, Corina! |
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Hallo Paulart,
da kann ich Dir absolut zustimmen. Gerhard Haderers Wirken wird demnächst mit einer Ausstellung gewürdigt. Das Motto lautet: HADERER BIS DER ARZT KOMMT! Es ist ein Kooperationsprojekt mit NEXTCOMIC Festival 7. Juli – 27. November 2011 Caricatura Museum Frankfurt Ein Ausflug lohnt sich bestimmt nach Frankfurt, um sich über Haderers Werke zu amüsieren. Ich bekam im Museumsshop einen Faltprospekt geschenkt und auf der Rückseite lächeln die Priester von Haderer. „Fröhliche Priester“ stammt aus dem Jahr 2010 und diesem Poster kann nur zum Schmunzeln anregen. ;-) Gruß Corina |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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