Es macht mir immer mehr Spaß, neue Feminismen zu finden. Dieser Artikel: „Bonus für Kerle“ enthält eine interressante neue Spezies, die ich vorstellen möchte.
www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,799708,00.html
Diese Mischung aus Fälschung, Jargon, Irrationalität , Geraune und der Wirkungsweise eines „feminist reality distortion field“ finde ich bemerkenswert.
Der Konstruktion des gender pay gap
Schon Ursula von der Leyen, wiederholte gebetsmühlenhaft: „Einkommensunterschiede, wonach Frauen noch immer nur 77 Prozent des männlichen Einkommens verdienen, wohlbemerkt für gleiche Arbeit.“
23%! Weniger. Wohlbemerkt für die gleiche Arbeit.
Der gender pay gap existiert in der empirischen Realität wie folgt: Das statistische Bundesamt bezifferte den bereinigten gender pay gap für 2006 (!) auf 8%, für Berufsanfängerinnen liegt dieser bei 2,5%.
Bereinigt bedeutet, diese Differenz lässt sich nicht durch andere Faktoren rational erklären.
Wobei natürlich nur die Faktoren zu einer Erklärung herangezogen werden können, die vorab empirisch erfasst worden sind. Da dies dem statistischen Bundesamt bekannt ist, handelt es sich selbst bei den 8% um eine „Obergrenze“ (wortwörtlich).
Wohlbemerkt: Alles über 0% ist zu viel – nur lässt sich mit 8% weniger effektiv skandalisieren, mit 2,5% anscheinend gar nicht mehr.
Auf hartnäckige Anfrage von „manndat“ räumte das Frauenministerium bereits 2008 (!) ein: „Die in der von Ihnen zitierten Rede vom 8. März 2007 enthaltene Aussage von Frau Ministerin von der Leyen, dass ‚Frauen noch immer nur 77 % des männlichen Einkommens verdienen, wohlbemerkt für gleiche Arbeit’ ist daher in dieser Form nicht richtig und missverständlich, auch wenn er sich in den Medien oft so oder ähnlich findet. Wir haben die Rede daher aus dem Netz genommen und danken Ihnen für diesen Hinweis.“
Noch einmal: Die Aussage ist also FALSCH. Und das ist seit 2008 bekannt.
Das heißt aber noch lange nicht, die Propaganda wäre vorbei, denn 23 wirkt.
23 ist nämlich nicht nur irgendeine Zahl:
„Die Dreiundzwanzig sowie ihre Quersumme 5 werden in Robert Anton Wilsons und Robert Sheas Romanreihe „Illuminatus“ in einer selbst erdachten Numerologie als Zahlen des Unglücks, der Zerstörung sowie nicht zuletzt der Illuminaten bezeichnet.“ Wikipedia zu „23“
Sie zahlen Frauen 23% weniger – für die gleiche Arbeit.
Und wenn du nicht weißt, wer Sie sind, dann wahrscheinlich, weil du zu Ihnen gehörst.
Der Illuminaten pay gap
Weil „23“ also wirkt, haben die Spiegel Autorinnen das statistische Bundesamt nun wie folgt zitiert:
„Übers Berufsleben gerechnet bekommen Frauen laut Statistischem Bundesamt 23 Prozent weniger.“
Nun ist - wohlbemerkt - nicht mehr die Rede davon, die Frauen erhielten per se 23% weniger, sondern berechnet über das gesamte Berufsleben.
Die 23% sind scheinbar plausibel, zieht man eine Babypause als Erklärung heran, oder die „Wahl“ von Teilzeitarbeit (bei nicht vorhandenen Möglichkeiten zu Kinderbetreuung halte ich das Wort „Wahl“ in diesem Kontext für eine Farce), halten die Autorinnen für einen Ausdruck von Diskriminierung.
Und sie sichern diese Behauptung Wissen von Expertinnen ab:
„Trotz vergleichbarer Qualifikation steige eine Pforzheimer BWL-Absolventin im Durchschnitt mit acht Prozent weniger Gehalt in den ersten Job ein als ihr männlicher Kollege.“
Es sind auch hier eher 8% als die magischen 23%, jedoch wird es jetzt interessant, weil ein ein Paar vorgestellt wird, das die Diskriminierung gleich zum Berufseinstieg versinnbildlichen soll.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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