crumar

Blog von crumar

09.12.2011 | 22:25

Der „Illuminaten Feminismus“ von Spiegel online Teil 2/3

Suggestive Gleichheit

Valerie, 27/Jörg, 30 werden als völlig gleichwertig qualifiziertes Paar vorgestellt: „(Beide) haben zusammen an der Hochschule Pforzheim Logistik studiert. Beide können einen sehr guten Abschluss als Diplom-Betriebswirt vorweisen. Beide sind als Berater in ihren ersten (!) Job gestartet. Beide bekamen das Jahresgehalt, das sie verlangten.

Er: 49.885,71 Euro plus Dienstwagen.

Sie: 40.000 Euro ohne Dienstwagen“.

Sie schließen also messerscharf: „Die Analyse ist eindeutig: Es handelt sich um Diskriminierung, von der ersten Gehaltsverhandlung an.“

Dem ist jedoch nicht so.

Feministisch frisierte Lebensläufe und ihre Rekonstruktion

Die Aurorinnen nutzen diese vorab festgestellte Gleichheit der Qualifikation und stellen die Lebensläufe beider vor.

Das heißt, natürlich nicht wirklich vorstellen, denn selbstredend geht eine Wertung der eigentlichen Vorstellung voraus: „Jörg: Seine Vita läuft kurvenreich“ hingegen: „Valeries Lebenslauf beschreibt eine Gerade“.

Nun von der Suggestion zur realen Welt.

Jörg: „Hauptschulabschluss, kaufmännische mittlere Reife, abgebrochenes Berufskolleg für Soziales, Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik, Fachhochschulreife, Studium, sehr gutes Diplom.“

„Vergessen“ wird natürlich der Zwangsdienst; also entweder Wehr- oder Zivildienst, der mit mindestens einem Jahr zu veranschlagen ist.

Valerie: „Hochschulreife auf einem Wirtschaftsgymnasium, Studium in Pforzheim, Auslandssemester in Australien, sehr guter Abschluss.“

Zusätzlich wird Valerie zugute gehalten: „Sie war drei Jahre jünger als Jörg, als sie in den Beruf ging.“

Jörg ist zwar drei Jahre älter, hat jedoch für diesen Zeitraum eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik vorzuweisen sowie den oben angeführten Zwangsdienst absolviert. Schaue ich mir weiterhin an, dass er die Fachhochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg erlangte, so setzt dies in der Regel mehrjährige Arbeit im erlernten Beruf voraus.

Er hat also Praxiserfahrung im Bereich der Lagerwirtschaft, überhaupt betriebliche Praxiserfahrung sammeln können und vertiefte dies durch sein Studium der Logistik. Dass er als 16-jähriger (!) ein Sozial-Kolleg begonnen hat, welches sich auf Abschlüsse im Gesundheitswesen spezialisiert und offensichtlich merkte, dies ist nichts für ihn, fällt wenig ins Gewicht.

Gesetzt Valerie war 19, als sie das Abitur machte und fing sofort mit dem Studium an, dann ergibt dies eine Studiendauer von 8 Jahren oder 16 Semestern. Bei einer Regelstudienzeit von 8 Semestern oder 4 Jahren für ein FH-Studium, welches mit einem Diplom abgeschlossen wird. Erklärt wird die Differenz von ihrer Studiendauer und der Regelstudienzeit jedoch mit nur 0.5 Jahren Auslandsaufenthalt.

Kurzum: Sie hat die Regelstudienzeit erheblich überschritten – dass sie drei Jahre jünger als Jörg ist, kann dies nicht kompensieren. Weiterhin fehlt ihr auch seine Praxiserfahrung. Diese Beobachtung wird man bei feministisch inspirierten Texten immer machen: Die Verleugnung konkreter Praxis und konkreter Erfahrungen.

Und bis zum Schluss (!) des Artikels wird verschwiegen: „Jörg, der die Stelle schon während der Diplomarbeit angeboten bekam“ - hat also seine Diplomarbeit bei dem und über das Unternehmen geschrieben, welches ihn eingestellt hat. Das Unternehmen konnte ihn, seine Arbeit, seine Kenntnisse der Arbeitsabläufe usw. beurteilen.

Eine solche Voraussetzung hatte Valerie jedoch nicht zu bieten.

Ebenfalls am Ende des Artikels wird eingeräumt, Valerie sei „nach dem Abschluss zunächst zwei Monate ohne Job geblieben“;   was jedoch bedeutet, auf die ihre sicherlich erfolgten bewerbungen erhielt sie zunächst keine Resonanz.  

Schaut man sich ihren wirklichen Lebenslauf an, so ist das nicht so verwunderlich.

Der Unterschied im Einkommen beider ist also durchaus rational erklärbar und zwar eben nicht durch den Faktor Geschlecht.

Die vorab festgestellte Diskriminierung im (Einstiegs-)Einkommen unter der Voraussetzung einer gleichwertigen Qualifikation ist gar keine.  Und hat es nur sein können, indem im Artikel mit Suggestionen, Fälschungen und Halbwahrheiten operiert wird.

 
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Kommentare
RatCreutz schrieb am 09.12.2011 um 23:49
Danke, sehr interessant!
Logbuch
06:14
heidenplejer hat gerade einen Kommentar geschrieben.
06:02
heidenplejer hat gerade einen Kommentar geschrieben.
06:01
Fro hat gerade einen Kommentar geschrieben.
05:51
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05:49
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