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Eine Replik auf Katrin Rönicke
Sexismus im Netz als Thema wird schwierig, wenn es von einer feministischen Vertreterin eingeführt wird, die eine komplett subjektivistische Sichtweise aufweist, welche schlicht durchgesetzt werden soll. Dieser so konstruierte Sexismus dient m.E. in erster Linie dazu, Kritik an feministischen Sichtweisen zurückzuweisen, deren dogmatische Gültigkeit fortgeschrieben werden soll.
Unkenntnis und Subjektivismus
Dass Frau Rönicke die Suchmaschine „google.de“ bemüht, um den Sexismus des Internet zu belegen und dies ausgerechnet mit dem Suchbegriff „Frauen“ tut zeigt in erster Linie, sie hat sich mit dem „page ranking“-Verfahren von „google“ nicht auseinander gesetzt.
Als Beispiel hier die „Hommingberger Gepardenforelle“ - eine Fischart, die selbstredend nicht existiert: „Hommingberger Gepardenforelle ist ein Suchbegriff, mit dem das Computermagazin c’t im April 2005 einen Suchmaschinenoptimierungs-Wettbewerb ausrief. Ziel war, an den zwei Stichtagen 15. Mai und 15. Dezember 2005 jeweils um 11:00 Uhr die beste Position in den Suchmaschinen Google, Yahoo, MSN und Seekport zu belegen. Damit sollte ein Einblick in die Rankingmechanismen der Suchdienste und aktuelle Trends der Optimierung – legitime wie unerwünschte – ermöglicht werden.“
Hätte sie dies gewusst, so würde sie nicht mit der These hausieren gehen, ihr Suchergebnis sei die 1:1 Abbildung der Realität. Sie wüsste, dass – um einen ihr geläufigen Terminus zu verwenden – diese Suchergebnisse sind „konstruiert“.
Aber weiter und zum selber ausprobieren: Allein „Frau“ (Singular) als Suchbegriff ergibt differierende Suchergebnisse, wie auch die Verwendung einer anderen Suchmaschine, nämlich „bing“. Ganz andere Suchergebnisse erhält man, wenn „google.com“ verwendet wird mit den Suchbegriffen „woman“ und „women“. Da im Interne Englisch die „Lingua Franca“ ist, entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, wenn ausgerechnet die deutsche Sprache verwendet wird, um eine These zu belegen, wonach das „Netz“ an sich sexistisch sei.
Kurz: Was Frau Rönicke versucht, ist keine Analyse der Realität des Internet, sondern sie hat eine vorgefasste Meinung und nutzt ein beliebiges, von ihr selbst herbei geführtes Ergebnis, um ihre Behauptung zu belegen, wonach: „Das Netz“ ist in meinen Augen ein Ort, an dem Sexismus an der Tagesordnung ist.“.
Ihre Eingangsthese ist damit schlicht und ergreifend beliebig und in der generösen Generalität falsch.
Ausschluss von Kritik / feminist reality distortion field als nützliche Ideologie
Mein Problem mit diesem Feminismus ist, er ist weder durch den Verweis auf die empirische Realität zu erschüttern, noch durch diese zu widerlegen. Er lebt von einer verzerrten Wahrnehmung, die er zugleich produziert - was jedoch höchst nützlich für diesen ist.
Ein Beispiel für einen solchen Ausschluss und die Existenz des feminist reality distortion field ist der nicht veröffentlichte „taz“-Artikel von Matthias Stiehler (Dr. Matthias Stiehler vom Vorstand des Dresdner Institut für Erwachsenenbildung und Gesundheitswissenschaft), der dann wenigstens auf dem Blog von Arne Hoffmann erscheinen konnte (hier die ersten beiden Absätze):
Die Linke und die Geschlechtergerechtigkeit
„Bei einer Tagung zu Geschlecht und Gesundheit antwortete eine der Fachfrauen auf die Frage, warum sich die geschlechtsspezifische Gesundheitssituation so wenig entwickle, dass es sich hier um eine Machtfrage handelt. Und da in unserer Gesellschaft die Männer die Macht hätten, könne sich die Frauengesundheit nur mühsam entwickeln.
Das Problematische an dieser Aussage war, dass ich kurz zuvor in einem Vortrag nachgewiesen hatte, dass es um die Männergesundheit mindestens ebenso schlecht bestellt ist, ja sich die wesentlichen Eckdaten bei Männern im Gesundheitsbereich deutlich schlechter darstellen und die Politik diese Fakten beharrlich ignoriert. Bemerkenswert an dieser Episode ist zweierlei. Zum einen war diese ausgewiesene Fachfrau von ihrer Antwort wirklich überzeugt. Soweit ich das einschätzen konnte, handelte es sich um keine bewusste Polemik. Zum zweiten zeigt sich hier beispielhaft die Selbstverständlichkeit, mit der über Jahrzehnte geronnene Positionen vertreten werden, ohne sie auch nur einer intellektuellen Anfrage zu öffnen. Dies gilt in besonderer Weise für die Geschlechterfrage und insbesondere für die Linken in unserem Land.“
Der komplette Vorgang kann hier nachgelesen werden: arnehoffmann.blogspot.com/2010/04/geschlechtergerechtigkeit-die-linken.html
Als Marxist habe ich eine Erklärung für diese Ignoranz gegenüber und Verleugnung der empirischen Realität. Eine Anerkennung der faktischen Tatsache, dass es um die Männergesundheit ebenso schlecht bestellt ist wie um die Frauengesundheit hätte die (bis zum abkotzen wiederholte) Behauptung falsifiziert, wonach alle Männer am Patriarchat durch die „patriarchale Dividende“ partizipieren. Es hätte den Blick auf geschlechtsunabhängige Klassenlagen eröffnet, die natürlich als solche „Klasse“ entfallen, wenn der Blick „Geschlecht“ ALS „Klasse“ sehen WILL.
Nur durch diese - medial durchgesetzte - Sichtweise kann der so argumentierende bürgerliche Feminismus unter dem Segel von „Gender“ Wiedergutmachung verlangen – indem er eine Ohnmacht KONSTRUIERT, unter dem ausschließlich ein Geschlecht leidet und eine Macht, die ein anderes inne hat. Und das ist ein geldwerter Vorteil.
Die Unfähigkeit mit Kritik umzugehen bzw. die Etikettierung von KRITIK als Frauenhass
Die Distributionskanäle des Internet spielen Platzanweiser - so erhält Frau Rönicke bspw. die Gelegenheit, in einer „Genderkolumne“ im „Freitag“ regelmäßig zu veröffentlichen. „Gender sensibel“ betrachtet, erhält jedoch genau ein Geschlecht Gelegenheit, sich Gedanken über „Gender“ zu machen und diese – bezahlt natürlich – zu verbreiten. Wenn man es genau nimmt, ist es eine „Sexkolumne“, die genau eine Sichtweise genau eines Geschlechtes unter die Massen bringen soll und will.
Natürlich kann ich ihre Gedanken kommentieren, natürlich kann ich selber bloggen; nur ist da eine gewisse Differenz zwischen meinem Beitrag/Kommentar und ihrer veröffentlichten Meinung.
Ebenso verhält es sich mit den Frau Julia Schramm und Frau Birgit Gärtner, die beide die Möglichkeit hatten, auf „Telepolis“ zu veröffentlichen – ein Privileg übrigens, das einem linksliberalen Männerrechtler wie Arne Hoffman bisher verwehrt blieb. Wenn Frau Rönicke schreibt: „Abgesehen davon, dass die schlimmsten Frauenhasser sich im Heise-Forum herumtreiben“, dann meint sie die Reaktion des Forums auf die insgesamt drei Beiträge dieser beiden Frauen. Aber bevor ich mir diese Beiträge vornehme, möchte ich noch einmal auf die Plattform hatr.org zurückkommen.
Denn genau die Beiträge, die dort als „hate“ veröffentlicht werden, zeigen meines Erachtens überdeutlich das eigentliche Problem. Abgesehen von wirklich sexistischen und Frauen verachtenden Beiträgen, wird zum Beispiel ein solcher Beitrag GENAUSO als „das Letzte“ (!) empfunden und veröffentlicht (Ausschnitte aus zwei Beiträgen, zum navigieren „neuere Hates“, „ältere Hates“):
„Mag ja sein, dass Eure Dunstkreise so extrem-alternativ, hochgebildet und superengagiert sind, dass Euch der Blick für die Realität verloren gegangen ist. Ich allerdings dachte immer, dass das Ziel für Antirassismus, Antifaschismus, Antisexismus … das Erreichen der breiten Gesellschaftsschicht sein muss, nicht irgendwelcher links-alternativen Kreise, die nur mit 100-pro-Attitüde oder gar nicht akzeptiert werden. Mit schöner Regelmäßigkeit nehme ich das gleiche Phänomen auch in der Genderdebatte wahr: die Leute sind so auf Ihre Werte und teils radikalen Ansichten fixiert, dass sie einen echten, kritischen Diskurs gar nicht mehr zu lassen können. Das genau scheint mir der Grund für die Entstehung von Begriffen wie „Kampflesbe“ etc. zu sein.“ hatr.org/archive/1
Weiterer „hate“-Beitrag: „Ich würde mir etwas weniger Borniertheit bei Dir wünschen. Vielleicht lernt man in den Gender Studies Tag ein, Tag aus nur Foucault, Butler und Bhabha. Man bewegt sich in seinem kleinen Paralleluniversum, wird permanent nur mit der selben Ideologie in anderen Worten gefüttert und kann umso länger man studiert, umso weniger verstehen, warum es da draußen Menschen gibt, die unter Antirassismus nicht critical whiteness verstehen; ja sogar solche, die die Aufklärung verteidigen, auch gegen die Wünsche bestimmter "Kulturgemeinschaften" etc. Allein die Begriffe, die Du als Gegeben nimmst ("weißer Mann", rassifiziert,...), auf denen Du Dein Denken und Deine Polemiken aufbaust, sind Ausdruck einer sehr speziellen Ideologie, dem Poststrukturalismus. Ich würde mich freuen, wenn Du auch Verständnis für Menschen wie mich hättest, die Gesellschaftskritik nicht in Tradition von Nietzsche oder dem NS-Vordenker Heidegger betreiben wollen und aus diesem Grund nicht mit Deinen ideologischen Grundannahmen und deshalb auch nicht mit vielen Deiner Folgerungen übereinstimmen können.“
Wer Sexismus und Frauenverachtung nicht von inhaltlicher und politischer Kritik unterscheiden kann, für den sich dies auf der selben Ebene bewegt, der hat eine verzerrte Wahrnehmung und totalitäre Ambitionen.
Die nützliche Unfähigkeit mit Kritik umzugehen als Immunisierung gegenüber Kritik
Zurück zu den oben angeführten Beiträgen auf „Telepolis“. Birgit Gärtner veröffentlichte einen Artikel mit der Überschrift „Jammernde Väter“, www.heise.de/tp/artikel/33/33084/1.html, über das Sorgerechtsurteil des Bundesverfassungsgerichts.
Dieser strotzte nur so von unbelegten Behauptungen, Verdrehungen von Wahrheit und Lügen , so dass sie im Forum Dresche bezog und von der Redaktion (!) von „telepolis“ verdonnert wurde einen zweiten Artikel zu verfassen, der jedoch kaum besser geriet.
Eine dreiste Behauptung von ihr und Zwischenüberschrift: „Gewalt ist nach wie vor einer der häufigsten Trennungsgründe“ Was nicht nur gelogen ist, sondern die Legitimationsvorlage für folgende Aussage bildete: „Wie sollte eine Frau über das Wohl ihres Kindes mit dessen Vater diskutieren können, wenn der sie z.B. geschlagen und/oder vergewaltigt hat? Gewalt ist nach wie vor einer der häufigsten Trennungsgründe. Warum sollte sie auch?“
Wenn vorab die Setzung vorgenommen worden ist, dass es sich bei Trennungen prinzipiell um die von prügelnden Vergewaltigern handelt, ist in der Tat eine Diskussion um gemeinsames Sorgerecht im Grunde die patriarchale und höchstrichterliche Rechtfertigung von Gewalt gegen Frauen.
Und nur durch Verleumdungen, Unterstellungen, Lügen und Beleidigungen lässt sich eine solche Setzung aufrecht erhalten. Verlasse ich diese sehr spezielle Wahrnehmung, dann hat sich das Mittel der Beleidigung und der Verleumdung von Männern irgendwann einmal erschöpft und irgendwann wird zurück beleidigt – was dem Typus der „verfolgenden Unschuld“ wieder zur Rechtfertigung ihres Weltbildes genügt.
Ein Beitrag im Forum forderte vom Verlag eine sofortige öffentliche Stellungnahme: „Wieso wird diese sexistische Hetzschrift veröffentlicht? Wieso wird hier Pauschalierung, Verunglimpfung, Hetze gegen nichtsorgeberechtigte Väter praktiziert? Hat der Heise-Verlag, wohl wissend dass derlei Machwerke Widerspruch hervorrufen werden, den Artikel nur publiziert, um Pageviews und Werbeeinnahmen hochzutreiben? Man tausche in dem Artikel mal "Väter" mit "Farbige" aus oder schlage mit derselben pauschalierten, faktenfalschen Undifferenziertheit auf eine andere Gruppe ein. Dann würde wohl wohl auch so benannt, was hier praktiziert wird: Rechtsbruch der Menschenrechtskonvention und Volksverhetzung.“
Erkennen Sie den frauenfeindlichen Hass?!
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Erkennen Sie den frauenfeindlichen Hass?!
Wozu Frauen hassen?! Mit wem denn sonst? |
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danke, beides sehr gut analysierende texte.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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