Wie alle Jahre feiern wir - das sind vor allem die "Gläubigen" - auch jetzt wieder Ostern.
Das ist ursprünglich das Gedenken an Tod und Auferstehung Jesu Christi.
Das kann man tun - ich meine aber, wir könnten durchaus zu dieser Zeit, im Frühjahr, wieder das noch ältere und historisch zugrundeliegende Neue Jahr feiern, in dem das Leben neu erwacht - nicht nur in der Natur. Nicht allein den Pflanzen, ebenso den Tieren und Menschen schießt jetzt "das frische Blut" des zunehmenden Sonnenlichts und der kommenden Sonnenwärme durch alle Adern.
Die Bedeutung beispielsweise des Osterhasen (des Rammlers!) oder auch der Ostereier als wirkmächtige Symbole des Lebens, der Zeugung und des Werdens sind allseits bekannt.
Man kann es durchaus u.a. politisch sehen - alle Jahre wieder wäre eine Besinnung auf das und ein Neuanfang des politischen Handelns äußerst notwendig und begrüßenswert. Niemand müsste deswegen vorher an das Kreuz der Häme oder Verurteilung genagelt und den Leuten zur vojeuristischen Schau gestellt werden.
Wer mag, kann das ganze natürlich nach wie vor religiös sehen und begehen - ich meine allerdings im Sinne von: Auferstehung des seelischen Lebens und von den Schein- oder im Hergebrachten verschütteten Toten.
Ein bischen Mut bräuchte das schon - Mut für das Neue, Noch-Nie-Gesehene und -Dagewesene, das Unerhörte, das einem zuerst einmal den Atem nimmt.
Müssen wir denn unbedingt, als endlich Erwachsene, stets etwas - oft nur scheinbar - "Höhere" anbeten, anhimmeln und verehren?
Ich denke nein! Es reichte durchweg aus, das Leben als solches, uns täglich neu geschenktes, zu verehren und, vor allem, zu Achten - mein eigenes ebenso wie das der anderen mehrere Milliarden Menschen.
Ich bin also für Ostern, den Kreuzestod der alten Irrtümer und die Auferstehung des Bewusstseins vom je eigenen möglichen seelischen und durchaus freudigen Leben...
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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