Carsten Stoffel

Carstens Kolumne

03.11.2010 | 13:21

Solinger Linke: Was bleibt ist ein fader Beigeschmack

Solingen/ Bereits im Vorfeld der Wahlen zum Kreisvorstand, Ende Oktober, gab es heisse Diskussionen über die Nachfolge um den Kreisvorsitz. Die langjährige Kreisvorsitzende Karina Ossendorff trat nicht mehr an. Ossendorff begründete Ihren Schritt mit ihrer Wahl in den Landesvorstand der Partei. Auch Dirk Schweitzer, Co-Vorsitzender, stand aus persönlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung.

 

Im Verlauf des Abends entstand eine sehr emotional geführte Debatte. Im Focus stand Kreisvorstandsmitglied Thorsten Hausen, der mit einer Veröffentlichung im Online-Magazin Scharf-Links für Furore sorgte. Mit der Überschrift "Solinger Linksfraktion rennt in die falsche Richtung", warf er der Solinger Ratsfraktion vor, zum "Staatsanwalt des Kapitalismus" mutiert zu sein. Weiterhin kritisierte Hausen, dass die Fraktion den Sonntagsöffnungen der Läden zustimmte. In Solingen ist die Linkspartei an einer mitte-rechts Koalition beteiligt. Entsprechend scharf war die Gegenwehr des Fraktionsvorsitzenden Gerd Schlupp, der die Kritik Hausens öffentlich als "stillos" bezeichnete.

Wer wird neuer Vorsitzender?

Bereits im Vorfeld drehte sich das Personalkarussell. Rainer Gerhards, ehemaliges SDAj Mitglied, kündigte seine Kandidatur öffentlich an, er wolle sich "Kommunistischen Strömungen entgegenstellen". Gerhards zog jedoch überaschend seine Kandidatur gegen Dieter Keller zurück. Stattdessen stieg Birgül Ünlü gegen Dieter Keller in den Ring. Bereits im ersten Wahlgang wurde Rebbeka Mrukk(37), die erst seit drei Monaten Mitglied der Partei ist, mit 37 zu 17 Stimmen bei einer Enthaltung gewählt.

Spalten statt versöhnen

Vor dem zweiten Wahlgang kamen beide Kandidaten zu Wort und stellten sich den Fragen der Mitglieder. Dieter Keller, Verdi-Vorsitzender, glänzte durch eine fundierte und zielorientierte Rede. Er mahnte zur Besinnung auf die gemeinsamen Ziele, und schloss auch die Zusammenarbeit mit anderen Bündnispartnern wie der DKP nicht aus. Anders hingegen Birgül Ünlü, die einzelne Mitglieder der Lüge und Verschwörung bezichtigte. Zwar erwähnte auch Ünlü, dass sie die Partei einen wolle, insgesamt war die Rede jedoch profillos. Was dann allerdings folgte, war das exakte Gegenteil von Versöhnung. Bei der anschließenden Fragerunde, rutschte das Niveau auf Stammtischgepflogenheiten ab, so, dass sogar einzelne Mitglieder entnervt den Saal verließen.

24 zu 22 Ünlü gewinnt

Im anschließenden Wahlgang setzte sich Ünlü mit 24 zu 22 Stimmen bei einer Enthaltung gegen Dieter Keller durch. Die Anspannung im Ünlü-Lager löste sich in Jubel auf. Dieter Keller nahm es mit Fassung. Eines wird jedoch bei der Stimmgewichtung mehr als deutlich. Der Kreisverband Solingen ist Tief gespalten worden und Ünlü wird es schwer haben, ihre hochgesteckten Ziele zu erreichen, so das aus dem Sieg letztlich doch ein Pyrrhussieg werden könnte.

 

Dies wurde auch direkt im Anschluss an die Wahlen deutlich. Während die frisch gewählte Vorsitzende einen Blumenstrauß bekam, ging die verdiente Vorsitzende und Landtagsdirektkandidatin Ossendorff ohne Blumen und warme Worte nach hause. Ein fader Beigeschmack bleibt -CS

 
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