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„Würde“ ist ein Schwergewicht. Philosophisch, ökonomisch, literarisch, politisch, juristisch. Und trotzdem, jedermanns Sache.
Als ein vermeintlich moderner, aufgeklärter Mensch greift man vielleicht zunächst zur philosophischen und literarischen Werken, als desillusionierter Pragmatiker jedoch, befragt man Juristen.
Ein Freund und Jurist brachte den Sachverhalt ganz einfach auf den Punkt:
Die Würde an sich, wird von Juristen praktisch nicht explizit behandelt.
Art. 1 Abs. 1 GG hin oder her. Man geht davon aus, dass die Verletzung der Würde in den damit zusammenhängenden Definitionen der Straftaten implementiert ist. Am Beispiel eines fiktiven Vergewaltigungsfalles lässt sich das wie folgt darstellen: Sobald die Schuld des Täters einwandfrei bewiesen worden ist, trägt der Staatsanwalt ein Strafmaß vor:
- 1 Jahr für die schwere Körperverletzung (der Täter benutze Hilfsmittel)
- 3 Jahre für die Vergewaltigung
- 6 Monate wegen Nötigung und „Heimtücke“ (der Täter hat das Opfer absichtlich unter Vortäuschung falscher Tatsachen gelockt)
Macht zusammen 4 Jahre, 6 Monate, kein seltenes Strafmaß, wobei natürlich letztendlich der Richter über das Strafmaß entscheidet.Etwaige Spätfolgen und Nachteile die dem Opfer entstehen, müssen nachträglich eingeklagt werden. Berufsunfähigkeit, Therapie, Rehabilitation. Dem Gericht werden Gutachten und Rechnungen vorgelegt, der Richtet entscheidet. Eine eindeutige und endgültige Auseinandersetzung mit der Würde des Opfers findet bestenfalls indirekt statt. Vielmehr wird die Verletzung immer wieder instrumentalisiert.
International wird das Konzept der „Würde“ durch die Begriffe wie „Souveränität“ und „Nichteinmischung“ (sowie wiederholt durch das strikte Verbot von offensiven Kriegshandlungen) indirekt bestimmt. Schön und gut. Doch die Entwicklungen der letzten Monate lassen uns zwangsläufig auf ein immer wieder kehrendes Problem stoßen. Die offensichtliche Ignoranz des Individuums angesichts der geschichtlichen Tatsachen auf nationaler Ebene ist zyklisch. Wie sonst ist es zu erklären, dass Teile unserer Eliten (mit Hilfe der Medien) ein Interesse daran haben können, den vermeintlich heilbringenden Prozess der ökonomischen Separation von ganzen Staaten, der kollektiven Verantwortung eines ganzen Kontinents, vorzuziehen?
Und die Tatsache, dass man unter Umständen über ein Land spricht, dass die Logik, Philosophie und antike Demokratie entdeckt hat, scheint keine Rolle zu spielen. „Griechenland soll Inseln verkaufen“, „Griechen sind Betrüger“, das sind Slogans die man so hört. Der ultimative „Denkanstoß“ war ein Vorschlag über dem „Export“ von Finanzbeamten in die verschuldeten Länder. Die nationale Würde wird da mit Füßen in den Magen getreten. Nur weil sich die Hetzkampagnen der Boulevardpresse nicht in juristische Rahmen zwingen lassen, ist das keine Legimitation für politische Absurditäten jenseits der Vernunft. So als hätten wir niemals von dem Untergang der Weimarer Republik gehört, so als wüssten wir nicht was ein fanatischer Gotteskrieger ist. Deutschland sollte sich schämen.
„Würde“ ist ein abstrakter Begriff, jedoch positiv behaftet so wie „Schönheit“ oder „Liebe“. Mit dem Unterschied, dass „Würde“ ein Ultimatum ist. Deswegen Art. 1 Abs. 1 GG.
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Der Philosoph Peter Sloterdijk hat in einem seiner Vorträge mal gesagt, dass die Würde des Menschen in unserer Gesellschaft von seiner "Kaufkraft" abhängig sei...
Da ist leider was dran. Finde ich. |
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Meyko schrieb am 22.11.2011 um 10:34
Der Philosoph Peter Sloterdijk hat in einem seiner Vorträge mal gesagt, dass die Würde des Menschen in unserer Gesellschaft von seiner "Kaufkraft" abhängig sei... Will Sloterdijk mit seinem Satz Rechthaben oder Rechtschaffen? |
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@d353rt
".Etwaige Spätfolgen und Nachteile die dem Opfer entstehen, müssen nachträglich eingeklagt werden. Berufsunfähigkeit, Therapie, Rehabilitation. Dem Gericht werden Gutachten und Rechnungen vorgelegt, der Richtet entscheidet. Eine eindeutige und endgültige Auseinandersetzung mit der Würde des Opfers findet bestenfalls indirekt statt. Vielmehr wird die Verletzung immer wieder instrumentalisiert." Wir eden, wenn überhaupt, vom Aufbau des Sozialstaates, aber gar nicht vom Aufbau des Würdestaates. Warum?, weil uns noch das "Würde" des hochherrschaftichen Konjunktivs klerikaler, säkularer Despotien als Bergmassiv im Wege unseres Denkens & Strebens, Sinnen & Trachtens steht. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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