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Anstatt der Aufrufe á la "Hände weg", sollte man den Diskurs rationaler führen: der Iran hat jedes Recht auf Sicherheitsgarantien und jedes Recht auf die Nutzung der Atomkraft zu zivilen Zwecken! Mit dem sich ausbreitenden Alarmismus sollte Schluß gemacht werden statt dessen die militärischen und publizistischen Nadelstiche gegen den Iran zurückgewiesen und konkrete Vorschläge diskutiert werden.
Nichts charakterisiert die Heuchelei des Westens so sehr wie dieses Video. Ich kann mich noch sehr gut an einen damaligen Tagesschau-Kommentar erinnern (bekanntlich war ja damals noch Kalter Krieg und die Chinesen galten - noch - als unberechenbar. In dem Kommentar hies es sinngmäß, daß ein positives Ergebnis dieses Krieges sei, daß "die Weltgemeinschaft" über die ideologischen Gräben hinweg gewillt sei, zusammen für den Frieden zu arbeiten, indem sie alle die junge, vielversprechende arabische Lichtgestalt - Saddam! - gegen den Finstermann in Teheran zu unterstützen, natürlich durch fleissiges Waffenliefern. Daß der Iran förmlich darum bettelte, daß man ihm wenigstens durch praktische Unterstützung oder Wissenstransfer bei der Behandlung seiner Soldaten helfe, was - bis auf wenige Ausnahmen, wie u.a. mein altes Krankenhaus, verweigert wurde. Wie der Iran heute die Versorgung der noch immer zahlreichen Opfer meistert, hat Dipl. Ing. Claus-Peter Polster, Hauptarbeitssicherheitsbeauftragter der Abteilung Gesundheits- und Arbeitsschutz der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen hier beschrieben.

Ich denke, daß der Iran heutzutage gegen einen Chemiewaffenangriff gut gerüstet wäre. Meine Informationen über den Iran aus mehreren Quellen sagen übrigens, daß man dort lange nicht so überhitzt ist, wie im Westen. Ich stimme mit dieser russischen Quelle überein, die - soweit ich das erfassen kann - voraussagt, daß ein konventioneller Krieg gegen den Iran kein Spaziergang würde, zumal die NATO mittlerweile tief gespalten sei (daß da wieder jemand nicht mitbekommen hat, daß "die NATO" nicht mehr die NATO de 80er Jahre ist und heute durchaus "abgestufte Bündnissolidarität" möglich ist, steht auf einem anderen Blatt...) und der Iran gut gerüstet.
WORAUF der russische Artikel allerdings zu Recht hinweist: mittlerweile sind die Interessen Europas und der USA nicht mehr die gleichen, was sich aus meiner Sicht schon im Libyen-Konflikt gezeigt hat. Nicht zuletzt deswegen haben die USA den Einsatz in Libyen im Großen und Ganzen den Europäern überlassen.
Seit Jahren wird - mal mehr mal weniger, aber immer aufgeregt - ein möglicher Angriff auf den Iran diskutiert. Ich weiß, ich lehne mich jetzt sehr aus dem Fenster, aber ich tue es: ich glaube nicht an einen konventionellen Krieg gegen den Iran! Deswegen sind solche Appelle für mich kontraproduktiv, denn sie dienen als Verstärker der - hauptsächlich - amerikanischen und israelischen Falkenpropaganda (2007, 2010, 2010 ,2012 ) . "Seit Monaten wird in Israel und den USA offen über einen militärischen Angriff auf den Iran diskutiert." Seit Monaten? Nach meiner Wahrnehmung seit mindestens sechs Jahren, immer flankiert von russischen Tatarenmeldung über ganz bestimmt unmittelbar bevorstehende US-Attacken, vorzugsweis Ostern (2007 bzw 2011) oder Weihnachten.
Die Friedensbewegung hat dazu wenig substantielles zu sagen - dabei wäre es dringend an der Zeit für einen konstruktiven Vorschlag: während der Friedensratschlag es bei einem dünnen "Gesprächsangebote an den Iran über Kooperation und gemeinsame Sicherheit..." belässt, entwickelt Vizeadmiral a.D. Ulrich Weisser wesentlich konkretere Vorschläge, denn: " Sicherheit vor dem Iran verlangt auch Sicherheit für den Iran. Die Iran-Problematik ist nicht militärisch lösbar. Ein Gesicht wahrender Ausweg mag für Teheran die Teilnahme Irans an einer groß angelegten Friedenskonferenz für den Nahen Osten sein...Dies auch deshalb, weil es in Afghanistan nur durch die Mitwirkung des Iran Stabilität geben wird. So selbstverständlich es ist, sich an die Sanktionen ... zu halten, so klar muss aber auch sein: Wir dürfen uns vor allem nicht durch die USA erpressen lassen und nicht willfährig zeigen, keinen Handel mit dem Iran zu treiben." Dem schliesse ich mich an.
Aus dienstlichen Gründen muss ich darauf hinweisen, daß ich hier ausschließlich meine Privatmeinung vertrete.
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Ich wollte gerade schreiben "Toller Beitrag", ob das bei dem Thema angemessen ist, musste ich mich dann aber doch fragen. Also: Sehr guter Beitrag.
Ich denke, das Thema ist eben sehr kompliziert. Was mich interessieren würde, ist, welche Lösungen bei den Verhandlungen zwischen der EU und dem Iran schon auf dem Tisch lagen und schließlich vom Westen vom Tisch gewischt wurden, bzw. auf Druck Israels. Vielleicht veröffentlicht Wikileaks mal was, bisher gibt es da ja nicht viel: wikileaks.org/wiki/Category:Iran Andererseits muss man aber auch sehen, dass selbst die Scheichs offenbar Angst vor dem Iran haben: www.sueddeutsche.de/politik/wikileaks-iran-ahmadinedschad-ist-hitler-1.1029668 |
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Danke für das Lob! "...welche Lösungen bei den Verhandlungen zwischen der EU und dem Iran schon auf dem Tisch lagen..." Ich denke, wenn einige grundsätzliche Dinge klar sind, dann ist alles möglich. Die Quelle für die Äusserungen von Ulrich Weisser muss ich übrigens noch nachliefern: "Bewährungproben einer Nation", ( www.duncker-humblot.de/?mnu=1100&cmd=1105&typ=1101&did=35362&tid=-1 )ein Buch, das sich mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr auseinandersetzt; da sämtliche linke Rezensenten damit beschäftigt waren, das doof zu finden, sind denen solche Feinheiten natürlich entgangen. In seinem wirklich sehr guten Aufsatz hat der Weisser noch mehr solche Bonbons versteckt. Für die Feststellung, daß auch der Iran ein berechtigtes Sicherheitsinteresse habe, ist Lafontaine seinerzeit ziemlich hart angegangen worden.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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