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Gas! GAS! Quick, boys! - An ecstasy of fumbling,
Fitting the clumsy helmets just in time;
But someone still was yelling out and stumbling,
And flound'ring like a man in fire or lime...
Dim, through the misty panes and thick green light,
As under a green sea, I saw him drowning.
In all my dreams, before my helpless sight,
He plunges at me, guttering, choking, drowning.
(Wilfred Owen, "Dulce Et Decorum Est", 1917)
Jetzt komme ich aus gegebenem Anlass noch mal auf den Iran-Irak-Krieg zurück: Ich erinnere mich noch zu gut an die damalige Zeit und daran, daß man damals - sinngemäß - Saddam Hussein deswegen für einen Guten hielt bzw. das zumindest vorgab, weil er westliche Werte im Irak implementiere.
Im Mai 1980 habe ich nach bestandenem Examen angefangen zu arbeiten. In dem Krankenhaus gab es einige iranische Fachärzte. Mein Oberarzt war ein iranischer Azerbaidschaner - wie Farah Diba auch - also Azeri-Türke, weswegen wir in der Gynäkologie und Geburtshilfe auch nach meiner Erinnerung 80% türkische Patientinnen hatten. Ein - iranischer - Landsmann war Oberarzt in der Chirurgie, in die ich später gewechselt bin. Im Sommer 1980 fuhren beide mit ihren Familien das erste Mal nach der Revolution in den Iran. Als sie zurückkamen, war für uns deutlich spürbar, wie besonders die Ehefrauen versuchten, sich die veränderte Situation schönzureden.
Im nächsten Krankenhaus hatte ich dann wieder einen iranischen Oberarzt, frisch aus dem Iran zurückgekommen. Er hatte nach der Facharztausbildung auf eine weitere Universitätskarriere verzichtet und sich zunächst - 1978 - mit deutscher Ehefrau und drei Kindern wieder im Iran niedergelassen und sein ganzes in Deutschland gespartes Geld in den Aufbau einer Gemeinschaftspraxis gesteckt.
(Damals gab es sehr viele iranische Chirurgen in Deutschland, die alle den Ruf hatten, exzellente Operateure zu sein, ich weiß nicht, ob das heute auch noch so ist)
Im Iran habe die medizinische Versorgung mit einem Belegarztsystem wie in den USA. Nach der Revolution hätten er und seine Familie dann die ersten Schwierigkeiten bekommen: eines Morgens sei ein Bulldozer durch die Gartenmauer gebrochen und dann habe man seinen Swimmingpool durch Reinkippen von Beton unbrauchbar gemacht. Zunächst habe man Ehefrau und Kinder, die naoch deutsche Staatsbürger gewesen seien, in Ruhe gelassen. Dann hätten sich die Schikanen gehäuft, und eines Tages hatte seine Frau die Nase voll: sie war auf dem Basar gewesen, dort sei sie von weiblichen Revolutionswächtern gestellt worden; ihre - echt blonden - Haare hätten unter dem Tuch hervorgelugt, nachdem man ihr lautstark habe klar gemacht hatte, daß sie mit ihrem "Aufzug" die Märtyrer von Krieg und Revolution beleidige, war sie verprügelt worden. Danach ist sie dann mit ihren Kindern nach Deutschland zurückgekehrt. Ihr Mann war zunächst dageblieben, nicht zuletzt, weil er das Land nicht verlassen durfte, denn es war ja Krieg. Wenig später wurde er dann als Chirurg an die Front eingezogen. Er hat uns später erzählt, seine Erfahrungen dort hätten für ihn den endgültigen Bruch mit dem Regime bedeutet: als er Kinder habe zusammenflicken müssen, die man in die feindlichen Minenfelder geschickt habe, den berühmten Schlüssel um den Hals. Das einzige, was er noch habe tun können, sei, zerfetzte Gliedmaßen amputieren. Er ist dann über die Türkei geflohen.
In meinem vorherigen Krankenhaus war mittlerweile ein Professor Nosrat Firusian Chefarzt geworden, der sich in seinem Vertrag die Möglichkeit ausbedungen hatte, in einem ehemaligen Infektionstrakt des Krankenhauses gasverwundete Soldaten des Iakisch-Iranischen Krieges zu behandeln. Meines Wissens gab es seinerzeit nur wenige Krankenhäuser, die das Embargo unterlaufen haben.
Ich erinnere mich daran, daß damals - immerhin noch im Kalten Krieg - bejubelt wurde, daß auch Russen und Chinesen an Saddam lieferten. Wenn ich mich richtig erinnere, wurde dem Iran, der damals Rat und Hilfe bei der Versorgung seiner Soldaten suchte, auch diese - humanitäre - Hilfe veweigert. Nur einige Kliniken unterliefen das Embargo. Mit dieser Broschüre suchte der Iran Hilfe, denn so litten die Opfer und so leiden sie bis heute:
1991 habe ich einen Vortrag von Professor Firusian gehört, der, zur Zeit des Kriegsbeginn beim iranischen Militär tätig war: die Iraner wurden von diesem hinterhältigen, völkerrechtswidrigen Angriff kalt erwischt und versuchten, in Europa wenigstens die Erfahrungen abzugreifen - gegen reichlich Geld, natürlich, aber selbst das wurde ihnen verweigert. Heute haben sie, gezwungenermassen, diese Expertise selber. Im Iran müssen weiterhin 38.000, nach anderen Quellen, z.B. Nasrin Alavi, bis zu 60.000 schwerkranke Invaliden versorgt werden.
Mittlerweil hat der Iran selbst das nötige Wissen erworben und führt seit einigen Jahren selber einen - auch von westlichen Wissenschaftlern - sehr geschätzten und gut besuchten Fachkurs durch.
Fortsetzung folgt.
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???
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Einfach nur traurig, aber schöner Beitrag...
P.S. war '79 auf Antischahdemo, wofür, wogegen? heute Scheissegal... |
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Ich denke das kann ich übersetzen.
Keine Freude daran gehabt, aber weil es so klar und deutlich war, und eben wahr, gabs fünf Sterne. Korrigiere mich wenn ichs missverstanden hab, Beutelratte. Mir gehts übrigens genauso. ***** |
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schrieb am
30.01.2012 um 10:09
... ohne Worte!
www.youtube.com/watch?v=oTldYbqlJc8 |
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Danke! Den werde ich im nächsten Teil einbinden.
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"(Damals gab es sehr viele iranische Chirurgen in Deutschland, die alle den Ruf hatten, exzellente Operateure zu sein, ich weiß nicht, ob das heute auch noch so ist)"
Gibts heute auch noch, mit gutem Ruf in vielen Städten, viele auch als Durchgangsarzt. Wohl am prominentesten: de.wikipedia.org/wiki/Madjid_Samii |
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Danke! Das überrascht mich jetzt nicht.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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