dbraun

Gedanken

17.07.2010 | 00:48

Kontraste schürt Vorurteile gegen Linke Strömungen

Hiermit beziehe ich mich auf die Reportage aus der Sendung Kontraste
vom 15. Juli 2010 zu der Großdemonstration in Berlin am 12. Juni 2010


Anschlag auf Polizisten – die Linke und die Gewaltfrage

Hiermit schlage ich folgende Richtigstellung vor:

 

In unserer Sendung vom 12. Juni 2010 von den Vorfällen während einer Großdemonstration gegen die massiven Sparmassnahmen der Bundesregierung, wird fälschlicherweise der Eindruck erweckt dass die Linke, als demokratische Partei und als gesellschaftlicher Gegenpol zur immer weiter voranschreitenden ent-solidarisierung unserer Gesellschaft, körperliche Gewalt als geeignetes und vertretbares Mittel sieht. Dieses im Allgemeinen nicht der Fall, sondern stellt eine klare Minderheit dar. Herr Körting hat die einmalige Gelegenheit genutzt um auf diesem Wege wieder einmal den, in den meissten Fällen vertretbar friedlichen, passiven Wiederstand zu disreditieren (Blockaden sind aus gutem Grund niemals als Straftat sondern immer als Ordnungswiedrigkeit einzustufen).

Das eigentlich Unfassbare an dieser Geschichte ist  auch, dass einzelne Organisationen nicht differenziert auseinandergehalten werden. Sie werden diffamiert. Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di könnte vielleicht sogar eine Klage erwägen. Den Bogen zum Faschismus zu spannen ist unfassbar beleidigend für jeden der 20.000 Teilnehmer. Ich bin kein Geschichtswissenschaftler, aber ich befürchte dass das Schüren von Angst gegen die "rote Gefahr", gegen den Sozialismus zu Hass auf Selbigen führt. Kommt mir sehr bekannt vor wenn wir mal auf unsere Geschichte schauen.

Lasst uns alle mehr auf das schauen was uns eint, anstatt auf das was uns vielleicht noch immer trennt. Es geht um die Wahl der Mittel, nicht um das Konzept. Das Konzept einer gerechteren Gesellschaftsform, egal wie man es vielleicht nennen will. Das was uns eint ist der Wunsch nach Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie. Es kann einen freiheitlich demokratischen Sozialismus geben, wenn wir ihn gerecht ausgestalten können. Ein "weiter so" wie bisher darf es nicht geben. Extremistisch sind die, die auf längst gescheitertes setzen und noch immer glauben, dass es "alternativlos" ist. Vielleicht aber wissen sie auch, dass die einzigen Alternativen Machtverlust bedeuten würden. Die Medien sind auf diesem Wege eine gute und wertvolle Hilfe um Ängste in der Bevölkerung hervorzurufen. Konditionierung durch Angst funktioniert eben doch noch immer bestens.

Gewalt bei dem eine Verletzung und gar der Tod von Anderen billigend in Kauf genommen wird ist durch nichts zu rechtfertigen und sollte klar abgelehnt werden. Dennoch sollten wir dabei nie vergessen, dass die Provokateure auch manchmal auf der ganz anderen, vermeintlich guten Seite stehen.

An die Freitag Redaktion:

Vielleicht könntet ihr das Thema
"Stimmung gegen Links - Ein Gespenst geht um..."  mal aufgreifen.

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Deaktivierter Nutzer schrieb am 17.07.2010 um 00:59
Erlaubt sein sollten nur Sendungen mit dem Thema "Argumente gegen Links".
Das wäre aufklärend.
dbraun schrieb am 17.07.2010 um 01:14
Und die währen?
dbraun schrieb am 17.07.2010 um 01:14
Kläre uns doch mal auf.
claudia schrieb am 17.07.2010 um 23:19
Ganz einfach:
Die Demokratische Linke besteht aus FDP, CDU, dem Seeheimer Kreis, der Berstelmannstiftung, dem Springerverlag und der INSM.

Alle, die der Demokratischen Linken kritisch gegenüber stehen, sind linksextrem, haben das Celler Loch gesprengt und veranstalten Demonstrationen zu dem Zwecke, Polizisten mit Feuerwerkskörpern zu verletzen.

Ausserdem haben sie GG Art. 14 gelesen und sind somit Verfassungsfeinde.

Wer mit ihnen Kontakt hat, wird auf ewig in der Hölle schmoren.
claudia schrieb am 17.07.2010 um 23:21
eh, die CSU hab ich vergessen. Oder ist die linksextrem?
Wolfram Heinrich schrieb am 18.07.2010 um 11:36
@claudia
eh, die CSU hab ich vergessen. Oder ist die linksextrem?

Im Vergleich zu Westerwelle ist Seehofer Bolschewik.

Ciao
Wolfram
Achtermann schrieb am 17.07.2010 um 08:36
@ dbraun

Was erwartest Du denn von der Staatspublizistik? Sobald das System infrage gestellt wird, marschieren die Handlanger derer auf, die vom System profitieren. Meinst Du etwa die Größen dieser Wirtschaftspolitik hätten es versäumt, die richtigen Frauen und Männer an die richtigen medialen Positionen zu setzen? Die sind schlau. Schlauer als mancher von der Linkspartei meint. Deshalb mutet es schon recht unbeholfen an, zu denken, man könnte in den relevanten Medien Unterstützung oder zumindest eine den Tatsachen entsprechende Berichterstattung erwarten. Wenn es mal soweit ist, wie bei den Grünen, dann weisst Du, welche Entwicklung die Partei genommen hat.
dbraun schrieb am 17.07.2010 um 21:58
Sicherlich hast du recht und ich sehe das auch genau so realistisch, habe ich eigentlich auch deutlich zu machen versucht in meiner Kommentierung der undifferenzierten Berichterstattung. Natürlich hat Die Linke genug Mitglieder, die die mediale Strategie der Politik verstehen. Man muss die Strukturen erst erkennen wenn man sie verändern will. Wir dürfen es erwarten. Wir müssen es sogar erwarten, dass die öffentlich rechtlichen Sender, besonders differenzierten Journalismus betreiben. Eine solche Veränderung kann nur innerhalb der Institutionen passieren. Von Unten. Dabei ist es wichtig Abhängigkeiten zu durchbrechen, was ich bereits in einem anderen Kommentar geschrieben habe. Als Journalist hat man den Druck seine Vorgaben zu erfüllen. Journalismus ist schon lange nicht mehr frei.

Jetzt weißt du was ich eigentlich von der "Staatspublizistik" erwarte, unabhängig davon, dass ich die jetzigen Realitäten natürlich (zähnenknirschend) anerkenne. Aber nicht deren Unabänderlichkeit.
Angelia schrieb am 17.07.2010 um 08:37
Differenzieren sollte vor allem der Zuschauer. So sind nicht alle Demonstranten der Kategorie “Links” zuzuordnen, nur weil sie ganz konkret Missstände aufzeigen und sich konkret dagegen wehren. Und man muss sich auch nicht für eine Kategorie entscheiden, um Missstände als solche zu erkennen, zu benennen und abzulehnen.

So ein Bericht, wie der in Aspekte, wirft zwar ein negatives Bild auf Protestbewegungen, aber de facto diskreditieren diejenigen die Protest- aber auch Friedensbewegungen, die Bewegungen zum Selbstzweck nutzen oder politisch instrumentalisieren. Sei es aus Spass an der Gewalt oder, wie im Fall des Überfalls auf die Gaza Flottille, als Tarnkappe einer politischen Bewegung.

Sich von solchen Schwachmaten öffentlich klar zu distanzieren, müsste eigentlich im Interesse der Protestler liegen.
B.V. schrieb am 17.07.2010 um 21:41
Es war ein Fehler von Verdi sich nicht von den Linksextremisten deutlich abzugrenzen. Und ja, Körting hat recht, wenn er diese als rot lackierte Faschisten bezeichnet. Die verletzten Polizisten sind für solche Leute Feinde die man zu vernichten hat, deutlicher als mit dieser Bombe konnten sie es nicht zum Ausdruck bringen.

Ich bin übrigens genau aus diesem Grund nicht zur Demo gegangen, da wo sog. "autonome Antfas" teilnehmen, muß man mit sowas rechnen.
dbraun schrieb am 17.07.2010 um 22:15
Man kann sich von Gewalt distanzieren und dennoch für richtig befinden, dass es manchmal notwendig ist, die Öffentlichkeit (auf friedlich medialem Wege) auf Missstände aufmerksam zu machen und sie so in den Mittelpunkt öffentlichen Interesses zu rücken. Nämlich dann wenn augenscheinlich für jeden sichtbar humanitäre Interessen unberücksichtigt gelassen werden. So auch im Konflikt im nahen Osten. Provokateure auf beiden Seiten. Auch wenn es anders dargestellt wird. Die Gaza Flottille war keine Provokation sondern ein in erster Linie humanitäres Projekt mit vielen Vertretern von Presse und Friedensorganisationen. Dieser eine Vorfall hat die gesamte Mission diskreditiert. Gewalt und Extremismus ist abzulehnen wenn man Frieden schaffen will. Davon kann man sich konkret distanzieren und das tue ich ausdrücklich. Ich gehöre da keiner Minderheit an.
dbraun schrieb am 17.07.2010 um 22:37
@B.V. Du spielst genau das Spiel mit. Du schließt von einer Minderheit auf die deutliche Mehrheit friedlicher Teilnehmer und siehst nicht die Provokationen von staatlicher Seite. Es gab eine Person unter den Protestierenden, die einen besonders gefährlichen und heftigen Feuerwerkskörper auf einen anderen Menschen geworfen hat. Das ist zu verurteilen. aber dann auf "solche Leute" mit dem Finger zu zeigen und aus Angst nicht an Demonstrationen teilzunehmen ist doch genau das was Körting damit als Haupt- oder als Nebenzweck erreicht. Kannst du wissen wer da geworfen hat? Es ist eine Straftat und hat nichts mit den Zielen dieser Demonstration zu tun.

Was ich an alledem besonders bedauere ist die Tatsache, dass nichts über die Demonstration berichtet wurde. Als Mittelpunkt des Interesses wird die angebliche Zunahme "linker Gewalt" dargestellt. Ungeachtet dessen wird nicht ausreichend deutlich gemacht, dass die Mehrzahl der Teilnehmer per se Gewalt eigentlich ablehnen. Es ist gewollt, oder zumindest wird es billigend in Kauf genommen, dass die friedlichen Teilnehmer dieser Demonstration rückblickend in ein schlechtes Licht gerückt werden. Die Mehrzahl der Antikapitalistischen Linken in Berlin zum Beispiel sind mit Sicherheit recht umgänglich.

Sie werden alle gleichermaßen vorverurteilt. Eine gewisse Art der Gerechtigkeit ;-)
Verwendungszweck schrieb am 18.07.2010 um 10:24
Da werden die Demonstranten von hunderten Polizisten flankiert, bewacht und gefilmt. Dann fliegt ein Feuerwerkskörper und der Werfer kann nicht identifiziert und befragt werden. Die Polizeiansichten und -methoden bei anderen Demonstrationen im Hinterkopf, wird man den Verdacht nicht los, dass egal wer nun geworfen hat, es der Polizei so am nützlichsten war. Die einzig wirksame Gegenmaßnahme in solchen Fällen ist die Auslieferung des Werfers. Schade, dass das versäumt wurde.
Angelia schrieb am 18.07.2010 um 11:19
Lieber Herr Braun

Sie schreiben: „Man kann sich von Gewalt distanzieren und dennoch für richtig befinden, dass es manchmal notwendig ist, die Öffentlichkeit (auf friedlich medialem Wege) auf Missstände aufmerksam zu machen und sie so in den Mittelpunkt öffentlichen Interesses zu rücken. Nämlich dann wenn augenscheinlich für jeden sichtbar humanitäre Interessen unberücksichtigt gelassen werden.“

Natürlich kann man auf Dinge aufmerksam machen, die man selbst als Missstand erkannt hat. Meine Kritik ist, dass Ihr Artikel
1. zu kurz gegriffen ist und die Möglichkeit des Desavouierens der Friedens- und Protestbewegung durch Gewalttätige als
2. das wesentliche Problem nicht erkennt
3. deshalb nicht nur eine „Linke Bewegung“ sondern überhaupt die Wirkungskraft humanitäre Bewegungen schwächt
Und, was das Schlimmste ist
4. somit gegen die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung agiert.

Sehr viele Menschen sind nicht nur nicht mit der Art und Weise der Politik und der Globalisierung einverstanden. Sie durchschauen die Mechanismen ( Dank besserer Informationsverbreitung ) haben deshalb auch Angst vor der Art und Weise der aktiven Politik.
Nur, virtuelle Proteste im Web bleiben wirkungslos. Erst wenn sich Massen von Menschen auf die Straße trauen und durch bloße Anwesenheit ihre Ablehnung der schwarz/gelben Politik verdeutlichen, kann eine Protestbewegung ihre Wirkungskraft entfalten.

Aber wer will sich schon einer Protestbewegung anschließen, die sich nicht klar von gewalttätigen Dummköpfen distanziert, statt dessen die mediale Berichterstattung als das wesentliche Problem erkennt und den Staat und die Polizei als Feindbild nötig hat. Siehe Nachdenkseiten

Und was die pseudohumanitäre Stiftung der IHH betrifft, habe ich einen Link zur
TAZ herausgesucht, die ja tendenziell links ist, aber keineswegs undifferenziert. Einen weiteren Bericht der TAZ zum Thema Gaza Flottille lesen Sie hier
Die Konsequenzen gewalttätiger Aktionen sind vielen vielleicht nicht bewusst. Ein Blick in den EU Vertrag hilft. Da heißt es:

(Schlussakte, Erklärung 12, Art. 2, S.434) : Die EU – Verfassung erklärt eine „Tötung“ für zulässig, „wenn sie durch eine Gewaltanwendung verursacht wird, die unbedingt erforderlich ist, um einen Aufruhr oder Aufstand rechtsmäßig niederzuschlagen“.

Nichtsdestotrotz, dass der Journalismus an Qualität verloren hat und sich tendenziell scheinbar zum Handlanger von Politik und Wirtschaft entwickelt hat, kann man nicht leugnen. Doch auch hier sollte man die Mechanismen klar durchleuchten.
siehe die Meinungsmacher
B.V. schrieb am 18.07.2010 um 13:01
Nein, ich spiele das Spiel nicht mit. Ich schließe nicht von einer Minderheit von Gewalttätern auf die Mehrheit der friedlichen Demonstranten. Es war nur von vornherein klar, wer da alles mit macht und da sind sehr wohl die friedlichen Organisatoren in der Pflicht sich zu distanzieren und gewisse Organisationen von vornherein auszuschließen. Wer das aber billigenden in kauf nimmt, macht einen politischen Fehler und zeigt auch eine gewisse Charakterschwäche.
Daran dann nicht teilzunehmen hat nichts mit Angst zu tun sondern ist eine bewußte politische Entscheidung, wenn sich z.B. die NPD an die Demo gehängt hätte wäre ich ja auch nicht mitgegangen (und wohl kaum aus Angst), sondern ich hätte von den Organisatoren verlangt das sie diese "Teilnehmer" von der Polizei entfernen läßt. Aber hier war es ja von vornherein deutlich das Extremisten teilnehmen werden, schon beim Aufruf. Demokratische Organisationen hätten hier reagieren müssen.Ich bleibe dabei: Körting hat recht!
dbraun schrieb am 20.07.2010 um 23:38
Liebe Angelia,

Zu deinen Kritikpunkten möchte ich mich im Folgenden äußern. Eigentlich sind wir so ziemlich einer Meinung. Nochmal, auch an alle anderen die mir vorwerfen ich würde das Vorhandensein von Gewalt relativieren, indem ich zuletzt auch nochmal darauf hinwies, dass Gewalt niemals nur von einer Seite ausgeht. Das ist keine Relativierung sondern eine differenzierte Betrachtungsweise.

zu Nr. 1:
Na klar ist der Artikel zu kurz gegriffen für so ein komplexes Thema. Ich habe niemals behauptet er hätte Anspruch auf umfassende Vollständigkeit. Ich sehe ihn eher auch als kleinen Anstoß zur Diskussion und ich wollte damit meine Ablehnung für eine solche Art des Journalismus zum Ausdruck bringen. Die Linke ist mehr als das was dort und anderswo zum Ausdruck gebracht wird.

Zu Nr. 2:
Diejenigen Gewalttäter unter den Demonstranten desavouieren sich selbst. Und dabei sollte man es belassen, wenn man die Täter nicht kennt. Leider nur, dass wohl schätzungsweise eine Minderheit so denkt. Die Mehrheit meint wohl man müsste wieder mit Ausgrenzung von bestimmten Gruppen reagieren. Ich stehe weiterhin für eine absolute Ablehnung jeglicher körperlicher und psychischer Gewalt. Das kann nicht das Mittel sein um friedliche Ziele zu erreichen. Das gilt aber auch für die Anwendung staatlicher Gewalt.

Zu Nr. 3:
Eigentlich hab ich das schon mit Stellungnahme 2 ausreichend dargestellt. Solche Einzelfälle und hochgeschaukelten Gewaltexzesse können nicht die ganze Bewegung diskreditieren. Nur die unreflektierte Berichterstattung kann das.

Der Staat sollte mal mehr auf deeskalationsstrategien setzen. Stattdessen wird auf Provokation gesetzt. Traurig. Mit der tagtäglichen Politik wird gegen die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung agiert und die parlamentarische Linke ist meiner Meinung nach die einzige Kraft, die dem etwas entgegesetzen könnte.
Angelia schrieb am 22.07.2010 um 21:02
Lieber dbraun

vielen Dank für deine Antwort. Ich lasse es einfach unkommentiert stehen.

schöne Grüße Angelia
KalleWirsch schrieb am 17.07.2010 um 11:11
@dbraun

Immer wieder lese und höre ich den Begriff "demokratischer Sozialismus". Selten gefüllt. Ich nutze die Gelegenheit und bitte mal um eine Definition bzw. wie demokratischer Sozialismus aussehen soll. Ich bitte das als ernsthafte Frage und nicht als Provokation zu verstehen.
Gruß KalleWirsch
dbraun schrieb am 17.07.2010 um 21:37
Mit Sicherheit stelle ich nicht den alleinigen Definitionsanspruch auf den Begriff des demokratischen Sozialismus. Schon gar nicht kann man dies in einem Kommentar ausführlich tun (was dem Thema angemessener wäre). Grundlage eines modernen demokratischen Sozialismus ist für mich zunächst natürlich die Aufrechterhaltung und Verteidigung freiheitlich demokratischer Grundrechte UND dem Ziel der Überwindung des Kapitalismus mit Wahrung des ersten Grundsatzes (oft als dritter Weg bezeichnet).

Das mag für viele widersprüchlich erscheinen, für mich jedoch nicht. Die Ideologie des Kapitalismus in unser jetzigen Form ist in vielen Punkten gescheitert. Wir sehen es nur nicht weil sich auch das Elend mehr und mehr globalisiert. Meine zentralen Thesen: Einer mächtigen Minderheit sind die Zusammenhänge klar. Die Mehrheit lebt auf einer Insel der desinformation und teilweise selbst gewählter Ignoranz. Leider sind global betrachtet die meisten Menschen noch dazu völlig ohne Zugriff auf Informationen. Sie sind mit ihrer Armut beschäftigt. Die Form der Armut, die oft zu gesellschaftlicher und sozialer Armut führt. Damit meine ich vor allem den Mangel an sozialen Kontakten und den Austausch mit Anderen... das macht die ideale Zielgruppe für sanfte Propaganda aus. Man macht sich somit kaum bis selten Gedanken was 7000 km oder mehr unser Handeln für Auswirkungen hat.

Lösungen? Die Lösung ist ein Bewusstseinswandel. Die Menschen müssten anfangen sich von den Abhängigkeiten zu lösen. Die Sucht nach Geld und die Sucht nach Öl und die Sucht nach Macht. Die Sucht nach vielem trotz möglicherweise fataler Auswirkungen auf die Außenwelt und aller Individuen. Wer profitiert wirklich an alledem? Diese Frage steht am Anfang.... Bildung und eine neue Aufklärung des 21. Jahrhunderts ist mehr als Überfällig. Viele resignieren ganz reflexartig. Wir haben das gelernt. Es wurde uns beigebracht. Wir können nichts ändern.

Beispiel:

Wenn wir wirklich vom Öl wegkommen wollen, und wir haben ein Interesse daran dann müssen wir aufhören zu tanken und dort wo es möglich ist die durchaus vorhandene nachhaltigere Technologie einzusetzen. Das Geld ist dort wo zu wenig Motivation herrscht es wirklich effizient einzusetzen, es rentiert sich im Moment wohl noch zu wenig. Vermeintlich wird es anderweitig gebraucht. Um auf Symptome zu reagieren. Das ist ein Systemproblem, kein Geldproblem. Das Mahnmal für unser bisheriges Ausbeuten (wie es ja auch hoch offiziell bezeichnet wird - ausbeuten klingt für mich verbrecherisch). Unsere "Beute" kann jetzt jeder im Golf von Mexiko betrachten. Als grauenhaftes Mahnmal menschlicher Ignoranz und Gier.
B.V. schrieb am 17.07.2010 um 21:51
B.V. schrieb am 17.07.2010 um 22:14
Zitate zum Demokratischen Sozialismus:

„Die Demokratie ist Mittel und Zweck zugleich. Sie ist das Mittel der Erkämpfung des Sozialismus und sie ist die Form der Verwirklichung des Sozialismus.“
- Eduard Bernstein

"Demokratischen Sozialismus verstehen wir als die dauernde Aufgabe Freiheit und Gerechtigkeit zu erkämpfen, sie zu bewahren und sich in ihnen zu bewähren. Dies und die Solidarität sind der geistig, politische Boden auf dem allein die Sozialdemokratie gedeihen kann." - Willy Brandt

"Niemand kann frei sein, solange es nicht alle sind." - Erich Mühsam

"Staatssozialismus ... ist eine der Kinderkrankheiten des proletarischen Sozialismus." - Friedrich Engels

"Die Eroberung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse, die Expropriation der Kapitalisten sind an sich keine Endziele, sondern nur Mittel zur Durchführung bestimmter Ziele und Bestrebungen." - Eduard Bernstein

"Für uns Sozialdemokraten ist nach allen Erfahrungen der demokratische Staat nicht nur eine Voraussetzung für den Sozialismus, sondern die staatliche Form des Gemeinwesens, in der wir den Sozialismus zu verwirklichen suchen müssen." - Herbert Wehner

"Unter Demokratie verstehe ich, dass sie dem Schwächsten die gleichen Chancen einräumt wie dem Stärksten." - Mahatma Gandhi

"Meiner Meinung nach hat nichts so sehr zur Perversion der örginären Idee vom Sozialismus beigesteuert wie der Glaube das Russland ein sozialistisches Land sei und das jede Handlung seiner Herrscher entschuldigt oder sogar nachgeahmt werden muss. Ich bin überzeugt das die Dekonstruktion des sowjetischen Mythos essentiell ist für die Wiederbelebung der sozialistischen Bewegung." - George Orwell

"Der Zweck von Wirtschaft ist die Wohlfahrt des Menschen." - Gregor Gysi

"Kommunist zu werden, um im Sinne der Bergpredigt die gesellschaftlichen Verhältnisse des menschlichen Zusammenlebens ändern zu helfen, war deshalb ein Irrtum, weil man bei genauem Nachdenken hätte begreifen müssen, daß die menschlichen und politischen Mittel, die der Kommunismus vorsieht und deren er sich bedient, die erstrebten Ziele unerreichbar macht."
- Herbert Wehner

"Es hat keinen Sinn, eine Mehrheit für die Sozialdemokraten zu erringen, wenn der Preis dafür ist, kein Sozialdemokrat mehr zu sein."
- Willy Brandt

"Im realen Sozialismus ist alles real, außer der Sozialismus" - Jochen Steffen

"Die Demokratie verlangt den Sozialismus und der Sozialismus verlangt die Demokratie" - Kurt Schumacher

"Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven, irgendwie für das Allgemeinwohl sorgen werden." - John Maynard Keynes

"Vor dem Leben hat der Sozialismus nur recht, wenn er den Menschen in ihren täglichen Nöten und Leiden etwas Gegenwartsglück bringt." - Kurt Schumacher

"Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts." - Willy Brand

"Wer über den Finanzmarktkapitalismus nicht reden will, der soll auch über die soziale Marktwirtschaft schweigen" - Sigmar Gabriel

„An Umsturz glaube ich nicht, Gewaltkonflikte politischer Natur stehen auf einem andern Kapitel, und die Revolution der Gesellschaft kann nur durch Reformen, d.h. immer nur partiell durchgeführt werden.“
- Eduard Bernstein

"Arbeitet, arbeitet, Proletarier, vermehrt den gesellschaftlichen Reichtum und damit euer persönliches Elend. Arbeitet, arbeitet, um, immer ärmer geworden, noch mehr Ursache zu haben, zu arbeiten und elend zu sein. Das ist das unerbittliche Gesetz der kapitalistischen Produktion." - Paul Lafargue

„Es ist meine Überzeugung, dass der Sozialismus die Bürgschaften der individuellen geistigen Freiheit nicht zerstören soll, sondern sie, das kostbarste Erbe des Zeitalters der bürgerlichen Revolutionen, hinüberretten muß in die sozialistische Gesellschaft der Zukunft, in der sie erst, von aller kapitalistischen Verfälschung und von allen kapitalistischen Fesseln befreit, ihre volle Entfaltung finden, ihre volle Schöpferkraft bekunden werden“
- Otto Bauer

"Der Sozialismus ist eine ständige Aufgabe. - Ja, aber warum muss es abends immer so spät werden?"
- SPD-interner Witz

"Wir ringen darum, die im Grundgesetz allen Frauen und Männern gewährleisteten gleichen staatsbürgerlichen Rechte weiterzuführen, zu transformieren, zu transformieren zur sozialen Chancengleichheit für jedermann, jede Frau und jeden Mann, gleichviel in welchen Verhältnissen sie geboren wurden und wohin es sie verschlagen oder vertrieben hat." - Herbert Wehner

"Die Sozialdemokratische Partei hat eine Idee; das ist die Idee von einem Gemeinwesen, in dem das Menschenmögliche an sozialer Gerechtigkeit verwirklicht wird. Die anderen müssen sich Ersatzideologien suchen und an solchen aufranken." - Herbert Wehner

"Es wird sich noch als geschichtlicher Irrtum erweisen, das dem demokratischen Sozialismus zugrunde liegende Ideal die Zusammenfügung von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität als überholt abtun zu wollen. Manche werden sich noch wundern, als wie abwegig sich ihre Grabgesänge erweisen." - Willy Brandt
ich schrieb am 17.07.2010 um 17:43
»Gewalt bei dem eine Verletzung und gar der Tot von Anderen billigend in Kauf genommen wird ist durch nichts zu rechtfertigen und sollte klar abgelehnt werden. Dennoch sollten wir dabei nie vergessen, dass die Provokateure auch manchmal auf der ganz anderen, vermeintlich guten Seite stehen.«

Diesen Absatz finde ich putzig, denn seine ganze Bedeutung hängt von der jeweiligen Perspektive ab.
G.Westerby schrieb am 17.07.2010 um 19:56
Tod
dbraun schrieb am 17.07.2010 um 20:44
Genau. Das ist das was wir wohl als Spirale der Gewalt bezeichnen könnten.

Das geschriebene spiegelt ja auch in gewisser Weise meine Perspektive wieder. Das Meiste, wenn nicht gar alles worüber wir eine Meinung haben hängt von der jeweiligen Perspektive ab. Man kann auch andere Perspektiven einnehmen. Und letzteres geschieht in öffentlicher Weise zu selten. Es gibt Ausnahmen durchaus differenzierter Inhalte. Z.B. sollte man bestimmte Vorfälle mehr als Symptome einer tiefer liegenden, manchmal fast pathologischen gesellschaftlichen Problematik sehen. Sie sind möglicherweise sogar stellenweise provoziert, zumindest aber werden solche "kumulierten Einzelfälle" für bestimmte Interessen instrumentalisiert.
claudia schrieb am 18.07.2010 um 09:46
Ereignisse, die immer wie gerufen zur Stelle sind, werden instruentalisiert für Pauschalierungen, ja. "Die Demonstranten", "die Linken": Wobei man nicht erklärt, wer das ist, "die Linken".

Die Pauschalierungen haben den Charakter der Polemik, sie sind analyseresistent konstruiert und nur geeignet, um Parolen zum Nachbeten draus zu drechseln.

Deswegen halt ich für sinnvoll, immer wieder mal die Polemik von oben aufzugreifen und in der gleichen Form zurückzugeben.
dbraun schrieb am 18.07.2010 um 13:38
@claudia

Ich habe mir deine ausführliche Kritik zu meinem Artikel sehr genau durchgelesen und werde mich auch noch über die einzelnen Punkte äußern.

"Polemik von oben [ist sinnvollerweise] aufzugreifen und in der gleichen Form zurückzugeben" - Das ist einerseits korrekt, andererseits: Einer Polemik von oben ist eine Polemik von unten entgegenzusetzen? Wenn man sich klar von Pauschalisierungen abheben möchte ist es doch wichtig die andere Perspektive nicht ausser acht zu lassen.
dbraun schrieb am 18.07.2010 um 13:44
Korrektur

in dem letzten Kommentar ist ein Fehler. Die ausführliche Kritik auf die ich mich bezog war von Angelia :-) Warum kann man Kommentare nicht bearbeiten?
claudia schrieb am 18.07.2010 um 15:14
>>...ist es doch wichtig die andere Perspektive nicht ausser acht zu lassen.<<
Das ja, liebe/r dbraun.

Ich hätte es so sagen müssen:
"Deswegen halt ich für sinnvoll, auch immer wieder mal die Polemik von oben aufzugreifen und in der gleichen Form zurückzugeben."

Mit "auch" wird klarer, wie ich es meine.

Mit dem Spott:
"Jaja, ich hab damals das Celler Loch gesprengt"
und
"wie wir alle wissen, werfen verdi, Wagenknecht und Gysi immer Feuerwerkskörper auf Polizisten"
und
"ich hab mir GG Artikel 14 angeschaut: Das GG ist ja linksextrem und verfassungsfeindlich! Sowas müsste verboten werden"
versuche ich die Lächerlichkeit der Propaganda zu herauszustellen.

Das ist nicht Alles, aber mit dem resultierenden Grinsen kann ich schon mal das unkritische Nachbeten unterlaufen.
dbraun schrieb am 20.07.2010 um 23:44
Durchaus, durchaus :-)
dbraun
Information und Meinung.
Ort:
Hannover
Mitglied seit:
2 Jahre 33 Wochen
Zuletzt aktiv:
17.08.2010
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 5
Kommentare: 27
Mein Projekt:
Logbuch
14:00
bunker99 hat gerade einen Kommentar geschrieben.
13:58
goedzak hat gerade einen Kommentar geschrieben.
13:56
Gabriel M hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
13:50
tlacuache hat gerade einen Kommentar geschrieben.
13:50
gerhard monsees hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG