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Blog von Deef

05.02.2009 | 11:31

Operation Walküre und die Scientology-Nebelbombe

Was kann man erwarten, wenn Hollywood eine der beliebtesten Heldengeschichten des deutschen Widerstands verfilmt? Ich rechnete mit einer Überdosis Action und Pathos, unterlegt mit bombastischem Klassikkawumms eines von Hans Zimmer befehligten Orchesters.

Entwarnung - “Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat” (offizielle Seite, Review bei Filmstarts, in der SZWikiHamburger Abendblatt über historische Fehler) ist nicht herausragend, aber ein solider und sehenswerter Film. Wer sich für das Thema interessiert und/oder gerne Tom Cruise sieht, wird nicht enttäuscht. Cruise’ Engagement für Scientology ist sehr fragwürdig. Fragwürdig ist aber auch, dass anlässlich des Films nur darüber debattiert wird, ob ein us-amerikanischer Sektenjünger einen deutschen Helden spielen darf oder nicht. Dabei gibt es viel interessantere Fragen.

Erstens: war und ist Tyrannenmord rechtmäßig, sinnvoll und unausweichlich?

Zweitens: kann das gescheiterte Attentat eines kriegsversehrten Obersten (fünf Dienstgrade unter Generalfeldmarschall) die blutgetränkten Hände des deutschen Soldatentums reinwaschen, wie sich das die Bundeswehr wünscht, die sich in der Tradition der “preußischen Heeresformen” und den “Einstellungen und Taten der Angehörigen des Widerstandes” sieht (siehe Pressemitteilung des Bundesverteidigungsministeriums anlässlich Stauffenbergs 100. Geburstags)?

Bevor man mich falsch versteht, weil ich diese Fragen aufwerfe: Für mich ist Stauffenberg ein Held und die Bundeswehr die Armee eines demokratischen Rechtsstaats. Trotzdem bleibt Mord Mord und trotzdem muss sich die Bundeswehr ihres schweren Erbes bewusst sein.

Aber solche Diskussionen, bei denen die Grenze zwischen gut und böse, richtig und falsch irgendwo im Grau der persönlichen Abwägungen verläuft, sind nicht einfach zu führen. Denn im Gegensatz zum “Scientology ist böse”-Gefloskel wird einem nicht jeder reflexhaft zustimmen, wenn man sich kritisch mit dem deutschen Gewissen namens Claus Schenk Graf von Stauffenberg auseinandersetzt.

Das größte Problem an Tom Cruise als Hauptdarsteller ist deshalb, dass seine Sektenmitgliedschaft wie eine Nebelbombe wirkt. Sie verschleiert den Blick aufs Wesentliche.
 
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Kommentare
friedrich schrieb am 05.02.2009 um 17:53
Wer ist der Adressat des Films? Unter diesem Gesichtspunkt sollte man den Film beurteilen,. Und der Adressat wird aufgrund von US-Produktion und Cruise als Protagonist eben nicht in Deutschland zu finden sein. Unter diesem Aspekt aber ist der Film gut - er ist trotz leichter Unschärfend informativ und gleichzeitig unterhaltend - und wichtig, da er weltweit Gruppen erreicht, die sich noch nie damit auseinandergesetzt haben. Die Scientology-Problematik ist da doch eher nachrangig zu sehen.
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