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Die Thor-Steinar-Klamotten hängen nicht mehr im Wäschekeller. Diese Tatsache beunruhigt mich.
Monatelang haben diese Sachen mich beschäftigt, jeder Gang in den Wäschekeller geriet mir zum inneren Diskurs über Meinungsfreiheit, Demokratie und Feigheit. Jetzt fehlen sie, und ich kann ihr Fehlen nicht deuten.
Herr B., dem die Sachen gehören, ist noch da. Er wohnt unten im Erdgeschoß. Vermutlich ist er Student, doch genau weiß ich das nicht. Hier spricht man nicht miteinander. Wir grüßen uns im Treppenhaus und fertig.
Und wir teilen den Wäschekeller. Ich hänge meine Wäsche nach rechts, er seine nach links. Er wirft seine Shirts und Hosen nachlässig über die Leine, ich verwende Klammern.
Ich kann mich nicht genau erinnern, wann mir dieser Thor-Steinar-Schriftzug das erste Mal ins Auge stach. Vielleicht vor einem Jahr, vielleicht ist es auch noch etwas länger her. Ich war konsterniert und könnte meiner Empörung doch nur in einem Gespräch mit S. Luft machen.
Solche Gespräche führen wir häufiger. Man kommt hier in der Stadt auch nicht wirklich daran vorbei mit den alljährlichen Aufmärschen, Gedenkveranstaltungen, Blockaden und Menschenketten. Nein, ich will diese Nazi-Aufmärsche nicht sehen. Wie wunderbar wäre es, könnte man sie einfach verbieten – so, wie viele es verlangen. Doch genau hierin liegt die Herausforderung: Die Meinungsfreiheit zu ertragen, auch wenn es weh tut. Niemandem seine Rechte abzusprechen – auch dann nicht, wenn er seinerseits wahrscheinlich anders handeln würde.
Thor Steinar verpestete mir die Luft im Wäschekeller. Manchmal stellte ich mir vor, Storch Heinar danebenzuhängen. Im Spätsommer hing plötzlich auch Bundeswehrausrüstung daneben. Tarnkleidung, Funktionskleidung. War nicht die Wehrpflicht soeben abgeschafft worden? Nahm Herr B. vielleicht an irgendwelchen neonazistischen Trainingslagern teil?
Ich war die mißtrauische Nachbarin, die ihre Nase in anderer Leute Wäsche steckt. Heimlich. Ich beäugte und argwöhnte. Doch ich tat nichts, weil ich nicht wußte, was zu tun ist.
Dann kam der November und mit ihm die Berichte über die Zwickauer Zelle. Unauffällige Menschen in einer Durchschnittsbürgersiedlung – was ist das hier anderes? Nichts. Seither bleiben mir alle Scherze über Thor-Steinar-Unterhosen und ähnlichen Unsinn im Halse stecken.
Seither ist Thor Steinar jedoch auch aus dem Wäschekeller verschwunden. Auf der Leine hängt jetzt Amstaff. In erster Linie ein Hiphop-Label.
Google kennt die Suchroutine „Amstaff rechtsradikal“.
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Sorry .... ich hatte eine gute Formatierung, die leider nicht übernommen wurde. Und per Handy kann ich das jetzt nicht korrigieren ...
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Vor einer Woche war ich auf dem Vortrag eines Journalisten, auf der anderen Seite Deutschlands. Der hat Fotos von Demonstationen gezeigt, auf denen zu sehen war, wie gut sich die Damen und Herren von Rechten Rand an das Aussehen in anderen Jungenkulturen angenähert haben: bis zu Ununterscheidbarkeit. Er spielte auch ein Lied, in dem mehr oder weniger offen zur Gewalt und zum einrichten eines "nationalen Sozialismus" aufgerufen wurde. Es war HipHop, wenn das der Führer wüsste.
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Ich mag gar nicht glauben, daß der noch eine große Rolle spielt ... außer vielleicht als historische Staffage. Allerdings weiß ich darüber nun wirklich nicht Bescheid, und die hiesigen NPD-Funktionäre lassen sich da nicht in die Karten schauen.
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Meine Informationen sind auch schon etwas älter. Hier gibt es ein Video, in dem Axel Reitz, ein Neonazi aus dem Westen, Gobbels zitiert und sich in seiner Wohnung vor einem Porträt Hitlers filmen lässt, während er ihn ein Vorbild nennt. Aber die Jungs und Mädels wissen, wie sie besser ankommen und mit Adolf hausieren zu gehen, gehört nicht dazu.
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Ein Kleidungsstück dieser Art muss nicht direkt auf eine rechtsextreme Einstellung weisen. Vielleicht aber latent. Und sollte sich doch mal etwas verfassungsfeindliches oder strafrechtlich relevantes Kleidungsstück auffinden → Bundeswehr und MAD freuen sich über Hinweise.
(Hier jetzt die Diskussion über Denunziation anhängen) |
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Ein Kleidungsstück, viele Kleidungsstücke ... Ich habe lange überlegt, ob man sich sowas quasi versehentlich kaufen kann.
Jemandem, der es bis an die Universität geschafft hat, werden solche Versehen nicht ständig unterlaufen. |
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schrieb am
09.02.2012 um 07:51
Es stimmt schon, dass gerade über Kleidung sich Rechtsradikale mitteilen bzw. die Richtung im denken. Was ich schlimmer finde ist, dass der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, den Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) zum Rücktritt aufgefordert: „Thierse ist eine Schande für das deutsche Parlament. Ich habe großen Respekt vor dem Bundestag, aber ich schäme mich für seinen Vizepräsidenten. Er muss zurücktreten“, sagte Wendt damals der JUNGEN FREIHEIT. Kein Witz!
„Die Polizei ist eben vollauf damit beschäftigt, die Neonazis zu schützen. (…) Das ist sächsische Demokratie.“ So Herr Thierse - und nach dem was mit Pfarrer König in Thüringen veranstaltet wurde, mit Hilfe von Polizisten aus Sachsen kann ich Thierses Erregung nachvollziehen. Das alles wurde geäußert vor den Morden der NSU. Leider werden Menschen die sich gegen Rechtsextremismus einbringen oft belächelt ja sogar kriminalisiert – auch wenn die Politik anderes fordert. Wichtiges Thema, da "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch." B. Brecht und gerade die Deutschen sollten sehr Wachsam sein. |
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Vermutlich ist jeder andere Staat auf dieser Erde weitaus mehr gefährdet als Deutschland. Ganz ehrlich: Hier gibt es diesen (bitter erstandenen) Schutzmechanismus der Gesellschaft.
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"Nein, ich will diese Nazi-Aufmärsche nicht sehen. Wie wunderbar wäre es, könnte man sie einfach verbieten – so, wie viele es verlangen. Doch genau hierin liegt die Herausforderung: Die Meinungsfreiheit zu ertragen, auch wenn es weh tut. Niemandem seine Rechte abzusprechen – auch dann nicht, wenn er seinerseits wahrscheinlich anders handeln würde."
Liebe dekabrista, wegsehen ist nicht die Lösung - das müsste nach Zwickau auch der Letzte einsehen. Und verbieten, naja, ein Verbot der Kundgebungen halte ich nicht für richtig. Ich glaube nicht, dass es Aufgabe des Staates ist diese Kundgebungen zu verbieten. Ich halte es aber auch für die Aufgabe von Zivilgesellschaft hinzusehen und dagegen auf die Straße zu gehen. Auch diese Aufmärsche zu blockieren und zu verhindern (wofür ich schon oft kritisiert wurde). Es muss deutlich sein, dass für Menschenfeindlichkeit, Hass und Rechtsradikalismus in dieser Gesellschaft keine Platz ist und deshalb dürfen wir nicht einfach wegsehen. Auch wenn ich die Neonazis nicht sehen möchte, ihre Slogans und Artikel nicht lesen möchte und ihre Gewalt mich anwidert. Deshalb geht es am 18.2. für mich wieder nach Dresden....und das nächste Remagen, Stolberg, Köln, Dortmund und und und kommt bestimmt! |
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Die Blockaden. Großes Reizthema. Die Argumente für und wider kennst Du vermutlich besser als ich.
Die Naziaufmärsche sind sichtbar und man kann sich dazu verhalten. Doch was mache ich mit meinem Nachbarn? |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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