Red Bavarian

Blog von Red Bavarian

18.02.2011 | 16:33

BRD und Weimarer Republik: Einig Vaterland

Ich habe in letzter Zeit viel über Philosophie und Religion, über die spirituelle Welt, geschrieben. Ich schreibe jedoch auch über die real existierende Welt.

Anschließend und weiterführend zu meinem Blog-Artikel 'Linke Märtyrerinnen und Märtyrer' spanne ich den Bogen weiter.

Sind die BRD und die Weimarer Republik zwei verschiedene Welten? Übertreibe ich, wenn ich Parallelen sehe und ziehe?

Aus dem Artikel der Bayerischen Linken 'Als Kurt Eisner den "Freistaat Bayern" ausrief' zitiert: »Nach dem Ende dieser relativ kurzen sozialistischen Periode in der bayerischen Geschichte, die mit Eisners Ministerpräsidentschaft begonnen hatte, entwickelte sich Bayern zu einer konservativ-reaktionären „Ordnungszelle“ innerhalb des deutschen Reichs während der Weimarer Republik.«

Als lebenslanger bayerischer Bürger, als linksalternativer Bürger und als Parteimitglied Der Linken weiß ich, dass dieses Attribut auch heutzutage noch zum "Freistaat Bayern" passt.

Ein ganz konkretes Beispiel: Am 28.04.2010 hätte die Gewalttat eines Neonazis fast das 150. Todesopfer - die Zahl steigt - rechtsextremistischer Gewalt in Deutschland seit 1989 gefordert. Dort und dort sind Berichte samt etlicher weiterer Links über die Folge-Ereignisse seit diesem Tag zu lesen. Die Gewalttat ist nur die Spitze des Eisbergs.

Ein Menetekel dazu ist immer noch an einer Häuserwand in der Nähe des Tatorts in großer roter Schrift zu lesen: »Nazis morden, Bullen schweigen«

Wenn es so weitergeht, wird der Spielfilm 'Die Grenze' noch wahr, siehe den Freitags-Artikel 'Was tun, wenn's brennt?'. Daraus zitiert: »Der Vorsitzende der Neuen Linken ruft dann die "demokratische sozialistische Republik Mecklenburg-Vorpommern" aus und spaltet damit Deutschland. So weit, so weimaresk.«

Es brennt schon weimaresk. Allmählich kann man speziell schraffierte Stadtpläne zeichnen: rot für linke Stadtteile, braun für rechte, und weiß für neutrale. Eine Szene aus dem Spielfilm kommt mir in Erinnerung: Auf der einen Seite Linke, auf der anderen Seite Rechte, die sich verbarrikadiert gegenüberstehen. Dann fährt ein Polizeiwagen zwischen die Linien, und zieht machtlos wieder ab, nachdem er von beiden Seiten mit Steinen beworfen worden ist. Danach ertönt Jubel von beiden Seiten.

In Bayern ist das Fiktion. Nicht wegen der sich gegenüberstehenden Linken und Rechten, sondern wegen der Staatsmacht in der Mitte, die berühmt-berüchtigt repräsentiert wird vor allem vom schwarzblau gekleideten USK.

Das Hauptproblem ist der real existierende Staat mit seinen Organen und seinem Anhang. Der repressive und sozialdarwinistische Wettbewerbsstaat der Neoliberalen und Neokonservativen verschiedener Couleur. In diesem brachialkapitalistischen und sozialkahlschlagenden Irrsinn können immer weniger Menschen mithalten. Diese fallen aus der Gesellschaft heraus, und dann wird auch noch auf ihnen herumgetrampelt. Negatives Humankapital.

Wenn den Menschen alles genommen wird, kann das letztendlich nur in Faschismus, Bürgerkrieg oder Revolution enden. In Deutschland wahrscheinlich wieder Ersteres, wo so viele "„Ordnungszelle“ und USK" angesichts der zornigen jungen Leute rufen. Wie viele junge Leute leben mental schon in Faschismus, Bürgerkrieg oder Revolution?

Dabei wäre die Abhilfe so leicht: den demokratischen und sozialen Rechtsstaat herstellen, den die BRD laut deutschem Grundgesetz ist.

 
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Kommentare
Joachim Petrick schrieb am 18.02.2011 um 19:07
@Red Bavarian

"Wenn den Menschen alles genommen wird, kann das letztendlich nur in Faschismus, Bürgerkrieg oder Revolution enden. In Deutschland wahrscheinlich wieder Ersteres, wo so viele "„Ordnungszelle“ und USK" angesichts der zornigen jungen Leute rufen. Wie viele junge Leute leben mental schon in Faschismus, Bürgerkrieg oder Revolution?"

Ist denn die viel größere Gefahr, die Gefahr der
"Failed States"
wie in Somalia, Sudan, Kongo, Afghanistan, Kosovo demnächst wieder?, Irak, Darfur, Elfenbeinküste als Kampfzonen zu Gunsten naher und ferner Dritter?
Red Bavarian schrieb am 19.02.2011 um 11:45
Wer die konkreten Berichte liest, kann sich denken, wo der "Failed State" und die Kampfzone ist, die für die Menschen vor Ort - insbesondere Migranten, Muslime, Linke, Hartz4-Bezieher - die viel größere Gefahr darstellt.

Überhaupt: Wir schauen nicht weg. Wir schweigen nicht. Wir handeln demokratisch und sozial. Darum habe ich mich für Die Linke entschieden.
Red Bavarian schrieb am 19.02.2011 um 12:37
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goedzak hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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