Red Bavarian

Blog von Red Bavarian

23.12.2011 | 10:42

Christ = Sozialist = Muslim

In meinem Blog-Artikel 'Christ sein und links sein' habe ich kurz die Landesarbeitsgemeinschaft Christ_innen Die Linke Bayern vorgestellt. Unser kommender Flyer fängt mit dem bekannten Ausspruch von Adolf Grimme an: „Ein Sozialist kann Christ sein, ein Christ muss Sozialist sein“.

Ich stelle mir die Frage, ob dieser Ausspruch auch für Muslime gelten kann. Also: „Ein Sozialist kann Muslim sein, ein Muslim muss Sozialist sein“.

 
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Kommentare
Muhabbetci schrieb am 23.12.2011 um 11:08
Der Koran ist sozialistisch durch und durch, daher kann ein Moslem nur Sozialist sein. Ohne die atheistische Seite natürlich.

Einige Beispiel aus dem Koran:
- Verbot von Zinsen
- Verbot von anhäufung des Reichtums
- Verbot von Ungleichheit
- Wer viel hat muss dem geben der wenig hat...
u.s.w.

Für mich klingt es ziemlich sozialistisch, meinst du nicht auch :)
Kunibert Hurtig schrieb am 23.12.2011 um 11:23
Muhabbetci schrieb am 23.12.2011 um 11:08

Der Koran ist sozialistisch durch und durch, daher kann ein Moslem nur Sozialist sein. Ohne die atheistische Seite natürlich.

Lieber Mustafa,
aber die Scheichs nehmen doch Zinsen
Die Scheichs haben viel und geben wenig
warum sind Schiiten und Suniten nicht gleich
.
.
.
und warum natürlich ohne die atheistische Seite?
Muhabbetci schrieb am 23.12.2011 um 11:33
Lieber Kunibert,

das was im Koran steht und das was die Menschen meinen im namen Gottes zu tun sind zwei verschiedene Sachen.
Es gibt sogar muslimische Banken und sie nehmen auch Zinsen aber der Koran erlaubt es trotzdem nicht.

Atheistischer Sozialismus kann es ja wohl schlecht im Islam geben. Entweder ist man dann Atheist oder Moslem, beides dürfte etwas schwer sein...
miauxx schrieb am 23.12.2011 um 12:07
Ein Christ kann Sozialist sein. Glaubt man den Andeutungen Muhabbetcis, ist das i.F. des Moslems sicher ebenso nicht auszuschließen. Aber ich habe kaum nähere Kenntnis vom Koran.

Das Problem, warum das nicht so ist, wie Kunibert andeutet, liegt im Herrschaftsanspruch, den sich die jeweiligen Kirchen und selbsternannten Glaubenswächter mittels passend gemachter Auslegung der Schriften, sei es nun Bibel oder Koran, sicherten und sichern.
Es gibt sicher genug praktizierte Beispiele, die "Christ = Sozialist" nahelegen. Die Kirchen haben es freilich stets ausgeschlossen. Glaube und Religiösität sind aber nicht zwingend an verwaltende Institutionen gebunden.
Dass ein Gottgläubiger ein Sozialist sein kann, wurde wiederum auch überwiegend von der sozialistischen Lehre abgelehnt. Aber auch hier, ironischerweise, neigte man zu Dogmen und gewissermaßen Schriftheiligen.

"Christ = Sozialist" (oder auch "Moslem = Sozialist") ist grundsätzlich möglich. Da aber allein schon die Feststellung, was ist ein rechter Christ und was ein rechter Moslem, schwierig ist, kann man eine solche Gleichung eben nur bedingt aufstellen. Wenigstens haben wir es hier aber mit Kontingenz zu tun. Zu klären wären nur die Voraussetzungen für die beiden Seiten der Gleichung. Mit etwa Scheich = Moslem kommt da freilich nicht weiter.
Alien59 schrieb am 23.12.2011 um 11:49
Schließe mich Muhabbetci an.
Was die Scheichs angeht: Menschen sind nie perfekt. Aber bei allen Fehlern verdienen viele von ihnen das Bashing nicht in dem Ausmaß, in dem sie es erhalten - ich denke, sie tun mehr für Arme, als die meisten reichen Nichtmuslime. Nur: vieles wird nicht so rumgeschrieen.
rioges schrieb am 23.12.2011 um 13:04
Leute seid mir nicht böse: Bücher wie Koran und Bibel, in die man alles hinein interpretieren kann - sogar das Gegenteil - welchen Nutzen haben die heute noch?

Warum benötigen gebildete Menschen im 21. Jahrhundert heute noch solche märchenhafte Erzählungen zur Orientierung?
chrislow schrieb am 23.12.2011 um 23:05
Nur weil es in der Folge von Ungläubigkeit den Atheismus gibt, bedarf es eben auch die aufwändigen Gesetze.... oder nicht?

Reichten nicht tatsächlich die 10 Gebote aus?

Mir kommt es manchmal so vor, als ob der Ungläugige aufgrund seiner unmöglichkeit zu glauben eine Fehllfunktion aufweisst.
rioges schrieb am 24.12.2011 um 14:26
Uff, das ist harter Tobak.
Zunächst ist es so, dass die 10 Gebote innerreligiöse Regeln beschreiben. Mit Ungläubigen geht man da ganz anders um, ebenso mit Homosexuellen oder Frauen etc. Nur eine Belegstelle: "Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; ..." (3.Mose 20,13).

Relevant für heute wäre, strafrechtlich gesehen, höchstens das Gebot nicht zu töten. Welches aber in der Bibel selbst wieder oftmals durchbrochen wird.

Das mit der "Fehlfunktion geht dann doch ein Schritt zu weit. Da scheint es mit der christlichen Toleranz nicht weit her zu sein. Aber vielleicht gefällt dir ja der Psalm 139.19 besser: "Ach Gott, wolltest du doch die Gottlosen töten! ..." . Scheinbar ist doch etwas mehr nötig als die zehn Gebote.
rioges schrieb am 24.12.2011 um 14:30
Uff, das ist harter Tobak.
Zunächst ist es so, dass die 10 Gebote innerreligiöse Regeln beschreiben. Mit Ungläubigen geht man da ganz anders um, ebenso mit Homosexuellen oder Frauen etc. Nur eine Belegstelle: "Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; ..." (3.Mose 20,13).

Relevant für heute wäre, strafrechtlich gesehen, höchstens das Gebot nicht zu töten. Welches aber in der Bibel selbst wieder oftmals durchbrochen wird.

Zur"Fehlfunktion": Da scheint es mit der christlichen Toleranz nicht weit her zu sein. Aber vielleicht gefällt dir ja der Psalm 139.19 besser: "Ach Gott, wolltest du doch die Gottlosen töten! ..." .

Scheinbar ist doch etwas mehr nötig als die zehn Gebote - zumindest zu meinem Schutz.
Red Bavarian schrieb am 24.12.2011 um 16:34
@Muhabbetci (@alle): "Für mich klingt es ziemlich sozialistisch, meinst du nicht auch :)"

Da stimme ich zu.

Im Neuen Testament der Bibel wird auch zugunsten der Armen und zuungunsten der Reichen gesprochen. Prägnante Sätze sind a) aus Markus 10, 25 - Übersetzung nach der Guten Nachricht Bibel (siehe im Ganzen Markus 10, 17-27: "Die Gefahren des Reichtums"): "Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher in Gottes neue Welt.", b) aus Lukas 16,13: "Kein Diener kann zwei Herren zugleich dienen. Er wird den einen vernachlässigen und den anderen bevorzugen. Er wird dem einen treu sein und den anderen hintergehen. Ihr könnt nicht beiden zugleich dienen: Gott und dem Geld (= dem Mamon)."

Siehe weiters die Bergpredigt, Matthäus 4,23 - 7,29 und die Predigt am Berg, Lukas 6,17 49. Daraus - Lukas 6, 20: "... Freut euch, ihr Armen! Ihr werdet mit Gott leben in seiner neuen Welt (wörtlich: euch gehört die Königsherrschaft Gottes) ..." und Lukas 6,24: "Aber weh euch, ihr Reichen! Ihr habt Euren Lohn schon kassiert ..."

@Muhabbetci (@alle): "Atheistischer Sozialismus kann es ja wohl schlecht im Islam geben. Entweder ist man dann Atheist oder Moslem, beides dürfte etwas schwer sein..."

Man kann die Unterschiede zwischen Atheisten und Theisten in den Mittelpunkt stellen, oder die Gemeinsamkeiten. Letzteres tue ich auch aus eigener Lebenserfahrung. Gerade auch Atheisten beschäftigen sich oft mit Gott, nur halt aus einer im Vergleich mit Theisten entgegengesetzten Richtung. Beide sind somit auf der Such nach Gott, wobei die einen Gott schon gefunden haben, die anderen jedoch noch auf der Suche sind. Wichtig ist die Suche.

@rioges (@alle): "Warum benötigen gebildete Menschen im 21. Jahrhundert heute noch solche märchenhafte Erzählungen zur Orientierung?"

Die Menschen erzählen sich Dinge in Form von Geschichten bestimmt schon so lange, wie sie sich Geschichten erzählen können. So werden die Dinge lebendig weitergegeben.

@rioges (@alle): "Leute seid mir nicht böse: Bücher wie Koran und Bibel, in die man alles hinein interpretieren kann - sogar das Gegenteil - welchen Nutzen haben die heute noch?"

Unter anderem, damit man daraus zitieren kann, wie ich es tue, und jeder nachschauen kann, ob es so ist. Jeder kann die Bibel lesen und sie selber interpretieren.

Bei uns jedenfalls geht es nicht um Märchen, sondern um die praktische Umsetzung der sozialistisch-christlichen Sozialethik. Siehe auch ähnlich die Befreiungstheologie und die religiösen Sozialisten.

@chrislow (@alle): "Reichten nicht tatsächlich die 10 Gebote aus?"

Es geht noch prägnanter, siehe Matthäus 22, 37-40 und Markus 12, 28-31 und Lukas 10, 25-28, wo das Gesetz zusammengefasst wird: Liebe Gott von ganzem Herzen; und liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.

Wer 'Gott' zu spirituell findet, kann auch weltlicher 'Licht, Leben, Wahrheit' einsetzen.
chrislow schrieb am 24.12.2011 um 23:38
...wie dich selbst.

-> ja wie denn? Steht das immer schon fest, oder gibt es da Unterschiede?
Red Bavarian schrieb am 25.12.2011 um 12:46
Die Goldene Regel lautet: "Behandle andere so, wie du selber behandelt werden willst." - und: "Tue anderen nicht das an, was du dir selber nicht angetan haben willst."
Red Bavarian schrieb am 25.12.2011 um 12:42
@rioges (@alle): "Uff, das ist harter Tobak. ..."

Ich verweise thematisch auf meinen Blog-Artikel 'Der Mut zur Philosophie - Kapitel III', in dem ich meine Ansichten zur Bibel dargelegt habe, nachdem (!) ich sie vollständig gelesen hatte. Zudem verweise ich auf meine Blog-Artikel 'Der Mut zur Philosophie - Kapitel VI' und 'Das Opium des Volkes?' , mit dem speziellen Hinweis auf das Wechselverhältnis zwischen Religion und real existierenden Missständen in der Gesellschaft.
rioges schrieb am 26.12.2011 um 14:57
@ red bavarian:
"Unter anderem, damit man daraus zitieren kann, wie ich es tue, und jeder nachschauen kann, ob es so ist. Jeder kann die Bibel lesen und sie selber interpretieren."

Lieber red bavarian, das wäre mir denn doch etwas zu wenig, nur zu lesen, um daraus zu zitieren?
Ich weiß, die hast dir die beachtliche Mühe gemacht und die Bibel gelesen. Ich sage dir ehrlich: Da schüttele ich mit dem Kopf.

Ich bleibe dabei: Das Werk ist mir zu beliebig. Auch du bist ja über viele merkwürdige Stellen gestolpert.

Damit wir uns recht verstehen: die Bedeutung der Bibel für die Entwicklung der Menschen stelle ich keinster Weise in Abrede. In Abrede stelle ich aber ihre Nutzen zur Herausbildung einer humanistischen und emanzipierten Weltsicht. Dafür konnte in igrem Namen zweitausend Jahre lang zu viel Unfug und Verbrechen angestellt werden.

Für heute bleibt nur eine schwer lesbare, oftmals unverständlich geschriebene krude Märchenwelt. Mehr bietet sie als Gesamtwerk nun wirklich nicht (mehr).
Red Bavarian schrieb am 27.12.2011 um 16:01
@rioges: Man sollte das Kind nicht mit dem Bad ausschütten. Es gibt viele Menschen, die im Spirituellen Halt finden, angesichts der Widrigkeiten unserer real existierenden Welt. Glaube und Religion haben auch mit Psychologie und Soziologie zu tun. Meine Erkenntnis ist, dass Menschen spirituelle Bedürfnisse haben, und die werden in unserer sozialdarwinistisch, kapitalistisch und materialistisch dominierten Welt kaum gestillt. Was man da typischerweise bekommen kann, sind Geld, Unterhaltung und Sex. Wer damit zufrieden ist, okay für diejenigen. Ich bin es nicht. Ich ziehe eine humanistisch, sozialistisch und universalistisch ausgerichtete Welt vor.
rheinhold2000 schrieb am 28.12.2011 um 07:25
Da wäre ich aber etwas vorsichtig ausgerechnet die Bibel als Grundlage für Spiritualität zu nehmen. ich empfehle dringend Karl Heinz deschners Kriminalhgeschichte des Christentums, vor allem die ersten Bände.in der bibel wirst du nicht mehr wahrheit finden als in jedem x beliebigen märchenbuch
ich persönlich habe nur zwei Dinge aus dem Christentum "übernommen" die mir für meine spiritualität sehr wichtig sind:
"Gott ist wie der mensch"
"Gott ist ganz Mensch geworden aus liebe zu den Menschen"
mein gottesbild ist vermutlich eher christlich
Der rest interessiert nicht.
ansonsten gehe ich auch heiligabend einmal im jahr in den gottesdienst wegen grund 2
Red Bavarian schrieb am 28.12.2011 um 10:50
@rioges, rheinhold2000 und alle kritischen Leser und Kommentatoren: Ich bitte darum, alle meine Beiträge zum Thema zu lesen, um zu erkennen, worauf ich hinauswill. Ich habe den Eindruck, dass wir irgendwie aneinander vorbeischreiben. Ich denke doch, dass meine Kritik am real existierenden Christentum ausgedrückt ist. Kritik heißt für mich aber nicht, den Menschen ihre weltanschaulichen Grundlagen zu nehmen, sondern die Menschen aufzuklären, dass heißt, ihnen etwas Neues zu geben.
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