Empfehlung der Woche

Frieden – Wie geht das?

Frieden – Wie geht das?

Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

Zur Empfehlung
Meine Frau weint

Meine Frau weint

Angela Schanelec

Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
ab dem 11. Juni im Kino!

Zur Empfehlung

Kultur : Christ sein und links sein

Zum Kommentar-Bereich

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community.
Ihre Freitag-Redaktion

Gestern ist die LAG ChristInnen Die Linke Bayern offiziell gegründet worden. In dieser Landesarbeitsgemeinschaft können - wie in anderen LAGs auch - Parteimitglieder Der Linken und Nicht-Parteimitgliedern eintreten. Es ist ein bunter Zusammenschluss von christlich und links interessierten und ausgerichteten Menschen.

Gerade auf der linken Seite gibt es ein historisches Spannungsfeld, wobei die Slogans von Karl Marx von Religion als "Opium des Volkes" und von Lenin von Religion als "Opium fürs Volk" geflügelte Worte sind. Es ist da jedoch tiefer ins Gesellschaftliche zu gehen, wie ich es in meinem Blog-Artikel 'Opium des Volkes?' dargelegt habe.

Die realkommunistische und realsozialistische Welt des Ostblocks im 20. Jahrhundert mit ihrem offensiven Atheismus bis Antitheismus hatte das Spannungsverhältnis zwischen Religion und Sozialismus massiv verschärft. Dabei gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert religiöse Sozialisten, denn das Christentum und der Sozialismus haben ein gemeinsames Anliegen: das Sozialethische. Der Sozialismus hat explizit nicht nur den politökonomischen Aspekt zum Thema, sondern auch den sozialethischen, sowie in den vergangenen Jahrzehnten auch den ökologischen.

Glasnost, Perestroika und Wende haben jedoch ein neues Verhältnis ermöglicht. Michail Gorbatschow hat 2000 unter anderem gesagt, dass wir mehr Jesus und mehr wirklichen Karl Marx brauchen. Beider Ideen sind über die leidvolle Geschichte missbraucht worden.

Zurück zur LAG ChristInnen Die Linke Bayern: In unserem Flyer, der sich noch im Entwurfsstadium befindet, werden folgende Abschnitte aufgeführt: Friede, Freiheit, FremdenFREUNDlichkeit, Gleichheit aller Menschen, Solidarität, Lob der Armut und Bewahrung der Schöpfung. Alles Grundsätze, die das Christentum und der Sozialismus in ihrer konzipierten Form gemeinsam haben. Es werden auch die Worte 1946 von Adolf Grimme genannt, dass ein Sozialist Christ sein kann, ein Christ Sozialist sein muss.

Friede ist dabei der echter Friede, nach dem Motto der Friedensbewegung: "Frieden schaffen ohne Waffen" und "Schwerter zu Pflugscharen", oder wie es gestern eine Teilnehmerin modernisiert formuliert hat: "Panzer zu Windrädern". Freiheit ist eine humanistische Freiheit, also Freiheit plus Verantwortung, nicht die sozialdarwinistische Freiheit des Kapitalismus und des Militarismus, also dass nur die Mächtigen und Reichen auf Kosten der Schwachen und Armen frei sind. Dahingehend ist auch das Lob der Armut zu verstehen, das eigentlich ein Lob des Wohlstands für alle ist, indem das Gesamteinkommen aller Menschen sozial gerecht verteilt wird. In der Bibel - Matthäus 6, 24 - steht schon: Man kann nicht zwei Herren zugleich dienen, Gott und dem Mamon.

Wer mit dem Begriff Gott Schwierigkeiten hat, kann es beispielsweise so sehen wie ich es in meinem Blog-Artikel 'Gott ist tot? Nein danke' dargelegt habe: Gott als das transzendente und universale Lebensprinzip. Das bedeutet, die Lebensgrundlagen und die Leben alles Lebendigen zu achten.

Die Symbiose zwischen Christ sein und links sein mag neu erscheinen, dabei kann das Urchristentum schon als eine urlinke Bewegung gesehen werden.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.