Red Bavarian

Blog von Red Bavarian

24.01.2011 | 09:02

Der Mut zur Philosophie - Kapitel VI

Meine schriftlichen und mentalen Reisenotizen arbeite ich weiter ab, resultierend nun im 6. Kapitel.

1. Ratio

Im Kapitel V bin ich im 6. Punkt auf die Emotio eingegangen. Hier nun geht es ergänzend um die Ratio.

Gefühl und Verstand gehören ausgleichend zusammen. Wenn man sich emotional erhitzt, wenn also die Emotio brennt, dann ist kühle Ratio angesagt. Anders herum ist bei eiskalter Ratio warme Emotio angesagt.

2. Spinner und Chaoten

Das sind beliebte Muster, um Linksalternative zu diffamieren. Anders gesagt: psychiatrisieren und kriminalisieren. Je nachdem, wie die »die Delinquenten« drauf sind. Wer vehementer ist, den kann man als kriminell hinhängen, als Chaoten. Wer ruhiger ist und deshalb schlechter kriminalisiert werden kann, der wird halt als Spinner abgetan. In die zweite Kategorie werde ich traditionell eingeordnet.

Weiters gibt es folgende linksalternative (Unter-)Typen: den Weltverbesserer, den Meinungsdiktator, den Denkverbieter, den Gesundheitsfaschisten, den Querulanten, den Hartzer. Und einige mehr. Tischunfeine und maskulistische Fremdbezeichnung erspare ich mir.

Zu Thema gesamthafte Diffamierung verweise auch auf den interessanten Blog-Artikel 'Antikommunismus 2.0 -Vom Versuch, eine Idee zu delegitimieren'.

3. Gesellschaft und Religion

Karl Marx hat dazu schon vor 167 Jahren geschrieben, was Sache ist. Siehe meinen Blog-Artikel 'Das Opium des Volkes?'. Die primäre Herausforderung besteht immer noch aus der Gesellschaftskritik, gerade heutzutage wieder. Die Religionskritik ist sekundär, da die Religion nach Karl Marx gerade auch der Ausdruck des wirklichen Elends und die Protestation gegen dieses ist, also das Symptom und die Folge des gesellschaftlichen Elends. Dieses zu bekämpfen ist die eigentliche Aufgabe.

Ich stimme Karl Marx im weiten Kern zu, allerdings denke ich nicht, das die Religion sich auflösen lassen wird. Ich bin durch meine Beschäftigung mit dem Themenkreis zur Erkenntnis gekommen, dass die von jeher wirkenden psychologischen, soziologischen und politischen Aspekte (neben den stärker beachteten philosophischen, spirituellen und kulturellen) des Phänomens Religion heutzutage unterschätzt werden. Mehr noch tragen mir die großen Ismen - seit dem 18. Jahrhundert: der Demokratismus, - seit dem 19. Jahrhundert: der Konservatismus, der Liberalismus (Kapitalismus) und der Sozialismus (Kommunismus), und - seit dem 20. Jahrhundert: der Faschismus - in ihren Hochformen quasi-religiöse Züge. Somit enthalten Erkenntnisse über diese Ismen auch Erkenntnisse über die Religionen und umgekehrt.

Der Weg zum primären Anliegen - der Gesellschaftskritik - ist offensichtlich zu weit, denn das hieße, die jeweilige Gesellschaft von Grund auf neu zu gestalten.

4. Demokratismus und Kommunismus

Ich komme auf den 5. Punkt im Kapitel V zurück, um ihn näher auszuarbeiten. Ich halte Demokratie - wie anderweitig Kommunismus - zwar an sich für gute Ideen, tiefer betrachtet aber für nicht wirklich machbar. Deswegen verwende ich den Ausdruck Demokratismus.

Den Hintergrund habe ich in meinem Blog-Artikel 'Linksbewegt' am Beispiel der USA seit dem 18. Jahrhundert schon erläutert. Die heutige Tea-Party-Bewegung greift wieder explizit auf diese Zeit zurück. Auch die Französische Revolution, die als zweiter demokratischer Meilenstein dieser Zeit angesehen wird, betrachte ich mit Skepsis. Ebenso wie die Russische Revolution Anfang des 20. Jahrhunderts in Bezug auf den Kommunismus.

Zwar gönne ich es den Menschen, die damals für ihre Freiheit von Herrschaft gekämpft haben: gegen Herrschaft des Britischen Empires in Nordamerika, gegen die feudale Königsherrschaft in Frankreich, gegen die spätfeudale Zarenherrschaft in Russland. Aber dann selber Herrschaftssysteme aufrichten, Schwächere unterdrücken, ausbeuten und unterjochen, sowie imperialistisch expandieren, das geht nicht.

5. Sozialdarwinismus

Wenn ich meine linksalternative Einstellung - anti-kapitalistisch, anti-militaristisch, anti-faschistisch, anti-TINAistisch, anti-autoritär - subsumiere, dann komme ich auf anti-sozialdarwinistisch.

Die Menschheit besteht nicht mehr wie vor Jahrmillionen aus kleinen Häuflein aufgrund der schier übermächtigen Natur ums Überleben zitternder Urmenschen. Der Urmensch wäre ohne Hilfsmittel untergegangen, ohne Speere, Feuer und Fallen als Waffen, die das Überleben der Menschheit damals garantiert haben. Heute sind genau diese Errungenschaften der Ratio multipel tödlich für die Menschheit. Die heutigen Feuerspeere sind die Atomraketen, die Fallen sind die ABC-Waffen überhaupt - Meilensteine der Ratio -, mit denen sich die Menschheit samt der ganzen Biosphäre gleich mehrmals vernichten kann.

6. Angst

Der Mensch hat seine Angst vor der Natur besiegt, indem er selber zur Natur geworden ist. Somit selber zur Angst seiner selber geworden ist. Je weniger die Menschen vor der Natur zittern müssen, umso mehr müssen sie vor sich selber zittern. Der Mensch ist sich selber zur Falle geworden.

Angst - diesen Begriff habe ich mir in unserer Zusammenkunft vergangenen Freitag zum ethisch miserablen Zustand der EU notiert. Begründete und unbegründete, reelle und ideologisch geschürte Angst. Die Menschen machen sich vor lauter Angst vor sich selber noch gegenseitig den Garaus.

Im Dezember voriges Jahr war ich in einer anderweitigen Zusammenkunft, wo ich konstatiert habe, dass die Angst einen kaputtmacht. Dass sie deshalb überwunden werden muss.

7. Fazit hier

Es gibt im Fortlauf noch viel mehr zu schreiben, aber ich beende diesen Blog-Artikel portionierend einmal.

 
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