Red Bavarian

Blog von Red Bavarian

24.01.2011 | 19:26

Der Mut zur Philosophie - Kapitel VII

Im 6. Kapitel habe ich mit dem Stichwort Angst aufgehört. Ich denke, das ist ein grundlegender Begriff.

1. Leben und Tod

Der biologische Tod ist das einzige Ereignis, das jeden Menschen hundertprozentig sicher irgendwann ereilt. Die Angst vor dem Tod ist somit eine hundertprozentig sicher begründete Sache.

Dennoch haben es Menschen fertiggebracht, den Tod mental nicht nur zu überwinden, sondern sogar auf ein ewiges Leben zu hoffen, in der Religion. Ich habe es in einem Kommentar zum Kapitel III schon geschrieben. Der hier thematisch entscheidende Auszug zitiert:

»Interessant ist der in der Bibel entwicklungsmäßig zu erkennende Paradgmen- und Glaubenswechsel zwischen einerseits der altjüdischen Zeit mit der Belohnung durch ein langes und erfülltes irdisches Leben, materiellen Reichtum und Kinder-Reichtum (man lebt quasi in seinen Nachkommen weiter) im irdischen Leben versus der endgültigen Totenwelt, und andererseits der frühjüdischen und urchristlichen Zeit mit der Belohnung in Gottes neuer Welt nach der Auferstehung bzw. dem Leben nach dem irdischen Tod, die eine entsprechende Neubewertung bringt.«

Der Garant für das Ewige Leben ist in den monotheistischen Religionen Gott. Da kann keine Wissenschaft und kein Wissenschafter mithalten.

2. Glauben

Der Glaube an Gott und das Ewige Leben entzieht sich der Wissenschaft. Es ist eine andere Ebene, die spirituelle Ebene. Das Spirituelle ist vielen von uns heute fremd geworden. Die jüdisch und christlich religiösen Texte der Antike können sich zwar wissenschaftlich nicht mit unserer heutigen Zeit messen. Aber spirituell allemal. Ich habe nach dem Lesen der Bibel und weiterer außerbiblischer Texte sogar den starken Eindruck, dass die Menschen damals auch in psychologischer und soziologischer Hinsicht irgendwie weiter waren als wir heute in der Allgemeinheit es sind.

3. Religion und Ideologie

Der Glaube ist jedoch kein Alleinstellungsmerkmal von Religionen, sondern er gehört auch zu Ideologien. Die Ideologen sind sich dessen bewusst und sie arbeiten damit. Die Allgemeinheit ist sich des in den Ideologien versteckten Glaubens jedoch nicht mehr bewusst. Wir leben in einem aufgeklärten Zeitalter - oder besser: wir meinen, in einem aufgeklärten Zeitalter zu leben.

4. Aufklärung

Wenn wir zurückblicken, dann können wir die Epoche des Humanismus vom 14. bis zum 16. Jahrhundert, und die Epoche der Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert feststellen. Die Frage, die sich stellt: Wo ist die Aufklärung seit dem 19. Jahrhundert geblieben?

Ich meine: Die Aufklärung im 19. Jahrhunderts heißt speziell Sozialismus / Kommunismus, die im 20. Jahrhundert speziell Neue soziale / alternative Bewegungen, die im 21. Jahrhundert speziell Internet.

Die Gegenaufklärung seit dieser Zeit heißt mir Kapitalismus, Liberalismus, Konservatismus und Faschismus. Diese vier Ideologien sind restaurativ: Der Kapitalismus ist eine Fortsetzung des schon biblischen Mamonismus mit den Mitteln der industriellen und später der informationstechnologischen Revolution. Der Liberalismus bildet die feudalen Freiheitsrechte des Adels und der Kirchenleute auf die neue Klasse der Bourgeoisie ab, durch die Zeiten vermittelt durch reiche Kaufleute wie die Fugger. Der Konservatismus ist eine Fortsetzung des Feudalismus. Der Faschismus ist eine intensivierte Fortsetzung des Absolutismus.

5. Wissen

Wer beispielsweise regelmäßig auf den hochinteressanten Nachdenkseiten liest, deren Autoren sich der hemmungslosen Aufklärung verschrieben haben, der wird erkennen, soviel den Menschen glauben gemacht wird, was nicht so ist. Ich habe mir auch vorgenommen, das Buch 'Meinungsmache' der Autoren zu lesen.

Die gewaltige Flut von Indoktrination, Desinformation, Propaganda und Diffamierung dagegen, die heutzutage von den neoliberal-neokonservativen Medien-Maschinerien ausgestoßen wird, ist schier unglaublich.

6. Demokratie

Wenn ich mir solch aufschlussreiche Studien wie 'Die Mitte in der Krise' oder 'Deutsche Zustände' (beides PDF-Dokumente) anschaue, dann frage ich mich, in welchem Maße die Medien-Maschinerien indoktrinierend, und in welchem Maße sie affirmativ sind.

Ich frage mich inzwischen überhaupt angesichts der real existierenden BRD: Ist es wirklich nur eine Elite, die gegen das Volk regiert? Oder ist es doch das Volk, das regiert?

7. Fazit hier

Es wird immer mehr, was ich zu schreiben habe. Die Suche nach Wahrheit und Sinn schlägt sich schriftlich nieder. Wie heißt es so schön: 'Scribo ergo sum' - 'Ich schreibe, also bin ich'. Und in der Bibel - Johannes 18,38a: »Wahrheit«, meinte Pilatus, »was ist das?« - mir kommen die biblisch und außerbiblisch antik-religiösen Schriften schier immer wahrer vor, je unwahrer die heutige Mainstream-Medienflut wird. Anders gesagt: Je weniger ich glaube, umso mehr glaube ich.

 
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