Red Bavarian

Blog von Red Bavarian

23.10.2011 | 12:50

Nicht die Arbeit geht uns aus, sondern das Geld

Es gibt den Spruch: "Die Arbeit geht uns aus". Ich kontere: "Nicht die Arbeit geht uns aus, sondern das Geld".

Dieser Blog-Artikel ist eine Fortsetzung meines Blog-Artikels 'Lohn, BGE, Menschen, Maschinen'.

Schaut Euch die Pyramide des kapitalistischen Systems an. Dieses System ist nicht nur immer noch im Gange, sondern es ist in den vergangenen drei Jahrzehnten noch verschärft worden. Der Geldsäckel oben, der das unten erwirtschaftete Geld enthält, ist inzwischen so groß geworden, dass die Geldigen den Inhalt gar nicht mehr ausgeben können, sondern ihn verzocken. Der Produktmarktkapitalismus war ein Waisenknabe verglichen mit dem Finanzmarktkapitalismus heute.

So wie der Produktmarktkapitalismus durch die industrielle Revolution erst richtig möglich wurde, so wurde der Finanzmarktkapitalismus durch die informationstechnologische Revolution erst richtig möglich. Denn ohne Computer und Vernetzung könnten die globalen Geldströme nicht blitzschnell fließen.

So wie die Produktmarktkapitalisten die industrielle Revolution okkupiert haben, so haben die Finanzmarktkapitalisten die informationstechnologische Revolution okkupiert. Beide aufbauend auf alten Herrschaftsstrukturen. Adel und Klerus zu Liberalen und Konservativen zu Neoliberalen und Neokonservativen. Handwerker und Leibeigene zu Arbeiters und Bauern zu Arbeitslosen und Gewerbelosen.

Die klassische Erwerbsarbeit ist weniger geworden durch die technischen Fortschritte und die darauf basierende Automatisierung. Klassische Gewerkschafter und Sozialisten stehen dergestalt auf verlorenem Posten.

Es ist höchste Zeit, dass alternative linke und bewegte Sichtweisen stärker berücksichtigt werden. Das heißt in zwei Grundsätzen formuliert:
* jegliche Arbeit der klassischen Erwerbsarbeit gleichzustellen
* jegliche Arbeit überhaupt und anständig zu bezahlen

In der Zeitschrift 'Freiheit durch Sozialismus' - der 'Zeitung zur Programmdebatte der Linken', Ausgabe 2/2011 befindet sich auf Seite 11 der Artikel 'Feminismus für alle' - 'Die Vier-in-Einem-Perspektive gibt keine Antwort auf ungleiche Löhne und Eigentumsverhältnisse'. Vier-in-Einem heißt als Kritik an der Arbeitsteilung, die Zeit zu teilen in je ein Viertel a) Erwerbsarbeit, b) Reproduktionsarbeit, c) Muße, Kunst und Kultur, d) Politik, um das Problem der 'Verfügung über Zeit als Grundlage aller Herrschaft' zu überwinden.

Ich sehe in der Vier-in-Einem-Perspektive den Haken, dass sie nicht den zwei formulierten Grundsätzen entspricht. Wenn nur a) als Erwerbsarbeit bezahlt wird, dann kommt kaum eine Frau und kaum ein Mann dahin, a) bis d) zu leisten, weil es einfach zu viel ist. Wenn jedoch a) bis d) als bezahlungswürdige Arbeiten anerkannt werden, dann kann man sich dank der finanziellen Sicherheit aussuchen, welche davon man macht. In der Folge wird sich die Arbeit auf mehr Personen verteilen. Das konstatierte Zeitproblem täte sich dadurch zweifach lösen.

Die Kernfrage ist hier: Wer bezahlt sie?

 
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Kommentare
Ullrich Läntzsch schrieb am 23.10.2011 um 13:10
Lieber red bavarian,

da ich Ihre beiden Punkte, nicht nur teile, sondern unterstützen möchte, poste ich sie noch einmal:

* jegliche Arbeit der klassischen Erwerbsarbeit gleichzustellen
* jegliche Arbeit überhaupt und anständig zu bezahlen


Der Gedanke der Vier-in-Einem scheint mir zwar auch ein guter Denkansatz aber noch weit von der Form entfernt, die man bräuchte, sie als aktuelle politische Forderung einzuführen.

Allerbeste
Ullrich Läntzsch
Red Bavarian schrieb am 26.10.2011 um 11:10
Zu den zwei hervorgehobenen Punkten siehe meinen Kommentar @Joachim Petrick.

Die Vier-in-Einem-Perspektive ist in dem Artikel, auf den ich mich oben beziehe, kritisch kommentiert, dazu gibt es auch innerhalb Der Linken verschiedene Position.
Joachim Petrick schrieb am 23.10.2011 um 21:27
@Red Bavarian

"die Zeit zu teilen in je ein Viertel a) Erwerbsarbeit, b) Reproduktionsarbeit, c) Muße, Kunst und Kultur, d) Politik, um das Problem der 'Verfügung über Zeit als Grundlage aller Herrschaft' zu überwinden."

Danke für den Blog, Ist auch mein Thema.

Wie wäre es, wenn wir statt von Einkommen von Präsenzgeld sprechen, Der Mensch ist nicht für Einkommen geschaffen, sondern für seine kommunizierend Präsenz.

Komischerweise redet bei MdBs u. a. Abegordneten/innen niemand von Einkommen, sondern von Präsenzgeld, Diäten.
Ist das ein Wink mit dem parlamentarischen Zaunpfahl Richtung Arbetsmarkt?

tschüss
JP
Red Bavarian schrieb am 26.10.2011 um 11:02
Präsenzgeld - ein interessanter Gedanke, diesen Begriff erweitert aktualisiert zu verwenden. Aber eigentlich bräuchten wird einen neuen Begriff für den Schnittpunkt zwischen der klassischen Erwerbsarbeit, der heutigen Prekarisierung der Arbeit (Lohn- und Sozialdumping), der bisher unbezahlten Arbeit, den bisherigen Grundsicherungen und 'den vielfältigen BGE-Modellen'.
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