Diese Woche bin ich mit jemandem aus einem Zusammenschluss freier Künstler per Verein und Galerie ins Gespräch gekommen, der mich gefragt hat, was ich so tue. Ich habe ihm unter anderem gesagt, dass ich hier blogge, und ihm meine Identität als Red Bavarian hier verraten. Seitdem kreisen dergestalt fragende Gedanken im meinem Kopf.
Was denkt mein Gesprächspartner, wenn er meine Blog-Artikel liest, wo ich über die Welt, über meine Weltsicht und über mich schreibe?
Das oben genannte Gespräch war das zweite Mal, dass ich ihm begegnet bin. Das erste Mal als Besucher in einer Vortragsreihe. Mit seinem Aussehen ist er gleich aufgefallen: Gelb-rote Signalweste, Bauarbeiter-Helm mit Ministrahlern, Second-Hand-Anzug. Ich hatte ihn zuerst für einen Bau-Ingenieur gehalten, der sich nach der Arbeit zu uns gesellt hat.
Wahrscheinlich war es der Kunstrahmen, der mich ihm gegenüber mit meiner bisher geheim gehaltenen Identität hier herausrücken ließ.
Weiter mit den fragenden Gedanken: Inwieweit ist Red Bavarian ich? Anders ausgedrückt: Inwieweit gleichen und unterschieden sich die Virtuelle Person Red Bavarian und die Reale Person, die ich bin? Sind meine Blog-Artikel wie Kunstwerke, die ich hier in der Quasi-Galerie ausstelle? Ist Red Bavarian gleichzeitig Künstler und Kunstwerk? Stelle ich mich selber in der Galerie aus?
Neulich habe ich das Buch "Die 13½ Leben des Käpt'n Blaubär" von Walter Moers gelesen. Als Blaubär fühle ich mich nicht, aber irgendwie als Lilakatze, eine Unterart der Schwarzen Anarchokatze - siehe mein Profilbild. Ich grinse beispielsweise, wenn die Leser sich fragen, ob ich Männlein oder Weiblein bin, was auch schon zu Freud'schen Verschreibslern wie Red Bavarina und Red Bavaria geführt hat.
Ich spinne gern Anarchogarn. In einer anderen Community im Netz habe ich schon ein paar Geschichten und Gedichte geschrieben. In Geheimidentität, versteht sich. Diese Community-Identität ist auch wiederum eine Hauptperson der Geschichten.
Hier in der Freitags-Community präsentiere ich mich näher am Realen Leben. Dennoch: Wenn ich es mir gesamthaft überlege, dann kann ich mich als Reale Person und als Virtuelle Person, sowie als Künstler und als Kunstwerk nicht recht trennen.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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