Dennis82

Passierschein A38

09.08.2009 | 10:24

"Die Steuern" (2/2)

Indirekte Steuern – Besteuerung durch die Hintertür

Der Chef der bekannt arbeitnehmerfreundlichen und vorbildlich geführten Drogeriemarktkette „dm“, Götz Werner, ist ein bekannter Verfechter eines radikalen Konzepts indirekter Besteuerung; in Verbindung mit der Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen treibt er es auch ganz offen auf die Spitze: eine sehr hohe Besteuerung des Konsums (z. B. mit einer 50%igen USt.), um die direkte Besteuerung im Gegenzug quasi abzuschaffen. Konsequenz wäre, dass die Menschen dann zwar u. a. ein Grundeinkommen hätten, 50% davon jedoch quasi wieder umgehend an den Staat zurückfließt, weil die Konsumquote niedriger Einkommen nahezu 100% beträgt. Gewinner wären wieder Besserverdiener, die nur einen Teil ihres Einkommens verkonsumieren und sich die Einkommensteuer komplett sparen. Dazu käme die Möglichkeit, bei entsprechender Mobilität im wesentlich günstigeren umliegenden Ausland z. B. die teure Kleidung oder das Auto zu kaufen.

 Durch den großen, immer stetig anwachsenden Anteil von Verbrauchsteuern und Umsatzsteuer am gesamten Steueraufkommen konterkariert der Staat jedoch ein vom Sozialstaatsprinzip des Artikel 20 (1) GG und der Gemeinwohlverpflichtung des Eigentums nach Artikel 14 (2) GG abgeleiteten Grundsatz der Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit, über das progressive System niedrige Einkünfte weniger und hohe Einkünfte stärker – und insbesondere das sogenannte „Existenzminimum“ gar nicht zu besteuern. Durch die Hintertür besteuert er diese niedrigen Einkünfte aber eben doch – und dies in zunehmendem Maße unverhältnismäßig hoch.

Das Einkommensteuergesetz gesteht jeder natürlichen Person einen jährlichen Grundfreibetrag von momentan 7834 Euro zu. Darüberhinaus wird Arbeitnehmern ein Werbungskosten-Pauschbetrag von 920 Euro, eine so genannte Vorsorgepauschale sowie bei allen Steuerpflichtigen ein Sonderausgaben-Pauschbetrag von 36 Euro bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens im Rahmen des Lohnsteuerabzuges vorab abgezogen, andere persönliche Freibeträge kommen u. U. noch hinzu. Aus diesen Freibeträgen resultieren im übrigen auch die einzelnen Steuerklassen. In der Regel bleibt das Einkommen somit bis ca. 10.000 bis 11.000 Euro in den meisten Fällen steuerfrei. Angesichts des immens wachsenden Niedriglohnsektors sind davon bereits sehr viele Menschen betroffen – Menschen, die so wenig verdienen, dass sie gar keine Lohnsteuer zahlen „dürfen“.

Nun hat Herr Werner vorgeschlagen, einen ähnlichen Freibetrag bei der Umsatzsteuer für einkommensschwächere einzuführen, ähnlich der Vorsteuer auf Unternehmensebene. Die Umsatzsteuer ist für die Unternehmen ein durchlaufender Posten, der sich nicht auf den Gewinn auswirkt, Steuerschuldner ist der Kunde des Endproduktes, der Unternehmer ist „nur“ Entrichtungsverpflichteter wie der Arbeitgeber bei der Lohnsteuer. Und sie ist durch das Vorsteuersystem eine der betrugsanfälligsten Steuern überhaupt. Die Umsatzsteuer-Sonderprüfungsstellen sowie die Betriebsprüfungen und Steuerfahndungen in den Finanzämtern sind quantitativ personell erbärmlich ausgestattet. Und in Hessen werden allzu eifrige Steuerfahnder bekanntermaßen gleich für verrückt erklärt und aus dem Dienst entfernt. Ein solches System wäre Bürokratie in Reinkultur und in höchstem Maße sozial ungerecht, jeder müsste alle Rechnungen aufheben, summieren – und erst nachträglich vom Finanzamt wieder erstatten lassen.

Steuer-Wettbewerbsbeschränkungen in der EU

Das Umsatzsteuerrecht ist wesentlich komplizierter, als der Laie sich dies vorstellen mag. Das System ist über die Mehrwersteuer-Systemrichtlinie EU-weit weitestgehend vereinheitlicht und auf den europäischen Binnenmarkt abgestimmt. Besonders interessant ist Artikel 97, der den Mitgliedstaaten vorschreibt, dass der Normalsatz mindestens 15% betragen muss und so die nationalen Handlungsspielräume erheblich einschränkt. Es darf nach den Art. 98 und 99 nur maximal zwei ermäßigte Sätze geben und der niedrigste muss mind. 5% betragen. Die Mindestsätze sollen verhindern, dass trotz Bestimmungslandprinzip (die Ware wird in dem Land versteuert, in welchem sie am Ende verbraucht oder genutzt wird) Staaten über niedrigere Sätze bei der Umsatzsteuer sich Wettbewerbsvorteile verschaffen. Nun werden Sie sich vielleicht über dieses Misstrauen in die unsichtbare Hand des freien Marktes und die segensreichen Wirkungen des internationalen Steuerwettbewerbs wundern – gilt bei Einkommens-, Vermögens- und Unternehmenssteuern doch genau das umgekehrte Prinzip: Hier heißt es, der Wettbewerb der Steuersätze nach unten wäre unausweichlich – und für den freien Handel sowie den Wohlstand in der EU unabdingbar. Wie die MwStSystRL zeigt, wäre in einem sozialeren Europa auch Mindestgrenzen bei den Einkommensteuern oder Unternehmenssteuern prinzipiell möglich – doch es fehlt der politische Wille zur Umsetzung. Denn die Umsatzsteuer ist die Steuer, die die Reichen am wenigsten und die Ärmsten am verhältnismäßig stärksten trifft – und den Unternehmen breite „Gestaltungsmöglichkeiten“ für umfangreichen, teils staatlich stillschweigend gedulteten Steuerbetrug in Form einer indirekten Subvention eröffnet: man darf sich halt nur nicht erwischen lassen.

Volkswirtschaftlich betrachtet hat die Umsatzsteuer jedoch Auswirkungen auf den Binnenmarkt eines jeden Landes, auch innerhalb einer Währungsunion. Ist in Land A die Steuer hoch, in Land B niedrig, wird die Massenkaufkraft in A belastet, hier können somit weniger Produkte abgesetzt werden. A wird nun für den Markt in B produzieren und somit seine Exportquote in die Höhe treiben. Umgekehrt werden Importe von B nach A erschwert, weil diese mit dem höheren inländischen Satz beim Kunden besteuert werden und die Kaufkraft sinkt. Erhöhungen der Umsatzsteuer sind ein adäquates Mittel, sich international Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Deutschland hat dies 2007 genau so getan. Der deutsche Binnenmarkt liegt am Boden, das Land „feiert“ jedoch schon seit Jahren eine „Exportweltmeisterschaft“ nach der anderen. Ernüchterung macht sich erst jetzt durch die Finanzkrise breit, den in kaum einem anderen Land der Erde ist der Konjunktureinbruch so ausgeprägt wie in Deutschland – was einzig und allein an der Abhängigkeit vom Export liegt.

Unsere so genannten Wirschaftsexperten ficht dies aber nicht an, der bereits erwähnte DIW-Chef Zimmermann begründete nämlich seine Forderung einer 25%igen Umsatzsteuer exakt damit, dass die Umsatzsteuer den Export nicht belaste. Dazu fällt mir nicht mehr viel ein. Vielleicht doch: es gibt ein schon ziemlich altes Zitat von Volker Pispers, einem der begnadetsten deutschen Kabarettisten: „Wirtschaftsexperten – was blöderes finden sie in keinem Tierpark“.

Sinn und Unsinn von Verbrauchsteuern

Neben der Umsatzsteuer besteuert der Staat auch über Verbrauchsteuern indirekt niedrige Einkünfte. An dieser Stelle lohnt es sich vielleicht auch, kurz auf den Begriff der „Steuer“ einzugehen, die Bezeichnung verdeutlicht einen ihrer wesentlichen Prinzipien: die Steuerung. Das Gemeinwesen versucht, über Steuern den Markt und das Verhalten seiner Teilnehmer zu „steuern“. Bei der Einkommensteuer wäre z. B. ein hoher Spitzensteuersatz ein Steuerungsinstrument dafür, Gehaltsexzesse in den Banken und Vorstandsetagen zu minimieren. Schädliches individuelles Verhalten soll also in gewisser Weise bestraft bzw. marktwirtschaftliche Fehlentwicklungen korrigiert werden, verursachte gesamtgesellschaftliche Kosten werden nach dem Verursacherprinzip den einzelnen zu einem gewissen Teil auferlegt, um den Teil zu entlasten, der sich „korrekt“ verhält. Die hitzigen Debatten über das Rauchen und die Tabaksteuer verdeutlichen, wie schmal der Grat jedoch ist, auf dem eine solche Steuer in der Sache oder in der Höhe gerechtfertigt ist oder nicht.

Grundsätzlich kann man bei der Abwägung von steuerfreiem Existenzminimum und dem punktuell durchaus sinnvollen Steuerungscharakter der Verbrauchsteuern daher auch vertreten, dass eine solche indirekte Besteuerung nicht grundsätzlich ungerecht ist. Problematisch ist jedoch in den meisten Fällen die konkrete, ganz individuelle Belastung des Einzelnen, sofern dieser aus nicht in seiner Macht liegenden ökonomischen oder auch infrastrukturellen Ursachen keine Möglichkeit hat, den Aufwendungen tatsächlich zu entgehen bzw. sein Verhalten in wünschenswerter Weise anzupassen. Ein Beispiel dafür wäre die Mineralölsteuer in Verbindung mit der sog. „Ökosteuer“, die den wenig verdienenden Pendler, der in vielen Gebieten schlicht und ergreifend keinen alternativen öffentlichen Nahverkehr nutzen kann, über ein erträgliches Maß hinweg belastet. Dieser kann bei entsprechend geringer Entlohnung und Lohnsteuer noch nicht einmal über die Werbungskosten einen begünstigenden Effekt bei der Einkommensteuer erzielen. Ein besonders gutes Beispiel dafür sind die pendelnden Auszubildenden, die in den meisten Fällen keine Lohnsteuer bezahlen.

Wunsch und Wirklichkeit

Man braucht sich zur Zeit trotz aller guter Argumente gegen indirekte und für direkte Steuern jedoch keinerlei Illusionen hingeben – die neoliberale Ideologie herrscht auch trotz Weltwirtschaftskrise weiterhin uneingeschränkt vor. Im Denken der Wirtschaftsprofessoren, der Journalisten und der verantwortlichen Politiker hat sich nicht im geringsten etwas geändert, genauso wie an der Wallstreet und an allen anderen Börsen der Erde wieder gezockt wird, als wäre nichts gewesen. Die Zeche für die Krise wird – ganz nach einem „Sozialismus für Reiche“ – die 90% der Bevölkerung bezahlen, denen nur 40% des gesamten Volksvermögens gehört. Und zwar neben Arbeitsplatzverlusten und Verarmung über Hartz IV mit einer mit Sicherheit nach der Wahl anstehenden Erhöhung von Normal- und ermäßigtem Satz bei der Umsatzsteuer und weiterer Verbrauchsteuern. Während sich inzwischen sogar das DIW vorsichtig für eine höhere Besteuerung von Vermögen ausspricht, will die SPD – als selbst ernannte Partei des kleinen Mannes – auch weiterhin nicht die Vermögen der Minderheit zur Finanzierung des Staates heranziehen. Und sieht man sich die Forderungen der FDP oder der CDU an (Steuersenkungen für Einkommensmillionäre bei gleichzeitiger Kürzung des ALG II um 30%, Privatisierungen, Kopfpauschalen und Zwangsarbeitsdienste) an, kann einem Angst und Bange um den sozialen Frieden in diesem Land werden, wenn im September eine schwarz-gelbe Regierung an die Macht kommen sollte. Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Die Frage ist, bis zu welchem Punkt die deutsche Bevölkerung diese Beschleunigung der Umverteilung von unten nach oben noch klaglos hinnehmen wird.

 
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Kommentare
Ludwig Hasselberg schrieb am 09.08.2009 um 13:17
Der erste Blog-Beitrag, den ich mir erst mal ausdrucken muss!
Ludwig Hasselberg schrieb am 09.08.2009 um 13:25
Äh. Die Druckversion sieht genauso aus wie die Seite in der Standardansicht. Soll das so sein oder bin ich zu doof?
mh schrieb am 09.08.2009 um 13:50
mir is nach dem lesen nun irgendwie aber nicht klar, was der verfasser sagen will und was seine meinung ist.

meine hat sich nicht wirklich geändert und das hauptthema, sozialabgaben, findet nur am rande erwähnung.

das problem steuern ist so komplex, dass man es in einen satz packen kann:

wir brauchen ein einfaches und klares steuersystem ohne diese hochkomplexen verschachtelungen und rechtsunsicherheiten die ihm momentan inne wohnen.

in dem sinne war merz zwar populistisch, vom grundansatz her aber auch richtig. und vom kirchhoff bin ich eh ein fan.

mfg
mh
Ludwig Hasselberg schrieb am 09.08.2009 um 14:39
Welche Rechtsunsicherheiten denn?
radierer schrieb am 09.08.2009 um 16:48
Der Beitrag heißt "Die Steuern" und nicht "Die Sozialabgaben". Insofern kann man nicht sagen, dass er sein Hauptthema verfehlt hat.

Der Verfasser beschreibt eine sehr komplexe Sachlage sehr fundiert. Seine Meinung ist, dass direkte Steuern gegenüber indirekten zu bevorzugen wären. Er begründet das überzeugend. Er macht aber auch deutlich, weshalb seine Position in der gegenwärtigen Steuerdebatte wenig Chancen auf Realisierung hat: Sie ist nicht im Interesse derer, die maßgeblichen Einfluss auf die Gestaltung der Steuerpolitik nehmen können.

Ja, das Steuersystem ist viel zu kompliziert. Eine Vereinfachung wäre wünschenswert. Aber es stellt sich sofort die Frage: Wie soll es vereinfacht werden? Welche Vorschläge gibt es, welche Interessen stehen dahinter, und wer würde davon profitieren, wenn sie umgesetzt würden?

Ich habe in diesem Beitrag eine Menge wichtiger Informationen gefunden, die mir helfen, die derzeitige Steuerdiskussion besser zu verstehen und zu beurteilen. Danke!
Dennis82 schrieb am 09.08.2009 um 19:58
Mit einem Verweis auf Kirchhof (ehemaliger Botschafter der Arbeitgeberpropaganda-Organisation INSM - siehe: www.tagesspiegel.de/zeitung/Die-Dritte-Seite;art705,2277411) habe ich fest gerechnet. Zufälligerweise darf der Professor aus Heidelberg auch heute in der regionalen Sonntagszeitung für sein "Vereinfachungskonzept" werben. Kirchhof stellt eben nicht in erster Linie auf Vereinfachung ab (das Ehegattensplitting will er z. B. beibehalten), sondern auf die starke Senkung der Steuern für besonders gut verdienende und Einkommensmillionäre. Die Einnahmeverluste, die ein Steuersatz von 25% für den Staat bedeuten würden, sind nicht über die Streichung diverser Steuervergünstigungen gegenzufinanzieren. Im übrigen wird immer wieder aus der Konservativen Ecke (zu der man den ehemaligen Schattenfinanzminister zählen kann) nicht zu Unrecht auf der Feststellung beharrt, dass immer noch die in meinem Beitrag erwähnten "Leistungsträger" den größten Teil der (Einkommen-)Steuern bezahlen. Und genau darauf zielt Kirchhof ab: Diese Gruppe zu entlasten.

Und die ominösen Vergünstigungen (Schiffs- oder Filmfonds z. B.), die er streichen will, spielen in der Praxis in den meisten Fällen keine Rolle. Das Steuersystem mag auch komplex sein - in den überwiegenden Fällen greifen reicht einfache, durchaus gerechte Mechanismen. Und man kann diverse, durch Lobbyarbeit in die Gesetze wandernde Steuerschlupflöcher auch schließen, ohne gleich den Steuersatz fast zu halbieren!

Für das der Besteuerung zugrundeliegende Nettoprinzip und dessen durchaus interessanten Details - also die Bemessungsgrundlage der Steuer (Einkünfte minus Werbungskosten bzw. Betriebseinnahmen minus -ausgaben) liefert Kirchhof erst Recht keine neuen Ansätze. Er streicht lieber den Pendlern die Möglichkeit, ihre berufsbedingten Ausgaben von der Steuer abzusetzen - was ein Verstoß gegen das von Bundesverfassungsgericht durch langjährige Rechtssprechung bestätigte Nettoprinzip bedeutet.

Populismus halt. Nur diesmal für die Reichen.
Ludwig Hasselberg schrieb am 09.08.2009 um 17:08
Ja, danke dafür! So etwas - die faktischen Verhältnisse und politischen Positionen im Steuerbereich mal durchdekliniert - habe ich noch nirgendwo gefunden. Nach meinem Dafürhalten gehört das gedruckt.
radierer schrieb am 09.08.2009 um 18:15
Ich schließe mich an. Dieser Beitrag sollte gedruckt werden.
Dennis82 schrieb am 09.08.2009 um 20:04
Vielen Dank, freut mich, sowas nach dem ersten Beitrag zu lesen. Steuerrecht stellt neben Privatrecht und Staatsrecht den Schwerpunkt meines Studiums dar.
Ludwig Hasselberg schrieb am 10.08.2009 um 13:20
Ah, gut. Das erspart mir die Nachfrage.
daniel häni schrieb am 10.08.2009 um 12:59
sehr gute fragestellung!
leider urteilt der text etwas vorschnell: am gravierendsten ist, nicht zu sehen, dass alle steuern und abgaben in einem unternehmen kosten sind und logischerweise in die preise weitergegeben werden und also von den konsumentInnen getragen werden.
das prizip der leistungsbesteuerung ist eben längst ausgehebelt und eben auch nicht mehr zeitgemäss. nicht wer etwas leistet in der gesellschaft soll besteuert werden, sondern wer etwas konsumiert, wer etwas für sich in anspruch nimmt. ist doch eigentlich logisch. schon nur diese eine gesichtspunkt würde den artikel auf andere schlüsse kommen lassen...
Ludwig Hasselberg schrieb am 10.08.2009 um 13:59
Na juhu. Gerade wo ich auf diesen doppelten Kommentar eingehen wollte, hat man die Doppelung beseitigt und somit auch meinen Kommentar. Und das bei so einer komplizierten Materie!
Dennis82 schrieb am 10.08.2009 um 20:17
Der Artikel kommt aus guten Gründen nicht zu diesen Schlüssen...

Es ist falsch, dass letzten Endes der Konsument auch die Steuern des Unternehmers begleichen muss, diese quasi einkalkuliert wären. In den vergangenen Jahren wurden die Unternehmenssteuern sowie Vermögenssteuern stark gesenkt oder abgeschafft. Für den Konsumenten wurde aber nichts billiger - denn es herrscht in der Marktwirtschaft üblicher preislicher Wettbewerb. Konsequenz war nur, dass die Gewinneinkünfte explodierten - zu Lasten der Lohneinkünfte.

Dass das Prinzip der Leistungsbesteuerung ausgehebelt sei, sehe ich nicht so, Kirchhof und Co. versuchen es jedoch immer wieder - mit der Abgeltungsteuer ist es bereits gelungen. Und wenn der neoliberale Zeitgeist das Sozialstaatsgebot und die Gemeinwohlverpflichtung des Eigentums am liebsten abschaffen würde - dann muss man sich damit nicht zufrieden geben, sondern auf das Grundgesetz verweisen.

Schönheitsfehler der indirekten Konsumbesteuerung ist folgender, ich habe es bereits angerissen: Niedrige Einkommen sind gezwungen, zu nahezu 100% zu konsumieren - hohe nicht, die führen das Überschüssige Geld in die Finanzmärkte und tragen zum Aufblähen der Finanzmärkte bei. Bis zum Platzen der nächsten gigantischen Blase, die die Realwirtschaft wieder mit in den Abgrund reißt. Jetzt erklären Sie mir, warum ein Niedriglöhner eine höhere Steuerliche Belastung tragen sollte als ein Millionär?
Dennis82 schrieb am 10.08.2009 um 20:17
Der Artikel kommt aus guten Gründen nicht zu diesen Schlüssen...

Es ist falsch, dass letzten Endes der Konsument auch die Steuern des Unternehmers begleichen muss, diese quasi einkalkuliert wären. In den vergangenen Jahren wurden die Unternehmenssteuern sowie Vermögenssteuern stark gesenkt oder abgeschafft. Für den Konsumenten wurde aber nichts billiger - denn es herrscht in der Marktwirtschaft üblicher preislicher Wettbewerb. Konsequenz war nur, dass die Gewinneinkünfte explodierten - zu Lasten der Lohneinkünfte.

Dass das Prinzip der Leistungsbesteuerung ausgehebelt sei, sehe ich nicht so, Kirchhof und Co. versuchen es jedoch immer wieder - mit der Abgeltungsteuer ist es bereits gelungen. Und wenn der neoliberale Zeitgeist das Sozialstaatsgebot und die Gemeinwohlverpflichtung des Eigentums am liebsten abschaffen würde - dann muss man sich damit nicht zufrieden geben, sondern auf das Grundgesetz verweisen.

Schönheitsfehler der indirekten Konsumbesteuerung ist folgender, ich habe es bereits angerissen: Niedrige Einkommen sind gezwungen, zu nahezu 100% zu konsumieren - hohe nicht, die führen das Überschüssige Geld in die Finanzmärkte und tragen zum Aufblähen der Finanzmärkte bei. Bis zum Platzen der nächsten gigantischen Blase, die die Realwirtschaft wieder mit in den Abgrund reißt. Jetzt erklären Sie mir, warum ein Niedriglöhner eine höhere Steuerliche Belastung tragen sollte als ein Millionär?
Dennis82 schrieb am 10.08.2009 um 20:18
Der Artikel kommt aus guten Gründen nicht zu diesen Schlüssen...

Es ist falsch, dass letzten Endes der Konsument auch die Steuern des Unternehmers begleichen muss, diese quasi einkalkuliert wären. In den vergangenen Jahren wurden die Unternehmenssteuern sowie Vermögenssteuern stark gesenkt oder abgeschafft. Für den Konsumenten wurde aber nichts billiger - denn es herrscht in der Marktwirtschaft üblicher preislicher Wettbewerb. Konsequenz war nur, dass die Gewinneinkünfte explodierten - zu Lasten der Lohneinkünfte.

Dass das Prinzip der Leistungsbesteuerung ausgehebelt sei, sehe ich nicht so, Kirchhof und Co. versuchen es jedoch immer wieder - mit der Abgeltungsteuer ist es bereits gelungen. Und wenn der neoliberale Zeitgeist das Sozialstaatsgebot und die Gemeinwohlverpflichtung des Eigentums am liebsten abschaffen würde - dann muss man sich damit nicht zufrieden geben, sondern auf das Grundgesetz verweisen.

Schönheitsfehler der indirekten Konsumbesteuerung ist folgender, ich habe es bereits angerissen: Niedrige Einkommen sind gezwungen, zu nahezu 100% zu konsumieren - hohe nicht, die führen das Überschüssige Geld in die Finanzmärkte und tragen zum Aufblähen der Finanzmärkte bei. Bis zum Platzen der nächsten gigantischen Blase, die die Realwirtschaft wieder mit in den Abgrund reißt. Jetzt erklären Sie mir, warum ein Niedriglöhner eine höhere Steuerliche Belastung tragen sollte als ein Millionär?
Dennis82 schrieb am 10.08.2009 um 20:19
Der Artikel kommt aus guten Gründen nicht zu diesen Schlüssen...

Es ist falsch, dass letzten Endes der Konsument auch die Steuern des Unternehmers begleichen muss, diese quasi einkalkuliert wären. In den vergangenen Jahren wurden die Unternehmenssteuern sowie Vermögenssteuern stark gesenkt oder abgeschafft. Für den Konsumenten wurde aber nichts billiger - denn es herrscht in der Marktwirtschaft üblicher preislicher Wettbewerb. Konsequenz war nur, dass die Gewinneinkünfte explodierten - zu Lasten der Lohneinkünfte.

Dass das Prinzip der Leistungsbesteuerung ausgehebelt sei, sehe ich nicht so, Kirchhof und Co. versuchen es jedoch immer wieder - mit der Abgeltungsteuer ist es bereits gelungen. Und wenn der neoliberale Zeitgeist das Sozialstaatsgebot und die Gemeinwohlverpflichtung des Eigentums am liebsten abschaffen würde - dann muss man sich damit nicht zufrieden geben, sondern auf das Grundgesetz verweisen.

Schönheitsfehler der indirekten Konsumbesteuerung ist folgender, ich habe es bereits angerissen: Niedrige Einkommen sind gezwungen, zu nahezu 100% zu konsumieren - hohe nicht, die führen das Überschüssige Geld in die Finanzmärkte und tragen zum Aufblähen der Finanzmärkte bei. Bis zum Platzen der nächsten gigantischen Blase, die die Realwirtschaft wieder mit in den Abgrund reißt. Jetzt erklären Sie mir, warum ein Niedriglöhner eine höhere Steuerliche Belastung tragen sollte als ein Millionär?
Ludwig Hasselberg schrieb am 10.08.2009 um 23:40
daniel häni-

Na, ich glaube ganz so einfach ist es nicht. Das mit dem Durchreichen der Steuerlast mag voll auf Verbrauchsteuern zutreffen, bei Einkommenssteuer für Unternehmer bzw. Körperschaftssteuer für Kapitalgesellschaften würde volles Durchreichen gar nicht funktionieren (partiell aber schon eher). Was wäre denn übrigens heute so anders, dass "Leistungsbesteuerung" ausgehebelt ist und nicht mehr zeitgemäß? Nach meinem spontanen Verständnis ist die Kostenminimierung schon immer elementarer Bestandteil im kapitalistischen Wirtschaften. D.h. ohne Nennung weiterer Faktoren neben der reinen Existenz der Steuerpflicht ist für mich nicht ersichtlich, wieso solche Steuern heute, im Gegensatz zu früher, nicht mehr funktionieren sollten... Und klar, es erscheint erst mal logisch, dass man (auch?) den Konsum besteuern sollte. Aber das macht ja der Artikel auch klar, dass es schon etliche Verbrauchssteuern gibt, sogar die Doppelung von solchen Steuern (Benzin). Ich bin mir allerdings nicht sicher, dass es so folgerichtig wäre, auf reine Konsumbesteuerung umzusteigen. Da kommt es ja zumindest stark darauf an, wie das ausgestaltet ist. Mit den starren EU-Richtlinien zur Mehrwertsteuer beispielsweise wird das nicht gehen. Und die Gefahr, dass Individuen versuchen, der Steuerlast zu entgehen, besteht auch mit Konsumsteuern, da diese nicht überall gleich sein werden.
Streifzug schrieb am 10.08.2009 um 16:04
Ich denke mal, wenn das so weiter geht, haben wir bald eine 50%ige Konsumsteuer ohne das bedingungslose Grundeinkommen.
Friedland schrieb am 10.08.2009 um 16:25
Danke für diesen erläuternden und erhellenden Text. Gibt es evtl. weiterführende Links, die einen tiefer in die Materie eintauchen lassen? Oder Grafiken im Internet zu einzelnen Aspekten?
Dennis82 schrieb am 10.08.2009 um 20:37
Eine Quelle, die alles liefert gibt es meines Wissens nicht, der Beitrag ist überwiegend selbst frei erarbeitet. Bei der Hans-Böckler-Stiftung, das WSI, das BIAJ, Rudolf Hickel, Heiner Flassbeck, die Nachdenkseiten usw. findet sich hin und wieder auch etwas wissenswertes zum Thema Steuern. Dass sich die steuerliche Belastung seit vielen Jahren immer mehr von direkter zu indirekter verschiebt, wird seit Jahren in der breiten Öffentlichkeit (aus interessegeleiteten Gründen) kaum diskutiert.
WiWi-Student schrieb am 11.08.2009 um 05:53
Sehr geehrter Autor,
sehr geehrte Leserinnen und Leser,

auch ich beschäftige mich seit geraumer Zeit mit unserem Steuer- und Abgabensystem. Dies hauptsächlich um Möglichkeit und mögliche Auswirkung eines bedingungslosen Grundeinkommens auszuleuchten. Daniel Häni, einer der zwei Autoren und Produzenten des Films "Grundeinkommen" hat sich hier ja ebenfalls schon zu Wort gemeldet.

Auch die Idee, die Götz Werner vertritt, wird in dem Artikel ja erwähnt.

Nun sind mir darin ein paar Punkte aufgefallen, auf die ich als Selbstständiger (ndRschr)und Befürworter der Grundeinkommensidee erwähnen möchte.

1. Der Steueranteil soll im Falle einer reinen Konsumbesteuerung 50% des VK-Preises betragen, was 100% Konsumsteuer (analog zu USt./MwSt.) bedeutet.
2. Da für den AG sämtliche Lohnsteueranteile und Lohnnebenkosten entfallen, sowie seine AN ein BGE erhalten, fallen die Lohnkosten dramatisch bzw. die Löhne/Gehälter können/müssen neu verhandelt werden.
3. Das BGE ist als Ersatz für den ESt.-Freibetrag gedacht.
4. Sämtliche Kosten des AGs werden in die VK-Preise einbezogen, anders kann sich ein Betrieb nicht dauerhaft am Markt halten.
5. Durch Konkurenzdruck werden Preise möglichst niedrig gehalten, jedoch mit dem jetzigen "Subventionssystem" oftmals zu marktwidrigen Bedingungen (siehe Molkereiprodukte/Milchpreis/auch andere Agrargüter wie Getreide), so dass gerade kleinere Anbieter vom Markt verschwinden, weil sie nicht mehr wirtschaftlich sinnvoll arbeiten können.
6. Götz Werners aktueller Vorschlag zum MwSt.-Freibetrag würde keinen zusätzlichen Mehraufwand für die eh schon überbordende deutsche Bürokratie bedeuten, da er einen Pauschalbetrag einführen möchte (einen ersten Schritt hin zu einem BGE, ohne Belege sammeln etc.)

So viel zunächst an dieser Stelle, gerne setze ich meinen Text später fort.

Mit freundlichen Grüßen und Dank an den Autor, der sich dieses durchaus komplexen Themas angenommen hat, und auf evtl. noch einige weitere fruchtbare Diskussionen und Stellungnahmen

Stefan K.
Dennis82 schrieb am 11.08.2009 um 11:23
Hallo. Die Technik dieser Seite und dieses Blogs sind vorsichtig gesagt unausgereift, vier Kommentare auf einmal wollte ich nicht absenden...

Nun denn: Ich halte nichts vom Grundeinkommen, da ich unser Steuersystem vom Prinzip her (über Details lässt sich trefflich streiten) im Grunde für gerecht halte. Alleine, dass die neoliberalen Kräfte aus FDP und Union mit im Boot der Befürworter eines BGE sitzen, macht mich mehr als skeptisch. Die Finanzierbarkeit ist utopisch, ebenso die Auswirkungen auf unattraktive Arbeiten - und im internationalen Kontext ist sowas nicht machbar. Ich teile da 1:1 die Kritik der Nachdenkseiten. Das Thema BGE habe ich nur am Rande angerissen, um das meiner Meinung nach ungerechte Prinzip der indirekten Besteuerung zu verdeutlichen und hier ist denke ich auch nicht der passende Ort, eine solche Diskussion zu führen, weil sie nicht wirklich zum Thema passt.

Ich möchte noch einmal darauf eingehen, der Konsument müsse grundsätzlich über den Preis die Steuern des Unternehmes begleichen: Das ist eine rein betriebswirtschaftliche Sichtweise, die mit der Realität wenig zu tun hat, aber immer als Argument für die neoliberalen Minimalbesteuerung herhalten soll. Steuern werden nachträglich auf den Gewinn erhoben - also auf das steuerliche Geschäftsergebnis. Die Einkommensteuer oder Körperschaftsteuer ist keine den Gewinn mindernde Betriebsausgabe, sondern wird dem Unternehmen/r auferlegt. Wie die Unternehmer letzten Endes für sich kalkulieren, ist deren Sache.

Das ganze gleicht sich nämlich im Endeffekt aus: Umgekehrt könnte man nämlich auch nicht zu Unrecht behaupten, der Arbeitgeber müsse bei der Lohnzahlung (den Preis der Arbeitskraft) die Steuern des Arbeitnehmers mit finanzieren, weil dieser ja ohne diese weniger Lohn benötigen würde, um das gleiche Konsumniveau zu erreichen... Diese Argumenation führt meines Erachtens auf ein totes Gleis...
MS-Fan schrieb am 07.06.2010 um 20:04
"Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht"
>kommt mir sehr bekannt vor

"Die Frage ist, bis zu welchem Punkt die deutsche Bevölkerung diese Beschleunigung der Umverteilung von unten nach oben noch klaglos hinnehmen wird"
> sorry, wahrscheinlich recht Lange
Dennis82
linker, realist, zyniker, sozialromantiker, umverteiler, steuerrechtler, ex-staatsdiener.
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