Dennis82

Passierschein A38

20.02.2011 | 08:57

E10 und das alte Märchen von der marktwirtschaftlichen Preisbildung

 Auch dieses Mal wird das Kartellamt wieder keinerlei Beweise für Absprachen unter den Ölkonzernen finden, obwohl sie offenkundig sind, juristisch lässt sich das derzeitige Vorgehen völlig unwiderlegbar als sog. konkludentes Handeln werten. Im Zuge der Einführung des so genannten „Bio“-Treibstoffs E 10 verteuern die Konzerne den bisherigen Kraftstoff Super 95 um 5 Cent, verkaufen ihn zum selben Preis wie das bisherige Super Plus 98. Ziel ist somit, Super 95 vom Markt zu nehmen. Die von den Konzernen angeführten Gründe sind schlicht lächerlich, so seien die Anzahl der Tanks beschränkt – man sehe sich u. a. nur einmal die Preistafeln bei Shell an und wie viele teils unnötige Spritsorten („Schumi-Benzin“) da verkauft werden.

Über die Fragwürdigkeit der so genannten Biokraftstoffe (als wäre Erdöl nicht bio, sondern synthetisch...) wurde schon viel geschrieben. Der Anbau der dafür notwendigen Pflanzen beansprucht Flächen für den Nahrungsmittelanbau in der dritten Welt und verteuert die Lebensmittelpreise. Sofern dafür nicht auch noch Regenwälder abgeholzt bzw. gerodet werden.

Technisch betrachtet ist E10 auch nicht unumstritten. Ca. 10 % PKW vertragen den neuen Treibstoff nicht. Und selbst bei denen, die ihn laut Hersteller vertragen ist nicht gesichert, dass sich dieser auf das Material langfristig nicht negativ auswirken wird. So zahlen jetzt schon diejenigen, die E10 nicht tanken können automatisch 5 Cent mehr an die Konzerne (davon 1 Cent an den Staat). Darüber hinaus erhöht E10 den Verbrauch.

Das Märchen von angeblicher Preisbildung durch Angebot und Nachfrage wird so einmal wieder ganz offensichtlich ad absurdum geführt; die Konzerne bestimmen in einer konzertierten Aktion schlicht den Preis und das Konsumverhalten der Autofahrer. Bereits beim kaum noch erhältlichen Normal-Benzin 92 fuhr man dieselbe Strategie, man verteuerte das minderwertigere Benzin so lange, bis es genauso teuer war wie Super 95. Sogar viele freie Tankstellen oder Supermarkttankstellen verkaufen inzwischen 95 und 98 zum gleichen Preis, obwohl sie überhaupt noch kein E10 anbieten. Gäbe es auch nur im Geringsten einen tatsächlichen freien Wettbewerb auf dem Tankstellenmarkt, könnten einzelne Anbieter sich der Verteuerung verweigern und so unzählige Kunden anziehen. Aber das ist nicht der Fall, die Vorgehensweise ist abgesprochen – zu Lasten des Verbrauchers. Momentan herrscht auf dem Tankstellenmarkt auch das totale Preischaos – Preissprünge und –differenzen von teils 10 Cent am Tag sind derzeit keine Seltenheit.

Der Konsument ist folglich verunsichert, die Ölkonzerne fahren einen weiteren Zusatzgewinn ein. Die Lobby der Ölkonzerne war wieder einmal erfolgreich, da von politischer Seite aus kein Eingriff zu erwarten ist, das Kartellamt ist weisungsgebunden und wird auf Anordnung der schwarz-gelben Regierung auch ein weiteres Mal nicht korrigierend eingreifen. Es wird eigentlich auch nur noch dafür benötigt, ehemalige staatseigene Betriebe zu zerschlagen.

Der deutsche Michel mault an der Tankstelle mal wieder, wird aber auch wieder mit ca.85 bis 90% Stimmenanteil bei den nächsten Wahlen die dafür verantwortlichen Parteien ankreuzen. Zum Abschluss zitiere ich mal wieder Volker Pispers: „Meine Damen und Herren, die halten uns für so blöd, wie wir sind!“

 
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Kommentare
Gustlik schrieb am 20.02.2011 um 12:59
Das Wort "Ökologie" fehlt in diesem Beitrag.

Eine große Mehrheit der Deutschen ist mit seinem Kennzeichen unzufrieden (wegen der Identität!).

Was soll also das E10Gejammere!?

Schweden:
"Die dortigen Klimaziele sehen vor, bis 2020 unabhängig von Erdöl zu sein. Durch die verpflichtende Aufnahme von Ethanolkraftstoff (E85) an die Zapfsäulen ist dort binnen
weniger Jahre ein flächendeckendes Tankstellennetz entstanden. Auf Schwedens Straßen fahren mittlerweile rund 100.000 Flexifuel-Fahrzeuge. Die Autokäufer werden neben den
günstigeren Kraftstoffkosten mit weiteren Vergünstigungen auf den Geschmack gebracht. So zahlen Fahrer eines Ethanol-Autos keine City-Maut und keine Parkgebühren." (www.e85.biz/media/archive1/mobilität_durch_biomasse.pdf)

Förderung, Lagerung, Transport von Erdöl hinterlässt genügend Spuren auf der Erde. Wir Deutschen lieben unser Auto. Wer redet ernsthaft davon, weniger PS und Kilogramm auf die Strasse zu bringen? Tempolimit stört den Fahrspaß. Die Werbung leiert immer noch die große Freiheit und Unabhängigkeit auf vier Rädern vor, obwohl bald Schluß ist, so oder so.

Viele der E10-Empörten interessieren sich kaum für die Profiltiefe ihrer Reifen, für den Verschleiß an Bremsen oder den Rost an der Karosse. Aber Mann und Frau hat Angst um den Motor...

Hinter der Kungelei der Ölkonzerne und der Laienhaften Einführung von E10 steht noch ein großes Problem an "deutscher Lebensfreude" auf Kosten der Nachhaltigkeit.

Es gibt genügend Biomüll, deutsche Wohlstands-Biomasse, die zu Treibstoff verarbeitet werden könnte. Die Schweizer nutzen u.a. vorwiegend Abfälle der Holzindustrie.

Wenn irgendwann wieder ein ADAC-Maskottchen den Autolappen raushängen läßt, sollten Mann und Frau, WIR, uns etwas hinterfragen...
Dennis82 schrieb am 20.02.2011 um 17:05
Mit Ihrer Antwort haben Sie das Thema gänzlich verfehlt, klingt stark nach grüner Wohlstandswählerschaft - was bitte hat das Tempolimit oder die Profiltiefe von Reifen mit der kritisierten Kartellbildung, Marktmanipulation und den Preisabsprachen zwischen den Konzernen zu tun?

Ist es in dem Fall dann halt schon in Ordnung, weil dann das grüne Gewissen mal wieder ein klein wenig beruhigt ist? Ein Gewissen, welches der breiten verarmenden Masse keine individuelle Mobilität zugestehen will, weil "Autofahren ja immer noch zu billig ist!"

Ob die sog. Umweltbilanz von "Bio"-Treibstoffen wesentlich besser ist als die auf Rohöl basierenden ist wissenschaftlich sehr umstritten. Ich persönlich bezweifle es, aus den o. g. Gründen.

de.wikipedia.org/wiki/Ethanol-Kraftstoff
Dennis82
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