König Klaus III. hatte geladen zum Schmaus und Umtrunk auf Kosten von Sponsoren, die größtenteils in seinem (Landes-) Besitz sind, also eigentlich auf Bürgerkosten. Wobei die Bürger die Kosten tragen dürfen, aber fast vollständig ausgeschlossen sind vom Zugang zum königlichen Hoffest.
Wenn hatte ich erwartet als normaler Stand-Betreuer dort? Bürger, die sich um das Wohl der Stadt verdient gemacht haben. Die gesellschaftliche Elite der Stadt, die dieses Fest zum Diskurs mit den verdienten Bürgern nutzt.
Was habe ich erlebt? Eine Kaste von b- und c-Prominenten, die sich in ihrem Kokon selber feiert und wichtig nimmt:
Hier eine Auswahl dieser "Elite" und ihre Verdienste um die Stadt:
Bernhard Brink (ein ganz großer Förderer Berliner Musik-Guts),
Marco Rehmer (er sicherte Hertha ewigen Fussball-Ruhm),
Christoph Daum (er bekam selbst bei Hertha noch nie einen Job, sein größtes Verdienst...),
Ex-Senator Strieder (er mehrte das Vermögen der Stadt mit dem hochprofessionellen Verkauf des Spree-Dreiecks),
Siegmar Gabriel, der sich auf Bürgerkosten noch ein paar Pfunde mehr anfraß...ein verdienst fällt mir jetzt nicht so schnell ein.
und und und...die Reihe solcher verdienter Menschen ließ sich endlos fortsetzen.
Dazu eine Parade von Politikern aus einem Land vor unserer Zeit: Diepgen, Pieroth u.v.a.m. - wir tragen heute noch als Schulden ab, womit sich Leute wie diese ihre Erfolge von damals erkauften.
Was ist der Sinn dieses Hoffestes eigentlich?
Der Diskurs mit dem Bürger und der selbsternannten Elite ist es offenbar nicht. Während die einen geladenen Gäste alle teuren, aber kostenlosen Leckerbissen in sich rein schaufelten, sammelten die anderen geladenen Gäste in Beuteln und Tüten die ebenso kostenlosen Give aways der Sponsorenstände ab.
Das rief bei mir Assoziationen hervor, in denen alte und arme Leute im Stadtbild in Papierkörben wühlen und ihre Beutel damit zu füllen versuchen.
Das kostenfreie Fressen und Saufen auf dem Hoffest hat ja auch sein Spiegelbild in den kostenlosen Armenküchen der Stadt.
Medienwirksame Auftritte, es ist ja Wahlkampf, rundeten das dekadente Erscheinungsbild dieses Abends ab: Die grüne Möchte-Gern-Bürgermeisterin Künast kam im blauen Oberteil in das rote Rathaus. Was ist ihr Verdienst um die Stadt Berlin? Vielleicht, das sie mit ihrer Spitzenkandidatur Berlin überregional in die Schlagzeilen brachte, immerhin mal ein anderes Thema von überregionalem Interesse als immer nur die S-Bahn.
Es ekelte mich zunehmend an diese Dekadenz zu sehen. Diese Stadt krankt nicht and en normalen Menschen, nicht an zuvielen Ausländern. Sie krankt am Zustand ihrer sogenannten Eliten.
Aber eigentlich verbietet sich die Bezeichnung Elite für alle, die gestern abend auf dem Hoffest eine Gnadenerweisung in Form ihrer Einladung vom König Klaus III. bekamen und auch annahmen.
Berlin ist eine Stadt mit einer Elite, die sich benimmt, wie der Adel in der Phase seines Niedergangs: die sich feiert, als gäbe es keine Zeitenwende, keine Armutsproblem, keine Schuldenproblem in der Stadt....als gäbe es noch den Schutz der Mauer und der Berlin-Förderung.
Eine Elite, die die Probleme der Menschen der Stadt nur verwaltet und dabei auf ihre eigenen Pfründe achtet, seien es Posten oder Budgets oder Beides.
Vielleicht sollte der nächste Bürgermeister sein Hoffest auf einem öffentlichem Platz austragen oder gar in einer Bahnhofs-Mission.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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