der arme berliner

Blog von der arme berliner

09.01.2012 | 22:40

Wulff, die Medien und der Alltag

Wieviele Zeilen in den Printmedien, wieviele Minuten oder Stunden in Tv und Radio und wieviele Terrabyte in den Digitalmedien verschlingt der Stoff Wulff schon?

Wenn in 1000 Jahren mal zukünftige Vergangenheitsforscher das Alles ausgraben, in welcher Form auch immer, könnten sie auf den Gedanken kommen, der deutsche Bundespräsident im allgemeinen und Christian Wulff im besonderen wären DIE entscheidenden Institutionen gewesen für den Schaffung einer friedlichen und sozial gerechten und ökologisch austachierten Gesellschaft im 21. Jahrhundert.

Nur so kann es begründet sein, dass eine ganze Medienlandschaft für 80 Millionen Menschen sich wochen- und monatelang um eine nicht vom Volk gewählte Person, deren privatem Hauskredit und eine Halbwahrheit vor einem demokratisch gewählten Landesparlament kümmert und zu Tode recherchiert und kommentiert.

ARD und ZDF als bürgerfinaninzierte TV-Anstalten schaffen mit einem Interview-Event eine Bedeutung einer sache, die in deren Ankündigung, Erwartungshaltung und Bedeutungs-Gewichtung zumindest an die Mondlandung, aber eigentlich an die Verkündung des weiteren Menschen-Schicksals erinnern.

Und dann?

Dann sitzen ein altgedienter und deshalb eben auch begrenzter Medien-Sepp namens Deppendorf mit öffentlich-rechtlicher Quotenfrau im Studio und bringen das Alles, wenn auch ungewollt, wieder auf ein stinknormales 20:15-Ohr-Event-TV-Quoten-Maß: Viel Wind um Nichts.

Es sitzen sich Herr und Frau Mittelmaß mit einem mittelmäßigem Bundespräsidenten gegenüber und wir schauen in einen Spiegel: Das bespielt uns Tag für Tag: Ein Ballwechsel zwischen einer schlagzeilen-abhängigen Medienbande und einer mediengeilen, aber politik-hilflosen Politik-"Elite".

Was erzählt das späteren Lesern, Sehern, Konsumenten dieses künstlichenSpekatekels von unserem Alltag, unserer Gesellschaft und unseren täglichen Konflikten, die immer auch ein Teil der Politik unserer gewählten Elite sind?

In der selben "Berliner Zeitung", in der seitenlang der Ringkampf zwischen Wulff und Springer/Spiegel abgehandelt wird, bekommen die beiden brutalen Überfälle auf Mensche auf zwei U-Bahnhöfen nur wenige Zeilen auf hinteren Seiten.

Haben die steigenden Mieten, und der sich verschärfende Lebensalltag von immer mehr Menschen in der Touristen-Boomtown Berlin ebenso viel Raum auf der medialen Bühne?

Haben die wachsende Armut bei Vielen auf der einen und der wachsende Reichtum bei relativ Wenigen bei ARD und ZDF nicht den Stellenwert von Informationen, die dem Charakter eines gebühren-finanzierten öffentlich-rechtlichen Informations-auftrags entsprechen?

Was soll dieser völlig inhaltslose Zirkus um einen  zinsgünstigen Kredit eines Bundespräsidenten?

Ich weiß doch, was ich bei meiner Bank ernten würde, wenn ich ebenso ohne Sicherheiten um einen 500-Tausend-Euro-Haus-Kredit zu 0-2% Zinsen bitten würde.... Man würde mir jene Zinsen anbieten, die man bei mir anhand meines Alkohol-Spiegels angesichts eines solchen Ansinnens vermutet... 40% und mehr.

Das Beziehungen das Leben vereinfachen, dass weiß und nutzt jeder Bürger doch selber, nur eben auf einer anderen Ebene, aber im Prinzip genauso wie der Präsident der Deutschen.

Was bringt dieser mediale Zirkus also an politischer Aufklärung?

Was unterscheidet jetzt noch den aufgeregten Freitag mit dem kleinen Augstein, den investigativ wieder mal erfolgreichen Spiegel, die quotengeilen öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten und die reißerische Bild voneinander?

NICHTS.

 

 

 

 

 

 
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