Der Freitag

Neues aus dem Serverraum

27.03.2009 | 16:03

Welchen Blog-Beitrag soll das Alltags-Ressort abdrucken?

Dies ist ein Experiment. 

Nicht selten fordern Blogger, dass Redakteure sie doch endlich einmal "ernst nehmen" sollen. So auch Freitag-Blogger ChristianBerlin, der in den Kommentaren zu seiner Zwischenbilanz des Freitag-Projekts einige wertvolle Anmerkungen gemacht hat, was das denn im Idealfall heißen kann. 

Ein Ergebnis unseres Austauschs war, dass die redaktionellen Kriterien für den Abdruck von Blogs klarer werden sollen - also welche und warum gerade diese Blog-Beiträge in die Zeitung übernommen werden. Dem kommen wir im Alltag-Ressort gerne nach. 

Hier ist unser Vorschlag: 
Die Freitag-Community diskutiert mit, welcher Blog-Beitrag im Alltag der Ausgabe 14/2009 gedruckt erscheinen soll. 

Vorschläge bitte als Kommentar unter diesen Beitrag posten. 

Vorab schon einmal ein paar formale Kriterien: 
- Für einen reibungslosen Produktionsablauf sollte der Beitrag am Montag Nachmittag feststehen. 
- Der Beitrag soll ein Thema haben, das in den Alltag passt, also ein Phänomen unserer Lebenswelt behandeln - ob als Kommentar, exemplarische Erlebnis-Geschichte, Interview oder als thesenhafte Aufforderung zur Diskussion. 
- Länge in etwa 3000 Zeichen oder auf diese Länge kürzbar. 
- Der Text muss ohne Bild funktionieren.

Viele Grüße,
Steffen Kraft (Ressort Alltag)
 
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Kommentare
ChristianBerlin schrieb am 28.03.2009 um 10:33
Danke. Das ist gut gemeint, lieber Steffen Kraft.

Aber das ist NICHTS. Ich werde trotzdem nicht ernst genommen. Das Ignorieren
durch die Redaktion geht geht weiter.

Dafür ein einfaches Beispiel:

www.freitag.de/positionen/0913-pro-reli-kulturkampf-berlin-kirche-staat

Das ist schon der vierte Beitrag zu diesem Thema. Alle einseitig aus
derselben Richtung. Unter die anderen drei habe ich meine Argumente
gesetzt. Und zuletzt schon moniert, dass dann immer niemand mehr Gegenargumente
bringt. Statt dessen immer dieselbe Leier unter anderem Namen wieder von
vorn. Das ist wie im Hamsterrad.

Die Redaktion bringt die Autoren nicht dazu, auf die bisherige Diskussion
und die hier gefallenen Argumente auch nur einzugehen, weder die
bisherigen, noch die dann folgenden. Und sie selbst antwortet auch nur,
indem sie den jeweils einen Verstärker zuschaltet und ansonsten nur in
Dauerberieselung denselben Gedanken in einer Endlosschleife wiederholt.

Das ist ein respektlos gegen Community-Mitglieder, die sich die Mühe
geben, die hier angebotenen Themen sachlich zu diskutieren oder selbst
recherchierte Informationen dazu beizusteuern. Auch wenn ich bei diesem
Thema vielleicht in der Einzahl reden müsste, schließt das nicht aus, dass
eine schweigende Quote an Community-Mitgliedern ähnlich denken könnte.

Nichts gegen klare Meinungen. Die hab ich auch. Die Auseinandersetzung
findet bei mir trotzdem statt - oder gerade deshalb. Nur - wenn keiner
mitmacht, kommt keine Diskussion zustande.

Darauf scheint die Redaktion in diesem Fall mächtig stolz zu sein. Soll sie
von mir aus. Nur ihr nehme ich ihr dann nicht ab, dass sie uns ernst nimmt
oder wir hier irgendeine Form von Mitsprache habe. Nicht wirklich, denke
ich. Ernst Nehmen ist etwas anderes.

Jetzt aber Pause, ich bin schon weg. ;-)
Steffen Kraft schrieb am 30.03.2009 um 10:28
Ihren Ärger kann ich zum Teil verstehen, allerdings würde ich gerne noch mehr Redaktionen sehen, die mit Ihren Lesern angeblich so "Nichtiges" diskutieren wie die Auswahl der abgedruckten Beiträge.

Es stimmt, dass noch nicht alle Autoren das Internet auch als Diskussionsmedium nutzen, wie übrigens auch einige Leser. Aber wollen Sie sie dazu zwingen? Und falls ja, mit welchen Mitteln?

In der Tat versteht sich der Freitag als Medium mit Haltung. Was ja auch heißt, dass wir bei aller Diskursivität nicht zwangsläufig zu jedem Thema eine pro/contra-Position abdrucken.

Ich selbst teile nicht alles, was im Freitag zum Religionsunterricht steht und wie darüber verhandelt wird. Ich würde stets vertreten, dass die redaktionelle Auswahl diskutiert und kritisiert werden sollte - so wie wir es hier tun.

Niemals aber kann sie einzelnen Interessenvertretern überlassen werden. Diese Art von "Mitsprache" hätte schlimme Folgen. Denn welche Konsequenzen hätte das, wenn ein Community-Mitglied nun zufällig nicht Mitglied von EKD und VBJ wäre, sondern etwa von EADS oder VCI?
ChristianBerlin schrieb am 30.03.2009 um 16:21
0) Das Dilemma

Ihr lasst mir im Moment nur die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Wenn ich auf die persönliche Spitze erwidere, mache ich mich unglaubwürdig. Denn ich bin eigentlich weg, hatte ich gesagt. Schweige ich dazu, könnten Leser das als Bestätigung auffassen, dass ich der Interessenvertreter dubioser Organisationen sein könnte, die "VBJ" und "EKD" heißen.

Da ist wohl Reden das kleinere Übel ...
ChristianBerlin schrieb am 30.03.2009 um 16:34
1) Persönliche Richtigstellung

In meinem Profil hatte ich u.a. angegeben, dass ich „Mitglied im Verein Berliner Journalisten (VBJ/DJV) und im Pfarrverein der EKBO“ bin. Das sind beides Arbeitnehmerorganisationen. Ich zahle deshalb zweimal Gewerkschaftsbeitrag, einmal als Pastor und einmal als Freier Autor.

Im Falle der Pastoren bin ich auch als Interessenvertreter, indem ich im Auftrag des Pfarrervereins oder der Hilfsstelle Pfarrerinnen und Pfarrer bei der Durchsetzung ihrer Arbeitnehmeranliegen gegen ihre Dienstherrin (die Kirche/n) unterstütze. Details sind über den Link „Hilfe für Pfarrer in Not“ im Profil recherchierbar.

Wenn Freitags-Redakteur Steffen Kraft oben zu erkennen gibt, dass er mein Profil kennt, ist das nur erfreulich und im Sinne eines meiner eigenen Vorschläge. Soweit er jedoch durch den letzten Absatz den Eindruck erzeugt, ich sei Interessenvertreter der EKD (das wäre die kirchliche Arbeitgeberseite), möchte ich dies energisch bestreiten. Ebenso bin ich kein Funktionär des Vereins Berliner Journalisten (VBJ), sondern dort nur einfaches Mitglied ohne jedes Mandat.

Allerdings gebe ich zu, dass mir der faire Umgang mit Journalistenkolleginnen oder Kollegen beim Freitag am Herzen liegt, wozu auch der Umgang der Redaktion mit ihnen als Bloggern (und mit Bloggern überhaupt) gehört. Das scheint auch das Anliegen von Steffen Kraft zu sein, und daran ist nichts zu beanstanden.
Steffen Kraft schrieb am 30.03.2009 um 16:38
Nein, als Spitzen waren meine Zeilen gar nicht gedacht. Ich wollte nur klarstellen, dass eine Diskussion auf Augenhöhe nicht bedeuten kann, dass die Redaktion sich ihre Herangehensweisen diktieren lässt - egal von wem.

Aber wenn ich Sie von Ihrer Pause abhalten oder diese verkürzen kann, ist das für den Freitag nur von Vorteil. :-)
ChristianBerlin schrieb am 30.03.2009 um 16:44
2) Entgegnung (erster Teil)

[Zitat Steffen Kraft] Ihren Ärger kann ich zum Teil verstehen...[/Zitatende]

Ich gebe zu, ich fühlte mich aufgrund des ungleichen Kampfes, der hier beim Thema Reli ausgetragen wird, ein wenig provoziert.

[Zitat Steffen Kraft]... allerdings würde ich gerne noch mehr Redaktionen sehen, die mit Ihren Lesern angeblich so "Nichtiges" diskutieren wie die Auswahl der abgedruckten Beiträge. [/Zitatende]

Auch richtig. Wenn die wüssten, dass sie so mit wenig Aufwand eine enorme Leserbindung schaffen können, würden die es möglicherweise auch tun. Dabei kommt es nicht so sehr darauf, wer oder was am Ende in die Printausgabe gelangt.

Der Lesernutzten wichtigste ist m.E. der Nebeneffekt, dass wir hier in einer dritten oder vierten Vorauswahl-Ebene auf besonders interessante BlogBeiträge stoßen, ohne alles dafür durchscannen zu müssen. Hut ab für diese Idee! Und sie funktioniert ja offensichtlich. J

[Zitat Steffen Kraft] Es stimmt, dass noch nicht alle Autoren das Internet auch als Diskussionsmedium nutzen, wie übrigens auch einige Leser. Aber wollen Sie sie dazu zwingen? Und falls ja, mit welchen Mitteln?[/Zitatende]

Die Mittel dazu kenne ich aus meiner Zeit als Chef (Herausgeber) in den 90ern wie auch aus der engen Zusammenarbeit mit einem bestimmten Ressortchef in meiner späteren Zeit als Freier: Kein Autor kann euch zwingen, seine Beiträge zu drucken – auch wenn ihr tariftreu, wie ihr seid, ihn trotzdem bezahlen müsst, wenn er das Thema bewältigt hat. Allerdings hat man auch da Spielraum und kann qualitative Erwartungen mit der Auftragsvergabe koppeln. Als Redaktion sitzt ihr immer am längeren Hebel, weil ihr völlig frei entscheidet, was in euer Blatt kommt (von den Gerichten und dem Presserat abgesehen). Und das ist gut so.
Steffen Kraft schrieb am 30.03.2009 um 16:47
Ah, da kam noch etwas.

ChristianBerlin, sie haben Recht - und kränken wollte ich sie wirklich nicht. Kann man denn überhaupt persönliches Mitglied der EKD sein? Ich dachte, das wären nur die einzelnen Landeskirchen?
ChristianBerlin schrieb am 30.03.2009 um 16:53
3) Entgegnung (zweiter Teil)

[Zitat Steffen Kraft] Diese Art von "Mitsprache" hätte schlimme Folgen [/Zitatende]

Ich verlange keine Mitsprache der Community über die Auswahl der Autorinnen/Autoren oder deren Standpunkte. Ich wollte zum Thema Reli erklären, warum ich mich an einer mit ungleichen Waffen ausgetragenen Diskussion nicht mehr beteiligen werde. Die in meinem Text eingeforderte „Mitsprache“, durch die Waffengleichheit zu erzielen gewesen wäre, hätte in der – handwerklich korrekten – Beachtung des bisherigen Diskussionsstandes dieses Themas durch die Autoren bestehen können, was die Redaktion (s.o.) ohne weiteres einfordern und durchsetzen kann, wenn sie denn will (s.u. zu 2).

Das „audiatur et altera pars“ beim Reli-Thema in der Redaktion durchzusetzen wäre ggf. der Job eures Herausgebers Friedrich Schorlemmer – wobei ich nicht weiß, ob die Stellung eines Hg. bei euch intern so mächtig ist wie bei gewissen Überregionalen, wo alles schweigt, wenn so jemand ein Thema an sich reißt. Ich weiß wohl, dass es auch Zeitungen gibt, wo Herausgeber nur Gallionsfiguren oder Vorzeigehampelmänner sind (Entschuldigung, Friedrich, war nicht persönlich gemeint). ;-)
ChristianBerlin schrieb am 30.03.2009 um 17:01
4) Noch ein Fehlerhinweis

Die Diskussion zu Frieder Wolfs Beitrag zeigt aus meiner Sicht nur einmal mehr, wo die Schwäche des Konzepts „Meinungsmedium“ liegt.

Viele Kommentatoren kennen den sachlichen Hintergrund zu dieser „Position“ gar nicht. Das merkt man z.B. an dem hartnäckigen Missverständnis, durch die Volksabstimmung solle Religion als „Pflichtfach“ eingeführt - also Religion unter Zwang gelehrt werden. Dabei lautet der Antrag auf Wahlfreiheit (im Rahmen einer vom Senat – nicht von den Kirchen - beschlossenen Pflicht, Gewissensbildung im Unterricht zu behandeln). Das wissen Thorsten und Streifzug offensichtlich wirklich nicht.

So eine Diskussion über freie Meinungen ist ohne ausreichende Information sehr schwierig. Im traditionellen Print stellt man deshalb bis heute Recherche und Meinung aufeinander bezogen nebeneinander. Oder die Information muss im Meinungsbeitrag selbst gegeben werden. Darauf zu achten, ist Aufgabe der Redaktion.

Ihr dagegen habt hier die Möglichkeiten des Internets zu nutzen versucht, ohne euch dabei seiner Tücken bewusst zu sein: Der Link www.wahlen-berlin.de/, mit dem ihr in Frieder Wolfs Text das Wort „Volksentscheid“ hinterlegt habt, führt inzwischen zu einem Volksbegehren gegen das Rauchverbot in Berliner Kneipen.

Kein Wunder also, dass aus purem Unwissen purer Unsinn in einigen Kommentaren steht. „Sowas kommt raus, wenn man die falsche Zeitung liest“, hätte ich früher gesagt.

PS: Ich hatte übrigens nicht gemeint, dass ihr euch in sinnlose Offtopc-Diskussionen über die simpelsten Journalistischen Grundsätze verstricken lassen müsst. Die stehen aus meiner Sicht fest und müssen sich hier nur unter neuen Voraussetzungen bewähren. Zu den kurzen Repliken und der EKD-Frage gleich noch was @Steffen Kraft
Steffen Kraft schrieb am 30.03.2009 um 17:18
Wie ich gerade vom Kollegen Tom Strohschneider erfahre, wird das Politikressort die Debatte zum Religionsunterricht voraussichtlich auf ihrer Blog-Spalte abbilden.
ChristianBerlin schrieb am 30.03.2009 um 17:26
@Steffen Kraft

[Zitat Steffen Kraft]Kann man denn überhaupt persönliches Mitglied der EKD sein? Ich dachte, das wären nur die einzelnen Landeskirchen?[/Zitatende]

Das dürfen Sie nicht mich fragen. Sie haben das behauptet.

Im Ernst: Im strengen Sinne geht das nicht. Man kann Mitglied einer EKD-Kirche sein oder eines EKD-Gremiums. Wenn man salopp sagt, "Mitglied der EKD", weiß man nicht, was gemeint ist.

Meine Befürchtung war, ich könnte als "Interessenvertreter" der EKD angesehen werden. Das ist - anders als bei den Katholiken, die ein Gehorsamsgelübte ins Ordinationsversprechen einbinden - bei uns evangelischen Pastoren nicht der Fall. Wir verpflichten uns nur, im Innern die Ordnungen einzuhalten (z.B. das Beicht- und Seelsorgergeheimnis oder die Sakramentsordnungen uvm.) und nach außen wie innen den Wahrheitsanspruch der sogenannten Heiligen Schrift und bestimmter (z.T. wählbarer) Bekenntnisse geltend zu machen. Aus letzterem können sich diametrale Gegensätze zu den Interessen der EKD als verfasster Körperschaft ergeben - gerade in Arbeitnehmerfragen, wo sie gern das eine predigt und das andere tut (was übrigens bei den Gewerkschaften als Arbeitgebern nicht anders ist).

Beleidigt war und bin ich nicht. Ich wollte nur ein Missverständnis vermeiden, dem ich sonst schweigend zugestimmt hätte.

[Zitat]Aber wenn ich Sie von Ihrer Pause abhalten oder diese verkürzen kann, ist das für den Freitag nur von Vorteil. :-)[/Zitatende]

Sie sind ein Schelm, aber ein charmanter. *schmunzel*
ChristianBerlin schrieb am 30.03.2009 um 17:40
@Steffen Kraft

(leider kreuzen sich unsere Antworten immer).

Unbekannterweise Grüße an Tom Strohschneider - keine leichte Aufgabe, aber eine interessante Herausforderung.

Bitte richten Sie ihm aus, er soll dabei nicht das unerlässliche Minimum an neutraler Sachinformation vergessen, damit die Debatte außerhalb Berlins auch verstanden und nicht wieder Falsches unterstellt wird - oder wenigstens die Links so setzen, dass sie nicht wieder bloß in die Raucherecke führen. ;-)

Viel Erfolg! :)
Der Freitag schrieb am 30.03.2009 um 18:01
Da haben wir ja zwei erwischt, die schon am Montag zu den am meisten kommentierenden Schreibern auf den Seiten des Freitag werden.

Lieber Christian, wir überlegenschon seit der Zeit vor Launch, wie wir unser Rollenmodell gestalten. Es war zunächst geplant, einen Publizisten mit mehr Rechten auszustatten, was leider die Technik gerade nicht erlaubt. So machen wir momentan User zu Publizisten, die in der Zeitung gedruckt werden. Da viele von den hier Schreibenden aber ohnehin Publizisten und Autoren im weiteren Sinne sind, ist dies nicht unbedingt eine "Belohnung".
Worum wir uns aber auf jeden Fall bemühen, ist eine Übersichtsseite über unsere aktivsten Schreiber zu schaffen, zu denen Sie zweifelsohne gehören und dies hoffentlich nach Ihrem "Erholungsurlaub" so weiter handhaben.
Ihre Hinweise zum Umgang mit Publizisten und allen Schreibern hier fand ich sehr gut. Ich habe es glaube ich schon erwähnt: Anstatt des Bewertungsüberblick soll es bald ein "meist gelesen" geben, da viele gute Texte nicht unbedingt immer stark kommentiert werden. Es muss und es wird mehr Wege geben die Texte aus der Community schnell zu finden, und vor allem sehr gute Schreiber schnell zu finden.
Desweiteren wäre es für die Transparenz der Auswahl von Blogbeiträgen für die Zeitung toll, und das geht nun in Richtung Steffen und alle auswählenden Redakteure, gleich mit der Entscheidung einen Kommentar mit der Begründung der Auswahl zu schreiben, so dass Sie für alle Schreiber der Community nachvollziehbar wird.

Viele Grüße
Tessa
cemb schrieb am 28.03.2009 um 13:13
In manchen Artikeln werden Links zu anderen Webseiten genutzt. Wie gehen Sie beim Abruck damit um? Linkliste am Ende des gedruckten Artikels? Links im Fliesstext in Klammern dahinter? Oder komplett weglassen?
Tessa schrieb am 28.03.2009 um 16:59
Hallo Cem,
da wir alle Texte aus der Printausgabe online stellen, sind die Links auch online am besten aufgehoben, so dass der Platz im Print voll ausgenutzt werden kann. Wir drucken unter den Artikeln in der Zeitung ein Kürzel, mit dem man den Text leicht online wieder finden kann. Wie der Autor seine Links online handhabt, ist ihm überlassen. Manche hinterlegen sie gerne hinter Textpassagen, als vollen Link in Klammern hinter eine Passage oder am Ende des Textes als Hinweise zur weiterführenden Lektüre. Bei Texten mit sehr vielen interessanten Links sollte man sicher im Print darauf hinweisen, dass über die Onlineversion des Textes weitere Informationen leicht auffindbar sind.

Viele Grüße
Tessa
cemb schrieb am 28.03.2009 um 17:46
Danke für das schnelle Feedback. Am Wochenende :-)
jfenn schrieb am 28.03.2009 um 14:02
Abgesehen von Problemen mit Hypertext: Ich glaube, Blogger legen gar keinen gesteigerten Wert darauf, daß ihre Texte gedruckt werden. Sie schreiben für das Netz und für die Netzgemeinde, nicht für die gedruckte Zeitung.
Steffen Kraft schrieb am 30.03.2009 um 10:48
Das stimmt sicher für einige. In vielen Fällen halte ich es allerdings für schade.

Nicht nur, dass auf diese Weise viele Menschen, die nicht im Netz unterwegs sind, von einigen ausgezeichneten Beiträgen gar nichts erfahren.

Manchmal überlege ich auch, ob es manchen Bloggern gut tut, wenn sie aus dem Garten der Blogosphäre herausträten. Dann würde die Relevanz mancher Blogdiskussion klar. Und auch, inwiefern sie für weniger internet-affine Menschen noch anschlussfähig ist.

Ich würde mich freuen, wenn Blogs für eine größere Masse relevant werden. Ja, dafür müssen Blogger auch besser werden: intelligenter schreiben, respektvoller diskutieren, intensiver recherchieren. Aber vor allem könnten sie ihre Zielgruppe erweitern. Dabei kann bedrucktes Papier helfen.

Einige interessante Beobachtungen zum Wert gedruckter Blogs, hat Jan Pfaff zusammengetragen.
Magda schrieb am 28.03.2009 um 19:48
Vorschlag:
Mir gefällt der Beitrag aus Klaras Blog sehr gut .

www.freitag.de/community/blogs/klara/mit-hermes

Magda
Steffen Kraft schrieb am 30.03.2009 um 11:19
Mir auch.

Haben Sie auch diesen Beitrag von Klara gesehen?

Den würde ich im Zweifel sogar noch lieber im Blatt sehen. Er beschreibt nämlich ebenso intelligent wie charmant ein gesellschaftliches Phänomen: der SMS und dessen Bedeutung für uns - in der Politik wie im Privatleben (und sei es zur Verabredung zum Mittags-Beischlaf).

Beiträge zu schreiben, die beide Ebenen schlau verbinden, ist anspruchsvoll. Und entsprechend selten.

Abgesehen davon, gefällt mir die Stoßrichtung. Häufig wird ja über Sprachverkümmerung geklagt, wenn die Sprache auf SMS kommt. Klara zeigt dagegen, dass Kurznachrichten im Alltag neue Sprachformen haben entstehen lassen.
Magda schrieb am 30.03.2009 um 14:32
Ja, der ist auch hübsch. Und stimmt auch, er ist gute zeitkritik. Ich hoffe, ich bin hier jetzt richtig mit meinem Kommentar auf Ihren. Ich weiß immer nicht, wo ich die platzieren soll.

Nee helfen sie mir nicht, ich will alleine....
Magda
Steffen Kraft schrieb am 30.03.2009 um 15:09
Na, hat doch alles geklappt.
Streifzug schrieb am 29.03.2009 um 00:11
Steffen Kraft schrieb am 30.03.2009 um 11:56
Guter Vorschlag, allerdings ist der Text fast doppelt so lang wie der zur Verfügung stehende Platz.
Streifzug schrieb am 30.03.2009 um 13:36
@Steffen Kraft
Ist das die Twister, die auch bei TELEPOLIS schreibt?

Kann man "Oh Biller, entossifiziere mich!" nicht doch hinbekommen? Es nimmt Stellung zu einer Diskussion, die extra zur Wahl entfacht wird.
Thorsten schrieb am 30.03.2009 um 15:44
1. Wie viele Zeichen darf der Text haben?
2.Wie viel sind eigentlich 16000 Zeichen wenn ich einen Text Offline schreibe?
Steffen Kraft schrieb am 30.03.2009 um 16:03
1. "Länge in etwa 3000 Zeichen" - siehe oben
2. Das lässt sich so ja nicht beantworten, das hängt von zu vielem ab Handschrift/Maschinenschrift/Randbreite etc...
klagefall schrieb am 30.03.2009 um 11:28
Ich würde gern etwas von cemb im Freitag sehen. Den Istanbul-Text (atmosphärisch) oder Blogs (I -- analytisch). Ich bin sehr froh, dass er diese Plattform nutzt.
Steffen Kraft schrieb am 30.03.2009 um 11:52
Auch wir sind darüber froh. Der Istanbul-Text ist ausgesprochen gut geschrieben. Was würden Sie einem Zeitungsleser antworten, der fragt: Was zeigt die Impression über den geschilderten Einzelfall hinaus?
Steffen Kraft schrieb am 30.03.2009 um 11:58
Jenseits dessen: Auf der Startseite des Online-Auftritts, weisen wir auf den Blogbeitrag schon einmal hin.
cemb schrieb am 30.03.2009 um 12:36
Oh, jetzt erst gesehen! Danke klagefall und Steffen Kraft. Das freut mich sehr.

Was der Text zeigen soll? Nichts, ausser der Stimmung im Moment als ich den Text geschriben habe. Wer will, kann darin aber auch den "Hüzün" lesen, den Istanbuler Blues und die Tristesse, wie Orhan Pamuk irgendwann mal davon sprach. Oder aber auch die Odysee zwischen den Welten. heimat und Diaspora. Asien und Europa. Heimatlosigkeit. Sehsucht nach Heimat. Wer will, muss aber nicht.
cemb schrieb am 30.03.2009 um 12:39
PS: Übrigens, ein Lektor mag es bemerken. Der Artikel besteht fast nur aus einem einzigen Satz. Ich neige ja eher dazu meist in ultrakurzen Sätzen zu schreiben. Subjekt, Prädikat, Objekt... :-)
cemb schrieb am 30.03.2009 um 12:53
@Steffen Kraft: Doof. Jetzt habe ich den Titel des Artikels leicht gekürzt und damit den Link von Anreisser zum Artikel kaputtgemacht. Arrggh. Können Sie das reparieren? Dank im Voraus.
Steffen Kraft schrieb am 30.03.2009 um 12:54
Lieber cemb, danke für die Anmerkungen.

Bitte nicht falsch verstehen, meine Rückfrage war keine versteckte Kritik an ihrem Text. Ich empfinde ihn als eine wirklich wunderhübsche Miniatur.

Die Frage zielte vielmehr darauf, eine Diskussion darüber anzustoßen, unter welchen Umständen ein Text auch im Print funktioniert.
Steffen Kraft schrieb am 30.03.2009 um 13:33
Habe unserem CvD Bescheid gesagt.
Steffen Kraft schrieb am 30.03.2009 um 11:48
Interessant erscheint mir auch der Kommentar von Twister über das neue Gesetz zu Werbeanrufen.

Nimm eine Alltagsphänomen, sei es schön oder ärgerlich, zeige was dahinter steckt und beziehe Position dazu. Diese Herangehensweise gefällt mir.
klagefall schrieb am 30.03.2009 um 12:17
@Steffen Kraft (noch eine Kommentarebene scheint es nicht zu geben): Ich würde sagen, dass der Text nichts weiter zu zeigen braucht. Furchtbar, dieses Nützlichkeitsdenken.
Steffen Kraft schrieb am 30.03.2009 um 12:30
Nützlichkeitsdenken würde ich es nicht nennen. Eher Orientierung an den Bedürfnissen der Leserinnen und Leser.

Denn öffentliches Schreiben ist ja etwas anderes als privates Schreiben - es ist ein Angebot an Leser, die zurecht mehr erwarten als bloß die Abbildung der Eindrücke eines Autors.
klagefall schrieb am 30.03.2009 um 12:43
@Steffen Kraft: Es war nach der Meinung der Leser gefragt. Ich bin auch Leser dieser Zeitung. Und ich lasse mir ungern Erwartungen unterschieben, die ich gar nicht habe, auch nicht von veehrten Zeitungsredakteuren. Die Abbildung der Eindrücke eines Autors (kann übrigens nicht jeder) reichen mir manchmal völlig aus.
Steffen Kraft schrieb am 30.03.2009 um 13:26
Natürlich wollte ich Ihnen nichts unterschieben. Was Sie schreiben, trifft sicher auf Sie und auch andere Zeitungsleser zu. Aber was ist mit denen, die anders denken? Sollen wir sie abschreiben?

Natürlich kann man nicht die Erwartung aller Leser treffen. Aber darum ging es mir bei meiner Frage auch nicht.

Vielmehr macht es einen guten Zeitungstext aus, dass man die Antwort auf die Frage nach seiner Relevanz auch einem Zweifler knapp vermitteln kann - was cemb selbst ja getan hat.

Ich finde diese Frage berechtigt. Und sie wird uns regelmäßig von Lesern gestellt. Gut so. Denn sie ist eine wunderbare Hilfe über das persönliche Geschmacksurteil und die eigene Lesebefindlichkeit hinaus zu blicken.

Wenn das Kritierium für einen Abdruck bloß wäre, dass ein Text mir persönlich ausreicht, dann sähe die Zeitung ganz anders aus - und ich denke, kaum jemand würde sie mehr lesen.
klagefall schrieb am 30.03.2009 um 14:19
Manchmal darf man vielleicht auch einfach mal etwas wagen. Bei den Berliner Abenden gab es häufiger solche poetischen Texte. Und der Rest der Zeitschrift ist ja voller "Relevanz".

Aber Sie haben natürlich damit recht, dass Sie eine Zeitung redigieren und auswählen müssen. Das kann Ihnen keiner abnehmen. Und ich kann nebenher auch einfach ein paar RSS-Feeds meiner Lieblingsblogs abonnieren.
Steffen Kraft schrieb am 30.03.2009 um 14:35
Das stimmt, der Freitag ist manchmal etwas schwer - und manchmal auch ein bisschen schwermütig. Das sollte sich ändern.

Nun muss relevant ja nicht langweilig/kompliziert/schwierig heißen. Mit dem Alltag wollen wir ja genau hierfür den Beweis antreten.

Im Moment tendiere ich zu dem sms-Beitrag von klara. Sie schreibt großartig und zeigt, was neue Kommunikationsformen für uns bedeuten.
Streifzug schrieb am 30.03.2009 um 15:28
@Steffen Kraft
"Wenn das Kritierium für einen Abdruck bloß wäre, dass ein Text mir persönlich ausreicht, dann sähe die Zeitung ganz anders aus - und ich denke, kaum jemand würde sie mehr lesen."

Ein bedenkenswerter Satz. Er streift meiner Meinung nach den Kern des Problems. Vielleicht liegt in einer kleinen Modifikation die Lösung: "Wenn das Kriterium für einen Abdruck wäre, dass ein Text mir persönlich ausreicht, dann würde bestimmt wieder mehr Zeitung gelesen."
Steffen Kraft schrieb am 30.03.2009 um 15:59
Kann ich das als Plädoyer für dass Subjektive verstehen? Oder für die Beliebigkeit?

Denn ein nicht argumentativ unterfütterbares Gefühl des "Gefallens" kann doch nicht ausreichen. Warum sollten mehr Leser das gut finden?

Oder meinen sie, dass der Journalismus auch in den Zeitungen häufig nicht hochwertig, interessant, aufwändig recherchiert und gut genug geschrieben ist?
Streifzug schrieb am 30.03.2009 um 16:31
@Steffen Kraft

"ausreicht".
-ausreicht- war das wesentliche Wort. Das ist durchaus subjektiv aber mitnichten beliebig.

Was einem ausreicht, ist eher eine Charakterfrage. Liegt hier das Problem? Reicht Ihnen persönlich ein beliebiges, nicht argumentativ unterfüttertes Gefühl des Gefallens für einen Artikel, unter dem Ihr Name steht?

Doch wohl kaum.

Viele Artikel haben den Anspruch hochwertig, interessant, aufwendig recherchiert und gut genug geschrieben zu sein. Es gab hochwertige Artikel über den Vorteil der Deregulierung von Finanzmärkten, welche der damalige IWF-Chef bestimmt unterschrieben hätte.

Viele Journalisten hatten schon damals ein "unbestimmtes Gefühl des Unbehagens", um in Ihrer blumigen Sprache zu bleiben. Einige hätten dieses Unbehagen gerne formuliert, weil ihnen die offizielle Schiene nicht ausreichte. Sie durften aber nicht außer sie setzten sich der Gefahr des Arbeitsplatzverlustes aus.

Hier liegt meiner Meinung nach die Chance für Journalisten in der Zusammenarbeit mit "Bloggern". Es geht nicht nur darum den Preis für die journalistische Leistung nach unten zu ziehen sondern die persönliche Meinung und Unabhängigkeit von Journalisten zu stärken. Wenn ihm das denn persönlich ausreicht.
Steffen Kraft schrieb am 30.03.2009 um 16:55
Ich denke, jetzt verstehe ich Sie besser, denke ich: Sie formulieren einen Anspruch, der über die Beherrschung des Handwerks hinaus geht, nicht dahinter zurückfällt.

Dass kann ich nur unterstützen - für Journalisten und Blogger gleichermaßen.
Streifzug schrieb am 30.03.2009 um 20:52
Korrektur:
Ich schrieb:" Es geht nicht nur darum den Preis für die journalistische Leistung nach unten zu ziehen sondern die persönliche Meinung und Unabhängigkeit von Journalisten zu stärken. Wenn ihm das denn persönlich ausreicht."

Wenn ich das jetzt neu lese, ist es doch sehr missverständlich. Es geht -nicht!!!. darum den Preis für die journalistische Leistung nach unten zu ziehen. Noch deutlicher: Es soll nicht sein, dass die "kostenlose" Arbeit der Blogger den Preis von Journalisten drückt. Das wäre lose-lose. Ziel ist win-win.
Steffen Kraft schrieb am 01.04.2009 um 09:30
Ja, so hatte ich es auch verstande.
Steffen Kraft schrieb am 30.03.2009 um 17:47
Der Redaktionsschluss drängt.

Herzlichen Dank für die Hinweise, Vorschläge und zahlreichen Kommentare. Möglicherweise wurde in der Diskussion ein wenig klarer, welche Überlegungen wir im Alltags-Ressort bei der Auswahl von Blog-Beiträgen anstellen, welche formalen Schranken es gibt und vielleicht auch wie anspruchsvoll es ist, einen guten Text über Alltägliches zu schreiben.

Dann hätte die Debatte ihr Ziel erreicht.

In der nächsten Ausgabe wird sich nun klaras Text über die Bedeutung des SMS im Blatt finden. Wir lesen jeden Blog mit "Alltags-Bezug" und schätzen selbstverständlich viel mehr Texte aus der Community als in der Zeitung stehen können. Anders als im Netz müssen wir für den Druck eine Auswahl treffen, die nie leicht fällt - und uns bei den zahlreichen guten Blogs auch oft ein wenig traurig macht. So auch diesmal.
Thorsten schrieb am 01.04.2009 um 17:23
Der Freitag-Blog ist das beste Beispiel für den Bürgerjournalismus. Und diesem Grund sollten weiterhin Blog-Beiträge im FREITAG veröffentlicht werden.
Steffen Kraft schrieb am 02.04.2009 um 13:22
Danke für das Lob. Und natürlich wird es weiter Blogbeiträge im Blatt geben. Deshalb haben wir ja diese Diskussion gestartet.
digga schrieb am 01.04.2009 um 08:50
Ich möchte Der Killerspielspieler von ebby vorschlagen. (2688 Zeichen mit Leerzeichen)
digga schrieb am 01.04.2009 um 08:51
Ach, zu spät. Naja, nächste mal vielleicht.
Steffen Kraft schrieb am 01.04.2009 um 09:30
Ja, schade, aber wir haben ein (freundliches) Auge auf ebby.
manstruator schrieb am 11.04.2009 um 23:26
Dieses Thema wird wohl nie zu aller Zufriedenheit gelöst werden können.
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