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Der Albtraum der Organisatoren: Fans, die draußen bleiben. (Foto: Marc Röhlig)
Man kann schon verstehen, dass es abgehen soll bei der Leichtathletik-WM in Berlin. Soll – so wollen es Veranstalter, Sponsoren und Gastgeber. Das größte Problem, dem sie dabei gegenüberstehen, heißt aber: Leichtathletik-WM.
Problem Teil Eins: “Leichtathletik”
Das hat zwei Gründe, erstens liegt es am Wort „Leichtathletik“ in Leichtathletik-Weltmeisterschaft.
Bei den Gehwettkämpfen unter den Linden gibt es keine größeren Lücken, auch nicht bei Spitzenwettkämpfen wie den 100 Meter Sprintern, da kamen immerhin 50.000 ins Olympiastadion. Doch bei Vor- oder Hindernisläufen am Vormittag springt die Leere der Schalensitze rund um das Blau der Rennbahn ins Auge. Das hat natürlich – wie vieles – viele Gründe: Mangelnde Helden-Ausstattung der Teilnehmer, fragmentierte Disziplinen und langwierige Stadionbelegung über Tage und Wochen. Das ist wahrscheinlich alles genauso richtig wie es akademisch ist. Doch es gibt eine Erklärung, die weitaus weniger komplex ist: Viele finden Leichtathletik einfach langweilig.
Eine Veranstaltung für sportliches Fachpublikum
Die Langeweile steht im Gegensatz zur Geschichte der Leichtathletik und ihrer Disziplinen. Ihre Wurzeln verlaufen entlang der Wurzeln unserer Kultur: von Ursprüngen in Griechenland bis zu politischen Instrumentalisierungen im vergangenen Jahrhundert. Doch das ist dem Konsumenten des Sportprogramms offenbar nicht so wichtig. Was zählt ist Unterhaltung und das ist Leichtathletik nicht, irgendwie scheitert sie an Bedingungen und Bedürfnissen der Pop-Kultur – für Kultur-Essayisten und Feuilletonisten des Landes gibt es damit Anlass kulturkritisch zu werden.
Es gibt jedoch eine Ausnahme: Es zählt nicht nur Unterhaltung in der Pop-Kultur, es zählt auch – und hier punktet die Leichtathletik – eigene Betroffenheit. Unter den Besuchern ist wiederkehrendes Thema anzutreffen: Zuschauer, die selbst Leichtathleten sind oder waren. Wenn aber Disziplinen wie Hammerwerfen und Gehen im Breitensport immer weiter an Popularität einbüßen müssen, verliert die WM immer weiter Zuschauer. Jeder Speerwerfer weniger bedeutet auch weniger Zuschauer beim Speerwerfen. So wird aus einer Weltmeisterschaft eine Veranstaltung für sportliches Fachpublikum.
Problem Teil Zwei: “Weltmeisterschaft”
Zweitens macht das Wort „Weltmeisterschaft“ in Leichtathletik-Weltmeisterschaft der Veranstaltung und den Veranstaltern Probleme. Drei Jahre nach der nationalen Großinszenierung der Fifa muss sich (momentan zumindest) jede WM einem Vergleich mit der WM stellen.
Wer die Fußball-WM erlebt hat, der weiß: Das ist erstmal nicht zu toppen. Keiner wird zur Leichtathletik-WM in der Erwartung anreisen, die Stadt in einem ähnlichen märchenhaften Freudentaumel zu erleben. Selbst eine exakte Wiederholung wäre keine Wiederherstellung der Ereignisse und Erlebnisse, die beste Organisation könnte keine Event-Zeitmaschine bauen.
Die Erwartungen gegenüber WMs haben sich verändert, es gibt heute andere Standards, was das Sportbusiness der Großveranstaltungen leisten soll. Seit die Fußball-WM zum Mythos (gemacht) wurde, können die Leichtathleten den WM-Wettlauf nur verlieren. Das ist nicht unbedingt die Schuld der Organisatoren, denn Begeisterung gibt es nicht auf Bestellung.
Wer weiß, vielleicht wäre vor 2006 eine Weltmeisterschaft (selbst wenn sie noch im Schatten der Olympischen Spiele des vorherigen Jahres steht) mit jubelnden öffentlichen Auszeichnungen wie „gut organisiert“, „tolle Atmosphäre“ und „riesen Erlebnis“ bedacht worden. So einfach ist das nach der WM 2006 aber nicht mehr. Bescheidenheit hinsichtlich unserer Erwartungen an Sportereignisse pflegen wir nicht mehr.
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Eine interessante Analyse. Allerdings, das unterstelle ich mal, aus Sicht eines Fußballfans. Jemand der sich für Leichtathletik interessiert, braucht in der Regel keine Publicviewing mit einem Meer aus Bier- und Deutschlandfahnen. Dieses unsägliche gewedel ist uns ja leider von der Fußball-WM erhalten geblieben. Es soll übrigens auch Menschen gegeben haben, denen Partymeilen und Torgegröhle auf den Geist gegangen sind, die wollten einfach Fußball sehen und sich nicht auf einer geilen Party selber feiern.
Die Spannung kommt aber schon, wenn man sich die Damen und Herren genau anschaut. Wenn ein Hammerwerfer sich so in Bewegung setzt, überlegt man sich schon einmal, ob man über jeden Bauch, der kein Sixpack hat lästern sollte. Die Dynamik, die da entsteht finde ich sehr beeindruckt, und ich könnte so einen Hammer nicht mal hochheben. Allerdings würde ich auch nicht in das Stadion gehen. Wenn man einen Platz haben will, von dem man einigermaßen etwas sehen will, kommt man nicht unter 70Euro weg. Die Ticketpreise sind einfach unglaublich frech*. Und der eine oder andere steigt sicher auch aus, weil er keine Lust hat, sich verarschen zu lassen, weil die Hälfte der Weltmeister in einem Jahr des Dopings überführt werden. *http://www.berlin2009.org/130-0-stadionuebersicht.html |
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Moin. :-) ne bin gar kein Fußballfan. Woher die Spannung und der "Wert" der Leichtathletik kommt, damit habe ich mich heute beschäftigt und dazu kommt morgen was - hier oder anderswo.
Aber schonmal danke fürs kommentieren hier (bin ja ganz neu). Grüße! |
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Ich bin in der Schule so mit Leichtathletik und mit Bodenturnen gequält worden, ich werde sowieso nie verstehen bzw. nachvollziehen können, wie sich einer für derlei Sportarten ernsthaft interessieren kann. Einfach nur schneller rennen, weiter werfen, höher springen. Nee.
Vielleicht interessiert dieses schneller, weiter, höher einfach auch nicht mehr so, weil wir gesellschaftlich zukünftig auch was anderes brauchen als das. Beim Fußball gewinnt immerhin noch das beste Team, und das ist eben nicht immer das, was sich aus den besten Einzelsportlern zusammensetzt. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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