Mit Robert Kurz lud das “Theologische Quartett Trier e. V.” am zweiten Adventssonntag einen der gegenwärtig (auch unter Sozialisten) umstrittensten Kapitalismuskritiker ins Palais Walderdorff ein. Der 66-jährige Publizist referierte zum Thema “Der moderne Kapitalismus als säkulare Heilslehre”. Seine Kernthese: Der Kapitalismus besitzt mittlerweile eine religiöse Struktur, in der die allumfassende Vorherrschaft des Marktes als zentrales Dogma damit einhergeht, dass die Marktwirtschaft zur alternativlosen, weil objektiv vorgegebenen Form des gesellschaftlichen Lebens erhoben wird und einzig im rationalen Kalkül des “Homo Oeconomicus” sowie dem vermeintlich endlosen technischen Fortschritt Erlösung verspricht.
Ein Tisch, sagt Karl Marx im inhaltlich wie literarisch besonders hochklassigen ersten Kapitel des ersten Kapital-Bandes, “ist ein sehr vertracktes Ding voller metaphysischer Spitzfindigkeiten und theologischer Mucken.” Solange er einen Gebrauchswert habe und nicht gekauft oder verkauft werde, hafte ihm nichts Mystisches an. Sobald er aber als Ware auftrete, “verwandelt er sich in ein sinnlich übersinnliches Ding”. Als Robert Kurz in seinem Vortrag dieses Beispiel nutzt, um seine Wertkritik zu illustrieren, hat er den vielleicht wichtigsten wunden Punkt der gegenwärtigen Gesellschaft klar benannt.
Hier weiterlesen
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen