Der Rote Baron

Blog von Der Rote Baron

07.12.2010 | 14:29

“Der Kapitalismus zerstört sich selbst”

Mit Robert Kurz lud das “Theologische Quartett Trier e. V.” am zweiten Adventssonntag einen der gegenwärtig (auch unter Sozialisten) umstrittensten Kapitalismuskritiker ins Palais Walderdorff ein. Der 66-jährige Publizist referierte zum Thema “Der moderne Kapitalismus als säkulare Heilslehre”. Seine Kernthese: Der Kapitalismus besitzt mittlerweile eine religiöse Struktur, in der die allumfassende Vorherrschaft des Marktes als zentrales Dogma damit einhergeht, dass die Marktwirtschaft zur alternativlosen, weil objektiv vorgegebenen Form des gesellschaftlichen Lebens erhoben wird und einzig im rationalen Kalkül des “Homo Oeconomicus” sowie dem vermeintlich endlosen technischen Fortschritt Erlösung verspricht.

Ein Tisch, sagt Karl Marx im inhaltlich wie literarisch besonders hochklassigen ersten Kapitel des ersten Kapital-Bandes, “ist ein sehr vertracktes Ding voller metaphysischer Spitzfindigkeiten und theologischer Mucken.” Solange er einen Gebrauchswert habe und nicht gekauft oder verkauft werde, hafte ihm nichts Mystisches an. Sobald er aber als Ware auftrete, “verwandelt er sich in ein sinnlich übersinnliches Ding”. Als Robert Kurz in seinem Vortrag dieses Beispiel nutzt, um seine Wertkritik zu illustrieren, hat er den vielleicht wichtigsten wunden Punkt der gegenwärtigen Gesellschaft klar benannt.

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Der Rote Baron
In politischen Fragen kommt es niemals darauf an, wer die Wahrheit sagt, weil es in der Politik keine Wahrheit gibt. Entscheidend ist lediglich, welche Interessen sich durchsetzen. Genau dies muss immer wieder neu aufgedeckt werden. Ebenjener Aufgabe der Bewusstseinsschaffung stelle ich mich.
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