20:15 Uhr - Fernsehdeutschland schaltet die TV-Empfangsgeräte scharf. Ich entscheide mich für "Menschen 2011" im ZDF mit meinem - schon weit vor Horst Schlämmer Zeiten - Lieblings-Komiker Hape Kerkeling. Der, der gerade erst kürzlich dem ZDF eine Absage für "Wetten, dass..." erteilt hat, moderiert nun also eine große Abendshow, am Sonntag, auf eben jenem Sender und in eben jener Show die vor einem Jahr Thomas Gottschalk präsentierte.
Für mich heißt es alle Jahre wieder: Wer bietet den besseren, heißt anspruchsvolleren und unterhaltsameren, Jahresrückblick? RTL mit Günther Jauch und "Menschen, Bilder, Emotionen" oder das ZDF mit "Menschen". Sat1 mit Johannes B. Kerner schließe ich aufgrund meiner Erfahrungen zwar bereits im Vorfeld aus dem Rennen kategorisch aus, werde es mir aber in der kommenden Woche ebenfalls zu Gemüte führen. Jauchs Sendung lief bereits und hat mich eher gequält als vom Sofa zu reißen. Eine reine Werbeveranstaltung für RTL Hausproduktionen, stetig unterbrochen von den all zu vielen Werbeblöcken. Erlebe ich mit Kerkelings Show das Gegenteil?
Zumindest die Werbung fällt dank meiner ehrlich entrichteten GEZ-Gebühren weg.
Hape benötigte gefühlte 119 Sekunden, um eine ungewohnte Steifigkeit abzulegen und seine Lockerheit ans Tageslicht oder besser gesagt ins Scheinwerferlicht zu rücken. Kurz hatte ich tatsächlich Befürchtungen es könnte eine trockene, humorlose Veranstaltung werden, bei der ich schon nach 30 Minuten die Wälder sägen gehe. Dreieinhalb Stunden können immerhin recht lang werden. Am Ende jedoch habe ich das Gefühl, dass die 30. Ausgabe dieser Sendung, ursprünglich aus der Ideenwerkstatt des Frank Elstners, die wohl beste "Menschen"-Ausgabe war, die ich zumindest gesehen habe und bedauere zum ersten Mal Kerkelings Absage an "Wetten, dass...".
Lustige, humvorvoll moderierte Beiträge wechselten sich passgenau mit von Hape ungewohnt und zugleich überzeugend dargestellten seriösen und einfühlsamen Momenten, wie beispielsweise bei den Rückblicken auf Japan, Norwegen oder den ermordeten Mirco, ab. Hätte ich Einfluss auf die Gestaltung der Sendung gehabt - hatte ich aber nicht - so hätte ich diese möglicherweise um den ein oder anderen Rückblick ergänzt. Gerade jedoch das Ende, dass hätte ich definitiv anders gestaltet und wirkte mit der über 70jährigen Marathonläuferin und einem im Vorfeld aus den USA zugeschalteten Dirk Nowitzki doch leider nahezu planlos und stand der sonst so guten Sendung eher schlecht statt recht.
Mein nun zu später Vorschlag für eine Abmoderation lautet: "Und wir verabschieden uns mit den Menschen die uns 2011 leider verlassen haben und die wir nie vergessen werden. Alles Gute, auf Wiedersehen und eine gute Nacht!" - die daraufhin eingespielte MAZ endet mit einem zum Abschied winkenden Loriot und blendet bei klassischer Musik leise ins Schwarze aus.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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