Der digitale Flaneur

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19.10.2010 | 15:55

Bachar Mar-Khalifé: Oil Slick [InFiné]. Kammermusik 3.0

Bachar Mar-Khalifé ist ein hingebungsvoller Arrangeur des dramatischen Moments, ein Komponist der vieldeutigen Zwischentöne, ein Liebhaber der brüchigen, sanften Oberflächenspannungen - kurz: Ein Klangmagier.

Überraschend ist dies nicht, betrachtet man sich seinen musikalischen Werdegang. Sohn des bekannten libanesischen Sängers Marcel Khalifé, Schüler des weltweit renommierten Pianisten Abd al Rahman El Bacha, nach der Flucht im Alter von 6 Jahren zunächst Schüler des bedeutenden Konservatoriums im Bolougne, danach Besuch des Pariser Konservatorium und dort - erschreckend folgerichtig - Abschluss mit Auszeichnungen. 

Dem aber nicht genug, er bewegte sich in seiner künstlerischen Karriere auch auf den verschiedensten Feldern. So spielte er gemeinsam mit dem konventionell orientierten  Orchestre National de France, ebenso wie mit dem von Pierre Boulez gegründeten Ensemble Intercontemporain und wirkte an der Verschmelzung klassischer und elektronischer Musik mit, als er die Liveprojekte von Carl Craig und Moritz von Oswald begleitete.

Auf seinem jetzt erscheindenen Debut (dessen Veröffentlichung sich in Deutschland leider verschoben hat) gibt er einen Einblick in seine spezielle Herangehensweise an die tonalen Möglichkeiten von Piano und Perkussion. Gemeinsam mit drei Kommilitonen, seinem Bruder Rami Mar-Khalifé (Klavier), Aymeric Westrich (Schlagzeug, Synthesizer) und Alexander Angelov (Bass, Hintergrundstimme) entwirft er eine erneuerte Kammermusik, welche sich im Spannungsfeld zwischen Sigur Ros, Yann Tiersen, Mogwai, Orka, Múm und dem Dale Cooper Quartet bewegt.

Die gleichermassen schwebenden, atmosphärischen und expressiven Arrangements oszillieren zwischen aktualisierter, aufgebrochener arabischer Folklore, bestechender Neuer Musik und modernisierter Kammermusik. Aber Mar-Khalifé ist nicht nur Komponist und Sänger, sondern auch politischer Aktivist und Kommentator von sozialen und ökologischen Mißständen, erkennbar ist diese Haltung bereits am Albumtitel. 

Die eigenständige Herangehensweise dieser etwas anderen Avantgardisten wird sicherlich niemals Massentauglichkeit erreichen, für alle Menschen mit offenem Ohr und Gemüt ist sie aber mehr. Die Vermählung von reformulierter klassischer Musik, moody Soundscapes, hörspielartigen Sequenzen und cinematoskopischen Momentaufnahmen und ja - somit ist sehr zu empfehlen - auch vom Flaneur!

Das Veröffentlichungsdatum hat sich (wie oben angerissen) in Deutschland leider verschoben, ihr könnt ab dem 22. Oktober diese atemberaubende Platte als Download erwerben - oder ihr geduldet euch bis zum 12. November und ersteht die CD.

Wer einen Tonbeweis für die schiere Brillanz dieses Künstlers braucht findet diesen in 9:22 minütiger Lange unter diesem Link:  Bachar Mar-Khalifé: Distance

 
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Kommentare
seering schrieb am 19.10.2010 um 19:43
Gefällt mir sehr, vielen Dank! (Ah, Mogwai!)
Mingus schrieb am 20.10.2010 um 10:12
Mar-Khalifé - den Namen habe ich schon irgendwie im Gedächtnis gehabt, aber bewusst gehört noch nichts. Vielen Dank für den Hinweis!
Der digitale Flaneur
Ein Gutgläubiger in der hektischen Welt des Netzes - weshalb sonst sind die Rezensionen so lange :D
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Kommentare: 1
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16:57
merdeister hat gerade einen Kommentar geschrieben.
16:53
freedom of speech? hat gerade einen Kommentar geschrieben.
16:51
freedom of speech? hat gerade einen Kommentar geschrieben.
16:50
gerhard monsees hat gerade einen Kommentar geschrieben.
16:45
Fräuleinchen hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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