Fast hätte Wintermodezar Willy Bogner den Karren Olympiabewerbung an die Wand gesteuert. Der Chef der Bewerbergesellschaft forderte vergangene Woche eine Aufstockung des Budgets und koppelte sein weiteres Engagement daran – und das, obwohl der ursprüngliche Etat von 30 Millionen Euro noch nicht gedeckt war, weil erst 20 Millionen bei Sponsoren mühsam zusammen gekratzt werden konnten. Am 15. Juli, lenkten die Gesellschafter auf Bogners Kurs ein und sicherten somit vorerst die Bewerbung an sich und, das ist wohl noch wichtiger, die Unterstützung des bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Der hatte nach Bogners Forderung verlautbaren lassen, dass die Dinge der Olympia-Bewerbung nicht bekömmlich seien und vom Tisch müssten.
Nun ist immerhin der Landesvater besänftigt: „Ich bin nach zwei eingetrübten Tagen wieder sehr zuversichtlich. Jetzt sind wir wieder auf der sonnigen Seite.“ Es gäbe nach der „ungeschminkten Aussprache in keinem Bereich noch irgendwelche Zweifel“. Nach diesem Lippenbekenntnis Seehofers, liegt auch eine weitergehende finanzielle Unterstützung durch den Freistaat im Rahmen des Möglichen. Anstatt, wie Ende Mai angekündigt, nur eventuelle Defizite ausgleichen zu wollen, könnten so die bayrischen Steuerzahler schon im Vorfeld der Spiele zur Kasse gebeten werden. Jens Weinreich gibt sich keinen Illusionen hin: „Macht haben sie ja, wenig Geist, aber Macht – und damit auch Macht über die Schatullen des Steuerbürgers“.
Vorsorgend formuliert der klima- und energiepolitische Sprecher Ludwig Hartmann der bayrischen Grünen die Forderung, dass „auch keine weiteren öffentliche Darlehen oder öffentliche Gelder in die Bewerbung fließen [dürfen].“ Die Notwendigkeit bestünde laut Hartmann in jedem Fall, denn „die Bewerbergesellschaft hat sich an allen Enden und Ecken verrannt. Es ist an der Zeit endlich aufzuwachen und einen Schlussstrich zu ziehen für Olympia 2018“.
Mit dieser Gesinnung stehen die Grünen nicht alleine da. Bereits im Februar diesen Jahres, formierte sich das Bündnis NOlympia 2018 mit einem Positionspapier. Auf deren Webseite nolympia.de/ werden 18 Gründe gegen Olympia aufgelistet, darunter die ökologische Nachhaltigkeit, die finanzielle Belastung für die Kommunen, die Folgen für Infrastruktur und Tourismus und die sportpolitische Doppelbödigkeit der Bewerbung.
Weiterhin bildet sich bäuerlicher Widerstand im Dunstkreis von NOlympia 2018. Einigen Oberammergauern und Garmisch-Partenkirchenern Landwirten liegen Vertragsentwürfe vor, mit denen sie ihr Land dem Olympia-Projekt überlassen würden. Obwohl die Verträge lukrative Entschädigungszahlungen und Garantien für die Wiederherstellung des Geländes vorsehen, verweigern die Grundbesitzer eine Unterschrift noch und verzögern damit die Bewerbungsprozedur. Gegenwind bläst den Bauern aus der Lunge Karl-Heinz Rummenigges entgegen: „Mir gehen diese Quertreiber in der Alpennähe gegen den Strich. München sollte wissen, was so ein Ereignis für eine Stadt bedeutet.“ Ob diese Worte zur Besänftigung beitragen?
Ein dritter Faktor, der die Bewerbung zum Kippen bringen kann, ist die südkoreanische Konkurrenz aus Pyeongchang (nicht zu verwechseln mit Pyongyang/Nordkorea). Hinter der steht mit Samsung ein Sponsor, der finanziell wesentlich potenter ist, als das Bundesland Bayern und der Olympia-Sponsorenpool zusammen. Für Pyeongchang spricht zudem, dass es nun schon zum dritten Mal an der Auswahlprozedur teilnehmen. Zwar waren die Südkoreaner Turin 2006 und Vancouver 2010 unterlegen, doch die Bewerbungen waren jeweils exzellent. Daher wäre Pyeongchang allein wegen Hartnäckigkeit, Qualität und Geld einfach an der Reihe. Sogar DOSB-Chef und IOC-Vizepräsident Thomas Bach betont, dass Pyeonchang weiterhin der Favorit ist. Dies wird wohl auch so bleiben, solange die Münchener Finanzierung, Außendarstellung und Unterstützung der Bevölkerung derart mangelhaft sind.
Die Konkurrenz ist übermächtig, die inneren Quärelen sind, gelinde gesagt, belastend. Bis zur Vergabe der olympischen Spiele in Durban am 5. Juni 2011, muss die Münchener Kandidatur noch einige Schluchten überwinden. Die Sprungschanzen sind derzeit noch in Planung.
www.dersalon.org/analyse/die-chancen-des-olympia-projektes-munchen-2018-1475/
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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