Der neue Praktikant ist Pakistaner. Also eigentlich nicht wirklich, vielmehr kommen seine Eltern aus Pakistan. Er selbst ist in Deutschland geboren. Und da sie nach 1950 in Deutschland eingewandert sind, gehören sie mit ihrem Sohn zusammen statistisch gesehen zur Bevölkerungsgruppe mit Mirgationshintergrund. Vier Wochen dauert das Praktikum. Es soll der beruflichen Zukunft des Praktikanten Orientierung geben.
Das Prozedere ist nahezu täglich dasselbe: Nachdem der erste Arbeitsanfall erledigt ist, fragen sich die üblichen Verdächtigen nach 11 Uhr, wer was wo zu Mittag isst. Ich bin für Integration, also beziehe ich den neuen Praktikanten bei der Suche nach adäquater Nahungsaufnahme ein. Ich schlage Thailändisch vor, denke laut über ein frisch belegtes Focaccia nach und frage ihn, ob vielleicht ein knackiger Salat das Passende sein könnte. „Ich esse nur deutsches Essen: Spaghetti und Lasagne,“ teilt mir der Praktikant seine kulinarischen Vorlieben mit.
Wenn das die Folge bundesdeutscher Integrationsmaßnahmen, ja das Ergebnis „erfolgreicher“ Assimilation ist, werde ich zukünftig meinen Beitrag zur Eingemeindung umstellen: Ich bekoche die Menschen mit Migrationshintergrund in meinem Umfeld mit Kartoffelknödeln, Krautsalat und Schweinbraten. Halt. Kein Schweinbraten, ich nehme besser Rinderfilet. Oder Huhn. Als Nachspeise Dr. Oetker Pudding Vanille-Geschmack, oben auf einen Klecks selbst gemachte Marmelade vom Mutti. Und dann rufe ich bei der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden an und schlage „Menschen mit Migrationshintergrund“ als Unwort des Jahres 2010 vor. Finanzkrise kann ich nicht mehr hören, auch nicht als Unwort irgendeines Jahres. Nicht nur kritisieren, Alternativen schaffen ist mein Motto. Also schlage ich „.Homo culinarius“ statt „Menschen mit Migrationshintergrund“ vor.
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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