Die unglaubliche Hummel

Blog von Die unglaubliche Hummel

12.07.2010 | 11:14

Von Kanonenbootkapitänen und kleinen Kopftuchmädchen

Gerade in der ZEIT gelesen: Da muss man im Leitartikel von Bernd Ulrich allen Ernstes von den „Konsumpflichten“ der Bürger lesen – steht das so im Grundgesetz? Alle Bürger sind zum bedingungslosen Konsum verpflichtet! – dann gibt es da noch ein Interview im ZEIT-Magazin mit Thilo Sarrazin. Damit wir uns richtig verstehen – für Aussagen in einem Interview kann natürlich die Zeitung nichts, im Gegenteil muss man dankbar sein. Es ist doch immer wieder entlarvend, wes Geistes Kind sich da die Blöße gibt. Worum es geht?

Der ehemalige Finanzsenator Berlins, der von nicht integrierten Einwanderern schwafelte, die „ständig neue kleine Kopftuchmädchen“ hervorbrächten, hat noch mehr auf Lager, oder, in seiner eigenwilligen Ausdrucksweise, im Arsenal. Inzwischen im Vorstand der Bundesbank, meint er: „In der Politik ist der Einsatz einer der Situation angemessenen Streitmacht ganz wichtig. Wenn einmal bekannt ist: Britannia rules the waves, dann reicht es, wenn drei, vier Kanonenboote ruhig an der afrikanischen Küste entlangfahren, schon ist Ruhe.“

Auf die Frage, was das denn mit seiner Politik als Finanzsenator zu tun habe (er sprach vorwiegend über sich selbst, scheint er gerne und oft zu tun), antwortet er: „Nun, ich hatte immer das Ziel, dass ein Senatskollege, wenn ich mit ihm verhandele, von sich aus einen Kompromiss anstrebt, um der Auseinandersetzung mit mir aus dem Wege zu gehen. Wenn ich ihm die Waffen ausreichend vorgezeigt habe, war es auch in meinem Interesse, mich mit ihm zu einigen.“

Interviewer Mangold baut schon eine Brücke, ob er denn nicht manchmal besser etwas gezögert hätte mit mancher Äußerung.

„Nein, nein. Ich habe immer die verbale Artillerie aufgestellt. Die muss auch kräftig ballern, aber ich habe immer nur dort geballert, wo ich wusste, dass ich so ohne Weiteres nicht zu kriegen bin [wie sympathisch…]. Ich mache auch keine verbalen Breitseiten, sondern habe eine präzise Wortwahl, die die Dinge auf den Punkt bringt“ [er meint, scharfschützengleich das Ziel zwischen den Augen anvisiert].

Ich will mich hier nicht mit einem von anderen geführten Interview schmücken. Sarrazin wiederholt seine Abneigung gegen das Verhüllen der Frauen, das an dieser Stelle nicht weiter bewertet zu werden braucht. „Meine mitteleuropäische Herkunft prägt mein Schönheits- und Werteideal“ und auch die faulen Arbeitsfähigen, „deren wahres Motiv für Kinderreichtum in staatlichen Transferleistungen zu suchen ist“ werden neuerlich erwähnt.

Dazu kann man stehen, wie man will. Zu der durch und durch rassistischen, kolonialistischen und vor allem militaristischen Argumentationsweise nicht. Man muss sich nicht wundern, dass viele Dinge in Deutschland so sind wie sind, wenn derartig behelmte Betonköpfe Schlüsselpositionen besetzen. Vielen Dank für dieses deutliche Statement und – der stilistische Rückgriff sei erlaubt – auch für das Öffnen des Visiers.

 

 
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Kommentare
KalleWirsch schrieb am 12.07.2010 um 11:53
Verlogenheit kann man ihm wirklich nicht vorwerfen. Herrlich wie der werte Herr sich mit seiner kolonialistischen Wortwahl wieder selbst entlarvt.

"Britannia rules the waves, dann reicht es, wenn drei, vier Kanonenboote ruhig an der afrikanischen Küste entlangfahren, schon ist Ruhe.“

"Und ebenso wenig erfreut bin ich über Menschen, die gesund und arbeitsfähig sind, aber vom Staat leben, insbesondere dann, wenn deren wahres Motiv für Kinderreichtum in staatlichen Transferleistungen zu suchen ist."

Liebe SPD, Herr Sarrazin äußert diese Dinge immer noch unter dem Label SPD. Wie oft muss Herr Sarrazin die SPD denn noch auslachen und verhöhnen, bevor sie reagiert?

Das Interview zum Nachlesen:

www.zeit.de/2010/28/Rettung-Thilo-Sarrazin
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