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Wir stehen unter der Brücke. Die Feuer-Funken stieben aus den Tonnen, die hier herumstehen, durch die milde Herbstluft gegen das Brückengewölbe. Es ist so milde, dass wir keine Tonnen bräuchten, um uns aufzuwärmen. Der Mitternachtsbus schenkt Kaffee und Suppe aus. Gegen Geld, für einen guten Zweck. Auf der anderen Seite der Straße steht eine Kino-Leinwand. Der französische Film hat gerade begonnen. Stimmen, Metro-Geratter und Schüsse hallen unter dem Brücken-Gewölbe. Der Hamburger Feierabendverkehr fließt zwischen Zuschauern, brennenden Tonnen und Leinwand hindurch. Hinter der Leinwand reihen sich zusammen gerollte Schlafsäcke wie eine Raupen-Armada aneinander. Dort wo vor kurzem noch der Zaun stand.
Offiziell wurde der Zaun unter der Brücke aufgrund von Beschwerden errichtet. Beschwerden von Anwohnern. Die Kersten-Miles-Brücke überspannt die Helgoländer Allee in Hamburg, eine viel befahrene Straße zwischen Landungsbrücken und Reeperbahn. Unter der Brücke wohnen Obdachlose, denen es in diesem Jahr zunehmend schwer gemacht wurde. Den Anfang bildeten plötzlich einbetonierte Streinbrocken, die ein campieren nahezu unmöglich machten. Die Vertreibung der Obdachlosen gipfelte im September mit der Errichtung eines Stahlzaunes. Alles wegen der Anwohner. Die Helgoländer Allee führt durch einen Park. Der einzige Anwohner ist Otto von Bismarck: 34 Meter hoch und aus Granit. Mit Anwohnern sind in diesem Fall eher Touristen gemeint. Gerade im Sommer reihen sich parkende Reisebusse entlang der Helgoländer Allee, die Reisende ausspucken. Fischmarkt, Landungsbrücken, Reeperbahn, dafür haben sie bezahlt. Das Elend ist indes nicht Bestandteil des Reisevertrags. Der Zaun stieß auf vehementen Widerstand in der Hamburger Bevölkerung und wurde 10 Tage später wieder abgebaut. Selbst die Hamburg Tourismus GmbH sprach sich danach auf wundersame Weise gegen den Zaun aus.
Genau dieser Ort dient am heutigen frühen Abend als Schauplatz der Filmvorführung. Das „Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot“ (bestehend aus vielen gemeinnützigen Initiativen wie der Caritas, Hinz und Kunzt und dem Diakonisches Werk) zeigt zusammen mit dem Hamburger Filmvorführer „Flexibles Flimmern“ das Drama „Die Liebenden von Pont Neuf“ mit Juliette Binoche und Denis Lavant. Ein Film über den Lebenskampf und die Liebe eines Clochards und einer fast erblindeten Malerin unter der Pariser Seine-Brücke „Pont Neuf“. Es sind viele Menschen unter die Hamburger Brücke gekommen, an diesem frühen Montagabend. Die Bänke sind voll. Viele schauen den Film, einige führen Gespräche über Ort und Veranstaltung im Hintergrund. Die Funken sprühen aus den Tonnen, die Lautsprecher hallen. Hoffentlich beschweren sich keine Anwohner.
P.S.
Kalle Wirsch hatte dieses Thema in der FC bereits sehr früh aufgegriffen. Ich finde den Artikel leider nicht mehr. Über ein Link wäre dankbar.


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... und an meinem schlechten Blitz...
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Sowas nie mit Blitz fotografieren!
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da hast Du absolut recht! Hatte meine Kamera nicht dabei und bin nicht Herrin meine Handys. Noch nie gewesen...
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Solange du nicht Sklavin deines Handys bist... :)
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Nö, dafür verliere ich es zu oft :)
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Vielen Dank auch von mir für den schön geschriebenen, interessanten Bericht!
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Liebe Doris!
Ich wünsche mir zum Nikolaus von Dir oder auch von Ihnen eine Kurzgeschichte. Sie darf ruhig lang sein und muss nicht in gebundener Form bei mir einfliegen. Es reicht, wenn sie hier abgelegt wird. Es sind rauhe Zeiten. Sollte ich jetzt zu keck sein, dann bitte ich den Nikolaus, den Wunsch ans Christkind weiterzuleiten. Ich hoffe auf Fürsprache der Community! Ach, und auf Ihren Eifer! Ihre Helena Neumann |
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Ichbin ein großer Hamburg-Fan. Solch einen ehrlichen Bericht über die Schattenseiten der großen Stadt habe ich mit großem Interesse gelesen. In diesen harten zeiten ist solch einen Ehrlichkeit viel mehr notwendig als m an sie in den Hochglanzbroschüren der Tourismusindustrie lesen kann.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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