Der Querulant

Blog von Der Querulant

31.01.2012 | 01:47

Mensch und Gesellschaft - Teil I

Als neues Community-Mitglied möchte ich hier, soweit es meine Zeit zuläßt, mal ein paar grundlegende Betrachtungen zum Thema Mensch und Gesellschaft loswerden. Vielleicht ...

Wer kennt sie nicht, die Schlagworte: Menschenrechte und Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, Kultur, Wertegemeinschaft, Tugenden etc. pp. Fast täglich werden wir damit drangsaliert. Alles nur Floskeln? Was steckt wirklich dahinter?

Vereinfacht würde ich da mal von Regeln des Zusammenlebens sprechen wollen. Sehr generelle Regeln, vergleichbar mit unserem Grundgesetz, die einer Spezifizierung bedürfen. Daß in der Frage der Spezifizierung bereits das grundlegende Problem liegt, dürfte unstreitig sein. Denn wer spezifiert was und wie? Wer besitzt die Deutungshoheit? Wie komplex sind solche Deutungen und warum?

Beginnen möchte ich mit ganz simplen Betrachtungen zum Menschen selbst. Da ist immer von Gleichheit die Rede. Aber, sind Menschen denn gleich? Unterscheiden sie sich nicht vielmehr aufgrund ihrer physischen, psychischen und intellektuellen Fähigkeiten? Das wird wohl kaum jemand ernsthaft bestreiten. Inwiefern also sind Menschen dann gleich? Außer der Zugehörigkeit zu einer gemeinsamen Spezies sehe ich keine Gleichheit. Was bedeutet dann aber so etwas wie Chancengleichheit? Gibt es die denn wirklich, kann es sie überhaupt geben? Nun ja, da wird die Gleichheit sehr schnell auf Gleichwertigkeit reduziert. Das Grundgesetz stellt auf die Vergleichbarkeit des im Wesentlichen Gleichen, Vergleichbaren ab. Grundsätzlich oder auch abstrakt betrachtet ist der Mensch sicherlich im Wesentlichen gleich, vergleichbar. Im Speziellen, in seinen individuellen Fähigkeiten, da unterscheidet er sich jedoch erheblich. In der Theorie, als Ausfluß als allgemeingültig betrachteter Werte, sind die Menschen also gleich, in der Praxis, als Ergebnis ihrer Fähigkeiten, sind sie es nicht.

Und jetzt wird es interessant. Hier stellt sich nämlich die Frage, kann und will man Theorie und Praxis in Übereinstimmung bringen. Will man eine tatsächliche Wertegemeinschaft oder will man es bei Lippenbekenntnissen belassen.

Nicht der Mensch entscheidet letztlich über seine Fähigkeiten, seine Talente, sondern die Natur. In der Macht des Menschen liegt es einzig, seine naturgegebenen Möglichkeiten zu nutzen. Der intellektuell nicht besonders begüterte Mensch kann niemals akademische Weihen erlangen, der physisch weniger gut ausgestattete Mensch keine Riesenkräfte entfalten und der psychisch gestörte Mensch kann im Zweifel weder das Eine, noch das Andere. Allen gemeinsam ist, und da sind sie wieder gleich, sie haben ihre Defizite nicht zu vertreten. Die sind quasi gottgegeben.

Die resultierenden Möglichkeiten sind begrenzt, von Chancengleichheit kann nicht einmal im Ansatz die Rede sein, stellt man diesen Menschen entsprechend besser befähigte Menschen gegenüber. Anders sieht es aus, wenn die Fähigkeiten zwar vorhanden sind, aber nicht oder nicht entsprechend genutzt werden. Wenn der potentielle Akademiker seine intellektuelle Potenz dazu nutzt, mit individuell für ihn selbst geringster Leistung optimal durch's Leben zu kommen, wenn der potentielle Herkules seine Kräfte brach liegen läßt oder der psychisch Stabile dies erfolgreich verbirgt.

Schlagen wir nun den Bogen zu Deutungshoheit und Gleichheit, so kann dies nur zu einem Ergebnis führen, nämlich dem, daß die intellektuell Bevorteilten dies zu ihrem Vorteil genutzt haben, um eine völlig verquere und letztlich falsche und allen allgemeingültigen Werten widersprechende Deutung vorzunehmen. Und das weitestgehend unwidersprochen, da unverstanden. Sie lautet, kurz und knapp, jeder ist seines Glückes Schmied. Die Aussage, Leistung soll sich wieder lohnen, mutet so betrachtet an wie Hohn.

Die physisch, psychisch oder intellektuell von der Natur benachteiligten Menschen haben keine Chance, jemals die Lebensqualität zu erlangen, wie es weniger benachteiligten Menschen möglich ist. Und das liegt einzig daran, daß die Leistung der Menschen nicht subjektiv, sondern objektiv gewertet wird. Zumindest grundsätzlich, denn ob ein Hochbegabter wirklich die ihm mögliche Leistung erbringt, das wird nicht bewertet. Er kann mit einem Bruchteil der ihm möglichen Leistung eine wesentlich höhere Lebensqualität erlangen, als ein Benachteiligter, der sein Potential voll ausschöpft. In der Praxis macht man es sich also mehr als leicht, die Theorie der Gleichheit oder Gleichwertigkeit bleibt außen vor. Was das für die Menschenwürde bedeutet, erklärt sich gleichsam wie von selbst. Solange die subjektiven Fähigkeiten eines Menschen unbeachtet bleiben, seine Leistung an objektiven quasi willkürlichen Vorgaben gemessen wird, kann dies nicht gerecht, nicht richtig sein. Die von ihm nicht zu vertretenden Vorgaben der Natur in Verbindung mit Vorteilsnahme durch besser oder auch nur anders durch die Natur bedachter Menschen entscheidet über sein Leben, über seine Lebensqualität.

Daß das auch anders geht, zeigt der Sport. Dort werden Leistungen mit Alter, Geschlecht etc. in Verbindung gebracht, werden Leistungen relativiert. Es ist also möglich. Das ist so, als erhielte ein Hilfsarbeiter denselben Lohn für seine Arbeit wie ein Akademiker, wenn beide ihre individuell mögliche Höchstleistung erbrächten.

Als Ergebnis dieser allgemeinen Betrachtung halte ich fest, daß die theoretische und den allgemeingültigen Werten entsprechende Gleichheit des Menschen in der Praxis nicht gewollt ist, da nicht einmal ansatzweise Bestrebungen ersichtlich sind, die Theorie in die Praxis umzusetzen. Und das, obwohl das Problem bekannt und beispielsweise im Sport weitestgehend gelöst ist. Was das für den Stellenwert des Menschen in der Gesellschaft bedeutet, dazu später mehr.

 
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Kommentare
Joachim Petrick schrieb am 31.01.2012 um 02:20
@Der Querulant
Ein Querulant wird oft verkannt. ;-)

"Herzlich Willkommen in der Freitag Community!"

"Daß das auch anders geht, zeigt der Sport. Dort werden Leistungen mit Alter, Geschlecht etc. in Verbindung gebracht, werden Leistungen relativiert. Es ist also möglich. Das ist so, als erhielte ein Hilfsarbeiter denselben Lohn für seine Arbeit wie ein Akademiker, wenn beide ihre individuell mögliche Höchstleistung erbrächten"

Überaus interessanter Gedankenansatz.

Gibt es das nicht auch beim Golfspiel mit den Zurodnungen von Handicaps nach bestimmten Kriterien?
Der Querulant schrieb am 02.02.2012 um 23:21
Das Handicap beim Golf erfüllt einen vergleichbaren Zweck, wenn auch nur clubintern und nicht für Berufsspieler.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 31.01.2012 um 02:57
Ein liebes hallo auch von mir! Schöner Text.

"Schlagen wir nun den Bogen zu Deutungshoheit und Gleichheit, so kann dies nur zu einem Ergebnis führen, nämlich dem, daß die intellektuell Bevorteilten dies zu ihrem Vorteil genutzt haben, um eine völlig verquere und letztlich falsche und allen allgemeingültigen Werten widersprechende Deutung vorzunehmen.

Eine Anmerkung zu dem Begriff intellektuell Bevorteilte. Falls damit an dieser Stelle, wie ich vermute, "die Eliten" im Allgemeinen gemeint sind, würde ich den Begriff gerne um die Attribute "ellenbogenstärker", "furchtloser", "überglücklicher" und/oder "hochgeborener" erweitern wollen (falls ich darf). :o)
Der Querulant schrieb am 02.02.2012 um 23:26
Ja, so könnte man den Begriff interpretieren. Es kommt halt auf den Einzelfall an, wobei ich selbst darauf nur selten hinweise, da ich es für selbstverständlich halte, pauschale Aussagen nur dann als generalisierend anzusehen, wenn dies auch explizit so zum Ausdruck gebracht wird. Beispielsweise durch die Formulierung "alle Mitglieder der Eliten".
GEBE schrieb am 31.01.2012 um 09:37
Willkommen, Der Querulant!

Netter Versuch.
Nur ist es eben oft so, daß Postulate und Prämissen, die in Form einer contradictio in adiecto gesetzt werden, wie hier z.B. “Nicht der Mensch entscheidet letztlich über seine Fähigkeiten, seine Talente, sondern die Natur.“, wenig lohnend sind, weitere Diskussionen darüber zu führen.
Was bitte ist denn Natur? Mehr als auf Physis und demgemäß inhärenten Naturgesetzen kann „Natur“ nicht gestützt werden. Und diese liegen innerhalb der Beobachtung als außen gegeben. Außerdem schließt diese Behauptung, die „Natur entscheide …“ jegliche intrinsische Motivation aus, die eben nicht aus Natur und Naturgesetzen resultieren. Auch sind quasi sogenannte glückliche Umstände des Standes usw. dem widersprechend, weil hier fatalistisch Bedingungen angenommen werden.
Chancengleichheit besteht insoweit, als Gleichheit lediglich nur Gleichheit vor dem Gesetz, also den Satzungen des Miteinanderlebens, formuliert werden kann. Im Rahmen dieser gesetzlichen Gleichheit kann ein jeder Mensch sich gemäß seiner Selbstheit Eigenwesen und daraus hervortretend, nach seinen Fähigkeiten und Neigungen, entwickeln.
Nur wenn nicht die Selbstheit des Eigenwesens eines Menschen ins Auge gefaßt ist, wenn nur äußere Bedingungen als prägend angenommen werden, dies zudem entweder als „Natur“ verquast werden und/oder als fatalistisches Phänomen definiert werden, gerät man auf die Bahn, das Leben und seine Gegebenheiten external zu attribuieren und sich selbst dabei herauszunehmen, zu separieren als ohnmächtige eine Kreatur.
Der Querulant schrieb am 02.02.2012 um 23:38
Einen Widerspruch kann ich nicht erkennen. Es ist nunmal die Natur, die dem Menschen seine Fähigkeiten verleiht. Wie er damit umgeht, das ist eine ganz andere Frage, ebenso wie die Tatsache, daß nicht jeder ein Einstein oder ein Herkules sein kann, egal wie sehr er sich auch bemüht.

Die Frage der Motivation ist von anderen Umständen abhängig, zum Beispiel von den durch die Gesellschaft beeinflußten Lebensumständen. Auch hilft die Zugehörigkeit zu einem Stand herzlich wenig, wenn den Ansprüchen des Standes nicht genügt wird, nicht genügt werden kann.

Sie beurteilen die Chancengleichheit aus der Sicht der Leistungsgesellschaft. Gerade diesen "Fehler" wollte ich hier verdeutlichen.

Nochmals, es ist abwegig, die Würde des Menschen zu bejahen, sie aber von Umständen abhängig zu machen, die der Mensch nicht zu vertreten hat. Das ist wohl ein Ergebnis von Armut und Reichtum, von der Akzeptanz des besseren und schlechteren Menschen, der Betrachtung des Menschen unter dem Aspekt seines Nutzens für die Gesellschaft. Dazu aber in Teil II meines Blogs mehr.
s0cialliberalism schrieb am 31.01.2012 um 11:02
Zwei Dinge

1. Also gegen die "intellektuell Bevorteilten" muss ich doch deutl. Einspruch erheben. Ohne Frage gibt es hochintelligente wie auch sehr intellektuelle neokonservative Kapitalismus-Freie-Markt-Gleiche-Chancen-Fanatiker. Aber das ist meiner Erfahrung nach eher die absolute Ausnahme und dann meist durch Gier und Starrheit (im Denken) zustandegekommen. Die meisten Menschen, die solche Ansichten vertreten, sind durchschnittlich oder leicht überdurchschnittlich intelligent, und wenn auch gut gebildet, so doch noch nicht als Intellektuelle zu bezeichnen.

Jeder wahrlich intelligente Mensch muss doch, anders kann es kaum sein in meinen Augen, einsehen, dass das Glück aller auch für ihn glücksbringend ist (siehe z.B. Studien über Ungleichheit/Gleichheit in Skandinavien) und dass er deshalb Interesse haben sollte, an dem Glück aller zu arbeiten und nicht die anderen nach dem Prinzip "Jedem, das was ihm durch Leistung zusteht" missachten und egoistisch hinter sich lassen sollte.

2. Die Bewertung ob subjektiv, oder objektiv, ist kaum möglich, nicht wahr? Objektivität gibt es ja auch nicht. Dennoch ein guter Punkt, da gebe ich recht, ein bisschen mehr Subjektivität, ein bisschen mehr MENSCHLICHKEIT, um es genau zu nehmen, wäre sicherlich recht am Platz.
Der Querulant schrieb am 02.02.2012 um 23:47
Nun ja, ich hätte auch von Intelligenz schreiben können, so wie heute Wissen mit Bildung gleichgesetzt wird. Vergeben Sie mir, daß ich hier keine Doktorarbeit schreiben kann und will und daher vereinfache. Ein intelligenter Mensch muß nicht unbedingt auch ein Intellektueller sein, soweit richtig. Der Aussage, daß das Glück der Anderen das eigene Glück befördert, kann ich nur zustimmen. Egoismus eben.

Richtig ist auch, daß die Bewertung subjektiver Fähigkeiten nicht einfach sein dürfte, obwohl dies ja mit jeder Prüfung in Anspruch genommen wird. Und es freut mich, daß die Intention meiner Ausführungen, die Frage der Menschlichkeit, des Menschseins und der Gleichheit der Menschen in diesem Sinne zu beleuchten, trotz all meiner Unzulänglichkeiten erkannt wurde.
@dllxllb schrieb am 31.01.2012 um 13:04
"Die physisch, psychisch oder intellektuell von der Natur benachteiligten Menschen haben keine Chance, jemals die Lebensqualität zu erlangen, wie es weniger benachteiligten Menschen möglich ist. Und das liegt einzig daran, daß die Leistung der Menschen nicht subjektiv, sondern objektiv gewertet wird."

Die Frage ist ob man einen Menschen bewerten kann. Und objektiv ist eine Bewertung nach Leistung nicht. So etwas ist doch hochgradig subjektiv.

Wenn man einen Mensch, ein Lebewesen objektiv 'bewerten' will, dann ist der Wert doch das Leben an sich. Und da sind alle gleich, so lang sie nicht tot sind.

Man kann natürlich, und das wird ja auch getan, die Leistung eines Menschen bewerten. Das ist subjektiv und von den Faktoren, den Maßstäben, abhängig, die man setzt. Was ist denn Leistung, und in welchem Rahmen. Ich erinnere mich an eine Untersuchung welche die Wertschöpfung bzw. Wertevernichtung von Individuen/Berufsgruppen für die Gesellschaft beleuchtete. Investmentbanker schlugen (im Zuge der Finanzkrise) als Wertevernichter und Reinigungskräfte, Pflege- und Care-Berufe etc. als Wertschöpfer zu Buche. Jeweils ins Verhältnis zum Einkommen gesetzt...

Und was ist mit emotionalen Werten. Nach dem Leistungsprinzip wäre ein auf Hilfe angewiesener Mensch nichts wert. Würde sogar als Kostenfaktor in der Rechnung auftauchen. Das zeigt doch die Unmenschlichkeit und Lebensfeindlichkeit dieses Bewertungsmaßstabes.

Lebensqualität mit Leistungsfähigkeit in Verbindung zu setzen sehe ich auch als problematisch. Man kann sich hier einen perfekt an das Leistungsprinzip angepassten Manager anschauen. Übrigens muss laut gewissen Thesen angepasst nicht besonders intelligent oder psychisch und physisch bevorteilt bedeuten. Wieviel Lebensqualität aufgrund hoher Leistungen (i.e. Arbeitszeit? Erfolg und Vorteile für wen etc.) hat man denn? Bedeutet Lebensqualität ein hohes Einkommen und vice versa? Dann gibt es da wieder Untersuchungen wie sich Einkommensverhältnisse und -steigerungen auf die empfundene Zufriedenheit auswirken... Und so weiter, und so fort...

"daß die intellektuell Bevorteilten dies zu ihrem Vorteil genutzt haben, um eine völlig verquere und letztlich falsche und allen allgemeingültigen Werten widersprechende Deutung vorzunehmen. Und das weitestgehend unwidersprochen, da unverstanden. Sie lautet, kurz und knapp, jeder ist seines Glückes Schmied. Die Aussage, Leistung soll sich wieder lohnen, mutet so betrachtet an wie Hohn. "

Es ist doch eben nicht sonderlich intelligent, solch eine Bewertung vorzunehmen. Eben weil diese den menschlichen Werten widerspricht.
Vielleicht sind es auch die psychisch benachteiligten (oder auch bevorteilten - Frage des Standpunktes), die sich zu so etwas hinreißen ließen. Es soll ja einen relativ hohen Anteil an Soziopathen und Psychopathen in den Gesellschaften geben. Es scheint als wären diese zumindest beim Konkurrenzkampf im Vorteil. Ohne Gewissen und Reue kämpft es sich wohl angenehmer um das eigene Glück. Hat man seine Schäfchen im Trockenen, lässt sich auch leicht reden. Da wird dann gern mal Glück das man ohne weiteres Zutun hatte mit Leistung verwechselt - mein ganz persönliches rotes Tuch...

Gleichheit im Sport... Sobald einer doped, müssen auch die anderen - wegen einer Gleichheit die es nach dem Leistungsprinzip zu überwinden gilt... Sinnloser Konkurrenzkampf, wenn Sie mich fragen...

Kurz und knapp, alles eine Frage des Standpunktes, der Empathiefähigkeit und der Maßstäbe...

Interessanter Beitrag wie man an der Kommentarlänge sehen kann, und trotz einiger Einwände ;)
Der Querulant schrieb am 03.02.2012 um 00:06
Eine Leistung kann immer objektiv bewertet werden. Welche subjektive Leistung eines Menschen die objektiv erbrachte Leistung dieses Menschen bedeutet, das sollte bewertet werden. Damit würde man diesem Menschen und seiner Leistung gerecht. Gäbe es eine solche Bewertung, könnte ein Hilfsarbeiter tatsächlich denselben Lohn verlangen, den ein Akademiker unter subjektiv gleichen Voraussetzungen erhält.

Die Einwände und Verweise auf das, was unter Lebensqualität zu verstehen ist, sind richtig und berechtigt. Dennoch möchte ich so weit nicht gehen, mir kommt es einfach nur auf die physische Lebensqualität an. Die Gesellschaft kann kaum Einfluß auf die individuellen Aspekte der Lebensqualität nehmen, soweit es Emotionen etc. betrifft.

"Es soll ja einen relativ hohen Anteil an Soziopathen und Psychopathen in den Gesellschaften geben. Es scheint als wären diese zumindest beim Konkurrenzkampf im Vorteil."

Dem kann ich nur beipflichten, wobei das nicht auf einzelne Schichten der Gesellschaft beschränkt ist. Nur, bei Menschen in entscheidungsrelevanten Positionen wirkt sich das eben besonders gesellschaftsschädigend aus.

Gleichheit im Doping ist sicherlich nicht gemeint. Und eine Frage des Standpunktes ist es sicherlich auch nicht, wenn man es mit den vielbeschworenen Werten wirklich ernst meint. Denn die sind keine Frage des Standpunktes.
@dllxllb schrieb am 03.02.2012 um 01:51
"Eine Leistung kann immer objektiv bewertet werden. Welche subjektive Leistung eines Menschen die objektiv erbrachte Leistung dieses Menschen bedeutet, das sollte bewertet werden. Damit würde man diesem Menschen und seiner Leistung gerecht. Gäbe es eine solche Bewertung, könnte ein Hilfsarbeiter tatsächlich denselben Lohn verlangen, den ein Akademiker unter subjektiv gleichen Voraussetzungen erhält."

Das sehe ich eben nicht so. Denn jede Bewertung setzt, wie oben erwähnt, Indikatoren voraus. Schauen Sie sich zum Beispiel Quartalszahlen und Aktienkurse an, die unter langfristigen Gesichtspunkten nichts aussagen. Oder ein triple A von der nächsten Ratingagentur als alles schon am zusammenbrechen war. Oder das Facebook IPO. Leistungsbewertung ist eine subjektive Sache. Es wird versucht eine Objektivität herzustellen. Aber diese gibt es nicht. Und es werden vielfach die falschen Indikatoren gewählt - gerade dann wenn man die Dinge unter menschlichen/moralischen/christlichen etc. Werten betrachtet.

Wenn ich von Hilfsarbeitern und Akademikern lese... Wieso sollten nicht blue collar und white collar Jobs das gleiche wert sein? Gerade unter Leistungsgesichtspunkten. Stellen Sie sich vor die Müllabfuhr kommt nicht mehr. Und dann dass die Akademiker in der Marketingabteilung streiken... Ich weiß was mir lieber wäre.

"Die Einwände und Verweise auf das, was unter Lebensqualität zu verstehen ist, sind richtig und berechtigt. Dennoch möchte ich so weit nicht gehen, mir kommt es einfach nur auf die physische Lebensqualität an. Die Gesellschaft kann kaum Einfluß auf die individuellen Aspekte der Lebensqualität nehmen, soweit es Emotionen etc. betrifft."

Was unter physischer Lebensqualität zu verstehen ist, erschließt sich mir hier nicht. Auch das eine subjektive Sache. Das wäre jetzt aber auch zweitranging, denn die Gesellschaft hat sehr wohl Einfluss auf Lebensqualität im emotionalen Sinn. Am Beispiel Wirtschaft (als Teil der Gesellschaft): Effizienzsteigerung. Das bedeutet dann gerne mal dass einzelne Arbeitnehmer immer mehr belastet werden anstatt mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Das hat weitreichende Auswirkungen auf die Personen und ihre Lebensqualität/Lebensumstände. Das muss noch nicht einmal im Burn Out enden... Oder der Abbau an Fördermitteln für soziale und Jugend-Projekte.

'"Es soll ja einen relativ hohen Anteil an Soziopathen und Psychopathen in den Gesellschaften geben. Es scheint als wären diese zumindest beim Konkurrenzkampf im Vorteil."

Dem kann ich nur beipflichten, wobei das nicht auf einzelne Schichten der Gesellschaft beschränkt ist. Nur, bei Menschen in entscheidungsrelevanten Positionen wirkt sich das eben besonders gesellschaftsschädigend aus.'

Das ist sicher nicht auf einzelne Schichten beschränkt. Ich behaupte dass wer besonders gut an ein System angepasst ist, darin am weitesten kommt. Gesellschaftsschädigend sind auch die Aufsteiger auf ihrem Weg. Und potentielle Aufsteiger sind alle. Auch wenn sie real wenig Chancen haben. Aber das sagt man nicht laut.

"Gleichheit im Doping ist sicherlich nicht gemeint. Und eine Frage des Standpunktes ist es sicherlich auch nicht, wenn man es mit den vielbeschworenen Werten wirklich ernst meint. Denn die sind keine Frage des Standpunktes."

Welche Gleichheit im Sport meinen Sie denn? Wenn Sie im Post oben von Geschlecht und Alter sprechen... Sollen das etwa Indikatoren sein, die man zu einer Leistungsbewertung in der Wirtschaft heranziehen soll? Ganz zynisch kann ich Ihnen da entgegnen dass es bereits Alters- und geschlechtsspezifische Diskriminierung gibt. Da sind die Alten häufig einfach arbeitslos, und die Frauen schlecht bezahlt.

Werte sind eine Frage der Definition und Umsetzung. Gerade wenn man es ernst damit meint. Eine Leistungsbewertung des Einzelnen steht menschlichen Werten entgegen.
Der Querulant schrieb am 03.02.2012 um 18:00
Ich will es einmal anders versuchen.

Die Aussage, daß der Wert jedes Menschen gleich sei, dürfte unstreitig sein - oder? Wenn das so ist, dann hat auch jeder Mensch, ungeachtet seiner Fähigkeiten, das Recht auf dieselbe Lebensqualität - oder? Wenn Sie anderer Meinung sind, dann sollten Sie das einmal begründen.

Eine unterschiedliche Lebensqualität bedeutet de facto immer auch eine unterschiedliche Wertschätzung des Menschen und seiner Leistung. Und das steht im eindeutigen Widerspruch zu der Aussage, der Wert jedes Menschen sei gleich.

Das ist eben der Widerspruch zwischen Theorie und Praxis. Die Menschen sind eben nicht gleich, sie sind höchst unterschiedlich - von Natur aus. Diese Unterschiedlichkeit in der Praxis aber haben sie nicht zu vertreten und daher darf ihnen dadurch auch kein Nachteil entstehen, soll der Wert des Menschen nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis gleich sein.

Noch etwas zur Leistung. Jede Leistung kann objektiv gemessen werden. Aber nicht jeder Mensch kann jede Leistung erbringen. Daher ist die erbrachte objektive Leistung völlig ungeeignet, Auswirkungen auf die Lebensqualität des Menschen zu haben. Einzig die subjektiv erbrachte Leistung in Relation zum subjektiven Leistungsvermögen kann einen objektiven Bewertungsmaßstab darstellen. Die solchermaßen bewertete Leistung schließlich stellt die einzige Rechtfertigung dar, Leistung unterschiedlich zu bewerten und zu entlohnen.

Auch zur Emotionalität noch etwas. Die psychischen und emotionalen Befindlichkeiten eines Menschen können durchaus organisch bedingt sein. Je nach Lebenssituation sind sie bei allen Menschen in Abhängigkeit von der Zeit auch wechselnd. Alles im Leben eines Menschen hat darauf einen Einfluß. Und daher entzieht sich das auch weitestgehend dem Einfluß der Gesellschaft, soweit es sich um den Einzelnen handelt. Unbestritten dabei ist, daß zum Beispiel der fortschreitende Sozialabbau in unserer Gesellschaft Einfluß auf Psyche und Emotionen vieler Menschen hat. Die Ursache des Problems sind also nicht Psyche oder Emotionen, sondern der Sozialabbau oder das Mobbing oder ...
@dllxllb schrieb am 11.02.2012 um 03:59
Etwas verspätet die Antwort, aber der Blog rennt ja nicht weg ;)

"Die Aussage, daß der Wert jedes Menschen gleich sei, dürfte unstreitig sein - oder? Wenn das so ist, dann hat auch jeder Mensch, ungeachtet seiner Fähigkeiten, das Recht auf dieselbe Lebensqualität - oder? Wenn Sie anderer Meinung sind, dann sollten Sie das einmal begründen."

Ersteres ist unstreitig - natürlich. Die Schlussfolgerung teile ich so nicht. Denn: Was ist Lebensqualität? Das müssten Sie definieren. Und das geht nicht so einfach. Jeder Mesch kann unterschiedliche Auffassungen dazu haben. Für manche sind das materielle Dinge (Stichwort Konsumgesellschaft), für andere überwiegen imaterielle. Und was ist mit Gesundheit. Und so weiter. Man kann davon ausgehen, dass materielle und imaterielle Dinge zu einer empfundenen Lebensqualität beitragen. In welchen Ausmaß diese inhärent (durch Gott gegeben wenn man daran glaubt oder Gesellschaft) oder erworben sind wäre eine andere Frage. Es geht hier um Chancengleichheit. Aber die gibt es nicht. Schon gar nicht in Systemen die verstärkt auf Konkurrenz setzen, und weniger auf Kooperation.

"Eine unterschiedliche Lebensqualität bedeutet de facto immer auch eine unterschiedliche Wertschätzung des Menschen und seiner Leistung. Und das steht im eindeutigen Widerspruch zu der Aussage, der Wert jedes Menschen sei gleich."

Nochmal, ich habe so meine Probleme mit dem Begriff der Lebensqualität. Ich würde allerdings so weit gehen Ihnen zuzustimmen - wenn man hier materielle Dinge heranzieht, und die Chancen diese zu erlangen.

"Die Menschen sind eben nicht gleich, sie sind höchst unterschiedlich - von Natur aus. Diese Unterschiedlichkeit in der Praxis aber haben sie nicht zu vertreten und daher darf ihnen dadurch auch kein Nachteil entstehen, soll der Wert des Menschen nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis gleich sein."

Hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Jeder Mensch ist gleich in seinem 'Wert'. Eine Unterschiedlichkeit, eine Individualität, ändert daran nichts. Allerdings hört die Gleichheit auf sobald man anfängt zu bewerten. Das macht doch keinen Sinn. Und da sind wir wieder bei den Indikatoren die man setzen kann. Oder auch nicht. Ich sehe das Problem darin, dass Sie den Mensch und die Welt über Werte definieren (zumindest kommet es mir so vor). Und zwar materielle. Das ist so als würde ich zur Bewertung eines Menschen den Kontostand heranziehen. Um der Ungleichheit Abhilfe zu leisten schlagen Sie dann vor seine individuelle Leistungsfähigkeit (definiert von wem und wann, und wieso sollte sich das nicht ändern können?) heranzuziehen. Aber wenn man so anfängt, wird der Kontostand immer wieder eine Rolle spielen, und das Individuum so oder so darüber definiert. Wenn man anfängt Leistung zu bewerten, wird Leistung es sein, die das Individuum bewertet. Ich will Ihnen ja nicht zu nahe treten, aber ich habe ein paar snippets von Rösler auf dieser ominösen Konferenz zur Ethik der Sozialen Marktwirtschaft gesehen, und gelesen, und Ihre Ausführungen erinnern mich doch irgendwie daran. www.titanic-magazin.de/news.html?&tx_ttnews[tt_news]=4745&cHash=9c69f8652545a05f769a52874d526e55 ;)

"Auch zur Emotionalität noch etwas. Die psychischen und emotionalen Befindlichkeiten eines Menschen können durchaus organisch bedingt sein. Je nach Lebenssituation sind sie bei allen Menschen in Abhängigkeit von der Zeit auch wechselnd. Alles im Leben eines Menschen hat darauf einen Einfluß. Und daher entzieht sich das auch weitestgehend dem Einfluß der Gesellschaft, soweit es sich um den Einzelnen handelt. Unbestritten dabei ist, daß zum Beispiel der fortschreitende Sozialabbau in unserer Gesellschaft Einfluß auf Psyche und Emotionen vieler Menschen hat. Die Ursache des Problems sind also nicht Psyche oder Emotionen, sondern der Sozialabbau oder das Mobbing oder ..."

Es ist unstreitig dass, zum Beispiel, Hormone Einfluss auf das Befinden eines Menschen haben. Und dass sich Hormonspiegel ändern ist auch klar. (So auch eine wie auch immer geartete Leistungsfähigkeit, aber das nur nebenbei).
Wenn Sie dann sagen, dass alles im Leben eines Menschen Einfluss darauf haben kann, im nächsten Satz aber behaupten dass sich das (die Befindlichkeiten, nehme ich an) weitestgehend dem EInfluss der Gesellschaft entzieht, dann widersprechen Sie sich hier ganz einfach. Zu Recht.
Weiter geht es dann damit dass Sie behaupten, dass die Ursachen von (hier: negativen) Auswirkungen auf den Einzelnen nicht die Psyche oder Emotionen sondern die gesellschaftlich geschaffenen Bedingungen sind. Eben.

Ich habe die Teile II und III Ihres Beitrages überflogen. Es kann mir also einiges entgangen sein. Vor allem um die Uhrzeit. Aber: Sie wollen Systeme umstellen und abbauen. In gewisser Weise kann ich Ihnen da zustimmen. Das halte ich auch sinnvoll und notwendig. Aber ich bezweifle, dass wir beide das selbe ab-, um- und aufbauen wollen. Ihre Ansichten erscheinen mir irgendwie 'neo-liberal'. Einkommen wollen Sie besteuern - für alle mit dem selben Steuersatz? Das Gesundheitssystem und andere Dinge auf eine Grundversorgung reduzieren (da sind wir heutzutage schon fast - dank Privatisierung und Gewinnmaximierung)? Der Rest soll erarbeitet werden? Wohl dem, der Arbeit hat und Leistung bringt. Wo sind wir denn hier mit dem gleichen Wert des Individuums und objektiver Subjektivität gelandet ;)
Wenn Sie von Grundsicherung schreiben, meinen Sie ein bedingungsloses Grundeinkommen? Nun, das macht Sinn. Aber nicht über eine Einkommensteuer aus nichtselbständiger Arbeit finanziert. Über eine Konsumsteuer schon eher. Allerdings muss die Höhe des Grundeinkommens angemessen sein. Beim Konsum können wir übrigens alle weitestgehend gleich sein. Um mal ganz tief und platt zu stapeln, braucht man da nur die unteren Stufen der Maslow'schen Pyramide heranzuziehen.
Es müssen auch andere Dinge geändert werden. Zins und Zinseszins völlig entkoppelt von der Realwirtschaft macht keinen Sinn... Totes Geld das dem Kreislauf entzogen ist, ebenso wenig... Forderung nach Wachstum ohne die Ressourcenfrage ernsthaft zu beleuchten... Eine Definition von Wachstum die in einer Ausdifferenzierung von Konsumgütern endet... Und so weiter...
Der Querulant schrieb am 16.02.2012 um 23:10
Unter Lebensqualität verstehe ich nur die Dinge, auf die die Gesellschaft einen Einfluß hat, also all das, was mit physischer Existenz und Teilhabe zu tun hat. Dabei gehe ich von einem angemessenen Umfang aus, nicht von einem Luxusleben. So gesehen war "dieselbe Lebensqualität" wohl mißverständlich formuliert. Gemeint ist eine angemessene Lebensqualität im Rahmen des gesellschaftlich Möglichen als Minimum für alle. Daß nach oben für alle, aber auch für einzelne, immer noch Luft ist, wird dadurch nicht ausgeschlossen.

Chancengleichheit gibt es nie, das ist völlig richtig. Aber das muß ja nicht heißen, daß Chancenlose als Ballast der Gesellschaft gesehen werden und außerhalb derselben leben müssen. Darum geht es schließlich, ungeachtet der Leistungsfähigkeit und auch der Leistungsbereitschaft einen bedingungslosen Grundversorgungsstandard zu gewähren. Und zwar deshalb, weil das die einzige Legitimation für eine Gesellschaft darstellt, die die Rechte ihrer Mitglieder einschränkt.

"Das ist so als würde ich zur Bewertung eines Menschen den Kontostand heranziehen."

Was Sie da schildern, das ist doch die Realität, die Praxis. Und diese Praxis widerspricht der Gleichwertigkeit des Menschen, da dieser dann eben in der Praxis tatsächlich denselben Kontostand haben müßte. Und ob Ihnen das nun gefällt oder auch nicht, so definiert sich eben in der Realität, in einer materiellen Welt, der Wert des Menschen.

Daher habe ich geschrieben, daß die individuelle Leistungsfähigkeit als 100% zu setzen ist und nur die Abweichungen nach unten eine objektive Bewertung der Leistung, nicht des Wertes des Menschen, zulassen. Und das ist ganz sicher nicht die Sichtweise der FDP.

Die emotionale Seite eines Menschen, die nicht von der Gesellschaft beeinflußt ist, kann von der Gesellschaft auch nicht beeinflußt werden. Vielleicht ist es so verständlicher. Einen Widerspruch kann ich da nicht erkennen. Liebeskummer kann keine Gesellschaft der Welt heilen.

Sie sollten die anderen Teile nochmals lesen. Wenn Sie dann immer noch der Meinung sind, mein Ansatz sei neoliberal, dann mache ich etwas grundlegendes falsch. Dann kann ich wohl nicht vermitteln, was ich meine. Dann muß ich dringend nach besser verständlichen Formulierungen suchen.
@dllxllb schrieb am 20.02.2012 um 01:58
Hmm... also ich persönlich bewerte Menschen nicht nach ihrem Kontostand, oder danach was sie an vermeintlicher materieller Lebensqualität besitzen. Ich habe nämlich festgestellt, dass diese Dinge absolut nichts damit zu tun haben wie sehr ich einen Menschen schätze. Allerdings habe ich schon oft festgestellt dass Menschen, die es nicht darauf anlegen immer mehr von sinnlosem Scheiß (Entschuldigung ;) zu bekommen, eher nach meinem Geschmack sind. Manchmal habe ich den Eindruck als würde sich eine Menschlichkeit und ein mehr oder weniger fetter Kontostand ausschließen. Und am schlimmsten die sein können, die mal klein waren, und dann groß geworden sind (wie bereits meine Urgroßmutter zu sagen pflegte). Wundert mich auch nicht, wenn man sich ein auf Konkurrenz und Sozialdarwinismus angelegtes System anschaut. Das schließt Mitmenschlichkeit aus, oder lässt sie nur in kleinen Dosen hier und da mal zu um die Unmenschlichkeit zu kompensieren. Die Deutschen sind ganz gut dabei, beim Spenden... Besser fände ich es, wenn eine Gesellschaft Unrechte (ihrer Mitglieder) einschränkte.

Ich will jetzt auch gar nicht mit systemtheoretischen Ansätzen um mich schmeißen. Aber ich bin mir sicher, dass es nichts gibt, und das schließt die emotionale Seite eines Menschen ein, das nicht von der Gesellschaft beeinflusst ist. Liebeskummer kann keine Gesellschaft der Welt heilen. Aber abmindern könnte sie ihn (wie andere Formen der Trauer auch). Und überhaupt verursacht die Gesellschaft den Liebeskummer zum Teil. Was ist denn Liebe. Ich finde dazu haben wir uns doch eine ganz eigenartige Vorstellung konstruiert. Man liebt nicht den Mensch an sich, alle Menschen, und handelt danach, sondern nur ausgewählte einzelne. Die Kriterien der Auswahl werden uns ja auch schon vorgeschrieben (zumindest kann man sich den Dingen nicht entziehen, früher durch Religion, heute Medien vermittelte). Als allererstes ist sich sowieso jeder selbst der Nähste (sic!). Was so etwas mit Liebe(sfähigkeit) zu tun hat frag ich mich ja. Scheint mir eher kontraproduktiv. Kein Wunder dass man dann am Boden zerstört ist wenn der ganze emotionale Ballast, die ganze Liebe (oder was man dafür hält), die man einer einzelnen Person aufgeladen hatte, auf einen selbst zurückstürzt. Der Mensch wird sich bewusst dass er Emotionen besitzt, dass er liebt, und dann muss es vorbei sein, und auf einmal weiß er nicht mehr wohin damit. Am besten abtöten. Ziemlich grausam. Aber irgendwie individuell und liberal.

Anyway, Leistung. Leistungsbereitschaft. Leistungsfähigkeit. Einhundert Prozent. Nun ja... Sie müssen nicht nach besseren Formulierungen suchen. Wir haben wohl einfach unterschiedliche Ansichten. Alles eine Definitionsfrage und die des Standpunktes... Vielleicht müsste ich auch einfach nach anderen Formulierungen suchen ;)
Der Querulant schrieb am 20.02.2012 um 22:59
Nun ja, @dllxllb, man muß nicht immer einer Meinung sein, das wäre ja langweilig. Dennoch habe ich den Eindruck, daß wir nicht so weit auseinanderliegen. Mir sind Äußerlichkeiten ebenfalls ein Greuel, aber emotional habe ich sicherlich etliche Defizite. Doch das stört mich selbst nur wenig, betrachte ich mich doch lieber als nüchternen Analysten. Und als solchem kam es mir darauf an, meine Sichtweise auf die Gesellschaft und die Bedeutung ihrer Strukturen für den Menschen darzustellen. Und in meinen Augen hängt die Legitimation jeder Gesellschaft davon ab, wie sie mit ihren Mitgliedern umgeht.

Aber ich sehe schon, ich werde in weiteren Blogs noch etwas mehr in's Detail gehen müssen, ganz spezifische Dinge isoliert darstellen müssen, um etwas mehr Klarheit zu schaffen.
Der Querulant
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Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
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Der gefährlichste Mann Europas?

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24.05.2012

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