Ist es nicht wunderbar, dass wir jeden Tag zahllose Programme sehen können, ohne dass das TV- Gerät größer wird? Ein geradezu Platz sparendes Vergnügen.
Ich bin auf allen Kanälen zu Hause. Hoch oben am Himmel sorgt der Satellitenstern dafür, dass die Bilder niemals verlöschen. Aber meine Heimat gebe ich dafür nicht auf. Diese Heimat ist kein Ort oder Hafen, den Du auf der Karte finden kannst. Ich brauche auch keinen Astrologen, der dort oben den Himmel befragt. Denn wie soll er mich noch überraschen, wenn die Schüssel auf dem Dach alles bildschirmgerecht verarbeitet?
Meinst Du wirklich so den Krakenarmen des Schicksals zu entkommen, nur weil Du glaubst die Welt zu kennen?
Bisher meinte es das Schicksal gut mit uns. Das ist nicht selbstverständlich bei den Nachrichten, die uns jeden Tag ins Haus flimmern. Auch Du hast die Chance in einem abstürzenden Flugzeug zu sitzen oder in einem sinkenden Schiff eingeschlossen zu werden. Wer fremd geht, muss sich vor Aids fürchten. Und auf die Klimakatastrophe kannst Du Dich verlassen. Die Nahrung ist verseucht und das Meer verschmutzt. Selbst die Berge kommen ins Rutschen. Lawinengefahr. Die Zeichen des Unheils sind also nicht saison- abhängig. Überall droht die Apokalypse. Die letzten Tage der Menschheit haben begonnen.
Wir aber rücken auf dem Sofa zusammen. Weit öffnen die Medien ihre Fenster und fordern die Welt auf einzutreten. Das Programm der Zapper wirkt gemeinschaftsbildend. Einsam wie Rinder auf der Weide starren wir vor uns hin. Wir sehen alle dasselbe Fernsehprogramm, als ließe sich so das Gefühl verlorener Authentizität zurückgewinnen. Und doch bleibt der Betrachter von der sinnlichen Erfahrung ausgeschlossen.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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