Viele Bücher berichten eigentlich nichts Neues. Aber bei der Lektüre fragst Du Dich trotzdem gelegentlich:
Warum konnte ich das nicht so formulieren, obwohl ich ähnliche Gedanken hatte?
Dabei versuchen die Autoren oft nur die alten Fragen neu zu beantworten:
Was haben wir auf dieser Welt zu suchen? Und was haben wir verloren? Wie entsteht aus der Ordnung der Zelle das Individuum der Mensch? Ein Individuum, das oft totgesagt wird in der Menge, zu der es gehört.
Und manchmal wirken diese Fragen wie eine Initialzündung. Denn plötzlich wird ein Denken und Fühlen in Gang gesetzt, das sich nicht mehr dem Wirtschaftssystem verpflichtet fühlt. Und so weißt Du plötzlich das, was Du schon lange geahnt hast:
Der Mensch lebt nicht, um sich dressieren zu lassen.
Oder doch?
Ich möchte mit den Worten umgehen wie der Maler mit seinen Farben. Auf seiner Palette darf er nicht zu viele Farben anrühren, sonst vermischt er nur schmutziges Grau.
Erst jetzt kann ich mit meinem Porträt beginnen.
Entspricht dieses Bild meiner Vorstellung von Wirklichkeit? Und ist es wirklich so individuell und einzigartig? So souverän und frei von jeder kollektiven Identität?
Um das Gefühl von Einzigartigkeit zu verspüren, ja, um es geradezu hervorzulocken, bietet sich das Schreiben an. So kannst Du Dich als Subjekt erleben, selbst wenn Du nur eine schleierhafte Vorstellung von der Welt hast.
Und schon sehe ich dort im Spiegel hinter meinem Gesicht den Totenschädel. Und doch, sind da nicht auch die weichen Konturen eines Kindes?
Und während ich mit Dir spreche, wird ein Kindertraum wahr. Nachdem ich gelernt habe mit Worten zu spielen, um mich mit Dir zu streiten oder um Dich zu lieben, war ich nie mehr allein. Meine Worte haben mich immer beschützt.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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