Nur schnell weg hier, dachte ich, bevor der alte Mayer schon wieder vom Krieg erzählt. Diese Geschichten haben kein Ende und keinen Anfang. Ich kann vom Krieg nichts mehr hören. Und dieses: Weißt du noch…? der Veteranen hängt mir zum Hals heraus. Kriegsbegeisterte Menschen soll man meiden. Sie bringen einfach kein Glück.
Der Krieg war immer schon das große Erlebnis alter Männer. Und selbst die Jungen sehnen sich nach dieser Apokalypse. Sollen sie doch ins offene Messer rennen, denke ich oft. Oder vielleicht sollten sie doch noch vorher die „Ilias“ lesen. Ich kann ihnen das nicht abnehmen. Manchmal kann man sich sogar hinter der Vernunft verstecken.
Aber ein Soldat, der als Kind getauft wurde, braucht sich um seine Zukunft nicht zu fürchten. Er wird schon einen Pastor finden, der sein Gewissen beruhigt. Und wenn nicht, dann muss er zum Katholizismus konvertieren. So wird er schnell die Verantwortung los für die Sünden, die er als Protestant begann.
Also, was konnte ich dem alten Mayer schon anbieten, wenn ich ihm nicht zuhören wollte?
Aber schon stand er vor mir und streckte sich, als müsse er strammstehen. Sein Gesicht war grau wie Asche, auch wenn er mich selbstgefällig ansah. Dabei knirschte er mit den Zähnen und spielte mit seiner Kaumuskulatur. Vielleicht glaubte er so gefährlich auszusehen.
„Der geht uns allen auf die Nerven…,“ grinste zahnlos ein anderer Greis, der ständig auf seinem Stuhl wippte. „…der will ständig wissen, was es zu essen gibt…“ Für einen Augenblick verharrte der Greis in seiner Sitzhaltung, während sein Kopf langsam auf die Brust fiel. Aber schon zuckte er zusammen und wurde aus seinem Nickerchen aufgeschreckt. Neugierig verfolgte ich seine Bewegungen und sah ihn schon vornüber aus dem Stuhl kippen.
„ Rührt euch…! “ bellte der alte Mayer, der plötzlich hinter uns stand.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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