Für das Leben als Angestellter war ich immer ungeeignet. Selbst dann, wenn mein Büro hinter verspiegelten Fassaden gelegen hätte, renne ich nicht treppauf und treppab durch lange Flure, um dann endlich zu meinem Büro zu kommen. Dabei habe ich kein Problem damit pünktlich zu sein. Dafür bin ich zu lange selbstständig. Ich weiß, was ein „Chef“ erwartet, auch wenn ich nicht seinem Rollenprofil entspreche. Aber die Vorstellung, dass mich der „Chef“ ruft wie der Spieß seinen Rekruten, ist mir unerträglich. Nach einer Woche reichte mir das schon bei meinem Grundwehrdienst. So lernte ich nie militärisch zu grüßen.
Kurz, ich habe keine Lust in vorauseilendem Gehorsam in die Chefetage zu rennen, um dann in das Sphinxgesicht der Sekretärin zu blicken:
Hatte heute der „Chef“ gute Laune? Oder nicht? Aber was gehen mich seine Launen an? Und seine dämlichen Witzchen soll er für sich behalten! Das rate ich ihm als „Chef“.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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